{"id":21125,"date":"2000-02-13T14:34:32","date_gmt":"2000-02-13T13:34:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21125"},"modified":"2025-03-14T14:36:12","modified_gmt":"2025-03-14T13:36:12","slug":"offenbarung-1-9-18-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/offenbarung-1-9-18-7\/","title":{"rendered":"Offenbarung 1, 9-18"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"500\" align=\"CENTER\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"color: #0000a0; font-size: xx-small;\">Letzter Sonntag nach Epiphanias<\/span><br \/>\n<b>13.2.2000<br \/>\nOffenbarung 1, 9-18 <\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\"><b>Rudolf Rengstorf<\/b><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte Sie heute morgen in eine Welt entf\u00fchren, von der uns neunzehn Jahrhunderte trennen und die auch r\u00e4umlich ein ganz anderes Aussehen hat als die uns vertraute Welt an der Niederelbe. Ich m\u00f6chte Sie mitnehmen in den Mittelmeerraum, die Wiege unserer Zivilisation. Dieser Raum ist einzigartig darin, da\u00df er von drei Kontinenten umgeben wird und einer Vielzahl von Kulturen. Einzigartig war er zu der damaligen Zeit aber auch deshalb, weil er von einer einzigen politischen Macht zusammengehalten und beherrscht wurde, von der Herrschaft der r\u00f6mischen Kaiser. Ihnen war gelungen, was vorher und nachher keine andere Macht fertiggebracht hat, n\u00e4mlich die F\u00fclle unterschiedlichster V\u00f6lker, Kulturen und Religionen in einem Weltreich zusammenzufassen. M\u00f6glich war das den R\u00f6mern deshalb, weil sie auf der einen Seite den Pluralismus dieser Vielv\u00f6lkerwelt in durchaus liberaler Weise erhielten: Die Menschen konnten weiterhin mit ihrer Muttersprache leben, sie konnten wirtschaften und sich vergn\u00fcgen, wie sie wollten, und konnten glauben, was sie wollten. Solange eines gew\u00e4hrleistet war \u2013 und dies war die andere Seite &#8211; , da\u00df sie ihre Steuern zahlten, Recht und Ordnung nicht in Frage stellten und dem Kaiser die Ehre gaben, die ihn als Herrn der Welt weit \u00fcber alle ihre G\u00f6tter erhob.<\/p>\n<p>Die einzigen, die sich hartn\u00e4ckig dagegen wehrten, waren die Juden und die Christen. Mit dem Widerstand der Juden hatten sich die R\u00f6mer aber halbwegs abgefunden, solange er nicht gewaltt\u00e4tig wurde. Als geradezu beleidigend und als subversiv, weil ihre Herrschaft von Grund auf unterminierend, aber empfanden sie die Religion der Christen. Weil die einen von den R\u00f6mern gekreuzigten und erledigten Aufr\u00fchrer als den wirklichen Herrn der Welt propagierten. Damit gaben sie die \u00fcberall geforderte Anbetung von Macht und Erfolg ja der L\u00e4cherlichkeit preis. Am Ende des ersten Jahrhunderts entschlossen sich die R\u00f6mer erstmalig, dem Treiben der Christen, die in allen Teilen des Weltreiches auftauchten und von sich reden machten, durch systematische Verfolgung Einhalt zu gebieten. Durch gezielte Terroraktionen versuchten sie Angst und Schrecken zu verbreiten. Keine der kleinen Gemeinden war mehr sicher davor, da\u00df einer ihrer Vorsteher aus durch Folter oder Hinrichtung zum Schweigen gebracht oder durch die Verbannung aus dem Verkehr gezogen wurde.