{"id":21184,"date":"2000-04-21T15:30:44","date_gmt":"2000-04-21T13:30:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21184"},"modified":"2025-03-14T15:33:30","modified_gmt":"2025-03-14T14:33:30","slug":"johannes-1930-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/johannes-1930-2\/","title":{"rendered":"Johannes 19,30"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"500\" align=\"CENTER\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"color: #0000a0; font-size: xx-small;\">Worte vom Kreuz<br \/>\nPredigtreihe f\u00fcr die Passionszeit 2000<br \/>\nKarfreitag<\/span><br \/>\n<b>21.4.2000<br \/>\nJohannes 19,30<\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\"><b>Wolfgang Huber \/ Rolf Wischnath<\/b><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<p align=\"CENTER\"><b>ES IST VOLLBRACHT! <\/b><\/p>\n<p align=\"center\"><b>Predigt zu Karfreitag 2000<br \/>\n\u00fcber Johannes 19, 30 <\/b><\/p>\n<p align=\"justify\">[Die Predigt geht davon aus, dass als Evangelium die Kreuzigungsgeschichte nach Johannes 19, 16b \u2013 30 verlesen wird.]<\/p>\n<p align=\"justify\"><i>\u201eDanach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er &#8230;&#8230; : Es ist vollbracht! und neigte das Haupt und verschied.\u201c (Johannes 19, 30) <\/i><\/p>\n<p align=\"justify\">I<\/p>\n<p align=\"justify\">,,Es ist vollbracht&#8220; &#8211; mit diesem Wort endet die irdische Geschichte Jesu. Ein einziges Wort ist es im griechischen Urtext des Neuen Testamentes. Man k\u00f6nnte es auch \u00fcbersetzen mit: \u201eVollendet!\u201c Oder: \u201eAm Ziel!\u201c Oder: \u201eFertig! \u2013 Fix und fertig!\u201c Doch was ist vollbracht? Was ist vollendet? Wer ist am Ziel? Was ist fertig? Wer ist fix und fertig?<\/p>\n<p align=\"justify\">Offenkundig ist: Am Ziel ist der Plan derer, die Jesus beseitigen wollten. Sie haben ihn erledigt, die feigen Verr\u00e4ter. Ihn haben sie fix und fertig gemacht, die Intriganten. Sie haben ihn umgebracht, die M\u00f6rder. Ihr Mord ist vollbracht. Die hinterh\u00e4ltige List ist zum Ziel gekommen. Aus und vorbei ist es mit dem, den sie nicht ertragen konnten.<\/p>\n<p align=\"justify\">Und doch sagt das eine Wort des Erfolgs keiner von den H\u00e4schern und M\u00f6rdern. <i>Er <\/i>sagt es selber: <i>der<\/i>, der umgebracht wird. Abgebrochen ist sein Weg. Nach menschlichem Ma\u00df ist er am Ende. Doch auf geheimnisvolle Weise kommt sein Weg zugleich ans Ziel. Was wie tiefste Niederlage erscheint, ist in Wahrheit die Vollendung. Wie beides zusammenh\u00e4ngt, Niederlage und Sieg, Tod und Vollendung, Ende und Anfang ist das Thema der Darstellung von Leiden und Tod Jesu, die das Johannesevangelium gibt.<\/p>\n<p align=\"justify\">Zuerst und vor allem gilt, was jeder sehen kann: Jesu Tod ist eine Niederlage. Er h\u00e4ngt am Kreuz auf Golgatha. Wirklich und nicht zum Schein. Selbst muss er sein Kreuz dorthin tragen. Er leidet unter der Last des Kreuzes. Und doch ist auch das Andere zu sehen: Er hat die Kraft, das Kreuz selbst zu tragen. In allem Widersinn hat sein Weg zum Hinrichtungsort darum dennoch etwas Ermutigendes. Er nimmt selbst die Last des Kreuzes auf sich; dass er das kann, hat schon viele aufgerichtet. Auch sie nahmen ihr Kreuz auf sich und folgten ihm nach. Noch im Leiden aufrecht zu gehen, dazu hat Jesus schon vielen die Kraft gegeben. Er verkl\u00e4rt das Leiden nicht; sondern er hilft, sich ihm nicht zu unterwerfen. Auch das ist vollbracht: Das Leiden hat nicht das letzte Wort.