{"id":21047,"date":"1999-09-13T11:34:30","date_gmt":"1999-09-13T09:34:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21047"},"modified":"2025-03-13T11:38:54","modified_gmt":"2025-03-13T10:38:54","slug":"markus-140-45-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/markus-140-45-2\/","title":{"rendered":"Markus 1,40\u201345"},"content":{"rendered":"<h3>14. Sonntag nach Trinitatis | 05. September 1999 | Mk 1,40-45 | Christian Tegtmeier |<\/h3>\n<p>Ferienende und Schuljahresbeginn &#8211; markante Abschnitte im Rhythmus unseres Jahres, wichtige Termine und Daten in unz\u00e4hligen Kalendern. Und viel wird f\u00fcr das eine wie das andere getan. Denn diese Zeit, genauer gesagt der Wechsel aus der freien, selbstbestimmten Zeit in einen Zeitabschnitt des geordneten oder verordneten Mit- und F\u00fcreinanders wird von den Menschen besonders intensiv wahrgenommen und gestaltet. So wie der erste Ferien- und Urlaubstag besonders vorbereitet und geplant sein will, so soll auch die R\u00fcckkehr in den Alltag und die Welt der Gesch\u00e4ftigkeit bewu\u00dft geschehen. Denn der Mensch von heute und jetzt will fit sein f\u00fcr sein Leben:<br \/>\nFit sein, wenn er aus dem Urlaub kommt, fit sein f\u00fcr die M\u00fche und Arbeit, die ihn erwarten und lange Zeit erst einmal nicht loslassen wollen. Fit sein, um einen Abschnitt seines Lebens, der nicht so sehr selbst gestaltet, aber zu verantworten ist, verkraften zu k\u00f6nnen. Solch ein markanter Tag im Wechsel der Zeiten ereignet sich f\u00fcr die gesunden Menschen, wobei sie ihre Gesundheit oft genug gleichsetzen mit der F\u00e4higkeit und T\u00fcchtigkeit, ihre Aufgaben und Pflichten zu erf\u00fcllen, Lasten zu tragen, die ihnen von anderen aufgeb\u00fcrdet werden, Widerspr\u00fcche aushalten oder gar l\u00f6sen zu k\u00f6nnen, letztlich auch die Grenzen der eigenen Machbarkeit und der eigenen Vitalit\u00e4t erkennen, annehmen und erleiden zu k\u00f6nnen, ohne vorab daran zu zerbrechen. F\u00fcr diese reiche Vielfalt der Aufgaben mu\u00df der Mensch von heute und jetzt gesund, eben fit f\u00fcr das Leben sein.<br \/>\nWer d\u00e4chte da jetzt an die, die es nicht sind? Gestern wurden viele Jungen und M\u00e4dchen mit einem Schulgottesdienst in die Schulzeit geschickt, reich beschenkt und gesegnet mit mancherlei guten W\u00fcnschen. Wo waren die anderen, die kranken und behinderten Altersgenossen, f\u00fcr die ja auch ein anderer Zeit- und Lebensabschnitt beginnen k\u00f6nnte, wenn&#8230;? W\u00e4re die Gesundheit in dem eben beschriebenen Sinne mein Leben? Wie s\u00e4he dieses Leben aus, wenn es mir an Gesundheit f\u00fcr Leib und Seele gebr\u00e4che? Wie gehen diese Menschen mit dem Anbruch und Umbruch der Zeiten und Gewohnheiten um? Was haben sie von uns, die wir gesund und fit sind, zu erwarten? Was kann der Glaube an Jesus Christus ihnen geben bzw. bedeuten?<br \/>\nMarkus, der Evangelist, berichtet uns dazu eine wunderbare Geschichte.<\/p>\n<p>-Predigttext verlesen-<\/p>\n<p>Sch\u00f6n w\u00e4re das, wenn sich dieses so rasch und so erfolgreich heute von neuem ereignen k\u00f6nnte: da\u00df Menschen von ihren Gebrechen oder Krankheiten durch Jesus geheilt w\u00fcrden. Da\u00df Jesus Christus, Grund unseres Glaubens f\u00fcr sie zum Anla\u00df neuen Vertrauens an ihn und seinen Vater w\u00fcrde! Doch leider sind unsere menschlichen Erfahrungen und die Entt\u00e4uschungen derer, die es sich w\u00fcnschen, oftmals andere. Und doch wird uns diese Heilung berichtet und doch soll sie f\u00fcr unseren Glauben zum Trost gepredigt und weitererz\u00e4hlt werden.