{"id":21060,"date":"1998-04-14T08:35:53","date_gmt":"1998-04-14T06:35:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21060"},"modified":"2025-03-14T08:39:20","modified_gmt":"2025-03-14T07:39:20","slug":"1-petrus-13-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-petrus-13-9\/","title":{"rendered":"1. Petrus 1,3-9"},"content":{"rendered":"<h3>Ostern &#8211; und die Folgen? | Quasimodogeniti | 19. April 1998 | 1. Petr 1,3-9 | Wilhelm Gr\u00e4b |<\/h3>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Ostern liegt schon wieder hinter uns. Auch die Osterferien sind zu Ende. Das Semester hat angefangen. Alles geht seinen Gang. So, als w\u00e4re nichts gewesen.<\/p>\n<p>Vielleicht ist ja auch gar nichts gewesen. Nichts jedenfalls, was gewichtigere Folgen h\u00e4tte haben m\u00fcssen. Ein verl\u00e4ngertes Wochenende. Spa\u00df mit den Kindern oder Enkelkindern beim Eiersuchen. Eine Fahrt in den Fr\u00fchling. Das ist so wenig ja auch nicht. Solche kleinen Auszeiten, Unterbrechungen im Allt\u00e4glichen zu haben. Wir brauchen sie. Es ist alles anstrengend genug. Der Stre\u00df in unseren Beziehungen, in unserem Beruf. Bei der Suche nach einem Arbeitsplatz. Im Kampf gegen die Krankheit. In all den Sorgen, die wir uns machen, wie&#8217;s weitergehen wird, bei dem, was wir uns noch vorgenommen haben, f\u00fcr die n\u00e4chste Zeit, aber auch dar\u00fcber hinaus. Wird etwas davon gelingen? Vieles k\u00f6nnen wir tun. Aber letztendlich haben wir unser Leben doch nicht in der eigenen Hand. Das macht uns immer wieder Angst. Wir kennen unser Schicksal nicht.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich sind wir an Ostern auch in der Kirche gewesen. Wir haben die Osterlieder gesungen. Lieder voll ansteckender Freude. Auferstehungslieder. Lieder von einem wahrhaft g\u00f6ttlichen Sieg, vom Sieg des Lebens \u00fcber den Tod, vom Aufblitzen der Ewigkeit mitten in der Zeit, von der \u00fcberwindung all dessen, was uns Sorgen macht, worunter wir leiden, womit wir nicht zurechtkommen. Wir haben die Predigt geh\u00f6rt mit ihrem Versuch, die Osterbotschaft weiterzusagen: Gott hat Jesus von den Toten auferweckt. Jesus ist auferstanden. Also gibt es ein Dar\u00fcberhinaus. Es ist ein Gott in dieser Welt am Werk. Er ist ihr Sch\u00f6pfer. Und die Grenzen seiner Sch\u00f6pfermacht enden nicht dort, wo wir mit unserer Macht am Ende sind, nicht in den Elendsquartieren, nicht an den Krankenbetten, nicht an den Gr\u00e4bern. Gottes Kreativit\u00e4t kennt keine Grenzen. Seine Liebe ist unaussch\u00f6pflich.<\/p>\n<p>Wir haben die Osterlieder mitgesungen. Wir haben die Osterpredigt aufmerksam geh\u00f6rt. Wir haben vielleicht sogar gesp\u00fcrt, wie nah die Botschaft von Ostern der tiefen Sehnsucht ist, die wir alle in uns tragen. Da\u00df doch unser Leben nicht vergeblich gewesen sein m\u00f6ge. Da\u00df mit dem Tod nicht einfach alles aus ist. Da\u00df etwas bleibt, von dem, was wir geschaffen haben. Und mehr als dies! Da\u00df unser Leben ein Ziel hat. Da\u00df unser Leben seine Erf\u00fcllung findet, es heil wird und ganz. Da\u00df es jedenfalls nicht aufgeht in all dem Bruchst\u00fcckhaften und Verqueren, das wir hinter uns wissen und mehr oder weniger auch vor uns: die Katastrophen dieses Jahrhunderts, diese vielen Weltunterg\u00e4nge, dann auch zerbrochene Beziehungen, Pl\u00e4ne, die gescheitert sind, Tr\u00e4ume, die sich nicht erf\u00fcllt haben. Das kann es dann doch wohl nicht gewesen sein! Da mu\u00df doch noch etwas kommen! Da mu\u00df doch etwas sein, das bleibt!