{"id":21182,"date":"2000-04-21T15:29:33","date_gmt":"2000-04-21T13:29:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21182"},"modified":"2025-03-14T15:30:41","modified_gmt":"2025-03-14T14:30:41","slug":"hebraeer-915-26b-28-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/hebraeer-915-26b-28-7\/","title":{"rendered":"Hebr\u00e4er 9,15.26b-28"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"550\" align=\"CENTER\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"color: #0000a0; font-size: xx-small;\">Karfreitag<\/span><br \/>\n<b>21.4.2000<br \/>\nHebr\u00e4er 9,15.26b-28<\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\"><b>Heinz Fischer<\/b><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"LEFT\">Liebe Gemeinde !<\/p>\n<p align=\"justify\">Vor uns steht im Altarraum ein gewaltiges Kreuz und wir k\u00f6nnen unschwer erkennen, da\u00df es sich um einen Fichtenstamm handelt, der oben noch ein B\u00fcschel von k\u00fcrzeren Zweigen tr\u00e4gt. Ein kr\u00e4ftiger, kurzer Querbalken ist mit festen Seilen an dem Baum zum Kreuz gebunden. Diese kahlen, entasteten Fichten haben vor vier Monaten hier als sch\u00f6ne, geschm\u00fcckte Weihnachtsb\u00e4ume gestanden und uns mit ihren weit ausla-denden Zweigen erfreut. Kahl und unansehnlich stehen sie jetzt zum Kreuz gebunden vor uns. So unansehnlich und damit unverst\u00e4ndlich bleibt auch der Karfreitag, wenn wir das Opfer am Kreuz nicht auf uns beziehen und aus der Vers\u00f6hnung leben, die Gott uns zugeeignet hat.<\/p>\n<p align=\"justify\">Mit Weihnachten und dem Kind im Holz der Krippe kann die Welt etwas anfangen. Das ber\u00fchrt alle Jahre wieder unsere Herzen. Wer tiefer blickt, nimmt wahr, da\u00df diese Geburt der Anfang vom Ende des Alten Testaments war, des ersten Bundes, zu dem seit Moses Zeiten alle Jahre wieder das Vers\u00f6hnungsfest [3. Mose 16; Jom Kippur] geh\u00f6rte, bei dem in der Zeit Jesu der S\u00fcndenbock in die W\u00fcste geschickt wurde. Es war der einzige Tag im Jahr, an dem der Hohe Priester das Allerheiligste des Tempels betrat und es mit Opferblut besprengte. Ohne ein Opfer, ohne Blutvergie\u00dfen gibt es im kultisch &#8211; religi\u00f6sen Denken keine Vergebung. Dieses Denken ist der Hintergrund des heutigen Predigttextes:<\/p>\n<p>Verlesen des Predigttextes:<\/p>\n<p>Hebr\u00e4er 9, 15. 26b \u2013 28 (Lektionar \/ Perikopenbuch S. 208)<\/p>\n<p align=\"justify\">Angesichts des kahlen und unansehnlichen Kreuzes vor uns wird ein Zusammenhang zwischen dem Holz der Krippe und dem Holz des Kreuzes deutlich. Mu\u00dfte das nicht alles so kommen? Kann denn die Kluft zwischen dem ewigen Gott und dem s\u00fcndigen Menschen anders \u00fcberwunden werden, als durch das abschlie\u00dfende Opfer, das Gott uns gleichsam zur Verf\u00fcgung stellt, um uns ein f\u00fcr allemal mit ihm zu vers\u00f6hnen? F\u00fcr uns heute ist das ein sehr fernes Denken. Aber er, der Sohn, willigt ein. Auch das Einwilligen in das Leiden ist uns fern ger\u00fcckt und diese Ferne hat neues Leid tausend-fach hervorgebracht. Mu\u00dfte nicht auch in meinem Leben alles so kommen? Das k\u00f6nnen Menschen nur sagen, wenn sie nicht nur das Gute und Angenehme aus Gottes Hand empfangen, sondern auch Trennung, Leidvolles und Schmerzen und wenn sie die eigne Schuld bei dem allen nicht leugnen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Schon im Alten Testament ist beim Propheten Jesaja (53, 4 . 5) der &#8222;Knecht Gottes&#8220; verhei\u00dfen: &#8222;F\u00fcrwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unserer Schmerzen. &#8230; Die Strafe liegt auf ihm, auf da\u00df wir Frieden h\u00e4tten.