{"id":21055,"date":"1999-04-13T11:49:30","date_gmt":"1999-04-13T09:49:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21055"},"modified":"2025-03-13T11:52:52","modified_gmt":"2025-03-13T10:52:52","slug":"matthaeus-713-16a","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-713-16a\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 7,13-16a"},"content":{"rendered":"<h3>April 1999 | Mt 7,13-16a | Peter Kusenberg |<\/h3>\n<p>Predigtvorschlag zur\u00a0Konfirmation<\/p>\n<p>Liebe Konfirmanden, liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Es ist eine Entscheidung f\u00e4llig. Zwei Wege stehen zur Wahl. Menschen stehen vor 2 Eing\u00e4ngen. Einen davon m\u00fcssen sie nehmen. Jeder der beiden Zug\u00e4nge ist der Anfang eines Weges. Das eine Tor, gro\u00df und weit, gibt den Blick frei auf einen breiten Weg, bunt glitzernd, sch\u00f6n ausgebaut und sehr bequem. Wie der andere Weg aussieht, ist schwer zu erkennen, denn die schmale T\u00fcr l\u00e4\u00dft nur Sicht auf den Anfang: ein gewundener Pfad scheint es zu sein, bergauf f\u00fchrend, mit einem h\u00f6lzernen Gel\u00e4nder.<\/p>\n<p>Entscheidet euch! Stehenbleiben ist nicht m\u00f6glich, und einen dritten Weg gibt es nicht. Einen der beiden Eing\u00e4nge, einen der beiden Wege.<\/p>\n<p>Eigentlich gar keine Frage. Nat\u00fcrlich die breite, einladende \u00d6ffnung! Die Menschen str\u00f6men nur so hindurch. Viele nehmen es nicht einmal wahr, da\u00df da noch eine andere M\u00f6glichkeit w\u00e4re, sich ein zweiter Weg auftut. Der bequeme Weg lockt, sich im Sog der Masse treiben zu lassen, hindurch zu erhofften Wundern.<\/p>\n<p>Das \u00fcberrascht niemand. Verwunderlich ist es eher, da\u00df einige wenige dennoch die enge T\u00fcr w\u00e4hlen und durch sie hindurchgehen. Au\u00dfenseiter? Unverbesserliche Eigenbr\u00f6tler? Oder blo\u00dfe Spinner?<\/p>\n<p>Oder haben die sich die M\u00fche gemacht, die fast schon unleserlichen Wegweiser zu entziffern, die \u00fcber den beiden Eing\u00e4ngen angebracht sind? Wer n\u00e4mlich dort genau hinschaut, entdeckt in ausgebleichten, verwitterten Buchstaben zwei Worte, eines f\u00fcr jedes Tor. Die meisten haben diese Worte \u00fcbersehen, hatten die Nase nur nach vorn gerichtet, nicht nach oben: wo die anderen auch alle gehen, kann es ja nicht falsch sein. Also rasch voran, um nicht den Anschlu\u00df zu verpassen; ruhig ein wenig dr\u00e4ngeln, um voranzukommen. Man mu\u00df schlie\u00dflich sehen, wo man bleibt.<\/p>\n<p>Ein paar, die einen fl\u00fcchtigen Blick auf die Inschriften warfen, haben mit den Schultern gezuckt: M\u00e4rchenkram aus vergangener Zeit, das geht uns heute nichts mehr an. Da sind wir doch l\u00e4ngst dr\u00fcber weg.<\/p>\n<p>Was steht dort? Zwei Worte: &#8222;Leben&#8220; und &#8222;Tod&#8220;. &#8222;Tod&#8220; \u00fcber dem breiten, &#8222;Leben&#8220; \u00fcber dem engen Tor.<\/p>\n<ul>\n<li>So oder \u00e4hnlich hat vor langer Zeit Jesus seinen Zuh\u00f6rern eine Geschichte erz\u00e4hlt. Sie sa\u00dfen beieinander, auf einer Anh\u00f6he \u00fcber dem See Genezareth, und Jesus w\u00e4hlte das Bild der zwei T\u00fcren und Wege, um ihnen den Unterschied zwischen wirklichem Leben und dem Leben der meisten anderen Menschen anschaulich zu machen. Die Mehrzahl w\u00e4hlt den breiten, bequemen Weg. Sich anpassen, nicht auffallen, mitmachen. Und wenn am Ende der Tod wartet &#8211; nun, sterben m\u00fcssen wir alle.