{"id":21129,"date":"2000-02-20T14:37:57","date_gmt":"2000-02-20T13:37:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21129"},"modified":"2025-04-10T09:09:02","modified_gmt":"2025-04-10T07:09:02","slug":"jeremia-922-23-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jeremia-922-23-5\/","title":{"rendered":"Jeremia 9,22-23"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"500\" align=\"CENTER\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"color: #0000a0; font-size: xx-small;\">3. Sonntag vor der Passionszeit<\/span><br \/>\n<b>20.2.2000<br \/>\nJeremia 9,22-23<\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\"><b>Gottfried Sprondel <\/b><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\u201eSo spricht der Herr: Ein Weiser r\u00fchme sich nicht seiner Weisheit; ein Starker r\u00fchme sich nicht seiner St\u00e4rke, ein Reicher r\u00fchme sich nicht seines Reichtums. Sondern wer sich r\u00fchmen will, der r\u00fchme sich dessen, da\u00df er klug sei und mich kenne, da\u00df ich der Herr bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit \u00fcbt auf Erden; denn solches gef\u00e4llt mir, spricht der Herr\u201c.<\/p>\n<p>Wir alle kennen ihn (oder sie): den lieben Mitmenschen, auch Mitchristen, der \u00fcber gar nichts reden kann, ohne seine Zuh\u00f6rer schon im zweiten Satz wissen zu lassen, da\u00df er selber Entscheidendes dazu getan habe, zumindest dabei gewesen sei oder schon gleich zu Anfang vorhergesagt habe, wie alles kommen w\u00fcrde. Einige Uneingeweihte staunen eine Zeitlang. Andere, die den Fall bereits kennen, l\u00e4cheln, wenn sie \u00e4rgerlich sind, sarkastisch, wenn sie milde denken, mitleidig, nach der Weise: der Mann, die Frau braucht das wohl, nur glauben kann und will ich ihm oder ihr nicht.<\/p>\n<p>Den Angeber, so nennt unsere Sprache diesen Typ. Er mu\u00df einfach angeben. Der Psychologe sagt: er ist der Mensch mit der Selbstwertneurose. Wenn er seinen eigenen Wert nicht st\u00e4ndig nach au\u00dfen kehren kann, verf\u00e4llt er in Depression. Die Bibel sagt: er mu\u00df sich \u201er\u00fchmen\u201c. Denn er ist sich seines eigenen Wertes nicht gewi\u00df und f\u00fcrchtet nichts mehr als den Tag, an dem herauskommt, da\u00df er in Wahrheit ein armes W\u00fcrstchen ist. Denn dann bricht ihm seine Welt zusammen.<\/p>\n<p>Die Sache mit dem \u201eR\u00fchmen\u201c ist \u00fcbrigens noch vertrackter. Ein ganz Schlauer kann es n\u00e4mlich auch mit der Bescheidenheit und Selbstkritik versuchen. Das wirkt eine Weile ganz sympathisch und erspart es den Mitmenschen, mich zu kritisieren; ich besorge das ja schon selber. Aber ganz geheuer ist es doch niemandem. Wilhelm Busch hat eines seiner geistreichsten Gedichte diesem Fall gewidmet. Sein Schlu\u00df lautet: \u201e So kommt es dann zuletzt heraus, das ich ein ganz famoses Haus\u201c \u2013 also ungef\u00e4hr dasselbe wie beim Angeber. Wenn es dann noch jemand mit einer christlich eingef\u00e4rbten Demut versucht, verbreitet sich mit der Zeit ein \u00fcbler Geruch. Ein Deo gegen Heuchelei gibt es nicht!<\/p>\n<p>Aber gibt es ein Heilmittel gegen die Krankheit, den eigenen Wert nach au\u00dfen spielen und sich und andere damit qu\u00e4len zu m\u00fcssen? Die Bibel sagt: ja. Dieses Ja ist genau genommen sogar ihre eigentliche Botschaft; und wo sie vernommen und angenommen wird, breitet sich klare und gesunde Luft aus. Ja, r\u00fchme dich nur!, sagt sie. Du bist ja nicht eine Pflanze oder ein Tier, die Selbstwertprobleme nicht kennen, sondern einfach nur leben und da sind und dadurch ihren Sch\u00f6pfer preisen. Du brauchst, weil du ein Mensch bist, einen Grund daf\u00fcr, da\u00df du lebst und da bist. Die Sprache unseres Glaubens nennt das: die Rechtfertigung. Der Angeber prahlt einzig aus diesem Grunde mit seiner tollen \u201eperformance&#8220; wie das heute hei\u00dft. Der Niedergeschlagene leidet einzig aus diesem Grunde, denn er hat seinen eigenen Wert noch nie erlebt, niemand hat ihn davon \u00fcberzeugt. Der Sch\u00f6pfer hat uns so gebaut, da\u00df wir ohne Rechtfertigung gar nicht existieren k\u00f6nnen.\u201eR\u00fchme dich nur\u201c, sagt die Bibel; es geht nicht anders. Aber \u201ewer sich r\u00fchmen will, der r\u00fchme sich dessen, da\u00df er klug sei und mich, n\u00e4mlich seinen Gott und Herren kenne!