<\/p>\n<p>Dennoch, Ostern ist vorbei. Und alles ist wieder so, als w\u00e4re nie etwas anderes gewesen als diese Welt, in der wir allt\u00e4glich leben, und dies so, als ob kein Gott sch\u00f6pferisch in ihr am Werke w\u00e4re. Alles geht wieder seinen Gang, mehr schlecht als recht. Und wir gehen mit, ein Weilchen noch. Menschen leiden und sterben. Menschen machen sich schuldig. Die Welt ist aus den Fugen. Viele zweifeln, ob noch Grund zur Hoffnung besteht. Ist durch Ostern wirklich irgend etwas anders geworden?<\/p>\n<p>So \u00e4hnlich m\u00fcssen auch die schon gefragt haben, an die sich der 1. Petrusbrief wendet. Wir haben die ersten S\u00e4tze aus diesem Brief geh\u00f6rt. Ostern ist vorbei, lange vorbei. Aber Menschen leiden und sterben wie zuvor auch. Der Tod herrscht, die S\u00fcnde und das Verderben. Nichts hat sich zum Besseren gewendet. Unserem Briefschreiber mu\u00df es sich mitgeteilt haben, da\u00df so in seinen Gemeinden inzwischen gedacht und geredet wird. Seine Adressaten im damaligen Kleinasien sind uns unheimlich nah. Auch was Jesu Auferstehung und die Leichtigkeit oder Schwere des Glaubens daran anlangt, haben sie uns nichts voraus. Keine urspr\u00fcnglichen Erfahrungen, keine authentischen Begegnungen mit dem Auferstandenen, keine vision\u00e4ren Erlebnisse. Sie haben Jesus ebenfalls nicht gesehen, als er durch Galil\u00e4a und nach Jerusalem hinauf zog. Sie sind nicht dabei gewesen, weder als er am Kreuz starb, noch als er das Grab leer zur\u00fccklie\u00df. Schon gar nicht ist er ihnen leibhaftig als Lebendiger erschienen. Da wundert es nicht, da\u00df sich schon in den fr\u00fchen christlichen Gemeinden \u00e4hnliche Zweifel bemerkbar machten wie wir sie von uns Heutigen kennen.<\/p>\n<p>Es mag zwar sein, da\u00df man damals in der alten Welt eher noch geneigt war, den Berichten auch von r\u00e4tselhaften Begebenheiten Glauben zu schenken. Man verstand ja so vieles nicht in seinen urs\u00e4chlichen Zusammenh\u00e4ngen. Die Welt war voller Wunder und Geheimnisse. Und von G\u00f6ttern wu\u00dfte man, da\u00df sie in den Dingen wohnen. Wir sind diesbez\u00fcglich skeptischer geworden. Was unserem Verstand ein R\u00e4tsel bleibt, f\u00fchrt uns schnell zu der Frage, ob es sich da \u00fcberhaupt um ein tats\u00e4chliches Geschehen handelt. Ist das Grab Jesu wirklich leer gewesen? Waren die Erscheinungen, die einigen zuteil wurden, und in denen sie den gekreuzigten Jesus zu sehen meinten, nicht nur subjektive Visionen, Einbildungen, geboren aus der Macht tiefster W\u00fcnsche? Wir wissen es nicht. Es fehlen uns vergleichbare Erfahrungen. Wissenschaftlich beweisen l\u00e4\u00dft sich weder, da\u00df stimmt, was das NT \u00fcber Jesu Auferstehung von den Toten berichtet, noch, da\u00df es nicht stimmt. Im Rahmen unseres normalen Wirklichkeitsverst\u00e4ndnisses ist es unwahrscheinlich, da\u00df Jesus von den Toten auferstanden ist. Aber das k\u00f6nnte ja auch an unserem Wirklichkeitsverst\u00e4ndnis liegen.<\/p>\n<p>Wie dem auch sei, wenn wir genauer auf unseren Abschnitt aus dem 1. Petr. achten, ist das gar nicht der entscheidende Punkt, ob wir der Meinung sind, da\u00df Jesus im Grab geblieben ist oder nicht. Auch die Gemeinde damals, die an der Tats\u00e4chlichkeit der Auferstehung Jesu vermutlich nicht gezweifelt hat, war dennoch in gro\u00dfer Anfechtung, zutiefst verunsichert. Viele waren traurig. Traurig \u00fcber den Verlust lieber Menschen, die sie verloren haben. Verunsichert angesichts der herrschenden Verh\u00e4ltnisse. \u00fcberall Gewalt