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Jesus hat dem widersprochen. Leben, das sich nur an irdischen Ma\u00dfst\u00e4ben ausrichtet, ist Leben ohne Hoffnung, ist Leben auf den Tod hin. Leben aber, das mit Gott rechnet, hat einen gro\u00dfen Verb\u00fcndeten an seiner Seite.<\/p>\n<p>Wir haben die Wahl. Es ist unsere Entscheidung. Vielleicht lesen wir heute andere Namen auf den Schildern \u00fcber den Toren. \u00dcber dem breiten Tor steht &#8222;Grenzenlose Freiheit&#8220;, oder &#8222;Wir machen den Weg frei&#8220;, oder &#8222;Nichts ist unm\u00f6glich!&#8220; &#8211; Das Schild an der kleineren T\u00fcr k\u00f6nnte lauten: &#8222;Verantwortung&#8220;, oder &#8222;Toleranz&#8220;, oder &#8222;Gewissen&#8220;.<\/p>\n<p>Eine Entscheidung werdet auch Ihr Konfirmanden heute treffen. Ihr werdet nachher mit Eurem Ja bekr\u00e4ftigen, da\u00df ihr zur Gemeinde dieses Jesus von Nazareth geh\u00f6ren wollt, in die ihr heute als neue, vollberechtigte Mitglieder aufgenommen werdet.<\/p>\n<p>Aber das ist nur ein \u00e4u\u00dferes Zeichen. Es w\u00fcrde mich (und bestimmt nicht nur mich) sehr \u00fcberraschen, wenn jemand von Euch nachher Nein sagen w\u00fcrde &#8211; selbst wenn Ihr insgeheim Zweifel habt oder Euch einer solchen Entscheidung nicht gewachsen f\u00fchlt. Die eigentliche Entscheidung, die innere, f\u00e4llt nicht an einem bestimmten Tag oder Datum.<\/p>\n<p>Die Frage der zwei Wege, der zwei T\u00fcren stellt sich immer wieder, f\u00fcr jeden Menschen, f\u00fcr Euch Konfirmanden wie f\u00fcr Eure Eltern und Paten, f\u00fcr uns alle. Eine Situation fordert unsere Entscheidung: wie verhalten wir uns? Sehen wir zu, da\u00df allein wir den gr\u00f6\u00dften Vorteil gewinnen, oder haben wir auch Augen und Ohren f\u00fcr die Lage des Anderen?<\/p>\n<p>Mit dem heutigen Tag macht Ihr Konfirmanden einen Schritt in Richtung &#8222;Erwachsensein&#8220;. Damit will ich sagen, da\u00df Euch mehr Verantwortung zugetraut wird, Euch auch mehr Freiheiten gegeben werden. Das ist gut so.<\/p>\n<p>Aber seid vorsichtig! Viele liegen auf der Lauer und wollen Euch etwas \u00fcber das Leben vorl\u00fcgen. Fallt nicht darauf herein! La\u00dft euch Zeit, zu \u00fcberlegen, was f\u00fcr Euch gut ist und was nicht. &#8222;Wir wollen alles! Wir wollen es sofort! Und nat\u00fcrlich umsonst!&#8220; ist die ungute Devise vieler Jugendlicher, denen die Werbung und andere Rattenf\u00e4nger das Gehirn vernebelt haben.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche Euch, da\u00df Ihr begreifen lernt, da\u00df Freiheit auch hei\u00dfen kann, auf Dinge zu verzichten, und anders zu sein als die Masse. Toll w\u00e4re es, wenn Ihr Euren Altersgenossen, die sich nur mit Glimmstengel, Designer-Klamotten und Alkohol gro\u00df f\u00fchlen, zeigen k\u00f6nntet, was f\u00fcr arme W\u00fcrstchen sie in Wirklichkeit sind.<\/p>\n<p>Verge\u00dft nicht, da\u00df Freiheit auch immer die Freiheit des Andersdenkenden einschlie\u00dft. Wer r\u00fccksichtslos die Ellenbogen einsetzt, kann von anderen keine Nachsicht erwarten, wenn er einmal Hilfe braucht. Egoismus k\u00f6nnt Ihr Euch leisten, solange Ihr stark seid: aber wer garantiert Euch, da\u00df Ihr nicht einmal auf einen St\u00e4rkeren trefft?