<\/p>\n<p align=\"justify\">Ganz gegen ihren Willen m\u00fcssen auch die das anerkennen, die ihm \u00fcbel wollen. In drei Sprachen best\u00e4tigen sie es auf der Kreuzesinschrift. Der da hingerichtet wird, ist wirklich ein K\u00f6nig &#8211; ein K\u00f6nig nicht nur der Juden, sondern der ganzen Welt. Gegen sein eigenes Wollen wird Pilatus zum Zeugen der neuen Herrschaft, die in Jesus ihren Anfang nimmt. Es ist die Herrschaft der Liebe. Auch das ist vollbracht: Die Liebe h\u00e4lt dem Tod stand.<\/p>\n<p align=\"justify\">Gedankenlos sitzen die Soldaten dabei. Eigens\u00fcchtig schauen sie nur nach ihrem eigenen Vorteil. Dass sie die Kleider Jesu untereinander aufteilen, setzt die Erniedrigung und Schmach nur fort. Aber auch darin erf\u00fcllt sich die Schrift: ,,Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und \u00fcber mein Gewand das Los geworfen.&#8220; Auch noch die Gedankenlosen und Eigens\u00fcchtigen werden zu Zeugen dessen, was sich hier vollzieht: Gottes Barmherzigkeit, die das, was sie in F\u00fclle hat, teilt, wird in der Welt anschaulich. Auch das ist vollbracht: Die Barmherzigkeit \u00fcberwindet den Eigennutz.<\/p>\n<p align=\"justify\">Der Tod bricht sich Bahn, menschlich verstanden ist er der Abbruch aller Beziehungen. Denn aus der Perspektive, die uns als Menschen zug\u00e4nglich ist, bedeutet der Tod vollst\u00e4ndige Beziehungslosigkeit. Aber noch im Sterben stiftet Jesus neue Beziehungen. Eine neue Gemeinschaft entsteht. Jesu Mutter und sein J\u00fcnger stehen nicht nur nebeneinander unter dem Kreuz; sie stehen nun f\u00fcreinander ein. Dies ist ein Tod, der nicht Beziehungslosigkeit zur\u00fcckl\u00e4sst, sondern Beziehungen schafft. Auch das ist vollbracht: Der Tod hat nicht l\u00e4nger die Kraft, alle Beziehungen zu zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p align=\"justify\">,,Mich d\u00fcrstet!&#8220; In diesen zwei vorletzten Worten wird alles Leiden, wird die ganze Erniedrigung und alle Qual dieser Hinrichtung noch einmal zusammengefasst. Der Sch\u00f6pfer lebendigen Wassers sehnt sich nach einem Getr\u00e4nk. Aber auch darin erf\u00fcllt sich der Wille Gottes. Und deshalb kann er sagen: \u201eEs ist vollbracht.\u201c Sein Weg ist am Ziel. Was die Menschen als Erniedrigung geplant hatten, wird zur Erh\u00f6hung. Das, womit sie ihn qu\u00e4len wollten, wird zum Ursprung der Liebe. Das Ende, das sie ihm bereiten wollten, wird ein neuer Anfang: Es ist vollbracht.<\/p>\n<p align=\"justify\">II<\/p>\n<p align=\"justify\">Deshalb, liebe Gemeinde, hat der Karfreitag f\u00fcr uns eine so herausgehobene Bedeutung. Der Karfreitag vergegenw\u00e4rtigt den Kreuzestod Jesu. Er verherrlicht nicht das Leiden, wie manche Kritiker des christlichen Glaubens meinen. Sondern er verb\u00fcrgt die Gegenwart der g\u00f6ttlichen Liebe in der Welt, ja den Sieg der Liebe Gottes \u00fcber die Gemeinheit der Menschen:<\/p>\n<p align=\"justify\">Vollbracht ist, was im Anfang des Johannesevangeliums beschrieben wird: \u201eDas Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.&#8220; Vollbracht ist, was an anderer Stelle des Johannesevangeliums so beschrieben wird: \u201eAlso hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.