{"id":21078,"date":"1998-05-14T09:28:01","date_gmt":"1998-05-14T07:28:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21078"},"modified":"2025-03-14T09:31:17","modified_gmt":"2025-03-14T08:31:17","slug":"apostelgeschichte-13-11-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/apostelgeschichte-13-11-4\/","title":{"rendered":"Apostelgeschichte 1,3-11"},"content":{"rendered":"<h3>Himmelfahrt | 21. Mai 1998 | Apg\u00a01,3-11 | Axel Denecke |<\/h3>\n<p>I<\/p>\n<p>Zu Himmelfahrt &#8211; diesem so oft vergessenen, verdr\u00e4ngten und deshalb zum &#8218;Vatertag&#8216; umfunktionierten christlichen Nebenfeiertag &#8211; f\u00e4llt mir immer wieder &#8211; jedes Jahr neu &#8211; das alte englische Sprachspiel von &#8217;sky&#8216; und &#8218;haeven&#8216; ein. Zwei Begriffe haben die lieben Engl\u00e4nder, die Sie alle wissen, f\u00fcr &#8218;Himmel&#8216;, eben &#8217;sky&#8216; und &#8218;haeven&#8216;. Und deshalb ist&#8217;s f\u00fcr englisch sprechende und denkende Menschen ganz einfach: Jesus fuhr nicht &#8218;auf&#8216; in den &#8217;sky&#8216;. Das geht nicht, das w\u00e4re absurd, widerspr\u00e4che aller Logik und auch allen Glaubensvorstellungen. Und Juri Gagarin selig h\u00e4tte durchaus und nur zu recht, wenn er stolz-naiv-verlegen feststellt, er sei gen sky gefahren und habe da nirgendwo Gott und Jesus zu seiner Rechten entdeckt. Wie wahr! Wie sollte es auch anders sein! &#8211; Doch andersherum wird ein Sinn daraus und dies ist auch ganz einfach: Jesus &#8218;fuhr&#8216; nat\u00fcrlich &#8218;auf&#8216; und zugleich &#8218;runter&#8216; und zugleich &#8217;nach vorn&#8216; und zugleich &#8218;in die Tiefe&#8216; und zugleich &#8218;mitten hinein&#8216; in uns, indem er in den &#8218;heaven&#8216; fuhr. Ganz klar. Und da kann ihn jeder entdecken, seit etwa 2000 Jahren schon, Juri Gagarin und Klaus M\u00fcller und Helga Schneider. So wie es die Freunde und Freundinnen Jesu, damals eben vor 2000 Jahren, entdecken konnten (oder auch nicht, wenn sie vorbeischauten), so auch wir heute. Nicht anders als im vergangenen Jahr, im vorvergangenen und all den Jahren zuvor. Das ist ganz normal, gar nichts Besonderes, das Selbstverst\u00e4ndlichste auf der Welt des Glaubens.<\/p>\n<p>II<\/p>\n<p>Denn wie war es denn damals vor 2000 Jahren mit der &#8218;Himmelfahrt&#8216; von der uns Lukas berichtet? Nur er allein &#8211; die anderen Evangelisten verschweigen es &#8211; berichtet davon, er allerdings gleich zweimal. Am Ende seines Evangeliums, ganz am Ende des letzten Kapitels. Und gleich zu Beginn seiner Apostelgeschichte, so als m\u00fc\u00dfte er&#8217;s am Schlu\u00df und am Anfang doppelt sagen, so als wollte er direkt an sein Evangelium ankn\u00fcpfen, damit alles wie aus einem Gu\u00df geschrieben ist, das eine wie selbstverst\u00e4ndlich ins andere \u00fcbergeht. Wie also berichtet er davon?<\/p>\n<p>Jesus f\u00e4hrt gen Himmel (Act. 1,8), &#8222;vor ihren Augen weg&#8220; und die J\u00fcnger starren verz\u00fcckt oder entsetzt oder wie auch immer in den &#8217;sky&#8216;. Doch da sahen sie nichts, wie sollten sie auch, war nichts zu sehen. &#8222;Und als sie ihm noch nachstarrten, wie er gen &#8218;Himmel&#8216; fuhr, siehe da standen da auf einmal zwei M\u00e4nner bei ihnen in wei\u00dfen Gew\u00e4ndern: Die sagten: &#8222;Ihr M\u00e4nner (sicher w\u00fcrden sie heute die Frauen nicht vergessen) von Galil\u00e4a, was steht ihr da und starrt (vielleicht meinten sie auch: &#8222;und glotzt&#8220;) zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel gegangen ist, er kommt wieder, so wie er weggegangen ist.