{"id":21172,"date":"2000-04-16T15:21:02","date_gmt":"2000-04-16T13:21:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21172"},"modified":"2025-03-14T15:22:38","modified_gmt":"2025-03-14T14:22:38","slug":"jesaja-504-9-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-504-9-2\/","title":{"rendered":"Jesaja 50,4-9"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"550\" align=\"CENTER\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"color: #0000a0; font-size: xx-small;\">6. Sonntag der Passionszeit, Palmarum<\/span><br \/>\n<b>16.4.2000<br \/>\nJesaja 50,4-9 <\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\"><b>Hellmut M\u00f6nnich<\/b><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"LEFT\">Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Wer spricht da? Worum geht es? Was ist Ihnen eben beim H\u00f6ren im Ohr geblieben? Vielleicht das zweimalige &#8222;Gott hilft mir&#8220;, wobei Martin Luther den Gottesnamen hier mit &#8222;Gott der HERR&#8220; \u00fcbersetzt hat. Ja, der uns dem Namen nach nicht bekannte Verfasser des Abschnittes Jesaja 50,4-9 sagt mit einer Gewi\u00dfheit, die keinen Zweifel zul\u00e4\u00dft: &#8222;Gott hilft mir&#8220;. Und nennt dann, was f\u00fcr ihn daraus folgt, n\u00e4mlich: &#8222;Darum werde ich nicht zuschanden&#8220;. Und dann f\u00e4hrt er fort: &#8222;Darum habe ich mein Gesicht hart gemacht wie einen Kieselstein.&#8220; Und dann noch einmal: &#8222;Ich wei\u00df, da\u00df ich nicht zuschanden werde.&#8220;(V.7)<\/p>\n<p>Soviel, liebe Gemeinde, scheint doch deutlich: Hier geht es nicht um Allt\u00e4gliches. Hier redet nicht jemand so, wie wir allt\u00e4glich sprechen. Hier wird vielmehr mit ganzer Deutlichkeit, ja, mit unbeirrter Gewi\u00dfheit, mit Sicherheit &#8218;ohne wenn und aber&#8216; formuliert und gesprochen. So kann er durchstehen, was er erleiden mu\u00df:<\/p>\n<p>&#8222;Ich bot meinen R\u00fccken dar denen, die mich schlugen,<br \/>\nund meine Wangen denen, die mich rauften.<br \/>\nMein Angesicht verbarg ich nicht<br \/>\nvor Schmach und Speichel.&#8220; (V.6)<\/p>\n<p>Ja, angesichts dessen, trotzdem h\u00e4lt er fest: &#8222;Gott hilft mir.&#8220;<br \/>\nWas f\u00fcr ein Mensch ist das, der so redet? Der Anfang des Abschnittes, den wir heute bedenken wollen, l\u00e4\u00dft erkennen, was ihn kennzeichnet:<\/p>\n<p>&#8222;Gott der HERR hat mir eine Zunge gegeben, wie sie J\u00fcnger haben,<br \/>\nda\u00df ich wisse mit den M\u00fcden zu rechter Zeit zu reden.<br \/>\nAlle Morgen weckt er mir das Ohr,<br \/>\nda\u00df ich h\u00f6re, wie J\u00fcnger h\u00f6ren.<br \/>\nGott der HERR hat mir das Ohr ge\u00f6ffnet.<br \/>\nUnd ich bin nicht ungehorsam<br \/>\nund weiche nicht zur\u00fcck.&#8220; (V.4f)<\/p>\n<p>Drei weitere Abschnitte in den Kapiteln vor bzw. nach unserem Predigttext lassen die biblische Gestalt, die hier spricht, weiter erkennen. In Kapitel 42 lesen wir:<\/p>\n<p>&#8222;Siehe, das ist mein Knecht &#8211; ich halte ihn &#8211;<br \/>\nund mein Auserw\u00e4hlter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat.<br \/>\nIch habe ihm meinen Geist gegeben<br \/>\nIch, der HERR, habe dich gerufen<br \/>\nund halte dich bei der Hand und beh\u00fcte dich&#8220; (Jes 42,1,6f)<\/p>\n<p>So also versteht sich der &#8222;Knecht&#8220;, der vom Unsichtbaren in Dienst genommene. Und kann deshalb sagen:<\/p>\n<p>Der HERR hat mich berufen von Mutterleibe an;<br \/>\ner hat meines Namens gedacht, als ich noch im Scho\u00df der Mutter war.