&#8220; Vollbracht ist die Tat der Vers\u00f6hnung. Vollbracht ist, was der T\u00e4ufer Johannes sieht und sagt: \u201eSiehe, das ist Gottes Lamm, das hinwegnimmt die S\u00fcnde der Welt.\u201c Vollbracht ist der Sieg der Liebe Gottes \u00fcber die S\u00fcnde der Welt. Gott l\u00e4sst aus dem B\u00f6sen Gutes entstehen.<\/p>\n<p align=\"justify\">In Dietrich Bonhoeffers Glaubensbekenntnis, in seinen S\u00e4tzen \u00fcber das Walten Gottes in der Geschichte, die er an der Wende zum Jahr 1943 aufschrieb, findet sich auch der Satz: \u201e1ch glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem B\u00f6sesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Daf\u00fcr braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.\u201c Deshalb feiern wir den Karfreitag, um uns den Tod Jesu zum Besten dienen zu lassen. Zum Besten dienen lassen wir usn den Tod Jesu, indem wir h\u00f6ren und wahrnehmen, glauben und gelten lassen ,,Es ist vollbracht&#8220;<\/p>\n<p align=\"justify\">Diese Worte tauchen das grausame Geschehen auf Golgatha in einen eigent\u00fcmlich hellen Schein. Sie nehmen ihm die Zweideutigkeit. Die Menschen gedachten, es b\u00f6se zu machen. Aber es soll uns zum Guten dienen. An uns ist es, das Leiden und Sterben Jesu als Geschenk der Vers\u00f6hnung nun wahrzunehmen und gelten zu lassen. Wohlgemerkt, wir m\u00fcssen das Kreuz Jesu Christi nicht erst zur Geltung bringen. Nicht wir sind es, von denen die Wahrheit des Kreuzes abh\u00e4ngt, die f\u00fcr seine Wahrheit einstehen. Niemand von uns muss diesen Tod noch einmal sterben. An uns ist es allenfalls, die Wahrheit des Kreuzes wahrzunehmen und zu glauben, Zeichen daf\u00fcr zu setzen, dass wir Jesu letztes Wort geh\u00f6rt haben und ihm nun entsprechen wollen: Es ist vollbracht!<\/p>\n<p align=\"justify\">III<\/p>\n<p align=\"justify\">Wie kann das geschehen?<\/p>\n<p align=\"justify\">Achten wir noch einmal auf die Kreuzigungsgeschichte nach Johannes: Dem \u00e4u\u00dferen Anschein nach vollzieht sich auf dem H\u00fcgel Golgatha die \u00e4u\u00dferste Gottlosigkeit. Er, der Gottes N\u00e4he verb\u00fcrgt, wird hinausgesto\u00dfen. Aber Gott selbst nimmt das in Jesus auf sich. Er selbst \u00fcberwindet die Gottlosigkeit, die wir gegen ihn aufbieten. Keine Schuld und kein Versagen kann sich jetzt zwischen uns und Gott stellen. Das wird am Kreuz sichtbar. Es durchkreuzt all die Mauern, die wir gegen Gott aufrichten. Es durchkreuzt unsere Selbstsucht. Wir werden hineingenommen in Gottes Liebe. Unsere Angst vor dem Tod verliert ihre Schrecken. Leiden und Tod sind nicht aufgehoben, aber sie sind von Gott umschlossen. Denn einer hat f\u00fcr uns im Tod gesagt: ,,Es ist vollbracht\u201c.<\/p>\n<p align=\"justify\">Dieses Geschehen glauben und gelten lassen, w\u00fcrde hei\u00dfen, keinen Menschen mehr als einen Gottlosen zu betrachten und abzuschreiben. Entscheidend ist nicht, ob einer glaubt oder nicht glaubt, entscheidend ist nicht, ob einer die Wahrheit des Kreuzes wahrnimmt oder nicht \u2013 entscheidend f\u00fcr das Menschsein ist: Niemand kann f\u00fcr sich aufheben und durchstreichen, dass der Gekreuzigte auch f\u00fcr ihn gestorben ist; auch meine und deine Gottlosigkeit ist hineingenommen in die Liebe des Vaters zum S\u00fcnder. \u201eEs ist vollbracht.\u201c Das hei\u00dft: jeder Mensch ist einer, f\u00fcr den Christus gestorben ist \u2013 auch f\u00fcr dich und mich.