{"id":21107,"date":"2000-01-06T14:19:23","date_gmt":"2000-01-06T13:19:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21107"},"modified":"2025-04-24T08:59:53","modified_gmt":"2025-04-24T06:59:53","slug":"kolosser-1-24-27-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/kolosser-1-24-27-5\/","title":{"rendered":"Kolosser 1, 24-27"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"font-family: Arial;\">Ephiphanias | 6.1.2000 | Kolosser 1,24-27<\/span><span> | <\/span><span style=\"font-family: Arial;\">Esko Ry\u00f6k\u00e4s |<\/span><\/h3>\n<p>Zu Beginn des Boxkampfes gongt es. Damit f\u00e4ngt der Wettkampf an. Der Boxer schl\u00e4gt so schnell und so oft wie m\u00f6glich und der andere versucht seine Schl\u00e4ge so gut wie m\u00f6glich abzuwehren. Ab und zu gelingt es dem guten Boxer seinen Gegner f\u00fcr kurze Zeit zu beruhigen, aber gleich geht es wieder los. Nach der letzten Partie gongt es nochmals, und das Publikum wartet auf das Ergebnis. Beide Boxer stellen sich neben den Ringrichter und warten. Nach einer Weile hebt der Ringrichter die Hand des einen oder anderen hoch. Dieser hat den gesamten Boxkampf gewonnen!<\/p>\n<p>Das ganze Leben eines Boxers dreht sich ums Boxen. Am Anfang der Laufbahn trainiert er in einigen Wettk\u00e4mpfen. Dabei sind die Wettk\u00e4mpfe noch spielerische, leichte \u00dcbung, und der Trainer bereitet den Boxer vor. Allm\u00e4hlich werden sie echter. Die Eins\u00e4tze sind noch ziemlich gering, und die Wettk\u00e4mpfe werden immer noch spielerisch gef\u00fchrt. Man braucht noch nicht alles ernst zu nehmen. Es geht noch um \u00dcbung. Schliesslich kommt die Zeit des ernsten Wettkampfes. Und im Laufe der Zeit, schneller als man glaubt, werden die K\u00e4mpfe allt\u00e4glich. In allen Kampfsituationen muss man auf Schl\u00e4ge gefasst sein. Man muss sie entgegennehmen und bereit sein, sie zu geben. Man erh\u00e4lt Schl\u00e4ge auf seine rechte und linke Backe. Wenn der Boxer Karriere macht, wird er Profi, und er ern\u00e4hrt sich vom Boxen. Die besten Profis erreichen Spitzenpositionen auf der Rangliste und werden vielleicht sogar Weltmeister.<\/p>\n<p>Das Leben der Menschen ist oft dem Leben eines Boxers \u00e4hnlich. Von klein an muss man allerlei Haue und Schl\u00e4ge geben und entgegennehmen. Zu Beginn geht es nat\u00fcrlich nur ums Spiel, aber allm\u00e4hlich mit der fortschreitenden Schulung werden die K\u00e4mpfe reeller. Im allt\u00e4glichen Leben erh\u00e4lt man Schl\u00e4ge auf viele verschiedene Arten. So bei der Arbeit und in der Familie, so bei Hobbys. Das Schicksal kann einen \u00fcbel zurichten, trotz der erreichten, hohen Stellung. Jeder muss Schl\u00e4ge einstecken.<\/p>\n<p>Das Leben scheint eine Reihe von Boxk\u00e4mpfen zu sein. Zwischen den Wettk\u00e4mpfen hat man Ruhepausen, aber dann muss man wieder in den Ring. Die Wettk\u00e4mpfe folgen aufeinander. Es macht einen m\u00fcde, aber man scheint keine Alternative zu haben.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Epiphanienfestes wird von drei Gestalten erz\u00e4hlt, von den Heiligen Drei K\u00f6nigen. Sie waren Profis und k\u00f6nnen deshalb mit Schwergewichtsmeistern verglichen werden. Symbolisch betrachtet gingen sie zusammen zu einem neuen Gegner. Diese drei hatten schon einen ehrw\u00fcrdigen Rang, sie waren ge\u00fcbt und konnten prachtvoll reisen. Sie konnten viel Geld und wertvolle Schmuckst\u00fccke dem Gegner mitbringen.<\/p>\n<p>Nach ihrer Ankunft baten sie h\u00f6flich um Zutritt zu dem neuen Gegner. Als sie ihn trafen, schenkten sie ihm sofort Geld, Gold und andere wertvolle Sachen &#8211; in gro\u00dfen Mengen. Nach ihrer Erkenntnis war der neue Gegner auf der Weltrangliste so hoch rangiert, dass man sich vor ihm beugen musste. Sie ehrten ihn, obgleich sie mit ihm keinen einzigen Wettkampf gef\u00fchrt hatten. Sie hatten hohe Achtung vor ihm, obwohl der Gegner nur ein kleines Kind war. Drei Profis beugten sich vor einem kleinen hilflosen Kind.