&#8220; Bis dieser erwartete &#8222;Knecht Gottes&#8220; kam, wurde das Opfer des alten Bundes j\u00e4hrlich wiederholt. Das Opfer des neuen Bundes ist am Karfreitag auf dem H\u00fcgel Golgatha abschlie\u00dfend geschehen. So ist Christus einmal geopfert worden, um die S\u00fcnden aller wegzunehmen, die in seinem Taufbund leben. Einen dritten Bund wird es nicht mehr geben. Deshalb hei\u00dft der letzte Satz im Predigttext: &#8222;Zum zweiten Mal wird er nicht der S\u00fcnde wegen erscheinen, sondern denen, die auf ihn warten, zum Heil&#8220;. Das ist die stille Freude des Karfreitags. Der Hebr\u00e4erbrief sieht die Vollendung nicht erst am Ende der Zeit, sondern das &#8222;Voll \u2013 Ende&#8220; schon im Tode Jesu. Das ist die Erf\u00fcllung des alten Bundes, die Vollendung des ersten Bundes und der Anbruch der neuen Sch\u00f6pfung. Solche Worte kommen erst in der Osternacht zum Tragen, aber der Hebr\u00e4erbrief war eben an Judenchristen gerichtet, die diese theologischen Zusammenh\u00e4nge aufnehmen und verarbeiten konnten. Sollten wir ihnen nachstehen ??<\/p>\n<p align=\"justify\">Das Sterben am Kreuz l\u00e4\u00dft sich nicht ungeschehen machen. Es bleibt grausig, wie menschliche Sterben so oft, wie jeder Justizmord in den Imperien aller Zeiten, in denen Gewalt- und Alleinherrscher den Daumen heben oder senken k\u00f6nnen und \u00fcber Leben und Tod entscheiden !<\/p>\n<p align=\"justify\">Aber das Kreuz Christi hat auch darin eine andere Dimension. Es bezieht uns mit ein und hat die bohrenden Fragen nach dem Sinn des Leidens, die auch in der n\u00e4chsten Generation wieder gestellt werden, l\u00e4ngst beantwortet. Das geh\u00f6rt zu der Zeitenwende vor 2000 Jahren. Auch deshalb sprechen wir von der endg\u00fcltigen Erf\u00fcllung des alten Bundes und einem neuen Bund mit Gott, den der Jesus, der zum Christus wurde, gestiftet hat. In diese Stiftung sind wir einbezogen. Wir sind gemeint.<\/p>\n<p align=\"justify\">Ein Kruzifix zeigt das ganz deutlich, das im M\u00fcnsterland in einem Internat h\u00e4ngt. Der zeitgen\u00f6ssische K\u00fcnstler hat mit einfachen Mitteln und unansehnlichem Material den Gekreuzigten dargestellt und verwendet dabei Altmetall, Ketten, Eisenteile, Spiralen und ein Rad. Das Rad deutet den Kopf an, das &#8222;Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn&#8220;! Mitten in dem Rad, wo sein verunstaltetes &#8222;edles Angesicht&#8220; uns anblicken m\u00fc\u00dfte, sehen wir in einen Spiegel. Ich sehe mich selbst! Vor dieser Skulptur kann ich unmittelbar erleben: Er hat auch an mich gedacht, als er rief, es ist vollbracht!<\/p>\n<p align=\"justify\">Ein neueres Lied in unserem Gesangbuch (Nr. 94) beginnt mit den Worten: &#8222;Das Kreuz ist aufgerichtet, der gro\u00dfe Streit geschlichtet!&#8220; Damit ist der neue Bund gemeint, von dem hier im Hebr\u00e4erbrief die Rede ist. Besonders die zweite und f\u00fcnfte Strophe f\u00fchren den Gedanken weiter:<\/p>\n<p align=\"justify\">(2) Er wollte, da\u00df die Erde zum Stern des Kreuzes werde, und der am Kreuz verblich, der sollte wiederbringen, die sonst verloren gingen, daf\u00fcr gab er zum Opfer sich.<\/p>\n<p align=\"justify\">(5) Wir sind nicht mehr die Knechte der alten Todesm\u00e4chte und ihrer Tyrannei. Der Sohn, der es erduldet, hat uns am Kreuz entschuldet. Auch wir sind S\u00f6hne und sind frei!.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p>Propst Heinz Fischer, Gr. Kirchhof 6 in 38350 Helmstedt<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=000421-3.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Karfreitag 21.4.2000 Hebr\u00e4er 9,15.26b-28 Heinz Fischer Liebe Gemeinde ! Vor uns steht im Altarraum ein gewaltiges Kreuz und wir k\u00f6nnen unschwer erkennen, da\u00df es sich um einen Fichtenstamm handelt, der oben noch ein B\u00fcschel von k\u00fcrzeren Zweigen tr\u00e4gt. Ein kr\u00e4ftiger, kurzer Querbalken ist mit festen Seilen an dem Baum zum Kreuz gebunden. 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