&#8220; So die englischen Haeven-M\u00e4nner, zu den Jesus-M\u00e4nnern (und Frauen) vor 2000 Jahren.<\/p>\n<p>Ich versteh das so (und \u00fcbersetze diese merkw\u00fcrdige Rede in meine Sprache): &#8222;Leute, was glotzt ihr verz\u00fcckt oder entsetzt oder entgeistert (denn sie hatten den Geist Gottes noch nicht, Pfingsten steht noch aus) nach oben in den &#8217;sky&#8216;, la\u00dft euch blenden von der glei\u00dfenden Sonne, starrt nach oben, kriegt eine Genickstarre und werdet dabei unt\u00fcchtig f\u00fcr den Alltag, f\u00fcr das N\u00e4chstliegende, f\u00fcr das, was auf dem Weg vor euch liegt, angewurzelt, festgewurzelt wie ihr da rumsteht mit offenem Mund und geblendeten Augen. Im &#8217;sky&#8216; werdet ihr nix finden von Jesus, er ist weg, ein f\u00fcr allemal weg. Doch wenn ihr nach vorn blickt, einfach nach vorn, seht da die Berge von Jerusalem, seht da den \u00d6lberg, Berg Golgatha, seht da den Tempel, seht ihr doch, oder?, seht, dahin ist Jesus &#8218;aufgefahren&#8216;, in den &#8218;heaven&#8216;, aufgefahren nach vorn, aufgefahren in die Zukunft, aufgefahren mitten hinein in euch, wenn&#8217;s nicht zu kitschig klingen w\u00fcrde, w\u00fcrde ich sagen: aufgefahren, hineingefahren in euer Herz. Und da lebt er, unver\u00e4ndert, so wie ihr vor Kurzem noch ganz real vor Augen gehabt habt.<\/p>\n<p>Ihr glaubt das nicht? Denkt, ich schwindele euch an, w\u00fcrde auch den Tod Jesu durch Auferstehungsromantik vers\u00fc\u00dfen wollen? Ach, in 2000 Jahren, in ganz langer Zeit nach euch, wird \u00fcber 2000 km von hier entfernt, ein kluger Schriftgelehrter aus Deutschland sagen: &#8218;Die Sache Jesus ging weiter&#8216;. Sie war nicht beendet mit seinem Sterben dort vor euch &#8211; schaut nur noch einmal hin &#8211; auf Golgatha. Das, was er gewollt hat, war nicht tot, blieb nicht vergessen, nistete sich ein in die Herzen der Menschen, man wei\u00df gar nicht wie, doch so geschah&#8217;s. Und in 2000 Jahren redet man immer noch von ihm. Reden mehr Menschen von ihm als ihr kennt, als es jetzt gibt.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Also ihr Lieben&#8220; &#8211; so redeten weiter die beiden englischen Menschen in ihren wei\u00dfen Gew\u00e4ndern &#8211; &#8222;glotzt nicht entsetzt oder verz\u00fcckt oder entgeistert nach oben in den &#8217;sky&#8216;, da guckt ihr in die Leere, werdet nix von Jesus finden. Schaut lieber nach vorn in den &#8218;heaven&#8216;, schaut euch um, schaut euch einander an, schaut auf Jerusalem und sp\u00e4ter Rom und sp\u00e4ter New York und noch sp\u00e4ter &#8230; ach, was wei\u00df ich, schaut auf die Menschen, die euch brauchen und geht an die Arbeit, es gibt viel zu tun f\u00fcr euch. Die Erde ist euer Ort. Dort hinein ist Jesus eingefahren. Sp\u00e4ter wird ein Lyriker, ein frommer Mann, mal sagen: &#8218;Jesus ist aufgefahren &#8230; auf die Erde, hinein in unser Leben&#8216;. So ist&#8217;s. Ist&#8217;s nicht so?