{"id":21178,"date":"2000-04-21T15:26:13","date_gmt":"2000-04-21T13:26:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21178"},"modified":"2025-03-14T15:27:58","modified_gmt":"2025-03-14T14:27:58","slug":"hebraeer-915-26b-28-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/hebraeer-915-26b-28-5\/","title":{"rendered":"Hebr\u00e4er 9,15.26b-28"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"550\" align=\"CENTER\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"color: #0000a0; font-size: xx-small;\">Karfreitag<\/span><br \/>\n<b>21.4.2000<br \/>\nHebr\u00e4er 9,15.26b-28<\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\"><b>J\u00fcrgen Berghaus<\/b><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Liebe Gemeinde ! <\/b><\/span><\/p>\n<p>\u201eApril, April \u201c &#8211; mit diesen Worten freut man sich normalerweise, wenn es gelungen ist, den anderen einen B\u00e4ren aufzubinden, sie \u201ein den April zu schicken\u201c. Am heutigen Tag aber steht uns der Sinn nicht nach solchen Sp\u00e4\u00dfen, denn heute ist Karfreitag, und die Christenheit gedenkt des Sterbens Jesu.<\/p>\n<p>\u201eApril, April\u201c &#8211; das darf auf keinen Fall f\u00fcr unseren Glauben gelten. Denn auf meinen Glauben will ich mich verlassen k\u00f6nnen, er soll mir Kraft, Trost und Orientierungshilfe geben &#8211; ein Aprilscherz an dieser wichtigen Stelle w\u00e4re ganz und gar unpassend.<\/p>\n<p>Freilich stehen wir mit dieser Auffassung ziemlich allein auf weiter Flur. Denn f\u00fcr die meisten unserer Zeit-genossen dient der christliche Glaube nur noch als religi\u00f6se Sauce f\u00fcr ein paar Feiertage im Jahreslauf und f\u00fcr besondere famili\u00e4re Ereignisse.<\/p>\n<p>Doch h\u00fcten wir uns, liebe Gemeinde, an dieser Stelle die Nase zu r\u00fcmpfen \u00fcber die vielen anderen, die nicht &#8211; wie wir &#8211; regelm\u00e4\u00dfig oder doch wenigstens gelegentlich einmal in die Kirche kommen. Denn vielleicht haben sie ja recht, die zahlreichen Menschen, denen ihr christlicher Glaube kaum noch etwas bedeutet. Vielleicht erz\u00e4hlen wir uns hier in der Kirche ja wirklich blo\u00df irgendwelche Geschichten, an denen nichts Wahres dran ist : Christlicher Glaube und christliche Lebenspraxis &#8211; April, April ?<\/p>\n<p>Wenn wir als Kirche glaubw\u00fcrdig und \u00fcberzeugend sein wollen, liebe Gemeinde, wenn wir immer noch meinen, die beste Sache der Welt zu vertreten, dann d\u00fcrfen wir uns nicht mehr weiter an die Wand und in die Ecke dr\u00e4ngen lassen, sondern m\u00fcssen in Wort und Tat unseren Glauben bezeugen &#8211; damit die anderen \u00fcberhaupt erst mal mitkriegen, welche Lebensalternativen christlicher Glaube zu bieten hat.<\/p>\n<p>Fragen wir heute einmal ganz gezielt nach der Bedeutung des Todes Jesu f\u00fcr uns und f\u00fcr unsere Welt. Die alten und sperrigen Worte unseres recht komplizierten Predigttextes aus Hebr\u00e4er 9 sollen uns dabei helfen; allerdings verlangen sie danach, \u00fcbersetzt zu werden in den Erfahrungshorizont des beginnenden 21. Jh. :<\/p>\n<p>Der Predigttext steht vor einem gro\u00dfen Problem, sieht daf\u00fcr aber eine \u00fcberzeugende L\u00f6sung und wagt schlie\u00dflich noch einen Blick in die Zukunft. Diesen drei Aspekten m\u00f6chte ich nun weiter nachgehen.