{"id":21166,"date":"2000-04-09T15:16:17","date_gmt":"2000-04-09T13:16:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21166"},"modified":"2025-03-14T15:17:28","modified_gmt":"2025-03-14T14:17:28","slug":"4-mose-numeri-214-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/4-mose-numeri-214-9\/","title":{"rendered":"4. Mose (Numeri) 21,4-9"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"550\" align=\"CENTER\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"color: #0000a0; font-size: xx-small;\">5. Sonntag der Passionszeit, Judika<\/span><br \/>\n<b>9.4.2000<br \/>\n4. Mose (Numeri) 21,4-9 <\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\"><b>Peter Kusenberg <\/b><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"LEFT\">Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Der Predigttext f\u00fcr den heutigen Sonntag, den wir eben geh\u00f6rt haben, berichtet von einem Zwischenfall w\u00e4hrend der so genannten W\u00fcstenwanderung der Israeliten. Zur Erinnerung: Mose hatte das Volk Israel aus der \u00e4gyptischen Sklaverei befreit und an seiner Spitze den Weg in das Gelobte Land angetreten. Aber dieser Weg in das verhei\u00dfene Land, in dem Milch und Honig flie\u00dfen sollten, hatte sie zun\u00e4chst in die W\u00fcste gef\u00fchrt. Statt \u00dcberfluss zun\u00e4chst Entbehrungen und Strapazen. Statt der erhofften Freiheit ein Katalog von 10 Geboten, den Mose auf 2 Tafeln von seiner Begegnung auf dem Gottesberg zur\u00fcck brachte.<\/p>\n<p>Sicher, es war auf wunderbare Weise immer wieder weiter gegangen, so aussichtslos die Lage manchmal auch erschienen war. Wasser war pl\u00f6tzlich aus den Felsen gesprudelt, als ihr Vorrat zu Ende war, und Nahrung lieferte ihnen das wundersame Manna, jene K\u00f6rnerspeise, deren Ursprung sie sich nicht erkl\u00e4ren konnten.<\/p>\n<p>Doch auf Dauer verlieren auch Wunder ihren Reiz, wenn sie zur t\u00e4glichen Gewohnheit werden. Denn eine lange Zeit waren sie schon unterwegs &#8211; von fast 40 Jahren sprechen die \u00dcberlieferungen. Selbst wenn man die Erz\u00e4hlfreude der Orientalen und ihren Hang zu \u00dcbertreibungen ber\u00fccksichtigt, so ist doch gewiss, dass es sich um eine sehr lange Zeitspanne gehandelt haben muss.<\/p>\n<p>Jeden Tag Manna &#8211; da vergoldet die Erinnerung sogar die Zeit der Zwangsarbeit f\u00fcr den \u00e4gyptischen Pharao. \u201eZur\u00fcck zu den Fleischt\u00f6pfen \u00c4gyptens!\u201c wieder einmal wird der Ruf laut, der stets in solchen Situationen zu h\u00f6ren war. \u201eWarum habt ihr uns hierher gef\u00fchrt\u201c, murren die Unzufriedenen, und sie fragen Gott und Mose gleicherma\u00dfen, \u201esollen wir in der W\u00fcste sterben?\u201c<\/p>\n<p>Verdr\u00e4ngt haben sie die Schikanen der Aufseher Pharaos, vergessen sind die Schindereien und die Willk\u00fcr jener Zeit. Sicher, es war manchmal hart, sagen viele, aber man wusste doch wenigstens, woran man war. Aber hier &#8211; diese nicht enden wollende Wanderung durch die W\u00fcste in der zweifelhaften Hoffnung auf eine bessere Zukunft?<\/p>\n<p>Ihre Geduld war &#8211; wieder einmal &#8211; am Ende. Sie sahen den Sinn des ganzen Unternehmens nicht mehr ein. Mose schwieg zu ihren Vorw\u00fcrfen. Er hatte so eine Ahnung, dass bald etwas geschehen w\u00fcrde. Im Laufe der Zeit hatte er sozusagen eine Art sechsten Sinn daf\u00fcr bekommen. Und jetzt sagte ihm sein Gef\u00fchl: bald wird etwas passieren!<\/p>\n<p>Er hatte sich nicht get\u00e4uscht. Diesmal ist es eine Schlangenplage, die die Israeliten mitten in ihren Grundsatzdiskussionen und Debatten \u00fcberrascht. Und sogleich dreht sich die Stimmung im Lager um 180 Grad. Kaum dass die ersten Toten zu beklagen sind, die an Schlangenbissen starben, kommen sie in Scharen. \u201eMose, du musst uns helfen. Du hast doch ein besonderes Verh\u00e4ltnis zu unserem Gott. Du musst f\u00fcr uns beten. Es tut uns ja alles so leid.