{"id":21064,"date":"1998-05-14T08:42:36","date_gmt":"1998-05-14T06:42:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21064"},"modified":"2025-03-14T08:45:19","modified_gmt":"2025-03-14T07:45:19","slug":"1-johannes-51-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-johannes-51-4\/","title":{"rendered":"1. Johannes 5,1-4"},"content":{"rendered":"<h3>Jubilate | 3. Mai 1998 | 1. Joh 5,1-4 | Wolfgang Petrak |<\/h3>\n<p>Predigtext: 1. Johannes 5, 1-4<\/p>\n<p>1 Wer glaubt, da\u00df Jesus der Christus ist, der ist von Gott geboren; und wer den liebt, der ihn geboren hat, der liebt auch den, der von ihm geboren ist. 2 Daran erkennen wir, da\u00df wir Gottes Kinder lieben, wenn wir Gott lieben und seine Gebote halten. 3 Denn das ist die Liebe zu Gott, da\u00df wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer. 4 Denn alles, was von Gott geboren ist, \u00fcberwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt \u00fcberwunden hat.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>in vielen Kirchen werden an den Sonntagen dieses Monats Konfirmationen gefeiert. Wenn dann in ihnen &#8222;Lobe den Herren&#8220; gesungen wird, ist es so, als ob sich der ganze Raum bis hoch unter die Decke f\u00fcllt. Mit Danken und Gedanken. Sie m\u00f6gen blitzschnell zu jenem Augenblick zur\u00fcckkehren, an dem Leben geschenkt wurde. Dann vielleicht erfassen sie solche Momente wie das erste L\u00e4cheln des Sohnes. Da war f\u00fcr den Vater eigentlich erst der Kontakt da. Oder die Fahrt des Kindes mit dem Fahrrad ohne St\u00fctzr\u00e4der: Zun\u00e4chst mu\u00dfte die Tochter noch geschoben werden, dann ging es von selbst. Oder wie sie stolz die Arbeiten aus der Schule mitbrachten, in der 4. Klasse jedoch ging der \u00c4rger los. Und die Krise in der Ehe&#8230;: Die Gedanken gehen nicht vorbei an den Konflikten und \u00c4ngsten; sie lassen sich jedoch nicht darin gefangennehmen, sondern m\u00fcnden ein in dieses- wie soll man es anders sagen?- in dieses &#8222;Lobe den Herren&#8220;. Und wenn dann zum Schlu\u00df des Gottesdienstes noch gesungen wird &#8222;Geh aus mein Herz und suche Freud&#8220;, dann gehen deine guten W\u00fcnsche mit, und du wei\u00dft zugleich, da\u00df du sie losl\u00e4\u00dft. Kinder. S\u00f6hne, T\u00f6chter: sie gehen, um Eigenes zu suchen und Bleibendes zu finden.Wie wird sich ihr Leben und ihre Beziehung mit uns gestalten?<\/p>\n<p>Auch wir, die wir Konfirmandenunterricht gegeben haben, sp\u00fcren dann, da\u00df eine gemeinsame Zeit abgeschlossen ist. Dabei gehen in diesem Augenblick meine Gedanken nicht so sehr der Frage nach, wie sich das Verh\u00e4ltnis von Jugendlichen und unserer Kirche entwickeln wird. Nat\u00fcrlich ist diese Frage wichtig: Wenn wir von T\u00f6chtern und S\u00f6hnen als Kindern Gottes reden, m\u00fcssen auch unsere R\u00e4ume ihnen ein Zuhaus sein. Ihre Lebensform bereichert uns; ihre Fragen n\u00f6tigen uns zu Antworten und Konsequenzen, auf die wir so von allein nicht kommen w\u00fcrden. Denn Liebe ist nicht nur ein Wort. Gottes Liebe schon garnicht, denn sie ist wie die Sonne, sie ist immer und \u00fcberall da. Toll, wenn Jugendliche das bei uns sp\u00fcren. Nicht damit sich Strukturen und Institutionen formal f\u00fcr das 21. Jahrhunder sichern. Sondern damit etwas von dem r\u00fcberkommt, der Grund des Lebens ist.<\/p>\n<p>Deshalb steht f\u00fcr mich am Ende der Konfirmandenzeit die Frage, ob es reicht, was wir den Konfis mitgegeben haben. Denn in dem Ma\u00df, in dem gemeinschaftliche Einrichtungen und Institutionen ihre pr\u00e4gende Bedeutung verlieren, werden wir pers\u00f6nlich umso st\u00e4rker gefordert, um Entscheidungen zu verantworten. Tragen da die Beispiele aus dem Konfirmandenunterricht &#8211; jenes selbstgedrehte Video \u00fcber Adam und Eva, das Rollenspiel \u00fcber den Reichstag zu Worms, die Erlebnisfreizeit verbunden mit einer Tischabendmahlsfeier? Bei den Zehn Geboten scheint es einfacher zu sein. Es ist uns gesagt, was gut ist und was Gott fordert; seine Gebote sind nicht so schwer. Das neunte und zehnte Gebot zum Beispiel. Du sollst nicht begehren. &#8222;Ist doch klar. Anbaggern l\u00e4uft nicht- aber man kann doch nicht st\u00e4ndig mit geschlossenen Augen rumlaufen&#8220;! Nat\u00fcrlich wissen Konfirmanden, da\u00df Liebe mehr ist als &#8220; mit jemanden gehen&#8220;. Sie suchen Bindungen, m\u00fcssen aber zugleich ihre Aufl\u00f6sung erfahren. Schmerz, Destruktion und Neuanfang liegen so eng beieinander. Jugendliche brauchen Zeit, um sich zurecht zu finden. Nicht nur sie.<\/p>\n<p>&#8222;Wir wollen Freiheit, um uns selbst zu finden, Freiheit, aus der man etwas machen kann. Freiheit, die auch noch offen ist f\u00fcr Tr\u00e4ume&#8220;. Es ist das Lied, das nicht in unserem Gesangbuch steht, weil Kirchenmusiker es f\u00fcr zu kitschig und Theologen f\u00fcr unerheblich gehalten haben. Gleichwohl ist es das Lied, das mittlerweile Generationen miteinander singen, Konfirmanden sogar auswendig, freiwillig und einfach so. Weil sein Text weite Bilder hat, die die Br\u00fcche und Widerspr\u00fcche unserer Erfahrung aufnehmen (Wind und Weite; Gericht, Gitter, Mauern, Angst). Doch dieses ist von einer Melodie umfangen, die wie ein sicherer Strom tr\u00e4gt: Herr, deine Liebe.