<br \/>\nEr hat meinen Mund wie ein scharfes Schwert gemacht &#8230;<br \/>\nUnd er sprach zu mir: Du bist mein Knecht &#8230; &#8222;(Jes 49,1-3)<\/p>\n<p>Wissen wir noch mehr von diesem namenlosen Boten, der von Gott in Dienst genommen ist? Ja. Im 53. Kapitel lesen wir:<\/p>\n<p>\u201eEr hatte keine Gestalt und Hoheit.<br \/>\nWir sehen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen h\u00e4tte.<br \/>\nEr war der Allerverachtetste und Unwerteste, &#8230;<br \/>\nF\u00fcrwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen.<br \/>\nWir aber hielten ihn f\u00fcr den, der geplagt<br \/>\nund von Gott geschlagen und gemartert w\u00e4re&#8220;<\/p>\n<p>Es bleibt dabei: Diesen namenlosen Boten k\u00f6nnen wir nur in Umrissen erkennen. Aber soviel geben die Konturen her: Er ist von Gott in Dienst genommen und beauftragt worden. Und sein Weg war nicht der eines \u00fcberzeugenden Erfolges, sondern ein Leidensweg. Mit seinem Schicksal konnte er nicht \u00fcberzeugen, gar Gott beweisen. Geh\u00f6rt Leiden, geh\u00f6rt augenf\u00e4lliges Scheitern kennzeichnend zu Menschen, die Gott in Dienst genommen hat? Das Geschick einer anderen biblischen Gestalt, n\u00e4mlich des Propheten Jeremia, spricht daf\u00fcr. Die &#8222;M\u00e4nner von Anathot&#8220; &#8211; gemeint sind die Einflussreichen des St\u00e4dtchens Anathot &#8211; trachteten Jeremia nach dem Leben und machten deutlich: &#8222;Weissage nicht im Namen des HERRN &#8211; also Gottes &#8211; wenn du nicht von unsern H\u00e4nden sterben willst!&#8220; (Jer11,21) Jeremia klagt zu Gott:<\/p>\n<p>&#8222;HERR, wenn<b> <\/b>ich auch mit dir rechten wollte,<br \/>\nso beh\u00e4ltst du doch recht;<br \/>\ndennoch mu\u00df ich vom Recht mit dir reden.<br \/>\nWarum geht&#8217;s doch den Gottlosen so gut,<br \/>\nund die Abtr\u00fcnnigen haben alles in F\u00fclle?<br \/>\n&#8230; Nahe bist du ihrem Munde, aber ferne von ihrem Herzen. (Jer 12,1f)<\/p>\n<p>Als reiche das nicht, wird dem Propheten als Gottes Antwort klar:<br \/>\n\u201e&#8230; auch deine Br\u00fcder und deines Vaters Haus &#8211; gemeint ist<br \/>\ndie Familie &#8211; sind treulos,<br \/>\nsie schreien hinter dir her aus vollem Hals.<br \/>\nDarum traue ihnen nicht,<br \/>\nwenn sie auch freundlich mit dir reden.&#8220; (Jer12,6)<\/p>\n<p>Verzweifelt sehen wir den Propheten Jeremia:<\/p>\n<p>&#8222;HERR, du hast mich \u00fcberredet,<br \/>\nund ich habe mich \u00fcberreden lassen.<br \/>\nDu bist mir zu stark gewesen und hast gewonnen;<br \/>\naber ich bin dar\u00fcber zum Spott geworden t\u00e4glich,<br \/>\nund jedermann verlacht mich. &#8222;(Jer 20, 7)<\/p>\n<p>Und dann bricht es aus Jeremia heraus:<br \/>\n&#8222;Verflucht sei der Tag, an dem ich geboren bin .. &#8222;(Jer20,<\/p>\n<p>Wer solche Stimmen in der Bibel h\u00f6rt und sich in die Sprecher hineinzuversetzen sucht, kann wohl erschrecken. Nichts da von vielen Gottesvorstellungen, die wir vielleicht haben. <b>Stimme Gottes in der Welt zu sein hei\u00dft hier: leiden!<\/b><\/p>\n<p>Beide Stimmen liegen kaum zwei Generationen auseinander. Wer Genaueres wissen will, wenigstens zum \u201eKnecht Gottes\u201c und seiner Zeit, dem sei kurz skizziert: Rund 550 Jahre vor Jesus Christus, in der Zeit, als das Gottesvolk Israel nach der Zerschlagung des eigenen Staates, Jerusalems und des Tempels durch die Weltmacht Babylon weg ins babylonische Reich zwangsumgesiedelt worden war, als dann eine ganze Generation, also mehr als 30 Jahre, vergangen und keine Aussicht auf Heimkehr zu erkennen war, als tiefe Resignation um sich gegriffen hatte; als wohl mehr als nur <b>eine<\/b> Stimme fragte &#8211; &#8222;Gott&#8220; &#8211; und dann nur noch den Kopf sch\u00fcttelte, trat ein Bote Gottes auf, ein Prophet, dessen Namen wir nicht kennen. Seine Verk\u00fcndigung wurde ab Kapitel 40 an das Jahrhunderte \u00e4ltere Prophetenbuch Jesaja angeh\u00e4ngt. Und in diesem angeh\u00e4ngten Prophetenbuch stehen die Texte vom Knecht Gottes und seinem Erleiden.