{"id":2119,"date":"2020-03-11T18:44:42","date_gmt":"2020-03-11T17:44:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/static\/wp\/?p=2119"},"modified":"2020-03-11T20:31:39","modified_gmt":"2020-03-11T19:31:39","slug":"das-coronavirus-der-alltag-und-die-fastenzeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/das-coronavirus-der-alltag-und-die-fastenzeit\/","title":{"rendered":"Das Coronavirus, der Alltag&#8230;"},"content":{"rendered":"<h3>Das Coronavirus, der Alltag und die Fastenzeit | Predigt zu&nbsp;Johannes 8,42-51, verfasst<strong>&nbsp;<\/strong>von <span lang=\"DA\">Poul Joachim Stender<\/span> | aus dem D\u00e4nischen \u00fcbersetzt von Eberhard Harbsmeier |<\/h3>\n<p>Das Coronavirus hat gezeigt, wie verwundbar wir sind. Wir gehen einer neuen Zeit entgegen. Die meisten Menschen, die eine schwere Krankheit durchgemacht haben, sind nun dankbarer f\u00fcr das Leben als vor ihrer Krankheit. Wenn das Coronavirus einmal verschwunden ist, wird die d\u00e4nische Bev\u00f6lkerung hoffentlich den ganz gew\u00f6hnlichen Alltag mehr sch\u00e4tzen als vorher. Und vielleicht werden wir auch mehr Mitgef\u00fchl mit unseren Kranken und Alten empfinden. Sie sind zurzeit am meisten durch das Virus bedroht. Wir f\u00fcrchten, dass wir sie verlieren k\u00f6nnen. Und die Furcht ist ja nicht das schlimmste Gef\u00fchl. Sie sagt etwas \u00fcber unsere Liebe. Wenn wir jemanden m\u00f6gen, werden wir dann auch leiden. Gott mochte uns und litt deshalb den Tod am Kreuz.<\/p>\n<p>Das Coronavirus hat gezeigt, dass es sch\u00f6n ist, wenn nichts passiert. Still und ruhig verl\u00e4uft der Gottesdienst von Anfang bis Ende. Viele meinen, es m\u00fcsste etwas mehr los sein in ihrem Dasein. Wieso eigentlich? Da ist ja nicht so viel los in unserem Dasein. Und Gott sei Dank daf\u00fcr. Wir tun im Gro\u00dfen und Ganzen jeden Tag dasselbe. Wir stehen auf, gehen ins Bad, lesen Zeitung, kommen von der Arbeit nach Hause, gehen ins Bett und haben merkw\u00fcrdige Tr\u00e4ume. Der d\u00e4nische Dichter Dan Turell hat einmal ein Gedicht geschrieben, das so beginnt: Vor allem liebe ich den Alltag. Das langsame Erwachen zu der bekannten Aussicht, die trotzdem nicht so bekannt ist. Die zugleich vertrauten und nach der Ferne des Schlafs fremden Gesichter. Die morgendlichen K\u00fcsse. Die Post im Briefkasten. Der Duft des Kaffes. Der rituelle Gang zum Kaufmann um die Ecke nach Milch, Zigaretten, Zeitungen \u2013 Ich liebe den Alltag\u201c. Und so f\u00e4hrt er fort mit dem Kehrreim: \u201eIch liebe den Alltag\u201c. Als mein Bruder an einem ernsten Krebsleiden erkrankte, \u00e4nderte sich sein stiller, ruhiger, vorhersehbarer Alltag in eine H\u00f6lle von Behandlungen, Untersuchungen, Angst und Schmerz. Es wurde ein sehr ereignisreiches letztes Jahr seines Lebens. Er sagte zu mir: \u201eGenie\u00dfe deinen vorhersehbaren, ruhigen, stillen Alltag. Der ist ein Wunder\u201c. Einer meiner anderen Geschwister, der Arzt ist, wiederholte f\u00fcr mich: \u201eLass uns unser Leben genie\u00dfen, ehe wir eine Diagnose bekommen, die den Alltag verwandeln wird in Krankheit, Ohnmacht, Kampf und Tod\u201c. Diagnoselose Zeiten sind gute Zeiten. Gar nicht so schlecht, wenn das spannendste Ereignis war, dass vier statt drei Kr\u00e4hen auf unserem Rasen landeten. Eine der Zwangsvorstellungen unserer Zeit ist, das immer etwas passieren muss. Ver\u00e4nderung. Ver\u00e4nderung. Es ist aber wunderbar, in einer ereignislosen Zeit zu leben.