und so viel Elend. So viel Weltuntergang. Und nirgends die Anzeichen f\u00fcr einen neuen Himmel und eine neue Erde. Nichts geschieht, das auf eine Wendung zum Besseren hindeutete. Das war der Grund ihrer Anfechtung, der Anfechtung ihres Glaubens. Deshalb ist ihr Glaube an Jesu Auferstehung in die Krise geraten. Sie warteten darauf, da\u00df die Auferstehung Jesu Folgen haben w\u00fcrde, da\u00df sie der Anfang w\u00e4re einer gro\u00dfen Wende in der Menschheitsgeschichte, der Anfang vom Ende der Macht des Todes, der S\u00fcnde, der zerst\u00f6rerischen, grausamen Weltverh\u00e4ltnisse. Doch diese Folgen blieben offensichtlich aus. Es mag ja sein, da\u00df da einst ein Wunder geschehen und Jesus nicht im Grab geblieben ist, so mehrten sich die Stimmen. Doch, was hilft uns das? Frohe Ostern. Aber jetzt ist nicht mehr Ostern. Jetzt herrschen wieder die Gesetze dieser Welt. Ob uns das nun pa\u00dft oder nicht. Wir kennen es nicht anders. Es ist auch immer so gewesen. Ja, mit kleinen Ausnahmen vielleicht. Lichtvollen Augenblicken, heilsamen Unterbrechungen hier und da. Manchmal geschieht es, als risse der Himmel auf, wie an jenem Ostermorgen. Das geschieht immer einmal wieder. Dann steigt eine Ahnung in uns auf, da\u00df vielleicht alles auch ganz anders sein k\u00f6nnte. Friedvoller, liebevoller, gerechter, ein wenig mehr Gl\u00fcck f\u00fcr eine gr\u00f6\u00dfere Zahl von Menschen. Aber dann kehrt die Normalit\u00e4t zur\u00fcck. Dann nehmen die gro\u00dfen und kleinen Weltunterg\u00e4nge ihren Fortgang. Und kein Morgenglanz der Ewigkeit kommt in Sicht. Dann finden wir uns auch selber doch wieder vor in unserem alten, verbissenen Leben, verbissen in die begrenzte Frist, die uns gew\u00e4hrt ist. Ruhelos, immer m\u00fcssen wir uns bew\u00e4hren. Immer wollen wir etwas erleben. Es k\u00f6nnte morgen ja schon zu sp\u00e4t sein. Das Jahrhundert mit seinen ungeheuren politischen und moralischen Katastrophen geht zu Ende. Jesus mag dermaleinst auferstanden sein. Doch das \u00e4ndert nichts daran, da\u00df unser aller Leben immer noch unter dem Vorzeichen steht, da\u00df wir sterben m\u00fcssen. Was also, bitte sch\u00f6n, sind denn die Folgen von Ostern? Wenn es denn wahr sein sollte, da\u00df Jesus nicht im Tod geblieben ist, bleibt die entscheidende Frage: Was haben wir davon?<\/p>\n<p>Nein, so fragen nicht wir erst, wir skeptischen Zeitgenossen. So haben sie auch in den fr\u00fchen christlichen Gemeinden bereits gefragt, an die sich unser Briefschreiber wendet, im Namen des Petrus, also eines Auferstehungszeugen. Er wei\u00df, die Menschen in dieser Gemeinde sind tief verunsichert in ihrem christlichen Glauben, angefochten in ihrer Lebenszuversicht. Und sie sind es vor allem deshalb, weil die Folgen von Ostern ganz offensichtlich ausgeblieben sind. Nicht die Auferstehung Jesu ist ihnen das Problem, sondern was sie selbst von ihr haben. Ist da etwas au\u00dfer leeren Versprechungen f\u00fcr eine ferne und g\u00e4nzlich unvorstellbare Zukunft? Da\u00df wir teilhaben werden an Jesu Auferstehung dermaleinst. Wann wird das sein und wie wird das sein? Nein, vage Jenseitsvorstellungen geben uns hier und heute keinen Trost.