<\/p>\n<p>Ihr werdet erfahren, da\u00df die Welt der Erwachsenen kein gro\u00dfes Euro-Disney ist, da\u00df das Leben ganz anders ist als im Kino, und da\u00df man f\u00fcr sein Einkommen mehr tun mu\u00df als in einer Gameshow zu gewinnen.<\/p>\n<p>Ich hoffe f\u00fcr Euch, da\u00df Ihr nicht zu Menschen heranwachsen werdet, die immer sagen &#8222;Man m\u00fc\u00dfte dieses oder jenes tun&#8220;, &#8222;Man sollte endlich einmal dem und dem das Handwerk legen&#8220;, aber selbst nicht den Schneid haben, etwas daf\u00fcr zu tun. Ich hoffe, da\u00df Ihr nicht an Stammtischen oder \u00fcbern Gartenzaun das gro\u00dfe Wort f\u00fchrt, aber stumm werdet, wenn Ihr \u00f6ffentlich Farbe bekennen sollt. Ich hoffe, da\u00df Ihr nicht wie jene werdet, die stets wissen, was andere zu tun oder zu lassen h\u00e4tten, selbst aber \u00fcber jede Kritik erhaben sind. Hoffentlich werdet ihr auch nicht solche, die lautstark Tempo 30 f\u00fcr ihr Wohnviertel fordern, selbst aber mit 70 durch den Nachbarort rasen.<\/p>\n<p>Ich hoffe, da\u00df Ihr gemerkt habt, da\u00df &#8222;Kirche&#8220; nicht ein abstraktes Ding ist, sondern sich aus Menschen zusammensetzt, keinen Heiligen, sondern ganz normalen Menschen einer Gemeinde. Und ich w\u00fcnsche mir, da\u00df Ihr nicht eines Tages aus \u00c4rger an Eurer Kirche oder aus schlichtem Geiz dieser Kirche den R\u00fccken kehrt, sondern sie versteht als eine Gemeinschaft, die sich m\u00fcht, die Botschaft von Jesus in Wort und Tat in die Welt zu tragen.<\/p>\n<p>So viele W\u00fcnsche und Hoffnungen. Warum ich die jetzt alle sage? Weil ich wei\u00df, da\u00df ich viele von euch von nun an f\u00fcr eine ganze Weile nicht mehr sehen werde und dies also die vorerst letzte Gelegenheit dazu ist. Ich sage das ohne Vorwurf und ohne Bitterkeit. Die Pfarre habt Ihr hinter Euch; vieles Neue st\u00fcrmt auf Euch ein. Aber von dem, was wir in den zwei Jahren miteinander erlebt haben, wird vielleicht etwas einmal weiterwirken in Euch &#8211; bewu\u00dft oder unbewu\u00dft.<\/p>\n<p>Vor allem anderen aber w\u00fcnsche ich Euch, da\u00df es keine schlimmen oder grausamen Erfahrungen sein werden, die Euch die Augen \u00f6ffnen und die Sinne sch\u00e4rfen f\u00fcr das Leben, das vor Euch liegt. Und das zweite: da\u00df Ihr bei den gro\u00dfen und kleinen Entscheidungen Eures Lebens nicht das Gesp\u00fcr daf\u00fcr verliert, da\u00df Ihr zwischen zwei Wegen w\u00e4hlen k\u00f6nnt. Der schmale wird dabei manchmal mit mehr Nachdenken, vielleicht mehr Arbeit und mehr R\u00fccksicht auf andere verbunden sein. Aber daf\u00fcr m\u00fc\u00dft Ihr diesen Weg nie allein gehen. Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Peter Kusenberg, Pastor in Erbsen, Landkreis G\u00f6ttingen Tel. 05506 &#8211; 8331 E-Mail: <a href=\"mailto:peter.kusenberg@kirche-erbsen.de\">peter.kusenberg@kirche-erbsen.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>April 1999 | Mt 7,13-16a | Peter Kusenberg | Predigtvorschlag zur\u00a0Konfirmation Liebe Konfirmanden, liebe Gemeinde! Es ist eine Entscheidung f\u00e4llig. Zwei Wege stehen zur Wahl. Menschen stehen vor 2 Eing\u00e4ngen. Einen davon m\u00fcssen sie nehmen. Jeder der beiden Zug\u00e4nge ist der Anfang eines Weges. 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