{"id":21152,"date":"2000-03-19T14:58:38","date_gmt":"2000-03-19T13:58:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21152"},"modified":"2025-03-14T15:00:16","modified_gmt":"2025-03-14T14:00:16","slug":"jesaja-51-7-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-51-7-5\/","title":{"rendered":"Jesaja 5,1-7"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"500\" align=\"CENTER\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"color: #0000a0; font-size: xx-small;\">2. Sonntag der Passionszeit, Reminiszere<\/span><br \/>\n<b>19.3.2000<br \/>\nJesaja 5,1-7<\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\"><b>Tom Kleffmann<\/b><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"LEFT\">Die Predigt wird \u2013 in ver\u00e4nderter Gestalt \u2013 am Sonntag Reminiszere<b> <\/b>in zwei D\u00f6rfern der s\u00fcd\u00f6stlichen Umgebung G\u00f6ttingens gehalten. Die Gemeinden entstammen zum einen einem handwerklichen, weniger landwirtschaftlichem Milieu, zum anderen gibt es viele, auch akademisch gebildete Pendler und Pension\u00e4re aus der Universit\u00e4tsstadt. In einem der Gottesdienste findet eine Erwachsenentaufe statt.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>\u201eWo ist Gott? Wo ist sein Reich? In dem jedes Ding von seinem Sch\u00f6pfer k\u00fcndet, jedes Staubkorn, jeder Sonnenstrahl, jeder Atemzug. Wo die Sch\u00f6nheit des Landes nicht mehr nur traurig macht \u2013 sondern den Sinn des Lebens spiegelt. Wo ist sein Reich, wo er die unbezweifelbare Wahrheit ist, die alles erf\u00fcllt? Wo der Geist seines Daseins den Schatten der Angst aus den Herzen nimmt, wo neues, jubelndes, freies Leben ist? Wo ist sein Reich, wo all dies, wo seine Liebe auch zwischen den Menschen Sinn und Gerechtigkeit ist?<\/p>\n<p>Das Land und seine ererbte Sprache werden verachtet. Wer kann auf die Predigt des Landes h\u00f6ren? Stolz wie kleine G\u00f6tter sonnen sich die M\u00e4chtigen in ihrer Macht. Die Kumpanei der M\u00e4chtigen stellt sich \u00fcber die Gerechtigkeit. Offen wird verbreitet, da\u00df nur der eigene Spa\u00df z\u00e4hlt und dumm ist, wer die Gemeinschaft nicht betr\u00fcgt. In der Arbeitswelt z\u00e4hlt nicht Gerechtigkeit, sondern der Gewinn der Schlaueren und J\u00fcngeren. Ein Treuer verliert seine Arbeitsstelle, ein R\u00fccksichtsloser triumphiert. Ein Irrenhaus, welches kein Mensch mehr beherrscht: die polierten G\u00f6tzen, die Geldt\u00fcrme wachsen in den Himmel, der laute Markt und sein blindes Gesetz rei\u00dfen alle Z\u00e4une ein. Zugleich wird innen, in den H\u00e4usern der Halt schw\u00e4cher. Eheleute verzweifeln aneinander, weil sie sich, wenn der sch\u00f6ne Rausch der Leidenschaft vergangen ist, der Sinn nicht sein k\u00f6nnen. Alte schauen in den Spiegel und fragen sich, f\u00fcr welche L\u00fcgen sie ihr Leben verschwendet haben.<\/p>\n<p>Wer kennt die Richtung? Wenn niemand die Richtung kennt, geht der Weg ins Leere.<\/p>\n<p>Kennen wir die Richtung? Wir wissen jedenfalls: Der Kampf ist alt \u2013 zwischen Macht und Wahrheit, zwischen Sinnlosigkeit und Sinn, zwischen Angst und Freiheit.