{"id":21168,"date":"2000-04-16T15:17:32","date_gmt":"2000-04-16T13:17:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21168"},"modified":"2025-03-14T15:19:17","modified_gmt":"2025-03-14T14:19:17","slug":"lukas-2346-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-2346-3\/","title":{"rendered":"Lukas 23,46"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"500\" align=\"CENTER\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"color: #0000a0; font-size: xx-small;\">Worte vom Kreuz<br \/>\nPredigtreihe f\u00fcr die Passionszeit 2000<br \/>\n6. Sonntag der Passionszeit, Palmarum<\/span><br \/>\n<b>16.4.2000<br \/>\nLukas 23,46<\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\"><b>Christian-Erdmann Schott<\/b><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span style=\"font-size: medium;\">Text: Lk. 23,46: \u201eUnd Jesus rief laut und sprach: <span style=\"color: #330099; font-size: xx-small;\">\u201eVater, ich befehle meinen Geist in deine H\u00e4nde!\u201c<\/span>. Und als er das gesagt, verschied er.\u201c<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p align=\"justify\">Unter den Evangelisten ist Lukas nicht nur der bedeutendste Erz\u00e4hler. Er ist auch der bedeutendste Seelsorger, das hei\u00dft: Er ist der Evangelist, der mit der Gestaltung des Evangeliums die Menschen vor allem aufrichten und tr\u00f6sten, ihre Lebenskraft, ihre Seele st\u00e4rken will.<\/p>\n<p align=\"justify\">Zu keiner Zeit haben wir diese St\u00e4rkung so n\u00f6tig wie in der Stunde unseres Todes. Dann, wenn wir uns aus allen Bez\u00fcgen dieses Lebens herausnehmen, alles loslassen m\u00fcssen und allein, ungesichert und ungesch\u00fctzt dem Fremden, Dunklen, das nach uns greift, gegen\u00fcberstehen, dann ist es eine ungeheure St\u00e4rkung, wenn wir wissen: Wir d\u00fcrfen Vertrauen haben. Wir d\u00fcrfen uns, unser Leben, unsere Angst, unsere Schmerzen, unseren Abschied, unsere Hoffnung, alles in \u201edie H\u00e4nde des Vaters\u201c legen; an ihn zur\u00fcckgeben, der uns mit der einen Hand das Leben gab und es mit der anderen wieder an sich nimmt. Am Sterben Jesu k\u00f6nnen wir lernen, wie wir sterben k\u00f6nnen. Er zeigt es uns. Er macht es uns vor. Er geht voran. In der Gestaltung des Lukas ist dieses letzte Wort an den Vater nicht allein ein Wort seines pers\u00f6nlichen Glaubens, seines individuellen Vertrauensverh\u00e4ltnisses zu Gott. Es ist auch ein Verm\u00e4chtnis an die Gemeinde, die schon am Fu\u00dfe des Kreuzes andeutungsweise erkennbar ist und in deren \u00dcberlieferung wir bis heute stehen.<\/p>\n<p align=\"justify\">So zeigt uns diese letzte Stunde Jesu: Christus stirbt als Christ \u2013 ohne Bitterkeit, in \u00fcberwundener Angst, getrost. Er m\u00f6chte uns Mut machen, auch so zu sterben. Paul Gerhardt hat das dann in das Gebet gefa\u00dft: \u201eErscheine mir zum Schilde, zum Trost in meinem Tod, und la\u00df mich sehn dein Bilde in deiner Kreuzesnot. Da will ich nach dir blicken, da will ich glaubensvoll dich fest an mein Herz dr\u00fccken. Wer so stirbt, der stirbt wohl!\u201c (EG 85, 9)<\/p>\n<p align=\"justify\">Und so ist Jesus Christus gestorben: Nachdem er laut gerufen hatte, \u201eVater, ich befehle meinen Geist in deine H\u00e4nde!\u201c, konnte er sich aufgeben und ganz in Gott fallen lassen: \u201eUnd als er das gesagt, verschied er\u201c.<\/p>\n<p align=\"justify\">Mit diesem nach Lukas letzten Wort Jesu wird unsere Lage angesichts des Todes, aber auch angesichts unserer Schuld und angesichts unserer letzten, uns nicht immer bewu\u00dften, meistens verdr\u00e4ngten, aber immer vorhandenen Einsamkeit gekl\u00e4rt. Denn es wird deutlich, da\u00df es zuletzt nur einen Ansprechpartner f\u00fcr uns Menschen gibt. Alle anderen M\u00e4chte, auch alle anderen Menschen, sind dann nicht mehr wichtig. Nur Gott bleibt. Er ist der Herr, gr\u00f6\u00dfer als alles, auch gr\u00f6\u00dfer als unsere Schuld, als die Macht des Todes und nimmt unsere Einsamkeit auf in seine Gemeinschaft.<\/p>\n<p align=\"justify\">Diese Klarstellung k\u00f6nnte uns lange vor dem Tod helfen, die Dinge richtig einzuordnen und zu gewichten, ohne sie zu verachten.