<\/p>\n<p>DAS PROBLEM : DIE MENSCHLICHE S\u00dcNDE<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, von \u201eS\u00fcnde\u201c zu reden f\u00e4llt heutzutage nicht gerade leicht : Es scheint sich dabei um etwas Altert\u00fcmliches zu handeln, das modernen Menschen nicht mehr verst\u00e4ndlich ist. Ich sehe in dieser Abwehrhaltung auch eine Art Protest gegen die \u00dcberbetonung der S\u00fcndenangst in fr\u00fcheren Jahrhunderten &#8211; doch weder Abwehr noch \u00dcberbetonung sind die richtigen Verhaltensweisen, wenn es um das Problem der S\u00fcnde geht. Aber was hat es denn nun wirklich auf sich mit diesem vorbelasteten Begriff ?<\/p>\n<p>Wir Menschen sind nicht perfekt &#8211; immer wieder laden wir, bewu\u00dft oder unbewu\u00dft, Schuld auf uns. Im famili\u00e4ren Bereich gibt es viel liebloses Miteinander-Umgehen oder achtloses Aneinander-Vorbeileben.<\/p>\n<p>In der Gesellschaft werden eigene Gruppeninteressen machtvoll durchgesetzt, und wer dem Leistungsdruck nicht standh\u00e4lt, droht abzurutschen. Zwischen den V\u00f6lkern, aber auch schon zwischen Mensch und Mensch scheinen Gewalt und Krieg immer mehr zu Bestandteilen des normalen Alltags zu werden.<\/p>\n<p>Fast scheint es so, als h\u00e4tten wir uns mittlerweile an die S\u00fcnde gew\u00f6hnt. \u201eIst doch alles halb so wild\u201c, bekommt jemand zu h\u00f6ren, der S\u00fcnden als solche benennt und der eine Umkehr fordert. Wir Christen aber d\u00fcrfen hier nicht abstumpfen; d\u00fcrfen keine Verletzung der Menschenw\u00fcrde leichtfertig hinnehmen; d\u00fcrfen nicht gedankenlos jede Umweltbelastung dulden; d\u00fcrfen der Gewalt nicht freiwillig das Feld \u00fcberlassen.<\/p>\n<p>S\u00fcnde, liebe Gemeinde, ist im Wesentlichen eine Zerst\u00f6rung von Beziehungen. Im Verh\u00e4ltnis zu mir selbst, zu meinen nahen und fernen N\u00e4chsten, zur lebensspendenden Sch\u00f6pfung und zu Gott wirkt die S\u00fcnde wie ein St\u00f6rsender, der Isolation, Vereinzelung und Einsamkeit hervorruft. Kontakte brechen ab, und schlie\u00dflich bin ich in mir selbst gefangen wir hinter einer dicken Mauer. Nein, liebe Gemeinde, Formen der S\u00fcnde gibt es in jedem Lebensbereich &#8211; und wir tun gut daran, sie nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.<\/p>\n<p>DIE L\u00d6SUNG : CHRISTI OPFERTOD F\u00dcR UNS<\/p>\n<p>Wer die Deutung des Todes Jesu als Opfertod f\u00fcr uns recht verstehen will, sollte die alttestamentlichen Voraussetzungen unseres Predigttextes beachten. Im Alten Testament n\u00e4mlich diente der Opferkult der \u201eS\u00fchne\u201c &#8211; und das war der von Gott selbst gewiesene Weg, um s\u00fcndengest\u00f6rte Beziehungen wieder zu heilen. Ein Tier wurde get\u00f6tet, nachdem ihm die Stellvertretung f\u00fcr das Leben des S\u00fcnders \u00fcbertragen wurde. Mit dem Opfertier zugleich starb symbolisch auch der s\u00fcndenbeladene Mensch &#8211; und da durch den Opfertod die S\u00fcndenlast aus der Welt geschafft wurde, konnte der fr\u00fchere S\u00fcnder anschlie\u00dfend ein neues Leben beginnen.