{"id":21150,"date":"2000-03-19T14:57:18","date_gmt":"2000-03-19T13:57:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21150"},"modified":"2025-03-14T14:58:34","modified_gmt":"2025-03-14T13:58:34","slug":"lukas-2343-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-2343-2\/","title":{"rendered":"Lukas 23,43"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"500\" align=\"CENTER\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"color: #0000a0; font-size: xx-small;\">Worte vom Kreuz<br \/>\nPredigtreihe f\u00fcr die Passionszeit 2000<br \/>\n2. Sonntag der Passionszeit, Reminiszere<\/span><br \/>\n<b>19.3.2000<br \/>\nLukas 23,43<\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\"><b>Ulrich Nembach<\/b><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><b>Lied 91,1,4,5 &#8211; 6 <\/b><\/p>\n<p><span style=\"color: #0a009d; font-size: xx-small;\"><i>\u201eWahrlich, ich sage dir:<br \/>\nHeute wirst du mit mir im Paradies sein\u201c (Luk. 23,43) <\/i><\/span><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Gottes Sohn am Kreuz. Tiefer geht es nicht mehr. Das ist das Ende. Und doch geht es noch tiefer. Er wird verspottet, verlacht, verh\u00f6hnt. Selbst der, der am Nachbar-Galgen h\u00e4ngt, spottet. Der Spott trifft hart, und er trifft tief. Sie verspotten ihn, weil er anderen geholfen hat. Kann der Mensch noch gemeiner sein? Einer hilft und wird verspottet! Einer hilft und wird geh\u00e4ngt!<\/p>\n<p>Da geschieht etwas Unerwartetes. Der Nachbar am Galgen auf der anderen Seite macht nicht mit, ja, er wendet sich gegen seinen Mit-H\u00e4ngenden und bittet Jesum f\u00fcr sich: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! (Lukas 23,42). Jesus hilft. Er hilft selbst jetzt noch.<\/p>\n<p>1. Angesichts dieses Dialoges werden die Theologen heute merkw\u00fcrdig schweigsam. Die Kommentatoren des Geschehens, des Textes, die Fachleute machen nur wenige Worte und fl\u00fcchten sich in Fachkenntnisse. Einer erkl\u00e4rt, woher das Wort \u201eParadies\u201c kommt (Walter Schmithals in seinem Kommentar z. St. S 266). Einer verweist auf \u201eden zeitlichen Aspekt\u201c und \u201eden r\u00e4umlichen\u201c (Gerhard Schneider in seinem Kommentar z. St. S. 485). Wir kennen Einsilbigkeit bei gleichzeitigem Gebrauch von Fachsprache, die zum Fach Chinesisch wird. Mediziner fl\u00fcchten sich in diese schweigende Form des Redens, wenn sie mit ihrem Latein am Ende sind. Anw\u00e4lte haben es nach einem verlorenen Proze\u00df sehr eilig, wegzukommen. Theologen reden viel und sagen wenig. Vielleicht sind deshalb unsere Kirchen so leer. Viele Erkl\u00e4rungen werden f\u00fcr die Leere der Kirchen gegeben. Die S\u00e4kularisation ist schuld, unsere Zeit ist eben nicht kirchlich, christlich hie\u00df es zun\u00e4chst. Als diese Rede niemand mehr \u00fcberzeugte, weil gleichzeitig Religion \u00fcberall gefragt ist, geradezu boomt, da hie\u00df es, es gibt ein Auf und Ab in der Kirche. Die Kirche ist zur \u201efremden Heimat\u201c geworden, so der Buchtitel der Ver\u00f6ffentlichung einer Befragung. Nur \u201efremd\u201c ist die Kirche geworden, aber \u201eHeimat\u201c geblieben. Selbst die Frage, warum die Kirche fremd geworden sei, wird nicht thematisiert.