{"id":21127,"date":"2000-02-13T14:36:16","date_gmt":"2000-02-13T13:36:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21127"},"modified":"2025-03-14T14:37:52","modified_gmt":"2025-03-14T13:37:52","slug":"offenbarung-1-9-18-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/offenbarung-1-9-18-8\/","title":{"rendered":"Offenbarung 1, 9-18"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"500\" align=\"CENTER\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"color: #0000a0; font-size: xx-small;\">Letzter Sonntag nach Epiphanias<\/span><br \/>\n<b>13.2.2000<br \/>\nOffenbarung 1, 9-18<\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\"><b>Joachim Ringleben<\/b><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<p align=\"center\"><b>Rede, da\u00df ich dich sehe.<\/b><br \/>\nPredigt im Universit\u00e4tsgottesdienst<\/p>\n<p>Offenbarung 1, 9-19<\/p>\n<p align=\"justify\">9.Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Bedr\u00e4ngnis und am Reich und an der Geduld in Jesus, war auf der Insel, die Patmos hei\u00dft, um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses von Jesus.<\/p>\n<p align=\"justify\">10.Ich wurde vom Geist ergriffen am Tag des Herrn und h\u00f6rte hinter mir eine gro\u00dfe Stimme wie von einer Posaune,<\/p>\n<p align=\"justify\">11.die sprach: Was du siehst, das schreibe in ein Buch und sende es an die sieben Gemeinden: nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamon und nach Thyatira und nach Sardes und nach Philadelphia und nach Laodizea.<\/p>\n<p align=\"justify\">12.Und ich wandte mich um, zu sehen nach der Stimme, die mit mir redete, und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter<\/p>\n<p align=\"justify\">13.und mitten unter den Leuchtern einen, der war einem Menschensohn gleich, angetan mit einem langen Gewand und geg\u00fcrtet um die Brust mit einem goldenen G\u00fcrtel.<\/p>\n<p align=\"justify\">14.Sein Haupt aber und sein Haar war wei\u00df wie wei\u00dfe Wolle, wie der Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme<\/p>\n<p align=\"justify\">15.und seine F\u00fc\u00dfe wie Golderz, das im Ofen gl\u00fcht, und seine Stimme wie gro\u00dfes Wasserrauschen;<\/p>\n<p align=\"justify\">16.und er hatte sieben Sterne in seiner rechten Hand, und aus seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert, und sein Angesicht leuchtete, wie die Sonne scheint in ihrer Macht.<\/p>\n<p align=\"justify\">17.Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen F\u00fc\u00dfen wie tot; und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach zu mir: F\u00fcrchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte<\/p>\n<p align=\"justify\">18.und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schl\u00fcssel des Todes und der H\u00f6lle.<\/p>\n<p align=\"justify\">19.Schreibe, was du gesehen hast und was ist und was geschehen soll danach.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p align=\"justify\">Das letzte Buch der Bibel, ein &#8222;Buch der Bilder&#8220;, ist wohl ihr umstrittenstes. Von Luther, selber kein Visin\u00e4r, beargw\u00f6hnt, weil in der Gefahr, den Glauben durchs Schauen zu ersetzen, allen Theologen des reinen Wortes suspekt; aber die bildenden K\u00fcnstler aller Zeiten waren von seiner gro\u00dfartigen \u00c4sthetik fasziniert. Und gar die Schw\u00e4rmer und Phantasten der christlichen Zeitalter wurden hier angezogen wie die Motte vom Licht, die apokalyptischen Spekulanten voll ungeduldiger Neugierde, sie mi\u00dfbrauchten es zu wilden Berechnungen des Weltendes und wurden immer wieder widerlegt.