<\/p>\n<p>Bei einer Konfirmation hatten sich von den 63 Konfirmanden und Konfirmandinnen 20 den gleichen Spruch ausgesucht: &#8220; Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm&#8220;. Als der Spruch zum siebten Mal vorgelesen wurde, tuschelten einige in der Gemeinde. Sp\u00e4ter dann gab es Kichern und verlegenes H\u00fcsteln. So, als ob dieses Wort denn doch nicht so oft geh\u00f6rt werden kann. Denn wir haben eine Gegenwelt: Sexualit\u00e4t wird publiziert, Liebe jedoch wird als Gef\u00fchl privatisiert. So da\u00df ihr, von der einmal die Urgro\u00dfeltern sangen, sie sei eine Himmelsmacht, nichts mehr an Wirkung nach au\u00dfen zugetraut wird. Leitbilder ihrer Gegenwelt sind jene Substantive, die ein &#8222;Aktivit\u00e4tsprinzip&#8220;`vorschreiben und auf &#8222;t\u00e4ten&#8220;enden: Attraktivit\u00e4t, Produktivit\u00e4t, Kreativit\u00e4t, Mobilit\u00e4t usw: als t\u00e4te alles auf ein unersch\u00fctterliches Leistungsprinzip hinauslaufen, das einen Standort vorgeblich sichert.<\/p>\n<p>Gott hat keinen Standort. Er kann sich verlieren, um zu gewinnnen. Im Anfang war. Werden hei\u00dft Sein. Oder besser: Sein hei\u00dft Werden. Werden hei\u00dft Erschaffen; Neues entsteht. Werden hei\u00dft Erzeugen. Werden hei\u00dft zugleich: Geboren werden. Also beides zusammen: Geben und empfangen, Loslassen und Aufnehmen, so da\u00df sich Bleiben und Ver\u00e4ndern aufeinander beziehen und verbunden sind wie Wind und Weite und wie ein Zuhaus. Das ist Liebe. Im Anfang war das Wort, und das Wort bei bei Gott, und Gott war das Wort. Doch Gott bleibt nicht bei sich. Denn er ist die Liebe und wird sie, lebt sie. Er gibt sich in die Welt hinein, und das kann nicht zur\u00fcckgenommen werden, weil die Geburt unumkehrbar ist. Er hat einen Sohn. Und er sprach zu ihm vielleicht: &#8222;Geh aus mein Herz und suche Freund&#8220;. Oder: &#8222;Fahr Hin, meins Herzens Kron. Es ist Zeit&#8220;.<\/p>\n<p>Sein Sohn hat einen Vater. Und eine Familie, die nicht vom Kreis geschlossener Harmonie gekennzeichnet ist. Auch in ihr wird scharf der Schmerz der Trennung ausgesprochen. Die Seinen sagen, er sei von Sinnen; er fragt, wer seine Mutter und seine Br\u00fcder sind, ja auch dieses: Mein Gott, warum?<\/p>\n<p>Die Liebe ertr\u00e4gt alles, glaubt alles , sie hofft alles, sie duldet alles. Auch die Tr\u00e4nen und das Verstummen. Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns. Gottes Eingehen in die Welt bedeutet f\u00fcr ihn Verlust und Schmerz. F\u00fcr uns aber den Gewinn seiner Liebe. Denn sie weist \u00fcber ihn hinaus und nimmt uns ganz darin hinein. Und den Konfis war es ganz egal, wie die anderen reagierten. Denn es ist ihr Wort. Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Denn unser Glaube ist der Sieg, der die Welt \u00fcberwunden hat. Hinterm Horizont gehts weiter, und das geht ganz tief rein , so da\u00df das Herz in Spr\u00fcnge geht und kann nicht traurig sein.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p>Lied nach der Predigt: EG 351,1-3.13<\/p>\n<p>Material: Weniger Guildo Horn als Udo Lindenberg, Hinterm Horizont geht\u00b4s weiter.<\/p>\n<p>Wolfgang Petrak (Pastor in St. Petri- Weende), Schlagenweg 8a, 37077 G\u00f6ttingen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jubilate | 3. Mai 1998 | 1. Joh 5,1-4 | Wolfgang Petrak | Predigtext: 1. Johannes 5, 1-4 1 Wer glaubt, da\u00df Jesus der Christus ist, der ist von Gott geboren; und wer den liebt, der ihn geboren hat, der liebt auch den, der von ihm geboren ist. 2 Daran erkennen wir, da\u00df wir Gottes [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":15060,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[56,727,157,853,114,350,741,349,3,109,1217],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-21064","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-1-johannes","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-jubilate","category-kapitel-05-chapter-05-1-johannes","category-kasus","category-nt","category-predigten","category-wolfgang-petrak"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21064","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21064"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21064\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21065,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21064\/revisions\/21065"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15060"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21064"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21064"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21064"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=21064"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=21064"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=21064"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=21064"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}