{"id":21154,"date":"2000-03-26T15:00:20","date_gmt":"2000-03-26T13:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21154"},"modified":"2025-03-14T15:01:39","modified_gmt":"2025-03-14T14:01:39","slug":"johannes-1920-ff-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-1920-ff-2\/","title":{"rendered":"Johannes 19,20 ff."},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"500\" align=\"CENTER\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"color: #0000a0; font-size: xx-small;\">Worte vom Kreuz<br \/>\nPredigtreihe f\u00fcr die Passionszeit 2000<br \/>\n3. Sonntag der Passionszeit, Okuli<\/span><br \/>\n<b>26.3.2000<br \/>\nJohannes 19,20 ff.<\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\"><b>Joachim Goeze<\/b><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Was ist der Sinn des Leidens Jesu ?<\/p>\n<p>Eine der gro\u00dfen und unmittelbar einleuchtenden Handlungen des sterbenden Jesus erhellt in ergreifender Weise, wie sein Leiden uns zugute kommen kann. Die beiden Worte Jesu am Kreuz sind und wirken wie ein Verm\u00e4chtnis: &#8222;Frau, sieh, das ist Dein Sohn&#8220; &#8211; zu seiner Mutter, und mit Blick auf Johannes, seinen besten Freund und Gottesbruder: &#8222;Sieh, das ist Deine Mutter&#8220;.<\/p>\n<p>Ergreifend wie einer da im Sterben und wohlberechtigt, sich zuerst um sich zu k\u00fcmmern, an seine Mutter denkt, (die nach orientalischem Recht nicht allein leben kann). Paradox an manchen Kranken- und Sterbebetten: Die, die voll Vertrauen ins Land des Todes und der Freiheit gehen, sind in der Lage, die Traurigen, die Zur\u00fcckbleibenden, zu tr\u00f6sten. M\u00fc\u00dften selber, wie es scheint, am meisten getr\u00f6stet werden und sind doch f\u00e4hig, ihr Vertrauen in Gott und seine M\u00f6glichkeiten so zu leben bis zum Schlu\u00df, da\u00df ihnen die Kraft bleibt, sich ganz um irdische Sorgen zu k\u00fcmmern.<\/p>\n<p>Was wird mit denen, die nun allein zurechtkommen m\u00fcssen? Der Evangelist Johannes antwortet auf unsere Frage nach dem Sinn dieses Leidens mit dem Bild und zugleich ganz irdischen Auftrag eines letzten Verm\u00e4chtnisses. Indem Jesus seine Mutter und seinen besten Freund zur neuen Familie Gottes verbindet: &#8222;Fortan nahm sie der J\u00fcnger zu sich&#8220; \u00fcberl\u00e4\u00dft &#8211; johannneisch gesprochen &#8211; der himmlische Menschensohn das Schicksal seiner Mutter und das seines besten Freundes gerade nicht seinem himmlischen Vater. Der &#8222;am Kreuz Erh\u00f6hte&#8220; erdet sich und die ihm Anvertrauten und k\u00fcmmert sich darum, da\u00df sie eine neue heilige Familie gr\u00fcnden nicht nur im Himmel, sondern auch auf Erden. Ein theologischer Gedankengang von tiefem symbolischem und zugleich realem Gehalt: &#8218; irdisch noch, schon himmlisch sein&#8216;.<\/p>\n<p>Jesus schafft in Gott gestiftet eine neue irdische Realitit\u00e4t. Wird diese wahr- und angenommen, hinterl\u00e4\u00dft Jesu Tod eine L\u00fccke, die neu verbindet. Diese Erfahrung dr\u00fcckt Dietrich Bonhoeffer folgenderma\u00dfen aus: &#8222;es gibt nichts, was uns die Abwesenheit eines uns lieben Menschen ersetzen kann und man soll das auch gar nicht versuchen; man mu\u00df es einfach aushalten und durchhalten; das klingt zun\u00e4chst sehr hart, aber es ist doch zugleich ein gro\u00dfer Trost; denn indem die L\u00fccke wirklich unausgef\u00fcllt bleibt, bleibt man durch sie miteinander verbunden.