<\/p>\n<p align=\"justify\">Disparate Horizonte f\u00fcr eine Predigt! Aber vielleicht ist der Anfang des Buches, unser Predigttext, die allererste Vision, doch auch besonders aufschlu\u00dfreich. Wir wollen uns jetzt also ruhig auf zwei einfache Fragen konzentrieren: Wie verhalten sich hier Sehen und H\u00f6ren, d.h. Verk\u00fcndigung und Bilderflut, und dann: Was ist eigentlich die Botschaft dieser Vison?<\/p>\n<p align=\"center\">I<\/p>\n<p align=\"justify\">Vor allem ist zu beachten: Der &#8222;Seher Johannes&#8220; &#8211; er ist hier zuerst und zuletzt ein H\u00f6render. wir erfahren zun\u00e4chst von einem Angeredetwerden, von seiner Beauftragung (10-11). Und dieses Wort, das ihm \u00fcberw\u00e4ltigend widerf\u00e4hrt, schwingt nach, schwingt aus, gestaltet sich zu einer erhabenen Anschauung, einer Art Vision (12-16). Hier redet zuerst einer, damit er daraufhin gesehen werde: also vom H\u00f6ren zum Sehen. Diese Schau des Christus wird dann wieder von dessen Selbstvorstellung im Wort, von Christi eigenem Wort abgel\u00f6st (17-19): vom Sehen zum H\u00f6ren. Die Vision ist von Auditionen gerahmt, das Sehen ganz ins H\u00f6ren eingelassen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Liebe Gemeinde, da\u00df wir Gott nicht sehen, da\u00df \u00fcberhaupt niemand Gott je gesehen hat (Joh 1, 18), macht es uns oft schwer zu glauben. Aber den ewigen Gott kann kein Sterblicher mit seinen Augen erblicken, ohne zu vergehen. Der lebendige Gott ist ein verzehrendes Feuer (Hebr 12, 29), und schon das Alte Testament wei\u00df, Gott sehen hei\u00dft sterben, und wir k\u00f6nnen in diesem leben, als Lebende, Gott nicht anschauen (2 Mose 3, 20). Darum f\u00e4llt auch der Seher Johannes wie tot hin, als er den Herrn sieht (17). Uns Menschen ist in diesem Leben nur der &#8222;bekleidete Gott&#8220; (WA 40\/II, 329), der ins Wort geh\u00fcllte Gott, ertr\u00e4glich.<\/p>\n<p align=\"justify\">Wir leben, solange wir leben, erst im Glauben und noch nicht im Schauen, d.h. nicht in der ewigen Anschauung Gottes (2 Kor 5, 7), und der Glaube h\u00e4lt sich ans Wort, stammt aus dem H\u00f6ren (R\u00f6m 10, 17). Also wenn \u00fcberhaupt ein Sehen, dann nur an der Grenze wirklicher Sichtbarkeit und ohne die Grenze zum Ewigen und Vollendeten schon \u00fcberschreiten zu k\u00f6nnen. Weil das Letzte und Vollkommene, das Eschaton, noch nicht da ist, hei\u00dft es bei Paulus: &#8222;Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich st\u00fcckweise &#8230;&#8220; (1 Kor 13, 12).<\/p>\n<p align=\"justify\">Unser Predigttext ist voll von solchem &#8222;St\u00fcckwerk&#8220;, seine Veranschaulichungen sind ganz vorl\u00e4ufig. Die Bilder wechseln st\u00e4ndig und sind rational nicht zu vereinheitlichen. Wir vernehmen surreale Sprachbilder, das Optische ist nur gebrochen zugegen. St\u00e4ndig wird die Uneigentlichkeit des Erschauten beton; darum hei\u00dft es dauernd: &#8222;wie&#8220;, &#8222;gleich als wie&#8220;, &#8222;\u00e4hnlich wie&#8220; usw. Die Bildlichkeit bleibt uns letztlich fremd, sie ringt um Andeutung eines Unsagbaren, die Bilder haben gerade in ihrer Plastik einen Geheimnisrand. Selbst noch das Erklingen der unvergleichlichen Stimme ist verfremdet: als Dr\u00f6hnen einer Posaune, feierlich wie zum Gericht (10), als Rauschen und Tosen fallender Wassermassen, d.h. als Str\u00f6men lebendigen Wassers (15) &#8211; erhabene Gleichnisse f\u00fcr das Kommen des Ewigen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Aber gerade so redet hier alles, ist visualisierte Botschaft. Im Grunde will Johannes nicht vor allen Dingen sehen, sondern er will vernehmen und h\u00f6ren. Er sehnt sich nach einer Anrede, also danach, von Gott