&#8220; So in etwa, denke ich, redeten die zwei wei\u00dfen\/zwei weisen englischen M\u00e4nner, die sehr wohl &#8217;sky&#8216; von &#8218;heaven&#8216; fein zu unterscheiden wu\u00dften, als sie im lukanischen \u00dcbersetzungsdeutsch sagten: &#8222;Ihr M\u00e4nner aus Galil\u00e4a, was steht ihr da herum und starrt in den Himmel? Dieser Jesus, der da von euch fortgenommen ist in den &#8218;heaven&#8216; (ihr denkt maulend: in den &#8217;sky&#8216;), er kommt wieder, so wahr wie er in den &#8218;heaven&#8216; gefahren ist.&#8220; &#8212; Und da die J\u00fcnger es wirklich &#8211; man glaubt es kaum &#8211; verstanden hatten, hei\u00dft es weiter: &#8222;Da kehrten sie nach Jerusalem zur\u00fcck vom Berge, welcher der \u00d6lberg hei\u00dft&#8220;. Zur\u00fcck also an den Ort, wo f\u00fcr sie alles begonnen hat, wo &#8222;die Sache Jesus&#8220; weitergehen sollte, was denn sonst, wo denn sonst, Pfingsten sollte es werden, Gottes Geist &#8211; also Jesu h\u00f6chstselbst in Gestalt des &#8218;Haeven-Jesus&#8216; &#8211; sollte in sie einfahren. Doch das ist dann ein weiteres Kapitel.<\/p>\n<p>III<\/p>\n<p>Was lehrt uns das? Ganz einfach dies, was Jesus seinen lieben J\u00fcngern, ehe er gen haeven fuhr, mit auf dem Weg nach Jerusalem gab. &#8222;Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen (merke: in 10 Tagen ist Pfingsten, seit 2000 Jahren schon!) und ihr werdet meine Zeugen sein, in Jerusalem und in ganz Jud\u00e4a und Samarien und bis ans Ende der Welt&#8220;. Die &#8218;Reise nach Jerusalem&#8216; steht bevor. Und das hei\u00dft konkret: Bis ans Ende der Welt, also bis zu uns, also bis zu mir! Zu mir, zu dir, ganz pers\u00f6nlich! Bis dahinein soll von der &#8218;Sache Jesu&#8216; die Rede sein, nein, nicht nur die Rede, bis dahinein soll die &#8218;Sache Jesu&#8216; Tat werden.<\/p>\n<p>Das ist eine Lebensaufgabe, eine \u00dcberlebensaufgabe. Deshalb ist sie auch nach 2000 Jahren noch nicht abgeschlossen. Was sagte doch der kluge deutsche Schriftgelehrte 2000 Jahre nach all diesen Geschehnissen in Jerusalem? &#8222;Die Sache Jesu geht weiter&#8220;. Also, auch noch 2000 Jahre weiter! Wer wei\u00df, wie wir im Jahre 4000 anno domini von Jesus, aufgefahren in unseren h\u00f6chstpers\u00f6nlichen heaven reden! Wer wei\u00df, so Gott will, ob es das Jahr 4000 dann noch gibt! Gott will es, soweit ich ihn in meinem Glauben kenne, wenn wir Menschen bis dahin nicht den &#8218;heaven on earth&#8216; zugrunde gerichtet haben. Zuzutrauen ist uns das ja, doch Gott will, da\u00df &#8218;die Sache Jesu&#8216; weitergeht, so wie vor 2000 Jahren so auch noch in 2000 Jahren. Wann wird die &#8218;Sache Jesu&#8216; zu ihrem guten Ende gekommen sein?<\/p>\n<p>Die englischen Heaven-M\u00e4nner haben schon damals auf diese allzu klug-neugierige Frage die passende Antwort gegeben: &#8222;Es geb\u00fchrt euch nicht Zeit und Stunde zu wissen, die der Vater (also Gott) nach seiner eigenen Macht daf\u00fcr festgesetzt hat&#8220;. So ist es! Steht noch dahin, steht alles noch dahin! Aber nicht dahin steht, da\u00df die Sache Jesu weitergeht, da\u00df wir seit 2000 Jahren unter dem ge\u00f6ffneten Haeven-Himmel Gottes leben, da\u00df Gott niedergefahren\/aufgefahren\/eingefahren ist in unser Leben und da\u00df wir so beauftragt und kraft des Heiligen Geistes auch in die Tage versetzt worden sind, im Geiste Jesu unsere Erde zu gestalten, von Jerusalem aus bis ans Ende der Welt, also bis in unsere Herzen hinein. Das steht nicht dahin. Das ist unsere schlichte Aufgabe und unsere von Gott gesetzte F\u00e4higkeit.