{"id":21045,"date":"1999-09-13T11:32:47","date_gmt":"1999-09-13T09:32:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21045"},"modified":"2025-03-13T11:34:26","modified_gmt":"2025-03-13T10:34:26","slug":"lukas-131-9-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-131-9-5\/","title":{"rendered":"Lukas 13,1-9"},"content":{"rendered":"<h3>Bu\u00df- und Bettag 1999 | Lk 13,1-9 | Johannes Neukirch |<\/h3>\n<p>Gedacht f\u00fcr einen Abendgottesdienst \u00fcber den Predigttext Lukas 13,1-9<\/p>\n<p>Predigttext<\/p>\n<p>Es kamen aber zu der Zeit einige, die berichteten ihm von den Galil\u00e4ern, deren Blut Pilatus mit ihren Opfern vermischt hatte. Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Meint ihr, da\u00df diese Galil\u00e4er mehr ges\u00fcndigt haben als alle andern Galil\u00e4er, weil sie das erlitten haben? Ich sage euch: Nein; sondern wenn ihr nicht Bu\u00dfe tut, werdet ihr alle auch so umkommen. Oder meint ihr, da\u00df die achtzehn, auf die der Turm in Siloah fiel und erschlug sie, schuldiger gewesen sind als alle andern Menschen, die in Jerusalem wohnen? Ich sage euch: Nein; sondern wenn ihr nicht Bu\u00dfe tut, werdet ihr alle auch so umkommen. Er sagte ihnen aber dies Gleichnis: Es hatte einer einen Feigenbaum, der war gepflanzt in seinem Weinberg, und er kam und suchte Frucht darauf und fand keine. Da sprach er zu dem Weing\u00e4rtner: Siehe, ich bin nun drei Jahre lang gekommen und habe Frucht gesucht an diesem Feigenbaum und finde keine. So hau ihn ab! Was nimmt er dem Boden die Kraft? Er aber antwortete und sprach zu ihm: Herr, la\u00df ihn noch dies Jahr, bis ich um ihn grabe und ihn d\u00fcnge; vielleicht bringt er doch noch Frucht; wenn aber nicht, so hau ihn ab.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Wenn ich mit dem Auto die vorgeschriebene H\u00f6chstgeschwindigkeit \u00fcberschreite und dabei erwischt werde, dann mu\u00df ich Strafe zahlen oder, noch schlimmer, ich verliere meinen F\u00fchrerschein. So einfach ist das. Man nennt das den Tun-Ergehenszusammenhang. Wenn ich etwas tue, dann hat das Folgen, und ich bin daf\u00fcr verantwortlich. Dem wird niemand widersprechen, das haben die Menschen schon immer so gesehen.<\/p>\n<p>Jetzt gibt es da aber ein kleines Problem: Manchmal sehen wir nur die Folgen, sehen nur, wie es jemandem ergeht. Was vorher war, wissen wir nicht. Nun neigen wir dazu, das war auch schon immer so, unsere Schlu\u00dffolgerungen aus dem zu ziehen, was wir halt vor Augen haben. Also etwa in der Art: Dieser Penner da, der in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone besoffen auf der Bank liegt, der mu\u00df doch in seinem Leben v\u00f6llig versagt haben, sonst w\u00e4re er schlie\u00dflich nicht so heruntergekommen. Selbst schuld.<\/p>\n<p>Manchmal stimmen diese Schlu\u00dffolgerungen ja, oft aber eben nicht. Und das ist fatal. Wie gesagt: Es steckt einfach in uns drin, so zu denken. Ich glaube, das ist so eine Art Selbstschutz. Denn es ist f\u00fcr uns leichter, manche Dinge zu ertragen, wenn wir einen plausiblen Grund f\u00fcr sie finden. Dann k\u00f6nnen wir besser damit umgehen und sie in unser Weltbild einordnen.<\/p>\n<p>Diese Geschichte mit dem Tun-Ergehenszusammenhang sitzt tief, damals wie heute. Im Buch Hiob ist das nachzulesen. Als es Hiob sehr schlecht ging, sagten seine Freunde zu ihm: Denk nach, du mu\u00dft irgendwelche S\u00fcnden begangen haben, sonst ginge es dir besser! Als Hiob dann sagte, er w\u00fc\u00dfte von nichts, haben sie ihm nicht geglaubt.<\/p>\n<p>Als Jesus das Gleichnis von dem Feigenbaum erz\u00e4hlt hat, waren gerade zwei Katastrophenmeldungen aktuell: Die eine Meldung betraf ein Blutbad, das Pilatus angerichtet hat. Einige Pilger aus Galil\u00e4a hatten sich zum Gebet im Tempel versammelt als sie Pilatus ermorden lie\u00df. Wir wissen nicht, was dem voranging. Vielleicht waren sie in Verdacht geraten, einen Aufstand gegen die R\u00f6mer zu planen. Die andere Meldung ging um einen Befestigungsturm. Er war umgest\u00fcrzt, und die Tr\u00fcmmer haben 18 Menschen erschlagen.