angeredet zu werden, um ihn so zu erfahren: Rede, da\u00df ich dich sehe; d.h. rede mich an, damit ich dich selber wahrnehme. Johannes ist auf Patmos im Exil, von den Gemeinden getrennt. Einsam und isoliert auf dieser kleinen Insel im weiten Ionischen Meer widerf\u00e4hrt ihm ein Wunder: In der Vereinzelung wird der \u00dcberblick \u00fcber das Ganze geschenkt; in der Kargheit dieser felsigen Insel eine \u00fcberschwengliche F\u00fclle; als gewaltsam Isolierter gewinnt er einen machtvollen Duchblick; obwohl hier festgebannt, wird er entr\u00fcckt ins unabsehbar Weite: Rede, da\u00df ich dich sehe.<\/p>\n<p align=\"justify\">Darum sind seine Anschauungen, sind die pr\u00e4chtigen Bilder seines Textes eine inkorporierte Anrede, eine Bilderschrift voller Verk\u00fcndigung. Geht man den einzelnen Motiven genau nach, so zeigt sich: Die Sprache dieser Bilder ist zitathaft, d.h. sie ist ganz voller Anspielungen und Wendungen aus der heiligen Schrift, die Bilder reden die Sprache der \u00dcberlieferung, ihre Visualisierung lebt von biblischer Sprache. Ob wir hier eine echte Vision vor uns haben oder eine literarische Montage &#8211; das ist eigentlich gleichg\u00fcltig; jedenfalls ist alles in hohem Ma\u00df &#8222;ges\u00e4ttigt&#8220; mit dem Wort Gottes. Darum mu\u00df der Seher sp\u00e4ter auch das Buch verschlingen und aufessen wie ein Lebensmittel (10, 8-10, vgl. Mt 4, 4!).<\/p>\n<p align=\"justify\">H\u00f6ren und Sehen sind dem entr\u00fcckten Johannes nicht v\u00f6llig vergangen, aber sie durchdringen sich hier, weil etwas Ewiges sich gegenw\u00e4rtig macht. Es spricht im Wort, das er h\u00f6rt und das wir h\u00f6ren, es spricht aber auch zu den Augen, zu unserem optischen Sinn, zu unserer Einbildungskraft. Alles Sichtbare und Erschaute, die \u00fcberschwenglichen und niederschlagenden Bilder der Apokalypse Johannis, die Farben, die Edelsteine, das Licht &#8211; dies alles ist wie die Aura der Worte, die gesprochen werden wie ein Schwingungsraum um sie herum, eine Atmosph\u00e4re, in der sie laut werden, macht Ober- und Untert\u00f6ne sichtbar. Wort und Bild, Sehen und H\u00f6ren durchdringen sich, weil die Botschaft von dort kommt, wo Worte nicht mehr blo\u00dfe Worte, sondern Realit\u00e4t sind, die neue Wirklichkeit, eine neuer Himmel und eine neue Erde aus der Macht von Gottes Sch\u00f6pferwort (21, 1). Die Worte, die der Seher h\u00f6rt, kommen von dorther, wo sie sich realisiert haben, wo sie ans Ziel gelangt und die endg\u00fcltige, vollendete Wirklichkeit geworden sind: Das Eschaton. Die Rede unseres Bildtextes ist ein aufdeckendes Sprechen: Was f\u00fcr uns noch verborgen ist, dr\u00e4ngt hier ins Wort und \u00fcber das Wort hinaus.<\/p>\n<p align=\"justify\">Das Geschaute dr\u00e4ngt zum Wort und dringt selber ins Wort hinein. Dies geschieht dem Seher am Tag des Herrn (10), d.h. am Sonntag, am Auferstehungstag! Die Morgenr\u00f6te des kommenden Eschaton k\u00fcndigt sich an: vom H\u00f6ren zum Sehen und vom Sehen zum H\u00f6ren. Es ist \u00e4hnlich wie in H\u00f6lderlins Hymne &#8222;Wie wenn am Feiertage &#8230;&#8220; : &#8222;Jetzt aber tagts! Ich harrt und sah es kommen, \/ Und was ich sah, das Heilige sei mein Wort.&#8220;<\/p>\n<p align=\"justify\">H\u00f6ren und Sehen gehen aber noch eine andere, eine neue Verbindung ein, und die gilt uns. Die Anrede, die Johannes widerf\u00e4hrt (10f.), motiviert ihn zur Schau: Was er h\u00f6rt, will er auch sehen (12). Dann aber soll er das Geh\u00f6rte sichtbar machen, d.h. er soll es hinschreiben: &#8222;Was du siehst, das schreibe in ein Buch und sende es an die &#8230; Gemeinden&#8220; (11), und am Schlu\u00df hei\u00dft es noch einmal: &#8222;Schreibe, was du gesehen hat&#8220; (19). Schreiben, also sichtbar \u00fcberliefern, Lesern und H\u00f6rern neu zug\u00e4nglich machen, das ist der Auftrag. Da kommen wir ins Spiel, eigentlich von Anfang an, wo es hei\u00dft: &#8222;Selig ist, der da liest und die da h\u00f6ren die Worte der Weissagung und behalten, was darin geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe&#8220; (1, 3).