<\/p>\n<p>&#8222;Es gibt viel zu tun&#8230; in Sachen des Glaubens und in Sachen von Gerechtigkeit, Liebe und Lebensgestaltung&#8220;, so h\u00f6rten die J\u00fcnger damals, als sie von Jesus, der ihnen vorausgeeilt (nicht davongeeilt) in den heaven war. &#8222;Es gibt viel zu tun&#8220;. Wir alle, Sie und Sie und Du und Du und ich nat\u00fcrlich insbesondere, sind aufgerufen und aufgemuntert, nicht mehr verz\u00fcckt und entgeistert und entsetzt und in allem tatenlos nach oben in den sky zu starren &#8211; da gibt&#8217;s au\u00dfer Ufos immer noch nix zu sehen -, sondern ruhig und mutig offenen Auges nach vorn in den haeven, um tatkr\u00e4ftig im Geiste Jesu daf\u00fcr Sorge zu tragen, da\u00df wir dem haeven, in den uns Jesus vorausgeeilt ist, tats\u00e4chlich entgegengehen. Mag sein, da\u00df uns Jesus &#8211; freundlich, wie er uns aus Prinzip gesonnen ist &#8211; sogar noch entgegengeht, damit f\u00fcr uns der Weg nicht so weit ist. Das meint und ist die &#8218;Himmelfahrt&#8216; Jesu, gestern vor 2000 Jahren &#8211; doppelt deutlich bei Lukas, damit wir&#8217;s kapieren &#8211; heute unter uns &#8211; man glaubt es ja kaum inmitten von all dem, was wir religionsm\u00fcde nennen &#8211; und morgen in 2000 Jahren, in 4000 Jahren, in 6000 Jahren. Die Sache Jesu geht weiter, unaufhaltsam.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Prof. Dr. Axel Denecke<\/p>\n<p>Hauptpastor St.Katharinen\/Hamburg-<\/p>\n<p>Katharinenkirchhof 1 20459 Hamburg<\/p>\n<p>Vorbemerkungen:<\/p>\n<p>Nach dem lk. Geschichtswerk ist die &#8222;Himmelfahrt Christi&#8220; nicht der Abschlu\u00df Jesu Wirkens auf Erden, sondern ein selbstverst\u00e4ndlicher und gar nicht so spektakul\u00e4rer Durchgang in der Kontinuit\u00e4t seines Wirkens in dieser Welt. &#8222;Die Sache Jesu geht weiter&#8220; (Marxen), wenn auch auf eine andere Weise als bisher. Daher der Abschlu\u00df des Evangeliums und der Neubeginn in der Apostelgeschichte mit dem gleichen Ereignis. Das bedeutet: Nichts Neues geschieht in der Apostelgeschichte, sondern die Geschichte Jesu geht wie selbstverst\u00e4ndlich weiter. Vorher leiblich sichtbar (und viele haben doch nicht gesehen), jetzt geistlich sichtbar (und seit 2000 Jahren &#8217;sehen&#8216; wir es).<\/p>\n<p>Himmelfahrt also: Die Fortsetzung des erdgebundenen Wirkens Jesu mit anderen Mitteln. Ganz einfach dies, nichts anderes. Und dies gilt in der Predigt &#8211; nach wie vor, also auch anno 98 via Internet &#8211; deutlich zu machen. Das ist nichts Besonderes, sondern das allernormalste des christlichen Glaubens.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Himmelfahrt | 21. Mai 1998 | Apg\u00a01,3-11 | Axel Denecke | I Zu Himmelfahrt &#8211; diesem so oft vergessenen, verdr\u00e4ngten und deshalb zum &#8218;Vatertag&#8216; umfunktionierten christlichen Nebenfeiertag &#8211; f\u00e4llt mir immer wieder &#8211; jedes Jahr neu &#8211; das alte englische Sprachspiel von &#8217;sky&#8216; und &#8218;haeven&#8216; ein. 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