<\/p>\n<p>Aber auch moralische Appelle tun das nicht? Da\u00df nun eben wir aufzustehen h\u00e4tten gegen die M\u00e4chte des Todes, die in dieser Welt ganz offensichtlich herrschen und am Werke sind. Da\u00df nun wir in der Fortsetzung des Werkes Jesu k\u00e4mpfen sollten f\u00fcr eine bessere, gerechtere, friedlichere, heile Welt. Solche Appelle verst\u00e4rken nur den Druck, der ohnehin auf uns lastet. Und au\u00dferdem sind sie unsinnig. Sie muten uns etwas zu, was wir gar nicht leisten k\u00f6nnen. Denn wie sollen wir mit unseren eigenen Kr\u00e4ften die M\u00e4chte \u00fcberwinden und besiegen k\u00f6nnen, denen wir ganz offensichtlich selbst unterworfen sind. Wir sind nicht heil, wir sind nicht ganz, wir sind nicht unsterblich. Wir sind zerrissen, wir sind krank an Leib und Seele. Wir wissen, da\u00df wir sterben m\u00fcssen, auch wenn wir uns noch so sehr dagegen wehren sollten.<\/p>\n<p>Unser Briefschreiber, der sich auf Petrus, den ebenso mutigen wie angefochtenen J\u00fcnger Jesu, den Zeugen seiner Auferstehung auch, beruft, wei\u00df, wie es um seine Gemeinden steht. Er wei\u00df, da\u00df sie ihren Glauben an die Auferstehung Jesu nicht mehr mit ihrem allt\u00e4glichen Leben zusammenbringen. Da ist so eine religi\u00f6se Sonderwelt entstanden, in die dieser Glaube geh\u00f6rt. Aber es ist kein Blick mehr daf\u00fcr da, wie und was dieser Glaube mit den eigenen Lebenserfahrungen zu tun haben k\u00f6nnte. Der, der sich auf Petrus, den Auferstehungszeugen beruft, versucht deshalb erst gar nicht, die Erscheinungen des Auferstanden zu verteidigen, nicht das leere Grab zu beweisen, nicht die Glaubw\u00fcrdigkeit der ersten Zeugen zu bekr\u00e4ftigen. Er wei\u00df, da\u00df das nichts helfen w\u00fcrde gegen die Traurigkeit. Damit h\u00e4tte er ja nur die Ausnahme von der Regel best\u00e4tigt, da\u00df wir alle sterben m\u00fcssen. Nicht aber h\u00e4tte er denen geholfen, denen nicht die Ausnahme das Problem ist, sondern der ganz allt\u00e4gliche Wahnsinn. Wie aber ist da zu helfen? Wohl kaum mit dem ohnehin unm\u00f6glichen Beweis der historischen Tatsache, da\u00df Jesus nicht im Grab geblieben ist. Aber auch nicht mit moralischen Appellen, da\u00df wir sein Befreiungswerk auf Erden fortsetzen sollen.<\/p>\n<p>Wie aber dann? Petrus versucht es damit, da\u00df er das Lob Gottes anstimmt, so, wie auch wir es mit unseren Osterliedern tun.<\/p>\n<p>&#8222;Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner gro\u00dfen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.&#8220;<\/p>\n<p>Das sind die Folgen von Ostern. Da\u00df dieses Loblied durch die Welt geht, das Lob eines Gottes, von dem Menschen sagen k\u00f6nnen, da\u00df durch ihn ihr Leben eine neue Perspektive gewonnen hat, eine unendliche Weite, \u00fcber den Tod hinaus. In der Begegnung mit Jesus haben Menschen an diesen Gott und die Macht seiner sch\u00f6pferischen Liebe glauben gelernt. In seiner N\u00e4he sind sie zu neuen Menschen geworden, erf\u00fcllt mit gro\u00dfer Hoffnung und Lebenszuversicht, wo vorher Todesangst und kleinliches Mi\u00dftrauen waren. Jesus ist am Kreuz gestorben. Das war zun\u00e4chst eine ungeheure Entt\u00e4uschung f\u00fcr die, die durch ihn neues Zutrauen zu Gott und zu sich selbst gefunden hatten. Doch die ersten Christen haben Jesu Tod deuten gelernt als un\u00fcbersehbares Zeichen dessen, da\u00df Gott endg\u00fcltig ein anderer geworden ist, einer der mitgeht in die tiefsten Tiefen, in die Menschen geraten k\u00f6nnen. Einer der da bleibt und die Schmerzen mittr\u00e4gt, einer, der uns unendlich liebt. Gott ist ihnen ein anderer geworden. So sind die, die an ihn glauben, selbst andere geworden. Deshalb das Lob dieses Gottes, verbunden mit der herzlichen Freude \u00fcber den befreienden Anfang eines neuen Lebens. Und beides, das neue Gottesverh\u00e4ltnis und das neue Selbstverh\u00e4ltnis, sind zusammengefa\u00dft im Bekenntnis der Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Mit diesem Bekenntnis geht es nicht um die mehr oder weniger glaubhafte Behauptung der Wiederbelebung eines Leichnams. Mit ihm geht es darum, wer und was Gott f\u00fcr uns ist, wer und was wir somit im Kern unseres Wesens selber sind, woher wir kommen und wohin wir zuletzt gehen.