<\/p>\n<p align=\"justify\">Wer das gelten l\u00e4sst, wird zum Beispiel keinem Menschen den christlichen Glauben aufn\u00f6tigen oder gar aufzwingen wollen. Wir k\u00f6nnen und d\u00fcrfen, wir sollen und m\u00fcssen den Glauben an den Gekreuzigten unseren Mitmenschen bezeugen in der Freiheit der Geretteten. Die S\u00fcnde kann uns nicht mehr trennen von der Liebe Gottes. So werden auch wir keinen unserer Mitmenschen so behandeln, als sei er von der Liebe Gottes getrennt. Christen, die das glauben und wissen, halten daran fest, dass alle Menschen als unverwechselbare Kinder Gottes geachtet werden, weil der Gekreuzigte auch f\u00fcr sie sein Leben gegeben hat. Kein Mensch ist darum mit seinen Taten oder Untaten, mit seiner Leistung oder seinen Fehlleistungen, mit seinem Glauben oder Unglauben gleichzusetzen. Das ist der Kern aller Menschlichkeit, f\u00fcr die wir Christen auch in Politik und Gesellschaft einstehen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Um der Liebe willen geschieht das, was am Kreuz geschieht. \u201eEs ist vollbracht\u201c, sagt der Gekreuzigte. Ob das viele geh\u00f6rt haben? Dass er es laut geschrieen hat, schreibt der Evangelist Johannes nicht. Leise kommt die Liebe auf uns zu und bittet um Einverst\u00e4ndnis. Sie ver\u00e4ndert die Welt anders, als es durch die lauten Taten geschieht. Ein fremder Ton kommt in unsere Welt, in der sich so viel ver\u00e4ndert, aber so wenig vollendet. Ein Echo findet dieser Ton dort, wo wir der Selbstsucht nicht das letzte Wort lassen, sondern uns f\u00fcr andere Menschen \u00f6ffnen, zu ihnen Beziehungen suchen, an ihrem Leiden teilnehmen und mit ihnen neue Wege gehen. Das geschieht meist nicht durch spektakul\u00e4re, \u00f6ffentlichkeitswirksame Taten; sondern es geschieht in unauff\u00e4lligem, allt\u00e4glichein Handeln: in der Barmherzigkeit der Liebe, in der Zuneigung derer, die teilhaben an der Zuneigung des Gekreuzigten.<\/p>\n<p align=\"justify\">Zu solchem Handeln ermutigt das Kreuz. Denn es ist das Zeichen g\u00f6ttlicher Liebe in dieser Welt. \u201eEs ist vollbracht!\u201c So ist das Kreuz un\u00fcbertroffenes und un\u00fcberbietbares Zeichen leidender Solidarit\u00e4t, stellvertretenden Sterbens. Christen halten sich an das Kreuz, das Zeichen g\u00f6ttlicher Liebe in unserer Welt. Nun ist es uns anvertraut. Nicht m\u00fcssen wir das Kreuz in Geltung setzen, aber an uns liegt es, ob das Kreuz auch in unserer Zeit einen Ort beh\u00e4lt und wahrgenommen wird. An uns liegt es, ob das Kreuz in die Kirchen eingesperrt wird oder ob es auch in der \u00d6ffentlichkeit zu erkennen ist. Oft ist es nur schwer zu erkennen in einer Welt, in der scheinbar nur noch die Selbstsucht herrscht und vielen allein der Markt noch als Gott gilt. Wo das geschieht, verkommt das Kreuz leicht zur blo\u00dfen Dekoration. Man kann Kreuze ja auch aus Gold schmieden. Aber dass es nur noch als Schmuckst\u00fcck verwendet wird und ausschlie\u00dflich zur Dekoration dient, k\u00f6nnen wir als Christen nicht zulassen. Daf\u00fcr, dass es solchen Missbrauch durchkreuzt, m\u00fcssen wir selbst eintreten. Dass Liebe und Solidarit\u00e4t eine Chance behalten, h\u00e4ngt auch an uns. Die K\u00e4lte in der Gesellschaft, aber auch das Zerbrechen von Beziehungen unter Menschen, die uns nahe sind, kann uns nicht gleichg\u00fcltig lassen. Unser Mitleiden, unsere Beteiligung, unsere Einmischung bleiben n\u00f6tig, im Kleinen wie im Gro\u00dfen. Und weil gilt \u201eEs ist vollbracht!