<\/p>\n<p>Vor 2700 Jahren lebte Jesaja. Er war Prophet. Der Prophet mu\u00df reden. Er leidet mit dem Volk und f\u00fcr das Volk an der Ungerechtigkeit und Blindheit. Er widerspricht dem Volk, seinem allzu selbstverst\u00e4ndlichen Leben. Er hat eine Offenbarung; durch Schrecken und Todesangst hindurch hat ihn der heilige Gott berufen, zu reden. Der Prophet mu\u00df den Schleier zerreissen. Er redet im Namen Gottes. Er will, da\u00df der Wahnsinn ein Ende hat. An seiner Rede entscheiden sich Leben und Tod. Er redet im Gottesdienst, auf dem Markt, in der Versammlung. Jesaja redet zum Volk im Ganzen. Er sagt: Du, Volk, bist abtr\u00fcnnig. Dein Leben ist ein Irrtum. Das Land steht voller gl\u00e4nzender G\u00f6tzen. Den Armen wird nicht Gerechtigkeit verschafft. Deine F\u00fcrsten sind Diebesgesellen und nehmen gern Geschenke an (1,23) \u2013 und du, Volk, hast es nicht besser verdient. Und wenn du sagst, du kennst den wahren Weg nicht mehr, deinen Gott \u2013 dann schau zuerst in den Spiegel, in das leere Gesicht deiner Ziele, in die Fratze deiner geheimsten Angst, schau in das schwarze Auge des Alls und sieh, wie l\u00e4cherlich es ist, was du anbetest: deine Wagen, dein Luxus, deine kleinen Fluchten, deine halben Leidenschaften, deine Jugend, deine Wirtschaftsmacht. Schau hin \u2013 und h\u00f6re!, statt dich zu bel\u00fcgen.<\/p>\n<p>So spricht der Prophet im Namen Gottes. Und dann singt er ein Lied, pflanzt ein Bild in die, die Ohren haben, dies zu h\u00f6ren:<\/p>\n<p>[Lesung Jesaja 5,1-7]<\/p>\n<p>Ein Weinberg auf einer fetten H\u00f6he. Ich lebte eine Weile in T\u00fcbingen, da gibt es Weinberge. Es sind noch die \u00e4lteren, kleineren, nicht f\u00fcr Industriewein. Ein friedlich umz\u00e4unter Garten, den die warme Nachmittagssonne bescheint. Der Boden h\u00e4lt Wasser zum wachsen genug. Es weht ein leichter Wind, und wenn er inneh\u00e4lt, dann duftet es w\u00fcrzig zwischen den Bl\u00e4ttern. Man hat einen guten, weiten Blick vom Weinberg; die anderen Berge gr\u00fc\u00dfen gr\u00fcn von gegen\u00fcber. Er will auch gepflegt sein, die Erde umgegraben und gelockert, die Rebst\u00f6cke im Fr\u00fchjahr beschnitten und zur Sonne gelenkt. Aber langsam w\u00e4chst und reift die Frucht, und der Weing\u00e4rtner freut sich daran. Der Weinberg ist ein Bild des Lebens.<\/p>\n<p>Das Leben ist uns geschenkt. Gott l\u00e4\u00dft uns hier leben, in diesem lichten Garten, auf unserer Erde. Er ist um uns und pflegt uns. Und er wartet. Er wartet, da\u00df wir dastehen und gut gewachsen und reif und gesund sind \u2013 und: <i>ihn erkennen<\/i>. Den erkennen, der uns leben l\u00e4\u00dft, weil wir seine Kinder sein sollen. Denn er l\u00e4\u00dft nicht nur unseren Leib in diesem Garten wachsen, seit Urzeiten, sondern sorgte und sorgt f\u00fcr unsere lebendige Mitte, f\u00fcr das sehende Herz, f\u00fcr die Seele, das Selbst, und redete zu uns Worte, die das Leben bedeuten, weil sie uns den Sinn sagen, seine Liebe in Ewigkeit. Ja das eben <i>w\u00e4re<\/i> die Frucht, das volle, reife, erf\u00fcllte Leben: Wenn die Zeit reif ist die Augen aufschlagen und ihn erkennen. Im Dasein seine Liebe h\u00f6ren und sehen; und diese F\u00fclle, diese Freiheit teilen, sagen, singen, jubeln, lieben, beten, schweigen.<\/p>\n<p>Das w\u00e4re es gewesen. Gott ist da. Gott wartet. Er hat alles getan. &#8211; &#8211; <i>Und der Weinberg brachte schlechte Trauben<\/i>. \u201eWarum hat er denn schlechte Trauben gebracht?\u201c Warum sind sie faul und bitter? Warum. Warum m\u00fcssen Menschen am Leben verzweifeln? Warum durchziehen Menschen den Garten mit Mauern, um f\u00fcr s<i>ich<\/i> Sch\u00e4tze zu sammeln? Warum sind Menschen selber wie die G\u00f6tter ihrer leeren Welt, in der sie herrschen und schaffen, und sei es nur im Traum? Warum sind die S\u00fcchte m\u00e4chtig, die den Menschen immer schneller und immer schneller um sich selber kreisen lassen? Fast alles, was unser Leben ausmacht, ist zur Sucht mi\u00dfbraucht. Warum ist unsere Liebe so klein? Warum sehen wir Gott nicht oder selten oder im Entsetzen, und warum scheint sein Wort so vieldeutig? Wer sucht Gott?