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, es ist nicht leicht, leere Kirchenb\u00e4nke anzupredigen und das Sonntag f\u00fcr Sonntag tun zu m\u00fcssen. Da brauche man und frau Ausreden. Nur Jesu Nachbarn, dem zweiten, halfen keine Ausreden mehr. Er hing am Kreuz, am Galgen.<\/p>\n<p>2. Der andere Nachbar reiht sich ein in den Kreis der Spottenden. Die, die ihn an den Galgen brachten, lachen. Da lacht er mit. Kann die Erniedrigung des Menschen tiefer gehen? M\u00fc\u00dfte ihm das Lachen nicht im Halse steckenbleiben?<\/p>\n<p>Er und die anderen lachen, weil Jesus anderen geholfen hat und sich selbst &#8211; offensichtlich, wie sie meinen &#8211; nicht helfen kann. Die Hilfe f\u00fcr andere, seine Hilfe f\u00fcr andere, ist unumstritten. Da gibt es keine Diskussion.<\/p>\n<p>Bei ihrem Lachen merken sie gar nicht, da\u00df er auch jetzt hilft. Gerade in diesem Augenblick. Er hilft anderen, indem er sich nicht hilft. Wer anderen wirklich hilft, der gibt etwas von sich. Helfen meint, etwas von sich wegzugeben. Jener Samariter, von dem Lukas in seinem Evangelium fr\u00fcher berichtet hat, gibt seine, des Samariters, Zeit und sein Geld. Sein Zeitplan ger\u00e4t durcheinander. Er kann nicht einmal Bescheid sagen, da\u00df er sp\u00e4ter kommt. Das Handy fehlt ihm. Er packt selbst zu. Er bezahlt die Heilungskosten. Jesus zahlt noch mehr. Er ist gerade dabei. Er bezahlt mit seinem Leben. Er bezahlt mit der teuersten aller W\u00e4hrungen.<\/p>\n<p>Unser Text, Jesu Wort am Kreuz und das ganze Gespr\u00e4ch, waren vor einem Jahr der Predigttext am Karfreitag. Ein Prediger nannte damals Jesum einen Anwalt (Hans-Gottlieb Wesenick, Predigt \u00fcber Lk. 23,33-49, in: G\u00f6ttinger Predigten im Internet, www.gwdg.de\/unembac\/archiv\/990402.html). Jesus pl\u00e4diert f\u00fcr Vergebung, so Jesu erstes Wort am Kreuz, \u201eVater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!\u201c und nun gew\u00e4hrt er Vergebung. Dieser Anwalt geht so weit, setzt sich so f\u00fcr Menschen ein, da\u00df sein pers\u00f6nlicher Einsatz den Tod einschlie\u00dft. \u201eVollkommene Einheit &#8230; zwischen dem Wort und der Tat des Anwalts\u201c nannte der Prediger am Karfreitag dieses Geschehen.<\/p>\n<p>Jesus schweigt und redet. Wo er schweigt, ist er zugleich beredt. Sein Schweigen f\u00fchrt zu seinem Tod. Er folgt nicht den Ratschl\u00e4gen der Umstehenden, der spottenden Soldaten und Theologen. Jesus handelt. Sein Leiden ist sein Handeln und darin seine Hilfe.<\/p>\n<p>3. \u201eWahrlich, ich sage dir: heute wirst du mit mir im Paradies sein\u201c. \u201eAbsolvo te\u201c &#8211; \u201eIch spreche dich los\u201c, frei, sagt der Pfarrer nach der Beichte. Er tritt damit in die Nachfolge Jesu. Das ist von Jesus selbst so gewollt (Mt. 18,18). Das Wort sagt Jesus aber erst, nachdem der andere Galgen-Nachbar sich an Jesum um Hilfe gewandt hatte. Der Bitte um Hilfe war das Eingestehen der eigenen Schuld vorausgegangen.