<\/p>\n<p>So hatten sie es auch mit Johannes gemacht, einem Prediger, der in sieben kleinasiatischen Gemeinden t\u00e4tig war. Auf die kleine Felseninsel Patmos hatte man ihn verbannt. Von dort schreibt er seinen in Bedr\u00e4ngnis geratenen Gemeinden einen langen Brief, die sogenannte Offenbarung des Johannes. Da hei\u00dft es nach einigen Eingangss\u00e4tzen im ersten Kapitel: (Text)<\/p>\n<p>Am Tage des Herrn wei\u00df sich der einsame Prediger nat\u00fcrlich besonders verbunden mit seinen Gemeinden, die sich Sonntag f\u00fcr Sonntag an den Worten des Auferstandenen aufrichten: \u201eIch bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot und siehe, ich bin lebendig und habe die Schl\u00fcssel des Todes und der H\u00f6lle.\u201c Aber was hilft es, wenn sie sich auch an diesem Sonntag versammeln und sich diese Worte sagen lassen? Wo sie doch zittern vor den r\u00f6mischen Spitzeln, weil es sein kann, da\u00df es das letzte Mal ist, da\u00df sie sich \u00fcberhaupt treffen k\u00f6nnen und keiner einen Schl\u00fcssel, einen Ausweg aus ihrer bedr\u00e4ngenden Lage hat?! Und erst recht, was hilft es dem Johannes davon zu h\u00f6ren, da\u00df Jesus den Schl\u00fcssel f\u00fcr Tod und H\u00f6lle hat, wo er hier total abgeschottet leben mu\u00df und es auch nicht die geringsten Anzeichen daf\u00fcr gibt, da\u00df die R\u00f6mer ein Einsehen haben und ihn wieder auf das Festland lassen?! Was hilft die Geduld, mit der seine Leute dr\u00fcben und er hier an dem Gekreuzigten festhalten, wenn von Ostern aber nichts zu sp\u00fcren ist?<\/p>\n<p>Doch, es ist etwas zu sp\u00fcren. Denn es bleibt nicht bei den Worten. Sie werden gest\u00fctzt und bewahrheitet durch eine umwerfende Entdeckung. In der Tat: Entdeckung! Er bekommt etwas zu sehen, was alle Vorstellungs- und Einbildungskraft sprengt. Darum ist keine Rede von einem Traum oder einer Vision, die man als Wunschphantasie einer bedr\u00e4ngten Seele erkl\u00e4ren k\u00f6nnte. Kein Wort davon. Nein, ihm begegnet eine Wirklichkeit, die m\u00e4chtiger ist als alles, was er vor sich hat. Er braucht sich blo\u00df umzudrehen, hinzuwenden zu dem, was er im R\u00fccken hat. Da entdeckt er die Wirklichkeit, die bedr\u00e4ngten Christen den R\u00fccken st\u00e4rkt und ihnen den aufrechten Gang erm\u00f6glicht. Da sieht er seine kleinen ver\u00e4ngstigten aber standhaften Gemeinden als sieben goldene Leuchter. Oder sind sie etwas anderes, jene Christengemeinden, die durch ihre Standhaftigkeit den Glauben an Christus als glaubw\u00fcrdig erwiesen und ihm Leuchtkraft verliehen haben \u2013 bis in unsere Zeit? Unsere ganze Kultur, unsere humane Werteordnung w\u00e4re gar nicht denkbar, wenn sich die Christen damals unter dem Druck der R\u00f6mer verkr\u00fcmelt h\u00e4tten. Was ihnen den R\u00fccken gest\u00e4rkt hat, war realer, nachhaltiger als die Wirklichkeit, die die Nichtchristen f\u00fcr die einzige hielten.<\/p>\n<p>Und dann kommt das, nein er, der ihnen den R\u00fccken gest\u00e4rkt hat, selbst in den Blick:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul type=\"disc\">\n<li>eine Gestalt wie ein Mensch, aber eben zugleich viel mehr. Eine Gestalt in g\u00f6ttlichem Glanz \u2013 gewandet wie ein Herrscher<\/li>\n<li>mit Augen wie Feuer, weil sie alles Dunkel durchdringen, es hell und warm machen<\/li>\n<li>auf F\u00fc\u00dfen, die durchs Feuer gehen und pure Energie verk\u00f6rpern, denn durch nichts und niemanden kann er aufgehalten werden<\/li>\n<li>seine Stimme wie ein gro\u00dfes Wasserrauschen, weil sie unersch\u00f6pflich durch die Zeiten und die Kontinente dringt und durch nichts und niemanden zum Verstummen gebracht werden kann<\/li>\n<li>und dann die Entdeckung, die in der Mitte steht: Christus hat die sieben Gemeinden wie Sterne in seiner Hand. Auf M\u00fcnzen der damaligen Zeit wird der r\u00f6mische Kaiser dargestellt mit dem Siebengestirn als Sinnbild des Kosmos in der Hand: der Herrscher des Alls. Nichts als Einbildung. Die Wirklichkeit kommt hier in den Blick. Die Wirklichkeit, von der die Gemeinden, an die Johannes schreibt, leben. Sie leben davon, da\u00df Christus sie wie Schmuckst\u00fccke behutsam in seiner Rechten hat. Von ihm gehalten und getragen zu werden, so sieht Johannes, das macht die Wirklichkeit aus!<\/li>\n<li>Und schlie\u00dflich jene Beobachtung, die Johannes auszudr\u00fccken versucht mit den Worten von dem Munde Christi, aus dem ein scharfes zweischneidiges Schwert geht: Ist das nicht wirklich so, da\u00df seine Worte eindeutig zwischen Gut und B\u00f6se trennen und mit unwiderstehlicher Eindringlichkeit das Recht der Schwachen und Entrechteten und Beleidigten zur Geltung bringen und damit unser Gewissen sch\u00e4rfen?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ich habe Sie mitgenommen in die Welt am Ende des ersten Jahrhunderts nach Christi Geburt im r\u00f6mischen Weltreich; habe sie mitgenommen, um uns von Johannes hinter der vordergr\u00fcndigen Realit\u00e4t die Wirklichkeit vor Augen f\u00fchren zu lassen, die sich durchsetzt. Auf dem Weg zur\u00fcck in unsere Welt lassen Sie mich noch kurz Station machen bei einem Christen, dem in seinem Widerstand gegen die widerg\u00f6ttliche Macht der Nazis auch der R\u00fccken gest\u00e4rkt wurde von der unbezwingbaren Wirklichkeit Christi. Helmut James Graf von Moltke schreibt nach seiner Verurteilung zum Tode durch den Volksgerichtshof des Herrn Freisler an seine Frau:<\/p>\n<p><i><span style=\"font-size: medium;\">\u201eEr, Christus, hat sich die zwei Tage so fest und klar gef\u00fchrt: Der ganze Saal h\u00e4tte br\u00fcllen k\u00f6nnen wie der Herr Freisler, und s\u00e4mtliche W\u00e4nde h\u00e4tten wackeln k\u00f6nnen, und des h\u00e4tte mir gar nichts gemacht. Es war wahrlich so, wie es in Jesaja 43,2 hei\u00dft: So du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, da\u00df dich die Str\u00f6me nicht sollen ers\u00e4ufen; und so du durch Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen \u2013 n\u00e4mlich deine Seele.\u201c <\/span><\/i><\/p>\n<p>Und wenn wir nun wieder zur\u00fcckkommen in unser Leben und auf das, was uns heute bedr\u00e4ngt und zu schaffen macht: haben wir nicht Grund, es mit anderen Augen zu sehen? Mit Augen, die achten auf die Kraft, die uns bisher davor bewahrt hat, uns und andere aufzugeben, und die uns bei aller Gebrochenheit h\u00e4lt und tr\u00e4gt? Es ist die Kraft des Auferstandenen, der auf uns zutritt mit den Worten \u201eF\u00fcrchte dich nicht. Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige!\u201c Amen.<\/p>\n<p><b>Superintendent Rudolf Rengstorf, Ritterstr. 15, 21680 Stade, Fax: 04141 &#8211; 45510 <\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=000213-1.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzter Sonntag nach Epiphanias 13.2.2000 Offenbarung 1, 9-18 Rudolf Rengstorf Liebe Gemeinde! Ich m\u00f6chte Sie heute morgen in eine Welt entf\u00fchren, von der uns neunzehn Jahrhunderte trennen und die auch r\u00e4umlich ein ganz anderes Aussehen hat als die uns vertraute Welt an der Niederelbe. Ich m\u00f6chte Sie mitnehmen in den Mittelmeerraum, die Wiege unserer Zivilisation. 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