<\/p>\n<p>Jesaja sagt nicht warum. Nur das wei\u00df Jesaja: Der Weing\u00e4rtner, der unser Leben pflanzt, hat alles getan. Wir sind in diese Menschenwelt hineingeboren und sie ist unser Erbe. Aber das Verkehrte hat keinen Grund, denn es schafft seine L\u00fcge selbst. Gott, der der Grund von allem ist, ist nicht der Grund des B\u00f6sen, der L\u00fcge, der Angst, der Verzweiflung. Dies hat keinen Grund. Es hat seinen Grund in sich selbst. Wie ist das m\u00f6glich? Ich will sagen, was ich dazu denke.<\/p>\n<p>Gott l\u00e4\u00dft uns leben, damit wir ihn erkennen: in aller Sch\u00f6nheit seine Liebe, mit jedem lebendigen Wort seinen Sinn. Gott l\u00e4\u00dft uns leben, damit wir mit jedem Atemzug und Handschlag und Blick untereinander seine Liebe wiederspiegeln. Aber dazu mu\u00dfte er uns zu <i>Freien<\/i> werden lassen. Wir sind sein Gegen\u00fcber. Wir stehen <i>selbst<\/i> in seiner Welt. Nicht in dumpfem, tierischen Traum, nicht nur Marionetten eines g\u00f6ttlichen Schauspiels, sondern: Wir selbst, aufrecht und besonnen und frei, sollen Gott gegen\u00fcber stehen. Das ist die selbst fast g\u00f6ttliche W\u00fcrde des Menschen. Nach seinem Bilde die Welt durchschauen und durchmessen bis zum Horizont, und in ihrem Spiegel Gott erkennen, so da\u00df er sein Wort an uns richtet.<\/p>\n<p>Aber \u2013 in der Freiheit liegt die Entscheidung. Hier liegt die Versuchung, die die Welt verkehrt. Denn diese Freiheit bedeutet in einem Augenblick: <i>t\u00f6dliche Angst<\/i> \u2013 und <i>g\u00f6ttliche Lust<\/i>. Angst: Denn wer <i>selbst<\/i> und frei lebt, mu\u00df selbst sterben. Wer frei und selbstbewu\u00dft dasteht, der wei\u00df zugleich um seinen Tod. Lust: Denn wer selbst und frei lebt, kann sein Leben darin finden, selbst der Gott und Herrscher seiner Welt zu sein und in jubelnder Kraft seine Welt zu erobern. Beides zusammen: Des Freien t\u00f6dliche Angst und g\u00f6ttliche Lust, das ist der Punkt, an dem sich die Welt verkehrt.<\/p>\n<p>Wenn ich, im Augenblick des Erwachsenseins, den einsamsten Gedanken des Todes, in dem sich mein ganzes Leben zusammenkr\u00fcmmt, nur verleugne, statt mich an den wahren Gott zu wenden, der dem Tod gegen\u00fcber steht &#8211; statt <i>ihm<\/i> das Leben anzuvertrauen. Wenn ich \u00fcberhaupt die Grenze meines Lebens verleugne und dies, da\u00df es ein Streben zu einer Heimat ist, die <i>ich<\/i> ihm nicht sein kann. Und wenn ich nun zugleich in der <i>Lust<\/i> meiner Freiheit, in dem herrlichen Gef\u00fchl unserer menschlichen Macht, der Versuchung nachgebe, selbst der Gott meiner Welt zu sein, nur f\u00fcr mich allein mein Leben einzurichten und zu planen, meine Ziele zu setzen und f\u00fcr sie zu k\u00e4mpfen &#8211; &#8211; statt auch noch die Lust meiner Freiheit Gott zu danken, weil ich wei\u00df, da\u00df meine Arbeit und Taten nur als Teil von <i>Gottes<\/i> Liebe Leben und Sinn sind.<\/p>\n<p>So mag es sein: Die Verleugnung t\u00f6dlicher Angst und imselben Augenblick die Versuchung g\u00f6ttlicher Lust haben die Welt verkehrt \u2013 vom Garten Gottes in einen kranken Traum. Der Kreis des Volkes, welches von Gott lebt, ist zerbrochen, bis auf einen Rest. Nicht Gottes Liebe vereint die Starken und Schwachen, die Alten und Jungen, sondern die gemeinsamen G\u00f6tzen und Lebensl\u00fcgen halten zusammen, die Arbeit am babylonischen Turm des Geldes, des Marktes, des technischen Fortschritts, die gemeinsame Verleugnung des Todes, der heiligen Grenze.