<\/p>\n<p>Der zu Anfang vorgelesene Text mag nun helfen, uns in die Woche auf Karfreitag hin einzustimmen. Tats\u00e4chlich haben die Anh\u00e4nger Jesu mit solchen Bibeltexten zu verstehen versucht, was da am Ende mit Jesus, dem Christus, dem Stellvertreter Gottes geschah. Sein Leidensweg spricht nicht dagegen, da\u00df er Gottes Stimme ist. Im Gegenteil! Da ist er eingereiht in die Reihe der Zeugen Gottes, der Propheten. Mehr noch: Weil Jesus in einer bis dahin im Gottesvolk nicht gekannten Weise Gott repr\u00e4sentiert hat, &#8222;Gleichnis Gottes&#8220; geworden ist, geh\u00f6ren sein Geschick und Leiden zusammen. Es legte sich eben nicht nahe, was erst viel sp\u00e4ter gedichtet werden konnte: &#8222;O Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn, gegr\u00fc\u00dfest seist du mir!&#8220;<\/p>\n<p>Was uns heute fraglos geworden ist, weil oft geh\u00f6rt und gelernt, mu\u00df erst einmal langsam &#8222;buchstabiert&#8220; und begriffen werden: In diesem Menschen Jesus aus Nazereth wurde der Unsichtbare sichtbar und erkennbar, um denen, die auf ihn h\u00f6ren, den Weg zum Vater finden zu lassen. Vielleicht h\u00f6ren wir am Karfreitag, wenn wir uns dem Kreuzesgeschehen stellen, mehr vom Leiden Jesu Christi. Aber jetzt soll soviel schon festgestellt sein: Mit seinem Leiden ist noch nicht alles Leiden in der Welt erkl\u00e4rt. Es bleibt die Frage angesichts des unbeschreiblichen Leidens und Sterbens im gerade zu Ende gegangenen Jahrhundert. L\u00e4\u00dft sich von Gott sagen, da\u00df er uns durch seinen Christus angenommen hat und deshalb als Liebe zu verstehen ist, so zeigt das grauenvolle Leiden unserer Zeit, da\u00df Gott da nicht erkennbar ist, da\u00df wir da nur ins antwortlose Dunkle sehen, da\u00df Gott nicht mehr erkennbar ist. Sprachlos macht. Und unsere menschliche Schuld furchtbar ist.<\/p>\n<p>Mit mehr Fragen als Antworten sollten wir die Karwoche beginnen und den Weg Jesu in den Tod und dann sein Erscheinen als Lebendiger bedenken. Dabei mag uns der Vers leiten, der auf den Predigttext heute folgt und etwa so \u00fcbertragen werden kann:<\/p>\n<p>&#8222;Wer ist unter euch, der Gott ernst nimmt,<br \/>\nder der Stimme seines Knechts gehorcht,<br \/>\nder im Finstern wandelt und dem kein Licht scheint?<br \/>\nDer hoffe auf Gott und verlasse sich auf seinen Gott!&#8220;<br \/>\n(Jes 50,10)<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p>Pastor i.R. Hellmut M\u00f6nnich<br \/>\n&#8218;Ewaldstr. 97<br \/>\n37075 G\u00f6ttingen<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=000416.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>6. Sonntag der Passionszeit, Palmarum 16.4.2000 Jesaja 50,4-9 Hellmut M\u00f6nnich Liebe Gemeinde! Wer spricht da? Worum geht es? Was ist Ihnen eben beim H\u00f6ren im Ohr geblieben? Vielleicht das zweimalige &#8222;Gott hilft mir&#8220;, wobei Martin Luther den Gottesnamen hier mit &#8222;Gott der HERR&#8220; \u00fcbersetzt hat. 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