\u201c<\/p>\n<p>Und Mose? Ergreift er die Gelegenheit, eine flammende Bu\u00dfpredigt zu halten? Entl\u00e4dt er gar seinen Zorn \u00fcber ihren Kleinglauben in furchtbarem Strafgericht wie seinerzeit, als sie um das Goldene Kalb getanzt waren?<\/p>\n<p>Nein. Mose tut, worum sie ihn bitten. Er betet f\u00fcr das Volk. Er hat in den Jahren in der W\u00fcste wohl gelernt, diese Menschen zu verstehen. Vielleicht hat er auch bei sich selbst Zweifel entdeckt, die denen gleichen, die die anderen plagen. Vielleicht hat er dabei gesp\u00fcrt, dass der Zweifel allein nicht schon S\u00fcnde sein muss. Im Gegenteil, dass dieser Gott, der immer unsichtbar und doch stets nahe ist, auch den Zweifel zul\u00e4sst.<\/p>\n<p>Deshalb betet er jetzt f\u00fcr das Volk. Und Gott gibt ihm Antwort. Eine klare Anweisung. Mose soll ein Symbol der t\u00f6dlichen Bedrohung anfertigen, ein Schlangenbild aus Eisen, und er soll es vor aller Augen aufstellen. Wer davor die Augen verschlie\u00dft, die Gefahr nicht wahr haben will, dem ist nicht zu helfen. Die Menschen aus dem Volk, die weiterhin entweder in nostalgischem Selbstbetrug oder in Tr\u00e4umen vom k\u00fcnftigen Schlaraffenland leben, k\u00f6nnen mit dem Bildnis nichts anfangen.<\/p>\n<p>Die anderen aber, die das Bildnis der Schlange ansehen, sind auf die drohende Gefahr vorbereitet. Selbst wenn sie gebissen wurden, hei\u00dft es, blieben sie am Leben. Sie versuchten nicht, die Bedrohung aus ihrem Leben zu verdr\u00e4ngen, sondern erkannten, dass Leiden, Krankheit und Tod ebenso Bestandteile der menschlichen Existenz sind wie Gl\u00fcck, Freude und Gesundheit. Und sie sahen daran, dass der Gott, der sie befreit hatte, nicht nur ein Gott f\u00fcr die angenehmen Seiten des Daseins war. Sondern ein Gott, der auch in der Bedrohung und im Leid nahe ist.<\/p>\n<p>Die Geschichte mit dem Bildnis der eisernen Schlange hat mich an ein anderes Bildnis erinnert. Es ist auch ein Zeichen, das mit dem Tod zu tun hat, und das dennoch immer wieder Menschen zum Leben aufrichtet. Es ist das Bild des gekreuzigten Jesus. Und ich erinnere mich an die Frage: wie kommt ihr Christen eigentlich dazu, euch so ein grausames und t\u00f6dliches Bild in die St\u00e4tten eurer Andacht zu stellen? Die Darstellung eines Menschen, der hingerichtet ist, als Symbol der Gottesverehrung? Auf dem Altar? Oder in Klassenzimmern, aus denen es manche am liebsten f\u00fcr immer verbannt s\u00e4hen?<\/p>\n<p>Die Antwort?<\/p>\n<p>Weil unser Gott den ganzen Menschen kennt. Nicht nur seine guten Seiten, sondern auch das Dunkle, das er in sich tr\u00e4gt. Er stellt mir Forderungen, aber er kennt auch meine Grenzen. Die Kluft zwischen Gottes Anspruch auf mein Leben und meinen eigenen Unzul\u00e4nglichkeiten hat Jesus Christus in seiner Passion, in seinem stellvertretenden Leiden und Sterben \u00fcberwunden. Sonst h\u00e4tten wir eine Welt voller gescheiterter, verlorener Menschen, weil sie dem Anspruch Gottes nicht gen\u00fcgten, so sehr sie sich auch bem\u00fchten.<\/p>\n<p>Christen dagegen leben aus der Vergebung. Sie brauchen nicht mehr zu scheitern an der Erfahrung, dass sie bei aller eigenen M\u00fche doch immer wieder verzagt, ungl\u00e4ubig und kraftlos werden. Das Kreuz ist das Zeichen des Vertrauens darauf, dass der, der gekreuzigt wurde, mir vergibt und mich so immer wieder neu st\u00e4rken und mir Kraft und Hoffnung geben will.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><b>Peter Kusenberg, <a href=\"mailto:peter.kusenberg@kirche-erbsen.de\">E-Mail: peter.kusenberg@kirche-erbsen.de<\/a><\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=000409.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>5. Sonntag der Passionszeit, Judika 9.4.2000 4. Mose (Numeri) 21,4-9 Peter Kusenberg Liebe Gemeinde, Der Predigttext f\u00fcr den heutigen Sonntag, den wir eben geh\u00f6rt haben, berichtet von einem Zwischenfall w\u00e4hrend der so genannten W\u00fcstenwanderung der Israeliten. 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