<\/p>\n<p>Die Schuld, die eigene, einzugestehen, f\u00e4llt uns Menschen schwer, sehr schwer. Da ist das Verstecken von Geld eine \u201ekleine Dummheit\u201c, ein Fehler, so Roland Koch, Ministerpr\u00e4sident in Hessen, und Ruth Wagner, seine Stellvertreterin, stimmt ihm zu. Beide wissen, sie w\u00fcrden sonst ihren Job, einen gutbezahlten, mit weiteren Vorz\u00fcgen vom dicken Auto bis zur sch\u00f6nen, ger\u00e4umigen Dienstvilla verlieren. Wieder andere, wie Manfred Kanther, fordern harte Gesetze, aber f\u00fcr andere. Dasselbe tat und tut Helmut Kohl. Verfassung und Parteiengesetz sollen f\u00fcr andere gelten, und sie selbst stellen sich vom f\u00fcr alle geltenden Gesetz frei. Niemandem f\u00e4llt ein, sich zu entschuldigen, um Vergebung zu bitten. So schwer wird ihnen, den Politikern, die Beichte. Sie kommt ihnen nicht einmal in den Sinn, und, wenn sie ihnen doch einmal einf\u00e4llt, wird sie kleingeredet, zum \u201edummen Fehler\u201c erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Das Kontrastprogramm dazu erleben wir mit Jesus, seinem Schweigen, seinem Nicht-Reden und seinen Reden am Kreuz. Etwas davon wurde auch am letzten Sonntag sichtbar im Vatikan. Der Papst, ein alter Mann, schleppte sich unter Aufbietung seiner letzten Kr\u00e4fte zum Kreuz. Er kennt keinen anderen Ort, er kennt keinen anderen Menschen als den gekreuzigten Jesum. Das ist \u201eKreuzestheologie\u201c wie sie Luther nannte. Der Papst, der mit den Lutheranern Frieden schlo\u00df am 31.10.1999, dem Reformationstag, in Augsburg, greift Luthers Theologie, Luthers Hinwendung zum Kreuz, das Kernst\u00fcck von Luthers Theologie, auf. Er, der Papst, tut das in einem Bild. Das entspricht unserer heutigen Zeit. Das entspricht der katholischen Tradition. Sie redet in Bildern, in denen der Barockkirchen S\u00fcddeutschlands, in denen des Vatikans, der Sixtinischen Kapelle u.a.<\/p>\n<p>Die Hinwendung zum Kreuz &#8211; so verstehe ich jedenfalls Johannes Paul II. &#8211; ist der letzte Fluchtpunkt f\u00fcr uns Menschen. Dieser Punkt besteht auch dann, wenn uns kein anderer Fluchtpunkt mehr bleibt. So verstehe ich auch deshalb Johannes Paul II., weil er die Fastenzeit f\u00fcr seine Erkl\u00e4rung w\u00e4hlte, und hier den ersten Sonntag und nicht den Beginn der Fastenzeit, den Aschermittwoch. Der erste Sonntag, der Sonntag \u201eInvocavit\u201c in der kirchlichen Redeweise, ist der Sonntag in der Fastenzeit, an dem Luther 1522 seine gro\u00dfe Fastenpredigt seinen Wittenbergern hielt. Da\u00df der Papst dies nicht gesagt hat, auch nicht gesagt hat, mag manche und mancher bedauern wie auch das Fehlen anderer Konkretionen. Das ist richtig, aber erstens kann man nicht alles sagen, zumal wenn die Beichte einen so langen Zeitraum betrifft. Zweitens ist viel &#8211; leider sehr viel &#8211; in dieser Zeit geschehen. Drittens, haben Sie, liebe Gemeinde, von einer Beichte evangelischer Bisch\u00f6fe und\/oder Theologen geh\u00f6rt? Machen wir Theologen alles richtig?<\/p>\n<p>Kyrie eleison &#8211; Herr erbarme dich.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p><b>Lied 94, 1, 4-5 <\/b><\/p>\n<p><b>Prof. Dr. Dr. Ulrich Nembach<br \/>\n<a href=\"mailto:unembac@gwdg.de\">email: unembac@gwdg.de<\/a><\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=000319-p.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Worte vom Kreuz Predigtreihe f\u00fcr die Passionszeit 2000 2. 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