{"id":21188,"date":"2000-04-23T15:35:01","date_gmt":"2000-04-23T13:35:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21188"},"modified":"2025-03-14T15:36:12","modified_gmt":"2025-03-14T14:36:12","slug":"1-samuel-21-2-6-8a-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-samuel-21-2-6-8a-4\/","title":{"rendered":"1. Samuel 2,1-2.6-8a"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"550\" align=\"CENTER\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"color: #0000a0; font-size: xx-small;\">Ostersonntag<\/span><br \/>\n<b>23.4.2000<br \/>\n1. Samuel 2,1-2.6-8a<\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\"><b>Heinz Janssen<\/b><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"LEFT\">Predigttext (\u00dcbersetzung nach Martin Luther, Revision 1984, au\u00dfer dass HERR mit GOTT wiedergegeben wird):<\/p>\n<p>Lobgesang der Hanna<\/p>\n<p>2,1 Und Hanna betete und sprach: Mein Herz ist fr\u00f6hlich in GOTT, mein Haupt ist erh\u00f6ht in GOTT. Mein Mund hat sich weit aufgetan wider meine Feinde, denn ich freue mich deines Heils.<\/p>\n<p>2 Es ist niemand heilig wie GOTT, au\u00dfer dir ist keiner, und ist kein Fels, wie unser Gott ist.<\/p>\n<p><span style=\"font-family: symbol;\">[<\/span><span>3 Lasst euer gro\u00dfes R\u00fchmen und Trotzen, freches Reden gehe nicht aus eurem Munde; denn der GOTT ist ein Gott, der es merkt, und von ihm werden Taten gewogen. <\/span><\/p>\n<p>4 Der Bogen der Starken ist zerbrochen, und die Schwachen sind umg\u00fcrtet mit St\u00e4rke.<\/p>\n<p>5 Die da satt waren, m\u00fcssen um Brot dienen, und die Hunger litten, hungert nicht mehr. Die Unfruchtbare hat sieben geboren, und die viele Kinder hatte, welkt dahin.<span style=\"font-family: symbol;\">]<\/span><\/p>\n<p>6 GOTT t\u00f6tet und macht lebendig, f\u00fchrt hinab zu den Toten und wieder herauf.<\/p>\n<p>7 GOTT macht arm und macht reich; er erniedrigt und erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>8 Er hebt auf den D\u00fcrftigen aus dem Staub und erh\u00f6ht den Armen aus der Asche, dass er ihn setze unter die F\u00fcrsten und den Thron der Ehre erben lasse. <span style=\"font-family: symbol;\">[<\/span><span>Denn der Welt Grundfesten sind GOTTES, und er hat die Erde darauf gesetzt.<\/span><span style=\"font-family: symbol;\">]<\/span><\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Ein alttestamentlicher Text aus der Zeit um Elfhundert vor Christi Geburt f\u00fcr eine Osterpredigt &#8211; ist das nicht ein Anachronismus? Dieser vorchristliche Bibeltext kann ja Ostern und damit Jesus von Nazareth noch nicht im Blick haben. Aber klingt darin nicht schon der Grundton der Osterbotschaft an? Wir h\u00f6ren in diesem Abschnitt aus dem zweiten Kapitel des Ersten Samuelbuches von einem Gott, der<\/p>\n<p>(4) starken M\u00e4nnern die Waffen zerbricht;<br \/>\nSchwachen und Entmutigten neue Kraft gibt&#8230;<br \/>\n(6) der t\u00f6tet und lebendig macht, &#8230;<br \/>\nund aus dem Tod ins Leben zur\u00fcckruft&#8230;<br \/>\n(8) die Armen aus der Not holt,<br \/>\ndie Hilflosen heraus aus ihrem Elend&#8230;&#8220; (\u00dcbersetzung nach Gute Nachricht Bibel 1997)<\/p>\n<p><b>I.