<\/p>\n<p>Ihr fragt, was durch Ostern anders geworden ist? Seht doch, sagt Petrus, eure Sicht auf diese Welt ist eine andere geworden. Und wie ihr euch selbst versteht, das ist anders geworden. Die M\u00f6glichkeit zumindest, da\u00df es mit uns und dieser Welt anders wird, ist seit Ostern gegeben. Es kann geschehen, da\u00df ein neues Leben beginnt, eines, in dem sich die Koordinaten radikal verschieben.<\/p>\n<p>In eurem alten Leben habt ihr euch von der Unumg\u00e4nglichkeit eures Endes her definiert. Deshalb wart ihr doch so ruhelos, so verbissen in eure Leistungen, so verf\u00fchrbar auch. Die Macht eures Gottes, an den ihr euer Herz geh\u00e4ngt habt, verlief in den Grenzen eurer Endlichkeit. Da gab es kein Dar\u00fcberhinaus. Ihr lebtet im Grunde vor einem verschlossenen Himmel. Ihr kanntet nichts anderes als das brutale Gesetz des Lebens, den Kampf um Anerkennung und Erfolg.<\/p>\n<p>Das ist anders geworden. Und ihr merkt das auch, da\u00df seit Ostern eine andere Perspektive offensteht. Von dem Gott her, dessen Kreativit\u00e4t im Tod nicht aufh\u00f6rt, der unabl\u00e4ssig Neues schafft, noch auf den Tr\u00fcmmerfeldern, die wir zur\u00fccklassen, noch in den zerrissenen Seelen, die wir selbst sind. Ihr meint zwar, gerade davon sei nichts zu sehen in der Welt und nichts zu sp\u00fcren im eigenen Herzen. Achtet noch einmal auf euch selbst, wenn ihr die Osterlieder anstimmt. Wie da ein Lachen durch die Welt und euer Herz geht. Ein Lachen \u00fcber den Tod. Und lachen k\u00f6nnt ihr pl\u00f6tzlich auch \u00fcber euch selbst, dann und wann zumindest. Ihr entdeckt diese neue Perspektive, die Distanz schafft zum zuvor so Bedr\u00e4ngenden, Niederdr\u00fcckenden, auch f\u00fcr euch selbst. Es findet die Hoffnung, die in euch schon keimt, reichlich Nahrung. Ihr werdet dessen gewi\u00df, da\u00df ein Gott ist, der uns vorbehaltlos anerkennt. Der bei uns bleibt und mit uns geht, auch wo kein Land mehr in Sicht ist, wir die Orientierung verlieren, ganz am Ende sind. Es gibt ein Dar\u00fcberhinaus. Es ist ein Sinn in allem, im eigenen Leben. Und dieser Sinn zerbricht nicht an den Gr\u00e4bern. Denn der sch\u00f6pferische Gott, der uns unser Leben geschenkt hat, h\u00e4lt einen jeden und eine jede von uns unverlierbar in seinen H\u00e4nden.<\/p>\n<p>Beweise? Was verlangt ihr Beweise! Die gibt es nicht, wo es um die letzten Dinge zwischen Himmel und Erde geht, um den Grund unseres Lebens und das Ziel, auf das wir zugehen. H\u00f6rt auf die Stimme eures Herzens, wenn ihr die Osterlieder singt. Ihr sp\u00fcrt dann, was das Gl\u00fcck derer ist, die glauben k\u00f6nnen. Ihr ahnt dann etwas von eurer Seelen Seligkeit.<\/p>\n<p>&#8222;Das ist die reiche Osterbeut, der wir teilhaftig werden: Fried, Freude, Heil, Gerechtigkeit, im Himmel und auf Erden.&#8220; (EG 113, 7)<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p>Prof. Dr. Wilhelm Gr\u00e4b Universit\u00e4tsstra\u00dfe 150 44801 Bochum Tel. 0234 70025 00<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ostern &#8211; und die Folgen? | Quasimodogeniti | 19. April 1998 | 1. Petr 1,3-9 | Wilhelm Gr\u00e4b | Liebe Gemeinde! 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