<br \/>\nDer Mensch, der auf Jesus aufmerksam geworden ist, leidet unter einer schweren, vielleicht einer der schwersten Erkrankungen, an Aussatz, fr\u00fcher gern Lepra genannt. Wer darunter litt, lebte in einer Leidensgeschichte ohnegleichen, in einer inneren und \u00e4u\u00dferen Bedr\u00e4ngnis und Einsamkeit, die sich ein gesunder Zeitgenosse kaum ausmalen kann. Sie bedeutete und bedeutet bis heute f\u00fcr den, der betroffen ist, da\u00df ihn Menschen meiden: die nahen Angeh\u00f6rigen, die Freunde und solche, die zuf\u00e4llig auf ihn treffen. Mit kaum jemanden wird er l\u00e4nger sprechen, kaum jemand reicht ihm die Hand, die meisten verlassen fluchtartig seine Gegenwart. Mit wem sollte er seine Empfindungen und Gef\u00fchle teilen? Mit wem k\u00f6nnte er sich \u00fcber das, was ihn bewegt, was er sich w\u00fcnscht oder beunruhigt, aussprechen? Wer mag ihm zuh\u00f6ren, wer mag ihm jene Achtung und W\u00fcrdigung geben, die wir im allt\u00e4glichen Umgang einander regelm\u00e4\u00dfig schulden und praktizieren? F\u00fcr den Auss\u00e4tzigen ist jede Ber\u00fchrung ein Zeichen des Lebens, auch wenn sie schmerzhaft ist. F\u00fcr ihn ist jeder Wortwechsel, jede Aufmerksamkeit, die \u00fcber den fl\u00fcchtigen Blick oder den hastigen Satz hinausgeht, ein Tag der Sonne, ein Augenblick des Gl\u00fccks. Und es w\u00e4re f\u00fcr ihn schon ein Trost, wenn das Bekenntnis zur G\u00fcte und Barmherzigkeit \u00fcber die milde Gabe hinausweisen k\u00f6nnte auf eine Gemeinschaft, die tr\u00e4gt und duldet, die Achtung s\u00e4t und Hoffnung mehrt, die ihm wie den anderen, die gesund sind und sich doch \u00e4ngstigen, eine Gemeinschaft er\u00f6ffnet, zu der er geh\u00f6ren kann und darf, trotz aller Unterschiede; mit anderen Worten: weil sie im Menschen den Menschen sieht, ihn gelten l\u00e4\u00dft und sich auch von ihm her im Glauben st\u00e4rken und unterweisen lassen m\u00f6chte. Jesus schl\u00e4gt die Br\u00fccke zu ihm, der ihn anspricht, der ihn bittet, der ihm zuruft: Bitte, la\u00df mich wieder gesund werden! Bitte, heile mich!<br \/>\nWir erfahren, da\u00df Jesus sich seiner annahm, sich seiner erbarmte und heilen wollte. Es mag ihn ber\u00fchrt haben, da\u00df dieser leidgepr\u00fcfte Mensch die Hoffnung nicht aufgab, es auch bei Jesus oder gerade bei diesem Jesus von Nazareth versucht, ob er ihm nicht Linderung oder Heilung gew\u00e4hrte, die er so sehnlich erwartete. Jesus heilt, hat keine Ber\u00fchrungs\u00e4ngste, sucht die Gemeinschaft mit den Gebrechlichen und Sorgenden, legt seine heilenden H\u00e4nde auf ihn und segnet ihn w\u00e4hrend der Heilung. In dieser pers\u00f6nlichen Zuwendung, in dieser verbindlichen, verbindenden, freundlichen Geste \u00f6ffnet sich eine Gemeinschaft, die Gottes Heil erfahren l\u00e4\u00dft, auch heute und jetzt. Denn sie l\u00e4\u00dft den Betroffenen teilhaben am Ja Gottes zu uns, an seiner Liebe zu denen, die ihn suchen, anrufen und zu ihm beten. Jesus fragt nicht nach den Umst\u00e4nden, den Gr\u00fcnden, der Veranlassung seiner Krankheit, sondern redet ihn pers\u00f6nlich an, nimmt sein Begehren auf und heilt. F\u00fcr mich zeigt sich in und an dieser Gemeinschaft, da\u00df Gottes Reich mitten unter uns ist und wir alle, leidgepr\u00fcfte wie gesunde Menschen, daran teilhaben werden, vorausgesetzt, wir wagen es, wir vertrauen darauf, da\u00df sich in diesem Jesus Christus eine neue Welt \u00f6ffnet, eine Gemeinschaft sp\u00fcrbar und erfahrbar wird, die mich einl\u00e4\u00dft, aufnimmt und achtet. Die auf keinem anderen Grund der Hoffnung steht, wie dem, der sich in einem Lied von Paul Gerhardt so mitteilt:<\/p>\n<p>&#8220; Lobet den Herren, alle die ihn ehren &#8230;<br \/>\nda\u00df unsre Sinnen wir noch brauchen k\u00f6nnen<br \/>\nund H\u00e4nd und F\u00fc\u00dfe,<br \/>\nZung und Lippen regen,<br \/>\nDas haben wir zu danken seinem Segen.