<\/p>\n<p>Aus der Sicht der Leute damals war klar: Die Menschen, die da zu Tode gekommen sind, m\u00fcssen irgendetwas auf dem Kerbholz gehabt haben. Sonst h\u00e4tte Gott das nicht zugelassen, da\u00df sie sterben.. Sie m\u00fcssen eine besondere Schuld auf sich geladen haben, da\u00df sie so bestraft worden sind. Das ist eben der Tun-Ergehenszusammenhang, so ist das nun mal. Der Penner, der Arbeitslose, der Aidskranke &#8211; sind sie nicht selbst schuld an ihrem Schicksal? Werden sie nicht zu recht von Gott bestraft?<\/p>\n<p>Jesus macht damit Schlu\u00df, Gott sei Dank. Er sagt ganz einfach: Die Menschen, denen das geschehen ist, haben nicht mehr Schuld und S\u00fcnde auf sich geladen als alle anderen auch. Punkt. Mehr ist dazu nicht zu sagen. Jesus setzt den Tun-Ergehenszusammenhang au\u00dfer Kraft!<\/p>\n<p>Sch\u00f6n. Wenn da nicht noch der Nachsatz in seiner Rede w\u00e4re&#8230; Zwei mal sagt er: Wenn ihr nicht Bu\u00dfe tut, werdet ihr alle auch so umkommen. Aus Freude dar\u00fcber, da\u00df Jesus diesen unseligen Tun-Ergehenszusammenhang au\u00dfer Kraft setzt, \u00fcberh\u00f6rt man schnell, da\u00df er sagt: Ihr seid alle gleicherma\u00dfen schuldig. Er k\u00f6nnte auch sagen: Ihr seid alle gleich weit entfernt von Gott. Und f\u00fcr euch alle gilt: Ihr m\u00fc\u00dft umkehren! Nicht das, was ihr tut, ist entscheidend, sondern da\u00df ihr in euren Herzen Bu\u00dfe tut!<\/p>\n<p>Was er damit meint, sagt er in dem Gleichnis von dem Feigenbaum. Jemand hat einen Feigenbaum in seinem Weingarten, findet aber \u00fcber die Jahre hinweg keine Fr\u00fcchte. Da sagt er dem G\u00e4rtner, er soll ihn doch abhauen. Der aber will dem Baum noch eine Gnadenfrist geben, und nicht nur das: Er will die Erde auflockern und D\u00fcnger streuen, damit der Baum noch mal eine Chance bekommt zu zeigen, was in ihm steckt.<\/p>\n<p>Die Zuh\u00f6rer damals h\u00f6rten das noch einmal anders als wir: Der Feigenbaum war ein Bild f\u00fcr das ganze Volk Israel. Sie wu\u00dften, da\u00df sie alle gemeint waren, da\u00df sie noch einen Zeitaufschub bekommen haben, wie schon so oft. Und sie wu\u00dften auch, da\u00df sie bisher nur verschont geblieben sind, weil Gott viel Geduld mit ihnen hat.<\/p>\n<p>Gott hat Geduld mit uns &#8211; obwohl er unsere Schuld und Fruchtlosigkeit sieht. Die Chance, die er uns gibt, ist in dem Leben und Sterben seines Sohnes. Man kann ihn mit dem G\u00e4rtner vergleichen, der den Boden lockert und den D\u00fcnger streut. Das tut er in der Hoffnung, da\u00df sich in unseren Herzen etwas ver\u00e4ndert. Da\u00df wir sehen: Wenn er mit uns Geduld hat und uns unsere Schuld vergibt, dann werden auch wir nicht die Axt nehmen und unwiderruflich die Gemeinschaft mit ihm und unseren Mitmenschen zerst\u00f6ren. Wenn er mit uns Geduld hat und noch am Kreuz sagt: &#8222;Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun&#8220;, dann wird diese Geduld bei uns nicht ohne Wirkung bleiben.<\/p>\n<p>La\u00dft uns heute, am Bu\u00df- und Bettag dieses Jahres, einfach nur dieses eine bedenken: Vor Gott sind wir alle gleich in unserer Schuld, darin, da\u00df wir von Gott entfernt sind. Jesus will, da\u00df niemand verloren geht. Deshalb hat er f\u00fcr uns eine Gnadenfrist geschaffen. Bu\u00dfe meint: Wir nehmen diese Gnadenfrist ernst und bewegen sie in unseren Herzen.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"mailto:Johannes.Neukirch@t-online.de\">Johannes Neukirch (Johannes.Neukirch@t-online.de)<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bu\u00df- und Bettag 1999 | Lk 13,1-9 | Johannes Neukirch | Gedacht f\u00fcr einen Abendgottesdienst \u00fcber den Predigttext Lukas 13,1-9 Predigttext Es kamen aber zu der Zeit einige, die berichteten ihm von den Galil\u00e4ern, deren Blut Pilatus mit ihren Opfern vermischt hatte. 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