<\/p>\n<p align=\"justify\">Der Seher steht unter der N\u00f6tigung zu reden, es anderern weiterzusagen, er ist einem Schreibzwang unterworfen. Eine Macht, das Geh\u00f6rte sichtbar und lesbar zu machen, hat ihn ergriffen. Davon sollen auch wir profitieren. F\u00fcr die damaligen Gemeinden, an die er sein Schreiben adressiert, enthalten seine Bilder vom Eschaton auch Trost; sie werden als Gegenmacht aufgeboten gegen\u00fcber den bedr\u00e4ngenden Realit\u00e4ten von Verfolgung und Martyrium in ihrer Gegenwart.<\/p>\n<p align=\"justify\">Der Seher k\u00fcndigt an, was am Ende kommen wird. Darum k\u00f6nnte er auch sagen: &#8222;Seht, was ihr h\u00f6rt&#8220; (Mk 4, 24). Umgekehrt k\u00f6nnte aber auch er sagen, was H\u00e4ndel aus dem Dichter J. H. Brockes vertont hat: &#8222;Meine Seele h\u00f6rt im Sehen&#8220; (Ird. Vergn. S.13).<\/p>\n<p align=\"justify\">Und doch bleibt es beim Vorrang des H\u00f6rens &#8211; f\u00fcr den Seher und erst recht f\u00fcr uns mit diesem Predigttext. Denn nur so &#8211; hier und jetzt H\u00f6rende &#8211; k\u00f6nnen wir heute vormittag \u00fcberhaupt beteiligt sein. Darum ist es gerade f\u00fcr uns als Predigth\u00f6rer und Prediger so wichtig, was Luther aufs sch\u00f6nste sagt: &#8222;Christi Reich (ist) ein H\u00f6r-Reich, nicht ein Sehe-Reich. Denn die Augen leiten und f\u00fchren uns nicht dahin, da wir Christum finden und kennen lernen, sondern die Ohren m\u00fcssen das tun&#8220; (WA 51, 11).<\/p>\n<p align=\"justify\">Damit kommen wir zum 2. Teil, zur Botschaft der Vision. Unser Predigttext macht selber diesen \u00dcbergang vom Bild zum Wort. Denn was ist das scharfe, zweischneidige Schwert, das er aus dem Munde des Christus hervorkommen sieht? Dar\u00fcber belehrt uns der Hebr\u00e4erbrief eindeutig: &#8222;Denn das Wort Gottes ist lebendig und kr\u00e4ftig und sch\u00e4rfer als jedes zweischneidige Schwert, und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens&#8220; (Hebr 4, 12).<\/p>\n<p align=\"center\">II<\/p>\n<p align=\"justify\">Das Gesehene verlangt nach dem Wort, und ohne Sprache bleibt jede Erfahrung stumm.<\/p>\n<p align=\"justify\">Liebe Gemeinde, wir haben hier in unserer Kirche allsonnt\u00e4glich diese wundersch\u00f6ne Kreuzigungsgruppe vor Augen. Auch bei ihr gilt: Das Ansehen allein bringt es nicht. Irgendwie spricht das Kruzifix zu unsern Sinnen und unserm Gef\u00fchl. Aber, was es eigentlich sagt, wovon dieser Gekreuzigte redet, was das Christus-Bild in seiner stummen Sprache besagt, das mu\u00df erst noch in Worte gefa\u00dft werden, um uns wirklich etwas Bestimmtes und Deutliches zu sagen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Auch der Seher Johannes hat Christus vor Augen, Die ehrfurchtgebietende, ja \u00fcberw\u00e4ltigende Erscheinung, die sich hier darbietet, k\u00fcndet mit allen geheimnisvollen Z\u00fcgen ihrer erhabenen Gestalt von etwas \u00dcberirdischem und Heiligem: &#8222;und sah &#8230; mitten unter den Leuchtern einen, der war einem Menschensohn gleich, angetan mit einem langen Gewand und geg\u00fcrtet um die Brust mit einem goldenen G\u00fcrtel. Sein Haupt aber und sein Haar war wei\u00df wie wei\u00dfe Wolle, wie der Schnee und seine Augen wie eine Feuerflamme und seine F\u00fc\u00dfe wie Golderz, das im Ofen gl\u00fcht und seine Stimme wie gro\u00dfes Wasserrauschen &#8230;&#8220; (13-15).