<\/p>\n<p>Was hat nun der wahre Herr mit der verkehrten Welt zu schaffen? Was ist der Ewige f\u00fcr die verkehrte Zeit? Was ist mit den Satten, den Sicheren, die meinen, keinen Gott zu brauchen? Was ist mit den Ohnm\u00e4chtigen, den Schwerm\u00fctigen, mit denen, die nicht wach werden?<\/p>\n<p>Erl\u00f6sung kommt durch Gericht und Gerechtigkeit, sagt der Prophet (1,27). Der Tag des Herrn <i>kommt<\/i>. Der Herr steht da zum Gericht (3,13). Der noch sch\u00fctzende Zaun eures Lebens wird weggerissen. Eine Lebensw\u00fcste wird alles ersticken, denn sie ist eure Wahrheit. Die Angst wird tausendfach wiederkehren. Das Licht wird t\u00f6dlich sein und die Sonne den Garten verbrennen. Was sich f\u00fcr sch\u00f6n und stark und m\u00e4chtig h\u00e4lt, mu\u00df in den Spiegel seiner H\u00e4\u00dflichkeit sehen. \u201e<i>An jenem Tag wird jederman wegwerfen seine silbernen und goldenen G\u00f6tzen, die er sich hatte machen lassen, um sie anzubeten, zu den Maulw\u00fcrfen und Flederm\u00e4usen, damit er sich verkriechen kann in die Felsspalten und Steinkl\u00fcfte vor dem Schrecken des Herrn und vor seiner herrlichen Majest\u00e4t, wenn er sich aufmachen wird, zu schrecken die Erde.<\/i>\u201c(2,20f.) Gottes Gerechtigkeit bringt die Wahrheit des blinden und ungerechten Lebens an den Tag \u2013 durch Tod und Schmerz und Schrecken und Zerst\u00f6rung. So prophezeite Jesaja seinem zerrissenen Land \u2013 bevor die Assyrer den n\u00f6rdlichen Staat Israels vernichteten und seine Herren verschleppten.<\/p>\n<p>Tod und Verzweiflung, Krieg und Zerst\u00f6rung gibt es auch heute. Ein Narr, wer glaubt, Krieg und Zerst\u00f6rung habe mit ihm nichts zu tun. Aber k\u00f6nnen wir wirklich denken, da\u00df hier bisweilen die Gerechtigkeit Gottes die Klinge f\u00fchrt, die Wahrheit des gerechten Herrn der Geschichte? Da\u00df vielleicht er es ist, der die gro\u00dfen M\u00e4chte der Welt zu seinem Werk benutzt? &#8211; Vor 55 Jahren endete der 2.Weltkrieg mit der schrecklichen Zerst\u00f6rung Deutschlands, mit seiner Zerst\u00fcckelung, mit millionenfachem Tod, mit langer Fremdherrschaft. Wir haben uns bis heute nicht davon erholt. Und nicht wenige haben es damals so empfunden: Die Strafe Gottes f\u00fcr den Hochmut, die Herrn der Welt sein zu wollen, die Kriegsg\u00f6tter \u00fcber Leben und Tod.<\/p>\n<p>Doch ich habe Zweifel daran, da\u00df die Gerechtigkeit Gottes so weltlich siegt, da\u00df sie sich einfach der gr\u00f6\u00dferen Zahl der Kanonen und Bataillione bedient. Warum habe ich Zweifel? Woher wei\u00df ich \u00fcberhaupt, wo Gott handelt? Ich wei\u00df es nur in dem Geist, in dem ich seiner Offenbarung f\u00fcr mich glaube. Wir sind getauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Zwischen uns und dem Propheten liegt etwas Neues \u2013 da\u00df Gott sich zeigt im Leben, Sterben und Auferstehen Jesu. Und deshalb, nicht weil wir kl\u00fcger sind, <i>denken<\/i> wir von Gott auch anders als der Prophet des Alten Testamentes. Wenn wir auf Christus sehen, ist es entschieden: Gott tritt nicht als bluttriefender R\u00e4cher auf. Das ist nicht seine Gerechtigkeit. Sondern er ist da als der Vater, der uns die Erde gibt, auf der wir wachsen und leben. Er ist die herrliche, geheime Tiefe der Welt, wenn der Abend kommt und eine einzelne Amsel den Klang ewigen Lebens trifft. Und er ist <i>gekommen<\/i>, in dem Menschen, der die Verlorenen vers\u00f6hnt und erl\u00f6st von dem B\u00f6sen. Und er ist da in dem <i>Geist<\/i>, in dem wir seiner Liebe glauben, in dem wir seine Liebe \u00fcben.