<\/p>\n<p align=\"justify\">Zu dieser Ausrichtung wollte uns Jesus Christus ermutigen. In der Todesstunde ist die letzte M\u00f6glichkeit daf\u00fcr gegeben. Den Gewinn, den wir davon haben \u2013 Frieden, Freude aus dem Glauben, Leben \u2013 k\u00f6nnten wir schon fr\u00fcher haben. Dann n\u00e4mlich, wenn wir anfangen, ernsthaft und ehrlich mit Gott zu sprechen, immer wieder, so da\u00df es zu einer Gewohnheit wird. Jesus hat das offensichtlich getan. Es wird \u00f6fter in den Evangelien berichtet, da\u00df er sich zur\u00fcckgezogen und f\u00fcr sich gebetet hat.<\/p>\n<p align=\"justify\">So hat er auch dieses Wort, das er nach Lukas in seiner Todesstunde gesprochen hat, dem gro\u00dfen Gebetbuch seines Volkes, der Bibel, den Psalmen entnommen. Hier ist es Psalm 31, Vers 6. Jesus Christus lebte mit seiner Bibel. Das hat ihm Kraft und Ausdauer im Gottvertrauen gegeben. Mit der heute modischen Verachtung des Auswendiglernens von Bibelworten oder Gebeten (Psalmen, Gesangbuchversen) wird man sich auf Jesus Christus nicht berufen k\u00f6nnen. Im Gegenteil. Er zeigt uns, da\u00df wir h\u00e4ufig nur das inwendig haben, was wir auswendig gelernt haben.<\/p>\n<p align=\"justify\">Zu den sch\u00f6nen Folgen der Ausrichtung unseres Lebens auf Gott schon vor der letzten Stunde geh\u00f6rt die innere Unabh\u00e4ngigkeit Zeiterscheinungen, Dingen, Moden und Methoden gegen\u00fcber und eine Spur von Heiterkeit im Umgang und im Blick auf Zur\u00fccksetzungen oder Verletzungen. In der Stunde des Todes kann sie sich letztg\u00fcltig zeigen: Sie kann hervortreten als Kraft zum Segnen. Der Christ am Kreuz bietet dem Betrachter weder die geballte Faust noch die Beschimpfung der Gegner.<\/p>\n<p align=\"justify\">Er bietet die ausgestreckte, segnende Hand dessen, der mit der Welt und seinem eigenen Leben seinen Frieden gemacht hat und aus diesem Frieden heraus die st\u00e4rkt, die noch k\u00e4mpfen m\u00fcssen und noch nicht so weit sind wie er; ihn aber sehen, sich an ihm orientieren und wissen: So schwach das Kreuz aussieht und daherkommt, ist es gar nicht. Die Kraft, die von ihm ausgeht, ist tiefer und st\u00e4rker als alle Kraftquellen der Welt.<\/p>\n<p align=\"justify\">Bis heute glaubt die christliche Gemeinde, da\u00df Gott das Gebet Jesu am Kreuz erh\u00f6rt und ihn in sein Reich aufgenommen, zu sich erh\u00f6ht hat. Auferstehung, Himmelfahrt, \u201eSitzen zur Rechten des Vaters\u201c (sessio ad dexteram) wollen das aussagen. Sie halten aber immer auch fest, da\u00df es sich bei Erh\u00f6rung um Erh\u00f6hung, nicht um eine Entr\u00fcckung oder um ein Verlassen der Gemeinde handelt; vielmehr um eine neue Art ihrer Begleitung durch Teilnahme an der Herrschaft Gottes, als Mitregent Gottes. Darum ist mit Erh\u00f6hung eine andere, neue Art des Bei-Uns-Seins gemeint. Es kann die Gemeinde st\u00e4rken auf ihrem Weg durch die Geschichte, wenn sie an ihm festh\u00e4lt, sich von seinem Wort nicht abdr\u00e4ngen und von seiner Stimme nicht weglocken l\u00e4\u00dft in unwegsames Gel\u00e4nde: \u201eMeine Schafe h\u00f6ren meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir, und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand rei\u00dfen. Der Vater, der sie mir gegeben hat, ist gr\u00f6\u00dfer als alles, und niemand kann sie aus meines Vaters Hand rei\u00dfen. Ich und der Vater sind eins\u201c (Joh. 10,27-30).<\/p>\n<p align=\"justify\">Da haben wir sie wieder, diese beiden Bilder von der Hand und vom Vater. Hier gelten sie zun\u00e4chst der Gemeinde als ganzer, dem wandernden Gottesvolk. Aber sie gelten mit ihren Zusagen auch f\u00fcr den Einzelnen als Teil dieser Gemeinschaft der Glaubenden. Denn auch als Individuum bin ich von Gott gesehen und gekannt. Ich kann ihm vertrauen, weil ich wei\u00df, auch meine pers\u00f6nliche Lebens-\u201eZeit steht in Gottes H\u00e4nden\u201c (Psalm 31,16).<\/p>\n<p align=\"justify\">Das Wort von den \u201eH\u00e4nden Gottes\u201c ist ein sehr altes und trotzdem nicht verbrauchtes Bild. Jesus war es wichtig. Die Gemeinde hat durch drei Jahrtausende mit ihm gelebt. Wenn wir es gro\u00df machen in unseren Herzen und vor unserem geistigen Auge, sp\u00fcren wir, wie durch die Kraft dieses Wortes alles andere auf seine nat\u00fcrlichen Ma\u00dfe zur\u00fcckf\u00e4llt.<\/p>\n<p align=\"justify\">Amen<\/p>\n<p align=\"justify\"><b>Dr. Christian-Erdmann Schott<br \/>\nElsa-Brandstr\u00f6m-Str. 21<br \/>\n55124 Mainz<br \/>\nTel. 06131 \/ 690488<br \/>\nFax 06131 \/ 686319 <\/b><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=000416-1-p.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Worte vom Kreuz Predigtreihe f\u00fcr die Passionszeit 2000 6. 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