<\/b> Ein wirklich \u00f6sterlicher Predigttext! Tod und Leben klingen an, St\u00e4rkung des Schwachen, Aufrichtung des Erniedrigten &#8211; und es ist Gott, der die Wende vom Tod zum Leben, von der Menschenverachtung zur Menschenw\u00fcrde herbeif\u00fchrt, wie es seinem Sch\u00f6pfungswillen entspricht. Tragende T\u00f6ne der Hoffnung &#8211; voller dankbarer Freude \u00fcber die Erfahrung einer grundlegenden, Leben schaffenden Wende! Da stimmt jemand einen kr\u00e4ftigen Lobgesang auf Gott an: &#8222;Es ist niemand heilig wie GOTT, au\u00dfer dir ist keiner, und ist kein Fels, wie unser Gott ist&#8220; (Vers 2), so h\u00f6ren wir. Es ist eine Frau, Hanna, die diesen Psalm singt. Ihr Gotteslob erinnert an das noch fr\u00fchere Lied der Mirjam, die Schwester Moses, als das biblische Israel den Boden der Freiheit betrat, und nicht zuletzt an Maria, die Mutter Jesu, die in ihrem Magnificat die Worte jener Hanna aufgriff. Was wissen wir von Hanna? Sie war die Frau eines Ephraimiters Namens Elkana. Sie musste ihre Liebe zu ihrem Mann, wie es damals \u00fcblich war, mit einer anderen Frau, Peninna, teilen. Von ihr musste Hanna so manche Kr\u00e4nkung erleiden, denn Peninna hatte Kinder, und Hanna hatte keine. Die Kr\u00e4nkung, der Hanna damit ausgesetzt war, wurde dadurch noch schlimmer, weil in der damaligen Gesellschaft Kinderlosigkeit wie ein Gottesfluch empfunden wurde. Dass Elkana seine Frau trotzdem liebte, konnte Hanna nicht \u00fcber ihre Kinderlosigkeit hinwegtr\u00f6sten. Da &#8211; im Zusammenhang der j\u00e4hrlichen Wallfahrt der Familie zum Tempel in Silo &#8211; brach es aus ihr heraus: in ihrem Kummer weinte sie sich vor Gott aus, klagte IHM ihre Not, und Gott erh\u00f6rte ihr Gebet. Jetzt konnte Hanna singen: Mein Herz ist fr\u00f6hlich in GOTT&#8230;<\/p>\n<p><b>II.<\/b> Vom Tod zum Leben, von der Erniedrigung zur Erh\u00f6hung &#8211; so erlebte Hanna die Wende ihres Schicksals. Welch eine Begeisterung und Lebensfreude klingt aus ihrem Lied! Kann Hanna damit nicht auch in uns die Freude an Gott und die Begeisterung \u00fcber sein Tun wecken, die heute so viele in unserer Kirche vermissen?<\/p>\n<p>Von Hannas Lobgesang und der darin aufklingenden Hoffnung m\u00f6chte ich mich anstecken lassen: Hoffnung gegen alle Todesm\u00e4chte, Ermutigung zum Leben, zum Aufstehen. Aufstehen (auch in diesem Gotteshaus), das bedeutet: sichtbarer, leiblicher Ausdruck der Hoffnung, zu der Gott uns Anlass gibt, dankbare Antwort auf die \u00f6sterliche Botschaft der Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Ostern &#8211; der schwere Stein ist weggew\u00e4lzt. In einem Gedicht unter der \u00dcberschrift \u201eAuferstehung\u201c spricht:Marie-Luise Kaschnitz diese Lebens-Erfahrung mitten im ganz gew\u00f6hnlichen Lebensalltag aus:<\/p>\n<p>Manchmal stehen wir auf<br \/>\nstehen wir zur Auferstehung auf<br \/>\nMitten am Tage<br \/>\nMit unsrem lebendigen Haar<br \/>\nMit unsrer atmenden Haut.<br \/>\nNur das Gewohnte ist um uns.<br \/>\nKeine Fata Morgana von Palmen<br \/>\nMit weidenden L\u00f6wen<br \/>\nUnd sanften W\u00f6lfen.<\/p>\n<p>Die Weckuhren h\u00f6ren nicht auf zu ticken<br \/>\nIhre Leuchtzeiger l\u00f6schen nicht aus.<br \/>\nUnd dennoch leicht<br \/>\nUnd dennoch unverwundbar<br \/>\nGeordnet in geheimnisvolle Ordnung<br \/>\nVorweggenommen in ein Haus aus Licht.<\/p>\n<p>H\u00f6ren wir nocheinmal auf Hanna. Sie hat sich mit ihrem Lebensschicksal nicht abgefunden, sie blieb nicht die stumm Duldende &#8211; im Gegensatz zu bestimmten Fr\u00f6mmigkeitstraditionen, die ein stilles Sich-Ergeben oft als besonders vorbildlich erkl\u00e4ren. Hanna hat ihr Herz vor Gott ausgesch\u00fcttet. Von IHM wusste sie aus ihrem israelitischen Glauben: es ist ein Gott, der das Elend sieht, der befreit und aus dem Tod zum Leben f\u00fchrt. Vor diesem Gott sein Herz aussch\u00fctten ist Ausdruck \u00f6sterlicher Hoffnung.