<\/p>\n<p>Diese alttestamentliche S\u00fchne-Vorstellung wird in unserem Predigttext aus Hebr\u00e4er 9 auf Christi Kreuzestod \u00fcbertragen. Doch w\u00e4hrend die Opferhandlungen im Alten Bund wiederkehrende Vorg\u00e4nge waren, gilt Christi Opfertod ein f\u00fcr allemal : Eine Wiederholung ist nicht erforderlich, denn jeder Mensch kann jederzeit die Stellvertretung Jesu auf sein eigenes, s\u00fcndiges Leben beziehen. Wer dies dann auch wirklich tut, wer Christi Lebenshingabe als wirksame S\u00fchne f\u00fcr pers\u00f6nliche Schuld annimmt, dem schenkt Gott selbst die Kraft, ein von S\u00fcnden befreites, neues Leben beginnen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich stehen sowohl der S\u00fchnekult des Alten Bundes als auch Christi Opfertod f\u00fcr uns in der Gefahr, mi\u00dfverstanden zu werden als \u201ebillige Gnade\u201c, als Deckm\u00e4ntelchen f\u00fcr den geheimen Vorsatz, genauso weitermachen zu wollen wie bisher. Doch aus billiger Gnade kann niemals ein wirklich neues Leben erwachsen, und nur wer den Tod des alten Menschen gleichsam k\u00f6rperlich miterlebt, wird die ganze F\u00fclle der von S\u00fcnden befreiten Lebenskraft als Gottes Geschenk annehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>DER AUSBLICK : HEIL F\u00dcR ALLE<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, unser Predigttext begn\u00fcgt sich nicht damit, das Problem der S\u00fcnde zu benennen und im Kreuz Christi die Erl\u00f6sung zu sehen, sondern er wagt an zwei Stellen auch einen Blick in die Zukunft. Diese Zukunft hat f\u00fcr den Schreiber des Hebr\u00e4erbriefs bereits auf Golgatha begonnen. Vom \u201eEnde der Welt\u201c spricht er in diesem Zusammenhang und benutzt dabei ein griechisches Wort, das soviel wie \u201eVollendung\u201c oder \u201eReifezeit\u201c bedeutet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So wichtig der Opfertod Jesu auch ist, es folgt noch etwas nach, etwas Unbeschreibliches : die Ewigkeit,<\/p>\n<p>jener gl\u00fcckliche Zustand ungetr\u00fcbter Gemeinschaft zwischen Gott und den Menschen in einem neuen Himmel und auf einer neuen Erde. Darin sieht unser Predigttext das f\u00fcr uns bestimmte Erbe, und dieses Heil f\u00fcr alle entsteht, wenn Christus zum zweiten Mal auf Erden erscheint. Hier treffen sich dann auch wieder die christliche und die j\u00fcdische Endzeit-Hoffnung, nachdem ihre Wege eine Zeitlang auseinander gegangen waren.<\/p>\n<p>Damit bin ich am Ende meiner Predigt angelangt, liebe Gemeinde : Jesu Opfertod als Antwort auf die menschliche S\u00fcnde zeigt uns einen Gott, der nicht auf Strafe beharrt, sondern der allen Menschen seiner Sch\u00f6pfung neues Leben schenken will. Gottes Ziel dabei ist eine best\u00e4ndige Gemeinschaft mit uns, ungetr\u00fcbt durch Schuld, Leid und Versagen. H\u00f6ren wir zum Abschlu\u00df noch einmal auf diese biblische Karfreitags-Botschaft, die nun wirklich nichts mit einem Aprilscherz gemein hat : (&#8230;)<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><b>Liedvorschl\u00e4ge<\/b>:<br \/>\n556, alle 5 (Ich steh an deinem K.)<br \/>\n83, 1.4.6 (Ein L\u00e4mmlein geht)<br \/>\n81, 1.3.4.7 (Herzliebster Jesu)<br \/>\n93, alle 4 (Nun geh\u00f6ren unsre H.)<\/p>\n<p><b>Pfarrer J\u00fcrgen Berghaus<br \/>\nScharnhorststra\u00dfe 38<br \/>\n51377 Leverkusen-Manfort<br \/>\nTel.\/Fax : 0214 &#8211; 8707091<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=000421-1.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Karfreitag 21.4.2000 Hebr\u00e4er 9,15.26b-28 J\u00fcrgen Berghaus Liebe Gemeinde ! \u201eApril, April \u201c &#8211; mit diesen Worten freut man sich normalerweise, wenn es gelungen ist, den anderen einen B\u00e4ren aufzubinden, sie \u201ein den April zu schicken\u201c. 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