<\/p>\n<p>Der Schrei des Propheten, seine entsetzliche Gewi\u00dfheit vom Tag des Herrn \u2013 das bleibt Wahrheit, aber es ist nun eine andere Wahrheit. Es ist wahr, da\u00df Erl\u00f6sung nur durch Gericht und Gerechtigkeit kommt, da\u00df <i>an jenem Tag jederman seine silbernen und goldenen G\u00f6tzen wegwerfen wird, die er sich hatte machen lassen, um sie anzubeten, da\u00df er sich verkriechen will in die Felsspalten und Steinkl\u00fcfte vor dem Schrecken des Herrn.<\/i> Es ist wahr, aber anders. Es ist wahr, weil das wahre, wache, volle, gemeinsame und ewige Leben eben nur durch die Wahrheit kommen kann. Und die Wahrheit, das ist die Vernichtung der G\u00f6tzen, das Bild des Todes als Kehrseite des Lebens ohne Gott, der v\u00f6llige Schrecken vor der Andersheit des Einzigen, wenn dein Ich mit seiner Angst in einem Punkt im eisigen Weltall zusammengefa\u00dft ist. Die gemeinsame, verborgene, bestgeh\u00fcteste Wahrheit aller t\u00e4glichen Scheinwelt; die L\u00fcge eines Volkes, welches seine Bestimmung verfehlt. Ohne da\u00df die L\u00fcge zerbricht, gibt es kein Leben. Gottes Liebe erreicht dich nicht, wenn du nicht du selber bist, wenn du nicht zu deiner Wahrheit stehst, und die ist wie ein Todesschmerz. Das ist die Wahrheit des Gerichts: Die t\u00f6dliche Angst, die wir verdr\u00e4ngten, mu\u00df wieder offenbar werden, die schreckliche Kehrseite der g\u00f6ttlichen Lust, mit der wir wie G\u00f6tter die Herrscher unserer Welt waren und unsere Sch\u00e4tze sammelten, ohne einen Gott \u00fcber uns. Als falsche G\u00f6tter, als die Traumbildner und L\u00fcgner unseres Lebens m\u00fcssen wir sterben. Das ist unsere Taufe, das Untertauchen, um neu geboren zu werden. Das ist es, was wir in jedem wachen Moment wiederholen m\u00fcssen. Deswegen ist das <i>Kreuz<\/i> das Zeichen des Lebens, welches Gottes Ewigkeit ber\u00fchrt. Da\u00df Gott selbst im Augenblick der Wahrheit bedingungslos bei uns ist. Da\u00df er <i>selbst<\/i> den Tod des S\u00fcnders gestorben ist. Da\u00df wir immer seine Kinder sind, die er liebt. Da\u00df er den Schmerz kennt und in ihm bei uns ist, den Tod, die Angst, die Ohnmacht.<\/p>\n<p>In dieser Gewi\u00dfheit beginnt der Tag des Herrn und die Morgenr\u00f6te neuen Lebens. Wenn du wieder den Weinberg betrachtest und den z\u00e4rtlichen Wind und die Sonne genie\u00dft; wenn du ihm deine neue, selbst geschenkte Liebe schenkst, und in einem Augenblick wei\u00dft: Du hast die Nacht im R\u00fccken.<\/p>\n<p>Der Friede Gottes, welcher h\u00f6her ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. (Amen.)\u201c<\/p>\n<p><b>Pastor Dr. Tom Kleffmann<br \/>\nPlatz der G\u00f6ttinger Sieben 2<br \/>\n37073 G\u00f6ttingen<br \/>\nTel. 0551 \/ 397117<br \/>\n<a href=\"mailto:tkleffm@gwdg.de\">email: tkleffm@gwdg.de <\/a><\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=000319.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2. Sonntag der Passionszeit, Reminiszere 19.3.2000 Jesaja 5,1-7 Tom Kleffmann Die Predigt wird \u2013 in ver\u00e4nderter Gestalt \u2013 am Sonntag Reminiszere in zwei D\u00f6rfern der s\u00fcd\u00f6stlichen Umgebung G\u00f6ttingens gehalten. 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