<\/p>\n<p>Zurzeit haben wir das Coronavirus \u2013 medizinisch geschieht gerade allzu viel in der Welt. Wenn doch nichts passieren w\u00fcrde! Was ist das f\u00fcr eine phantastische Zeit, wenn wir uns damit begn\u00fcgen k\u00f6nnen, die Zeitung aufzuschlagen und zu lesen, was im Fernsehen los war und dass die Ministerpr\u00e4sidentin eine Rede gehalten hat. Das sind kleine Dinge. Wie der Dichter Dan Turell k\u00f6nnen wir uns in der Fastenzeit darin \u00fcben zu denken: \u201eIch liebe den Alltag\u201c. Da ist reichlich viel, f\u00fcr das wir danken k\u00f6nnen. Man denke, wir sind Menschen, f\u00fcr die Jesus sterben will, um uns ein Leben in seinem Reich zu geben. Das ist so unfassbar gro\u00df, dass wir es nicht verstehen. Bei der Corona-Epidemie wird es vielen deutlich werden, dass man mit einer Lebensl\u00fcge lebt, wenn man sich einbildet, dass man das Dasein mit eigener Hilfe beherrschen kann. Wir beherrschen das Leben nicht ohne die Hilfe von Jesus Christus. Wir k\u00f6nnen es nicht selbst. Seitens der Kirche sollen wir angesichts des Coronavirus nicht nur daf\u00fcr sorgen, dem Rat der Gesundheitsbeh\u00f6rden zu folgen. Die N\u00e4chstenliebe bedeutet auch, seine H\u00e4nde zu waschen und nicht in die Kirche zu gehen, wenn man sich angesteckt f\u00fchlt. Aber wir sollen auch Gott darum bitten, dass die Epidemie gestoppt werden kann. Wir selbst k\u00f6nnen das nicht.<\/p>\n<p>Zurzeit befinden wir uns wie gesagt in der Fastenzeit. Einige verzichten auf Fleisch und Milch und Wein. Gut so! Andere verzichten auf Fernsehen und Handy. Noch besser! Aber das Beste, was man in der Fastenzeit tun kann, ist dies, dass man auf L\u00fcgen verzichtet und die Wahrheit sagt. Im Gegensatz zu all unseren L\u00fcgen &#8211; auch den L\u00fcgen, die sagen Corona sei von der Presse aufgeblasen oder eine harmlose Grippe &#8211; steht Jesus Christus. Er ist die Wahrheit und kennt keine L\u00fcge. Dass die Leute vielerorts nicht so interessiert sind, in die Kirche zu gehen, muss daran liegen, dass sie nicht die Wahrheit h\u00f6ren wollen. Wenn man sich Gott n\u00e4hert, werden n\u00e4mlich alle unsere L\u00fcgen offenbar. Vor seinem Angesicht sind wir durchschaut, aber dennoch geliebt. Auf der einen Seite haben wir also die L\u00fcge, die in die Welt des Satans geh\u00f6rt und von der wir abh\u00e4ngig geworden sind. Sie ist von Natur aus furchtbar uns zerst\u00f6rend. Auf der anderen Seite haben wir Christus, den Sohn Gottes, er ist die Wahrheit. Er sagt es selbst: \u201eIch bin die Wahrheit\u201c Jedes Wort, das aus seinem Munde kommt, nimmt unseren L\u00fcgen die Kraft. Unsere Entscheidung hier und jetzt ist, in welche Richtung wir uns nach diesem Gottesdienst bewegen wollen. Wollen wir versuchen, uns hin zur Wahrheit zu bewegen, zu Christus, oder wollen wir aus alter Gewohnheit, der L\u00fcge erlauben, Macht \u00fcber uns zu gewinnen. Wollen wir Gott zum Vater haben oder den Teufel? Die Antwort muss jeder f\u00fcr sich mit dem geben, was wir in der kommenden Woche tun, sagen und denken. Gott befohlen. Amen.<\/p>\n<p>Pastor Poul Joachim Stender<br \/>\nDK 4060 Kirke S\u00e5by<br \/>\npjs(at)km.dk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Coronavirus, der Alltag und die Fastenzeit | Predigt zu&nbsp;Johannes 8,42-51, verfasst&nbsp;von Poul Joachim Stender | aus dem D\u00e4nischen \u00fcbersetzt von Eberhard Harbsmeier | Das Coronavirus hat gezeigt, wie verwundbar wir sind. Wir gehen einer neuen Zeit entgegen. 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