\u201c, gibt es keine aussichtslosen F\u00e4lle und Verh\u00e4ltnisse. Der Glaube an den Gekreuzigten ist Grund unbedingter Zuversicht \u2013 in allen F\u00e4llen. &#8211;<\/p>\n<p align=\"justify\">IV<\/p>\n<p align=\"justify\">\u201eEs ist vollbracht!\u201c Das letzte Wort des gekreuzigten Jesus bekommt seinen tiefsten Sinn, wenn wir es verbinden mit dem Wort Johannes des T\u00e4ufers: \u201eSiehe, das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die S\u00fcnde der Welt.\u201c. Auf dem Kreuzigungbild des Isenheimer Altars malt Mathis der Maler, Matthias Gr\u00fcnewald, den T\u00e4ufer Johannes mit einem \u00fcbergro\u00dfen Zeigefinger, mit dem er unter dem Kreuz stehend auf den sterbenden Jesus zeigt und zu F\u00fc\u00dfen spielt ein Lamm, dessen Blut in einen Kelch rinnt. So verbildlicht der gro\u00dfe Maler das Geheimnis des letzten Wortes Jesu. So &#8211; will er sagen und zeigen \u2013, <i>so<\/i> wird die S\u00fcnde der Welt hinweggenommen. Wirklich? Ist die S\u00fcnde der Welt <i>\u201ehinweggenommen\u201c<\/i>? Darf man auch davon sagen: \u201eEs ist vollbracht!\u201c? Martin Luther hat es gewagt, dieses letzte und tiefste Geheimnis des Kreuzes auch in Worte zu fassen:<\/p>\n<p align=\"justify\"><i>\u201eIch finde, dass jener S\u00fcnder \u2013 n\u00e4mlich der gekreuzigte Jesus Christus \u2013 die S\u00fcnden aller Menschen auf sich nimmt, und weiter sonst sehe ich keine S\u00fcnde, au\u00dfer bei ihm. Nachdem dies geschehen ist, ist die ganze Welt gereinigt und erl\u00f6st von allen S\u00fcnden, also auch befreit vom Tod und allen \u00dcbeln. Deshalb sind die S\u00fcnden in Wahrheit nicht dort, wo sie gesehen und gef\u00fchlt werden. Denn nach der Theologie des Kreuzes ist keine S\u00fcnde, kein Tod, kein Fluch mehr in der Welt, sondern in Christus, der das Lamm Gottes ist, das die S\u00fcnden der Welt tr\u00e4gt. Dagegen sind nach der Weltweisheit und nach dem, was unsere Augen sehen, S\u00fcnde, Tod etc. nirgendwo als in der Welt, im Fleisch, in den S\u00fcndern &#8230;.. Die wahre Theologie aber lehrt, dass keine S\u00fcnde mehr in der Welt ist, weil Christus, auf den der Vater die S\u00fcnden der ganzen Welt geworfen hat, sie an seinem Leibe \u00fcberwunden, zerst\u00f6rt und get\u00f6tet hat.\u201c<\/i><\/p>\n<p align=\"justify\">Gott schenke uns, dass wir das glauben k\u00f6nnen \u2013 trotz allem, was aus unseren Erfahrungen, vor unseren Augen und Ohren dagegenspricht und -schreit. Und Gott schenke uns und der Welt die Schau dieser Wahrheit des Kreuzes, wenn der Gekreuzigte wiederkommt in seiner Herrlichkeit \u2013 zur Erl\u00f6sung der Welt \u2013 und alle es dann noch einmal h\u00f6ren werden, vernehmlich und un\u00fcberh\u00f6rbar: Es ist vollbracht!. Amen.<\/p>\n<p align=\"justify\"><b><u>Verfasser: <\/u><\/b><\/p>\n<p align=\"justify\"><b>Bischof Dr. Wolfgang Huber, Georgenkirchstr. 69-70, 10249 Berlin (Telefon 030 24344294) <\/b><\/p>\n<p align=\"justify\"><b>Generalsuperintendent Dr. Rolf Wischnath, Seminarstra\u00dfe 38, 03044 Cottbus (Tel. 0355 \u2013 23369) <\/b><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=000421-p.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Worte vom Kreuz Predigtreihe f\u00fcr die Passionszeit 2000 Karfreitag 21.4.2000 Johannes 19,30 Wolfgang Huber \/ Rolf Wischnath ES IST VOLLBRACHT! 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