<\/p>\n<p>Wem der Gedanke einer neuen heiligen Familie zu abgehoben erscheint, den bitte ich doch nachzudenken, wie es einer &#8218;Andacht&#8216; angemessen ist. Bitte fragen Sie sich doch mal, gibt es nicht in unsern Familien manche, mit denen wir uns gar nicht verstehn? Vielleicht haben wir vieles gemeinsam, haben aber wom\u00f6glich gerade wegen dieser Gemeinsamkeiten und deren unterschiedliche Bewertung <b>keine<\/b> Gemeinschaft mehr ? Wie oft sind sich Vater und Sohn nur deswegen uneinig, weil sie sich zu \u00e4hnlich sind, sich zu gut kennen? Gibt es nicht auch Erfahrungen, da\u00df sich Geschwister ein Leben lang fremd bleiben? Was aber ist demgegen\u00fcber eine neue Familienbeziehung, die durch die verzeihende Liebe Gottes getragen wird und im Verm\u00e4chtnis eines geliebten Menschen begr\u00fcndet ist? &#8222;Je sch\u00f6ner und voller die Erinnerungen&#8220; schreibt Bonhoeffer, &#8222;desto schwerer die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Qual der Erinnerung in eine stille Freude. Man tr\u00e4gt das vergangene Sch\u00f6ne nicht wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich. Man mu\u00df sich h\u00fcten, in den Erinnerungen zu w\u00fchlen, sich ihnen auszuliefern, wie man auch ein kostbares Geschenk nicht immerfort betrachtet, sondern nur zu besonderen Stunden und es sonst nur wie einen verborgenen Schatz, dessen man sich gewi\u00df ist, besitzt; dann geht eine dauernde Freude und Kraft von dem Vergangenen aus&#8230;.&#8220;(Widerstand und Ergebung 131)<\/p>\n<p>Jesu ganz konkrete Wort vom Kreuz herab, sind deswegen nicht nur Abschied, sondern auch ein Neubeginn, Ermunterung, nicht am Grabe stehenzubleiben, sondern die ganz irdischen Aufgaben eines durch den Tod getroffenen Lebens neu in Angriff zu nehmen. Vielleicht war es diese taten- und tonlose Trauer, oder Gleichg\u00fcltigkeit um alles in den sozialen Beziehungen, gegen die sich der Apostel Paulus wendet, wenn er die Korinther erinnern mu\u00df: &#8222;Nun aber kennen wir Jesus nach dem Fleisch nicht mehr..&#8220; (2.Kor.5,16)<\/p>\n<p>Wie Leid und Tod verwandeln und wie so etwas aussehen kann, ich habe es erlebt. Eine Frau verliert ihren Sohn vierzigj\u00e4hrig durch einen schnellen Tod. Ein Jahr sp\u00e4ter mitten in der gemeinsamen Trauer stirbt auch ihr Mann. &#8218;Was kann noch Schlimmeres kommen?&#8216; Gott schenkt ihr die Kraft, diese Empfindung, was kann noch Schlimmeres kommen, in Mut zu verwandeln. Sie wird f\u00e4hig, an <b>jedes<\/b> Krankenbett treten zu k\u00f6nnen. Heute feiert sie an ihrem 75.Geburtstag 15 Jahre Krankenhausbesuchsdienst. Und sie kann zu Gott dankbar sagen: Du hast meine Klage verwandelt.<\/p>\n<p>Wenn so der Sinn des Leidens Jesu erfa\u00dft und gelebt wird, dann ist er nicht umsonst gestorben und sind seine Worte am Kreuz bleibendes Verm\u00e4chtnis. Die Familie Gottes als die Gemeinschaft der Leidenden und Wissenden nimmt aufs Neue Ma\u00df an der Selbstlosigkeit Jesu, die zugleich befreit. Wie Jesu Vertrauen in seinen himmlischen Vater ihn freimacht, sich um das irdische Gl\u00fcck seiner Lieben zu k\u00fcmmern, so kann auch unser Fragen nach dem antwortlosen Warum verwandelt werden.<\/p>\n<p>Aus dem anklagenden Fragen an den fernen Gott wird ein irdisches Sich-k\u00fcmmern um die mitleidenen N\u00e4chsten. Die Beziehung zu Gott durch das Kreuz befreit von Selbstmitleid zu aktiver Zuwendung zum N\u00e4chsten, was neuen Lebenssinn schenken kann. So also gewinnen vielleicht das Leiden Jesu und seine Worte am Kreuz auch in unserm Kreuz und Leiden die Qualit\u00e4t, uns zu Annahme des Vergangenen und Ermutigung zu neuem Anfang bewegen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Lesung: Jes. 53, 4-12<br \/>\nLied: Du gro\u00dfer Schmerzensmann<\/p>\n<p><b>Dr. Joachim Goeze<br \/>\nSchlesierstr. 1a<br \/>\n38448 Wolfsburg<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=000326-p.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Worte vom Kreuz Predigtreihe f\u00fcr die Passionszeit 2000 3. Sonntag der Passionszeit, Okuli 26.3.2000 Johannes 19,20 ff. Joachim Goeze Was ist der Sinn des Leidens Jesu ? 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