<br \/>\nLobet den Herren!&#8220;<\/p>\n<p>Nun, Jesus bedeutet dem Kranken, da\u00df er \u00fcber die erfahrene Gottesn\u00e4he und seine Heilung schweigen solle, doch wes des Herz voll ist, des geht der Mund \u00fcber, und der vom Aussatz Geheilte begann von dem Wunder seines Lebens zu erz\u00e4hlen, Gott zu loben und zu preisen und die frohe Botschaft von Jesus unter die Leute zu tragen &#8211; wie wir wissen, nicht ohne Erfolg und von bleibender Wirkung. Manche werden Jesus begegnet sein, andere haben dieses Gl\u00fcck der pers\u00f6nlichen Gottesn\u00e4he vielleicht nicht so unmittelbar erlebt und doch den Glauben an Jesus Christus nicht verloren, sondern im Gegenteil ihren Glauben und ihr Vertrauen gest\u00e4rkt, eine Gemeinschaft gefunden, die sich ihnen verbunden und offen genug zeigen wollte, so da\u00df sie bei aller Gebrechlichkeit und Einschr\u00e4nkung dazugeh\u00f6ren durften, so als w\u00e4ren sie heil und gesund. Daran lag ihnen und darin fanden sie ihr Gl\u00fcck und die Best\u00e4tigung daf\u00fcr, da\u00df bei diesem Gott kein Ansehen der Person gilt, sie alle gerufen und eingeladen sind. Und ich habe den Eindruck gewonnen, liebe Gemeinde, da\u00df sich mit der guten und heilsamen Erfahrung, in den Kreis der Gesegneten eintreten d\u00fcrfen, im Kraftfeld der Liebe Gottes zu den Menschen leben zu k\u00f6nnen, auch eine Ver\u00e4nderung der Sinne vollzog, gleichsam eine Umkehr von den Denkstrukturen, die lediglich kl\u00e4ren wollen, woher die Krankheit kam, an der ich leide; damit ich dieses und jenes tun und machen kann und von anderem lasse. Sie gibt mir auf ganz andere Weise eine neue und t\u00fcchtige Kraft zum Leben und zur Freude, l\u00e4\u00dft mich den Sch\u00f6pfer loben und preisen, auch dann noch, wenn ich die Frage nach dem Warum und Wozu und Woher nicht endg\u00fcltig beantwortet habe. Sie gibt mir eine Gemeinschaft mit denen, die mit mir tragen und mit denen ich Leid und Sorge teilen und ertragen kann, ohne damit die Freude am Leben und das Gl\u00fcck zu verlieren. Die Geschichte, die Markus berichtet, l\u00e4dt mich ein, in Gottes andere Welt. Sie befreit mich von dem, was einengend und vereinsamend wirkt; sie \u00f6ffnet T\u00fcren und Tore f\u00fcr eine Gemeinschaft, von der wir Menschen tr\u00e4umen. Um Gottes Willen braucht es kein Traum zu bleiben; wer glaubt, hat schon jetzt Anteil an dem, was Barmherzigkeit und Liebe Gottes zu den Menschen ausrichten k\u00f6nnen. Deshalb ist es eine wunderbare Geschichte zum Glauben und l\u00e4\u00dft mich nicht los; im Gegenteil, sie ermutigt mich, ebenso offen und einladend zu sein.<br \/>\nAmen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Pfarrer Christian Tegtmeier, Steinweg 10, 37445 Walkenried<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>14. Sonntag nach Trinitatis | 05. September 1999 | Mk 1,40-45 | Christian Tegtmeier | Ferienende und Schuljahresbeginn &#8211; markante Abschnitte im Rhythmus unseres Jahres, wichtige Termine und Daten in unz\u00e4hligen Kalendern. Und viel wird f\u00fcr das eine wie das andere getan. 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