<\/p>\n<p>Die drei Profis, die nach dem Text des Epiphaniasfestes zu dem Kind kamen, wussten, wer gewinnen wird. Das Kind wird der Meister werden. Deswegen werden auch all diejenigen, die zu seiner Mannschaft geh\u00f6ren, gewinnen. Die K\u00e4mpfe sind noch nicht beendet, aber schon jetzt kennt man den Namen der siegreichen Mannschaft. Deren Leiter ist Jesus, der Gottessohn.<\/p>\n<p>Vierzig Jahre nach der Zeit der Heiligen Drei K\u00f6nige hatte sich die Situation ver\u00e4ndert. Der Saulus aus Tarsus war auch Schwergewichtsmeister, dennoch traf auch er seinen Sieger. In seinem Brief an die Kolosser erz\u00e4hlt Paulus das Geheimnis seines Lebens, und wie er die n\u00f6tige Kraft bekam, seinen Wettkampf zu f\u00fchren und zu beenden. Er hatte das Geheimnis, das ihm immer Kraft verlieh. Dieses Geheimnis soll allen V\u00f6lkern offenbart werden. (Kolosserbrief, 1. Kapitel, Vers 27) Er hatte die Hoffnung, die Hoffnung der Herrlichkeit, deren Geheimnis Christus ist. Gleicher Christus, der zu Weihnachten geboren wurde, und vor dem die Heiligen Drei K\u00f6nige sich gebeugt hatten. Sie ehrten ihn schon in der Zeit, als er noch ein kleines Kind war.<\/p>\n<p>Paulus hatte K\u00e4mpfe gef\u00fchrt, und er hatte gewonnen. Er war ein solcher Meister geworden, der anderen Kraft zu verleihen vermag. In den Boxk\u00e4mpfen des Lebens gibt es eine Regel, die eigenartig ist. Der Sieger wird erst dann bekanntgegeben, wenn alle Wettk\u00e4mpfe durchgef\u00fchrt sind. Als ob es um eine Reihe der Wettk\u00e4mpfe ginge, wo man immer, fast pausenlos, von einem Wettkampf zum anderen \u00fcbergeht. Und erst nach dem allerletzten Wettkampf wird der Sieger bekanntgegeben. Und durch und durch sonderbar ist es, dass von vornherein bekannt ist, wer aus dem Wettkampf schliesslich als Sieger hervorgeht.<\/p>\n<p>Der Boxkampf des Lebens \u00e4hnelt dem Wettkampf, in dem der christliche Mitk\u00e4mpfer selbst erf\u00e4hrt, dass er der Sieger sein wird. Der Richter verk\u00fcndet den Sieger, aber es ist schon jetzt m\u00f6glich zu wissen, wer er ist. Es wird nur darauf gewartet, dass der Richter die Hand des Siegers hochhebt und bekanntgibt: Du bist Sieger. Du geh\u00f6rst zu denjenigen, denen Jesus das Recht zu siegen gegeben hat.<\/p>\n<p>Diejenigen, die zu dem kleinen Kind gingen, wussten, dass dieses Kind grosse Taten vollbringen wird. Sie sollten nur darauf warten. Paulus beeilte sich, den zuk\u00fcnftigen Preis zu bekommen. Er hatte die Hoffnung auf besseres Leben. Darauf wartete er und war in seinem Warten froh. Die Heiligen K\u00f6nige warteten, und so tat Paulus.<\/p>\n<p>In dem Boxkampf des Lebens gibt es viele Matches. Inmitten dieser kann man nur warten. Man kennt schon das kommende Urteil. Darauf kann man in aller Ruhe warten. Die Nachfolger Jesu bekommen als Belohnung das ewige Leben.<\/p>\n<p>Beim Warten auf die Entscheidung kann man sich \u00fcber den zuk\u00fcnftigen Sieg freuen. Daraus kann man neue Kr\u00e4fte f\u00fcr Leben und seine Wettk\u00e4mpfe sch\u00f6pfen. So hat man die n\u00f6tige Kraft dem Gegner auch die andere Backe hinzuhalten. Man hat mit anderen Erbarmen; sie haben ja auch ihre harten Wettk\u00e4mpfe zu f\u00fchren. Aber weil ich weiss, dass ich gewinnen werde, kann ich ruhig anderen helfen. Hier und jetzt kann ich in dieser Hoffnung froh sein. Ich kann auf die kommenden Partien warten und das Jubeljahr 2000 leben und gleichzeitig auf die Bekanntgabe des endg\u00fcltigen Siegers warten.