<\/p>\n<p align=\"justify\">Das feierliche Gewand und die goldenen Brustriemen sprechen von der k\u00f6niglichen und hohepriesterlichen W\u00fcrde, die Farben Gold und Wei\u00df von \u00fcberirdischer Reinheit und der Ewigkeit. Das Wei\u00df feinster Wolle, des Schnees und schlie\u00dflich des des alles umstrahlenden Lichtes: Sie verk\u00fcnden das ganz Andere, die Sph\u00e4re des Absoluten, jenseits von Zeit und Verg\u00e4nglichkeit. Ein strahlendes, glei\u00dfendes Licht wie am hohen Mittag: &#8222;und sein Angesicht leuchtete, wie die Sonne scheint in ihrer Macht&#8220; (16). Dies \u00fcberw\u00e4ltigende Licht ist Johannes aufgegangen: Christus &#8211; die Sonne des Weltentags, das Licht einer neuen Welt. Der so sich zeigt, der geh\u00f6rt auf die Seite Gottes.<\/p>\n<p align=\"justify\">Aber auch diese machtvolle Erscheinung, sie verlangt nach dem Wort, das sie deutet, und wir verlangen auch danach. Darum f\u00e4llt nun alles Gewicht auf das, was der gegenw\u00e4rtige Christus sagt. Und genau darum spricht er von sich selbst.<\/p>\n<p align=\"justify\">&#8222;Ich bin der Erste und der Letzte, und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schl\u00fcssel des Todes und der H\u00f6lle&#8220; (17f.).<\/p>\n<p align=\"justify\">Diese Worte sagen nur aus, wer da spricht und zu sehen ist, wer das ist, der so erscheint und redet. Sie sagen, von woher dieser &#8222;kr\u00e4ftige Sprecher&#8220; (Hamann) redet und sich sehen l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die Selbstvorstellung und Selbstaussage &#8211; sie ist das Wichtigste, die entscheidene Botschaft dieser Vision; alles andere nur Begleitmusik, gro\u00dfartig, majest\u00e4tisch, aber nicht, um abzulenken von dem, der da jetzt redet und von sich selber redet. Und genau dies geht uns an, die wir keine Visionen haben und ihrer wohl auch gar nicht bed\u00fcrfen; sondern dies Wort, das Wort des hier von sich Sprechenden, das geht uns, sogar unbedingt, an.<\/p>\n<p align=\"justify\">Es geht nicht um einen neugierigen Blick ins Jenseits, und dieser Text ist kein religi\u00f6ser Enth\u00fcllungsjournalismus. Der spricht, redet als der, der alles umfa\u00dft, alle Zeit umgreift und in sich tr\u00e4gt: der Erste und der Letzte; er ist der, der kommt, weil er immer schon war. Er ist der lebendige Herr, von Ewigkeit zu Ewigkeit: vor uns und nach uns, bei uns und um uns, au\u00dfer uns und in uns, uns n\u00e4her, als wir uns je nahe sein k\u00f6nnen: &#8222;Ich sitze oder stehe, so wei\u00dft du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege &#8230; Von allen Seiten umgibst du mich und h\u00e4ltst deine Hand \u00fcber mir&#8220; (Ps 139, 2f. u. 5).<\/p>\n<p align=\"justify\">Diese allgegenw\u00e4rtige Lebendigkeit, es ist die des auferstandenen Herrn. Seine Worte k\u00fcnden vom Geheimnis seines Lebens bei Gott; da vergehen uns Sehen und H\u00f6ren.<\/p>\n<p align=\"justify\">Er ist der auf unvorstellbar neue und andere Weise Lebendige: &#8222;Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit&#8220; (18). Er ist nicht nur jenseits seines Todes, sondern ewig, und das hei\u00dft auch diesseits seines Todes. Er blickt aus seiner Gegenwart auf seinen Tod als etwas Vergangenes zur\u00fcck. Was aber hei\u00dft das?