<\/p>\n<p><b>III.<\/b> Die pers\u00f6nliche Lebens-Erfahrung Hannas in vorchristlicher Zeit m\u00f6chte auch uns anregen, unsere eigenen Erfahrungen auszusprechen, unsere &#8222;Ostergeschichte&#8220; zu erz\u00e4hlen und vielleicht zu besingen. Hier einige pers\u00f6nliche \u00c4u\u00dferungen, die ich aus einer Umfrage in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone der Heidelberger Altstadt zusammengestellt habe (<i>kann von anderen Personen gelesen werden<\/i>):<\/p>\n<p>&#8211; Ostern ist f\u00fcr mich nicht kalendarisch einzuordnen. Ostern bedeutet f\u00fcr mich Leben in seiner ganzen Vielfalt. Ostern ist f\u00fcr mich z.B. im L\u00e4cheln eines Kindes, in einer Geste der Liebe, im Gebot der Liebe zu Gott und zum N\u00e4chsten&#8230;.<\/p>\n<p>&#8211; Nach dem traurigen Geschehen des Karfreitags bedeutet Ostern f\u00fcr mich das absolute Fest der Freude, vor allem die totatale Offenbarung der Liebe Gottes zu uns Menschen&#8230;<\/p>\n<p>&#8211; Ostern bedeutet f\u00fcr mich Hoffnung, da\u00df Jesus auch f\u00fcr mich gestorben und auferstanden ist&#8230;<\/p>\n<p>&#8211; Es ist f\u00fcr mich eine ganz gro\u00dfe Freude, dass nicht der Tod das Letzte ist, sondern das Leben. Jesus hat gesagt: Ich lebe, und ihr sollt auch leben&#8230;<\/p>\n<p>Seit Ostern gilt: Der Tod und damit alle Resignation haben keine letzte Macht mehr. Darum ist Ostern f\u00fcr alle Trauernden ein ganz besonderer Tag der Hoffnung, aber auch f\u00fcr alle, um die wir trauern.<\/p>\n<p>Leben ist angek\u00fcndigt und Hoffnung, die mehr sind als Illusion und Vertr\u00f6stung. Was damals zwischen Karfreitag und Ostern geschah, ist und bleibt ein Geheimnis, Gottes Geheimnis &#8211; &#8222;Geheimnis des Glaubens&#8220;. Vielleicht ist das der tiefste Sinn der vielf\u00e4ltigen Osterbr\u00e4uche, die wir zum Teil aus vorchristlicher Zeit \u00fcbernommen haben, die wir aber als Christen nicht verd\u00e4chtigen m\u00fcssen: dass sie auf dieses Geheimnis hinweisen und uns die Osterfreude veranschaulichen wollen. Gott l\u00e4sst uns an seinem Geheimnis teilnehmen. Gott best\u00e4rkt uns durch die Auferstehung Jesu Christi die \u00f6sterliche Botschaft allem T\u00f6dlichen entgegenzusetzen. Darum stimmen wir mit Hanna &#8211; und allen, die ihr wie Mirjam vorausgingen und wie Maria folgten &#8211; in das Lob Gottes ein (<i>Hier kann das von Jacques Berthier, Taiz\u00e9, vertonte Magnificat gesungen werden<\/i>).<\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Weitere Liedvorschl\u00e4ge: EG 100 Wir wollen alle fr\u00f6hlich sein, EG 99 Christ ist erstanden, EG 103 Gelobt sei Gott, EG 117 Der sch\u00f6ne Ostertag, EG 116,4+5 &#8230;Geht und verk\u00fcndigt <\/span><\/p>\n<p>Heinz Janssen<br \/>\nPfarrer an der Evangelischen Providenz-Kirche zu Heidelberg und Lehrbeauftragter f\u00fcr Altes Testament an der J.W.Goethe-Universit\u00e4t zu Frankfurt\/M.<br \/>\n<a href=\"mailto:providenz@aol.com\"><b>e-mail: providenz@aol.com <\/b><\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=000423-3.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ostersonntag 23.4.2000 1. 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