\u201c<\/p>\n<p>Jetzt nicht gleich die Flinte ins Korn geworfen, weil das so fromm klingt und so \u00e4hnlich, wie manche christlichen Scheinantworten, die man nicht mehr h\u00f6ren mag! Die Sache ist sehr ernst und sehr fr\u00f6hlich zugleich. Denn sie lautet: dein Wert vor Gott und den Menschen ruht gar nicht in dir selbst. Geh nur auf die Suche da drinnen, da ist keine Antwort auf diese Frage. Der alte Witz, da\u00df einer der gemahnt wird, er solle doch endlich einmal in sich gehen, antwortet: da war ich schon, da ist auch nichts los \u2013 dieser Witz ist nicht nur treffend, sondern auch auf eine unentrinnbare Art wahr. Ich kann nicht leben ohne Rechtfertigung, nur ich finde einfach keine in mir. Da bleibt mir nur eine der beiden M\u00f6glichkeiten. Entweder ich baue eine Fassade nach au\u00dfen mit viel Glamour auf und tue das so anhaltend, da\u00df ich es schlie\u00dflich selbst glaube (der Angeber). Oder ich tauche aus der Tiefe meiner Selbstzweifel \u00fcberhaupt nicht mehr auf (der Depressive). Dazwischen gibt es hundert Spielarten. Pr\u00fcfe sich jeder, welche er davon bisher bevorzugt hat! Die gute Nachricht der Bibel in dieser Sache ist so alt, da\u00df man sich verwundern m\u00f6chte, weshalb sie noch immer gepredigt werden mu\u00df, und zugleich so frisch und springlebendig, da\u00df sie Menschen \u201eselig macht\u201c, wie die Alten das nannten. Sie lautet: Du bist l\u00e4ngst gerechtfertigt! M\u00fche dich doch nicht ab an der falschen Stelle, weder bei deinen Heldentaten noch in den Kellern deiner ungl\u00fccklichen Seele. Lerne mich kennen, sagt Gott, dann wei\u00dft du alles, was du \u00fcber dich wissen mu\u00dft. Das ist genug, und sei gewi\u00df: es ist so viel, da\u00df du bis zu deiner letzten Stunde genug daran zu erkennen und zu tun hast!<\/p>\n<p>\u201eIch sag es dir: ein Kerl, der spekuliert, ist wie ein Tier, auf d\u00fcrrer Weide von einem b\u00f6sen Geist im Kreis herumgef\u00fchrt, und ringsumher liegt sch\u00f6ne, gr\u00fcne Weide\u201c. Die Verse stammen aus Goethes \u201eFaust\u201c. Doch das Bild von der \u201egr\u00fcnen Weide hat er von einer der sch\u00f6nsten Stellen der Bibel. Was es mit dieser \u201eWeide\u201c auf sich hat, springt an unserer Bibelstelle hier ins Auge, wo sie Gott von seiner \u201eBarmherzigkeit, von Recht und Gerechtigkeit\u201c reden l\u00e4\u00dft und davon, da\u00df er dies alles \u201eauf Erden \u00fcbt\u201c, nicht auf irgendwelchen H\u00f6hen der Religion oder gar der Theologie. Schlie\u00dflich l\u00e4\u00dft sie ihn enden damit, da\u00df es Gott \u201eso gef\u00e4llt\u201c. Das erinnert an die Sch\u00f6pfung, wo Gott sein Werk ansieht und sehr gut findet. Die Sprache, anfangs so gemessen, wirkt auf einmal wie losgelassen. Er sagt jetzt, wie er es wirklich meint. Der alte Prophet, in dessen Buch ein halbes Jahrtausend dem Beginn unserer Zeitrechnung diese Worte aufgenommen wurden, wu\u00dfte sehr viel von Gott, obwohl er zu seinen Lebzeiten noch nicht das offenbare Herz Gottes gesehen hatte, wie wir es kennen, n\u00e4mlich in dem Gesicht des Mannes Jesus Christus. Wer von ihm angestiftet wird, von sich selber wegzusehen und die Rechtfertigung nicht mehr auf der \u201ed\u00fcrren Heide\u201c aufsp\u00fcren zu wollen, der ist freigeworden, weil er den R\u00fccken frei hat.<\/p>\n<p>Gehen wir zum Schlu\u00df noch einmal an den drei ungl\u00fcckseligen Typen entlang: dem \u201eWeisen\u201c, der anderen mit seiner Intelligenz zu imponieren versucht; dem \u201eStarken\u201c, der andere seine Macht f\u00fchlen l\u00e4\u00dft; dem \u201eReichen\u201c, f\u00fcr den sein Haus, sein s\u00fcndhaft teurer Wagen, seine Frauen sein ein und alles sind \u2013 in Wahrheit arme Tr\u00f6pfe \u201eauf d\u00fcrrer Heide\u201c und eher ein wenig komisch! Keiner von uns ist gezwungen, so zu werden. Denn wir sind zur Freiheit berufen.<\/p>\n<p>Landessuperintendent i.R. Dr. Gottfried Sprondel<br \/>\nan der Wiho Kirche 1<br \/>\n49078 Osnabr\u00fcck<br \/>\nTel.: 0541 \u2013 445871 Fax: 0541 &#8211; 46555<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=000220-2.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3. Sonntag vor der Passionszeit 20.2.2000 Jeremia 9,22-23 Gottfried Sprondel \u201eSo spricht der Herr: Ein Weiser r\u00fchme sich nicht seiner Weisheit; ein Starker r\u00fchme sich nicht seiner St\u00e4rke, ein Reicher r\u00fchme sich nicht seines Reichtums. 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