<\/p>\n<p><b>Exegetische Probleme:<\/b><br \/>\nDer heutige Text ist in der deutlichen Sprache der langen S\u00e4tze von Paulus verfasst, aber darin besteht auch ein grosses und dogmatisch wesentliches Problem. Aus Vers 27 geht nicht deutlich hervor, welchen Bezugszusammenhang Paulus gehabt hat. Besteht der Grund der Hoffnung in dem inneren Wohnen Christi im Menschen oder im Christo, der dem Zuh\u00f6rer der Grund der Hoffnung ist, und der unter seiner Gemeinde lebt. Die finnische \u00dcbersetzung, die die Evangelisch-Lutherische Kirche Finnlands im Jahr 1992 einf\u00fchrte, gibt auch zwei Alternativen: \u201eChristus unter ihnen, die Hoffnung der Herrlichkeit\u201c und \u201eChristus in ihnen, die Hoffnung der Herrlichkeit\u201c. In meiner Predigt wollte ich dieses Problem umgehen, und deswegen habe ich dar\u00fcber geschrieben, was allen gemeinsam ist, \u00fcber Hoffnung und Belohnung.<\/p>\n<p><b>Dogmatische Analyse:<\/b><br \/>\nIn der erw\u00e4hnten Stelle des Kolosserbriefes besteht der Kern der Botschaft von Paulus im Leben in der Hoffnung. Dieser ist ein sehr abstrakter Gedanke. Ich habe daf\u00fcr ein Korrelat gesucht. Ein Pfarrer hat mir gegen\u00fcber an dem letzten Totensonntag einen Gedanken ge\u00e4ussert, der sehr fruchtbar erschien: Die Christen warten nicht in Angst auf das Urteil, sondern im Vertrauen. Sie wissen, dass ihnen das Urteil des ewigen Lebens gesprochen wird, nicht das der Verdammung. Dar\u00fcber k\u00f6nnen sich die Christen schon jetzt freuen.<br \/>\nDas Jubeljahr der Christlichen Kirche 2000 hat als Thema auch die Hoffnung, es ist das Jahr der Hoffnung. Deswegen wird das Thema der wartenden Hoffnung als Zentralthema des Epiphaniasfestes hervorgehoben.<\/p>\n<p><b>Homiletische Analyse:<\/b><br \/>\nIch begann zu erw\u00e4gen, auf welche Weise dieses Warten in der Hoffnung und im Vertrauen konkretisiert werden konnte. So kam ich zu verschiedenen Sportarten. Der Sport ist in Finnland die zweitpopul\u00e4rste Form der Freizeitgestaltung. Die Finnen nehmen an den kirchlichen Veranstaltungen mehr teil als am Sport. Wir haben aber viele Zuschauer bei Sportveranstaltungen, und die auf den Sport bezogene Gedankenwelt ist allgemein bekannt. Es scheint, dass der Sport z.B. in Mitteleuropa nicht so eine bedeutende Stellung hat wie bei uns, aber die Denkmodelle der verschiedenen Sportdisziplinen m\u00f6gen doch \u00fcberall allgemein bekannt sein.In einigen Sportarten erfolgt die Beurteilung erst nach dem eigentlichen Wettbewerb. Zum Beispiel in Kunstturnen und Eiskunstlauf werden die entscheidenden Punkte erst nach der Leistung gegeben. Ich entschied mich f\u00fcr Boxen, weil die Punkte w\u00e4hrend des gesamten Boxkampfes gegeben werden, und ihre Sammlung jederzeit verfolgt werden kann. So kann man ganz konkret wissen, welche Beurteilung kommt. Der Ringrichter macht nur sehr selten etwas unerwartetes. Ich versuchte dieses Symbol zu konkretisieren und in die Botschaft des Epiphaniasfestes einzuf\u00fchren.<br \/>\nDie Bezugsgemeinde ist hier eine Stadtgemeinde. Auf dem Lande ist Boxen wahrscheinlich nicht so popul\u00e4r. Die Predigt ist f\u00fcr alle Altersgruppen gedacht, mag aber besonders f\u00fcr die m\u00e4nnlichen Zuh\u00f6rer passen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>Esko Ry\u00f6k\u00e4s<br \/>\nDocent, Assistent<br \/>\nUniversity of Helsinki<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:esko.ryokas@helsinki.fi\">esko.ryokas@helsinki.fi<\/a><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ephiphanias | 6.1.2000 | Kolosser 1,24-27 | Esko Ry\u00f6k\u00e4s | Zu Beginn des Boxkampfes gongt es. 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