<\/p>\n<p align=\"justify\">F\u00fcr uns bedeutet zu sterben oder tot zu sein: nur noch etwas Vergangenes sein. Einmal wird unser aller Leben blo\u00dfe Vergangenheit sein, etwas, das dann nur noch gewesen ist. Bei dem ewig Lebendigen, dem wahrhaft Auferstandenen aber ist sein Tod f\u00fcr ihn selber, in seinen Augen, etwas Vergangenes, auf das er zur\u00fcckblickt. Sein Sterben am Kreuz ist f\u00fcr den Auferstandenen bei Gott nur eine Episode. Er hat den Tod in sein eigenes ewiges Leben aufgenommen, darin aufgehoben und hat ihn so seiner t\u00f6dlichen Vergangenheitsmacht beraubt. Er, und er allein, lebt aus seinem Tod, er starb in sein Leben hinein; er ist lebendig, ob er gleich starb (vgl. Joh 11, 25b). Er ist der &#8222;Erstgeborene aus den Toten&#8220; (Offbr 1, 5) und so der ewig Lebende.<\/p>\n<p align=\"justify\">Das hei\u00dft ewig und wahrhaft, unverg\u00e4nglich lebendig zu sein: nach seinem Tode zugleich vor ihm zu sein und zu leben. Als ein solcher hat Christus &#8222;die Schl\u00fcssel des Todes&#8220; in seinen H\u00e4nden. Das bedeutet, sein Auferstehungsleben in der Macht des ewigen Gottes ver\u00e4ndert auch die Vergangenheit, macht wirklich alles neu, auch das scheinbar unab\u00e4nderlich Vergangene. Darum zeigen die Ikonen der orthodoxen Kirche die H\u00f6llenfahrt Christi als den H\u00f6hepunkt seiner Auferstehung, der Anastasis. Seine ewige Zukunft macht auch unsere Vergangenheit sch\u00f6pferisch neu, sie \u00fcberwindet und verwindet auch unseren Tod und nimmt ihn in ihr unverg\u00e4ngliches Leben hinein auf.<\/p>\n<p align=\"justify\">In Christus sterben wir auf unser wahres Leben zu. Denn in ihm hat die Zukunft Gottes unsere Verg\u00e4nglichkeit und unsere Vergangenheit besiegt. Er ist wie Gott selber: das Alpha und das Omega, der, der da ist und der da war und der da kommt, der Allm\u00e4chtige (1, 8).<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Amen<\/p>\n<p align=\"justify\">EG 115, 1 + 2 + 6<\/p>\n<p><b>Professor Dr. Joachim Ringleben<br \/>\nDahlmannstr. 24<br \/>\n37085 G\u00f6ttingen<br \/>\nTel. 0551 \/ 59560 <\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=000213-2.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzter Sonntag nach Epiphanias 13.2.2000 Offenbarung 1, 9-18 Joachim Ringleben Rede, da\u00df ich dich sehe. Predigt im Universit\u00e4tsgottesdienst Offenbarung 1, 9-19 9.Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Bedr\u00e4ngnis und am Reich und an der Geduld in Jesus, war auf der Insel, die Patmos hei\u00dft, um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses von [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":21105,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[62,727,157,853,114,1406,969,349,669,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-21127","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-offenbarung","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-joachim-ringleben","category-kapitel-01-chapter-01-offenbarung","category-kasus","category-letzter-so-n-epiphanias","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21127","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21127"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21127\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21128,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21127\/revisions\/21128"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/21105"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21127"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21127"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21127"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=21127"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=21127"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=21127"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=21127"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}