{"id":21190,"date":"2000-04-14T15:47:33","date_gmt":"2000-04-14T13:47:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21190"},"modified":"2025-04-15T17:07:01","modified_gmt":"2025-04-15T15:07:01","slug":"1-samuel-21-10-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-samuel-21-10-2\/","title":{"rendered":"1. Samuel 2,1-10"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"550\" align=\"CENTER\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"color: #0000a0; font-size: xx-small;\">Ostersonntag<\/span><br \/>\n<b>23.4.2000<br \/>\n1. Samuel 2,1-10 <\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\"><b>Klaus Schwarzw\u00e4ller<\/b><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"LEFT\">\n<p align=\"justify\">Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p align=\"justify\">Die unfruchtbare Hanna hat auf ihr Gebet hin doch noch einen Sohn bekommen. Dieses Gl\u00fcck f\u00fchrt sie zum Tempel, wo sie Gott anbetet und ihm dankt. Sie tut es mit den Worten eines Psalms. Dieser Psalm aber greift weit \u00fcber den Anla\u00df hinaus. Es ist, als h\u00e4tte er mit ihm nur beil\u00e4ufig zu tun; es geht in ihm um viel viel mehr, n\u00e4mlich um Gottes Handeln \u00fcberhaupt. Und Gottes Handeln hat eine Linie:<\/p>\n<p align=\"justify\">Gott tut das Unerwartete. Er tut Wunder.<\/p>\n<p align=\"justify\">\u201eWunder\u201c \u2013 das blo\u00dfe Wort klingt uns zwiesp\u00e4ltig. Denn niemand, der nicht irgendwann ein Wunder gew\u00fcnscht, ja herbeigesehnt h\u00e4tte. Doch kaum jemand, der mit einem Wunder rechnet. \u201eWunder\u201c? Allenfalls gibt\u2019s Zuf\u00e4lle oder Unerkl\u00e4rliches oder auch Tricks. Wer an Wunder glaubt, gilt als einf\u00e4ltig. Obgleich&#8230; \u2013 Insgesamt liegt Wunderglaube uns fern. Um so gr\u00f6\u00dfer dann die Sensation, wenn etwas geschieht, das wie ein Wunder aussieht oder nur ein Wunder sein kann. Das gibt dann Schlagzeilen; heimliche W\u00fcnsche keimen auf \u2013 auch Entt\u00e4uschung breitet sich aus: \u201eDas passiert <u>mir<\/u> ja doch nie!\u201c Wenn es denn <u>tats\u00e4chlich<\/u> ein Wunder war.<\/p>\n<p align=\"justify\">Ich stelle mir Hanna unter uns Heutigen vor, wie sie das Wunder preist, da\u00df sie doch noch ein Kind empfangen und geb\u00e4ren konnte: Und wie wir mit etwas verlegenen Gesichtern zuh\u00f6ren, etwas betreten sind wegen ihrer unmittelbaren Fr\u00f6mmigkeit oder aber ihr rundheraus erkl\u00e4ren, da\u00df das, was sie f\u00fcr ein Wunder halte, in Wahrheit nur die Folge sei einer Korrektur im Hormonhaushalt oder eines verborgenen psychosomatischen Vorgangs. Kurz, wir w\u00e4ren vermutlich \u00fcberzeugt und w\u00fcrden es Hanna wissen lassen, da\u00df es hier ganz nat\u00fcrliche Ursachen gibt und da\u00df man f\u00fcr dieses Geschehen nicht eigens den lieben Gott zu bem\u00fchen brauche. Und \u00fcberhaupt, da\u00df das heute l\u00e4ngst zu einer rein medizinischen Angelegenheit geworden sei.<\/p>\n<p align=\"justify\">Und ich stelle mir uns Heutige vor Hanna vor, der Hanna, die diesen Psalm betete: Wie sie sich mit der Hand vor die Stirn schl\u00e4gt: \u201eWie k\u00f6nnen Leute so stumpf und vernagelt sein! Ist euch denn jeder Sinn f\u00fcr das abhanden gekommen, was nicht auf der Ebene von Technik und Berechnung liegt?\u201c Und wie sie uns, wenn wir protestieren: \u201eJa, Moment mal&#8230;\u201c, zur\u00fcckweist, ja regelrecht abb\u00fcrstet:<\/p>\n<p align=\"justify\">\u201eHaltet die Klappe! Ihr wi\u00dft doch gar nicht, was Leben ist. Ihr kennt die Welt doch gar nicht. Ihr habt doch keine Ahnung von dem, was tats\u00e4chlich spielt, was die Wirklichkeit ausmacht. \u2013 La\u00dft mich ausreden! \u2013 Ihr meint, ihr w\u00fc\u00dftet Bescheid, ihr w\u00e4rt den Sachen auf der Spur, wenn ihr Zusammenh\u00e4nge von Ursachen und Wirkungen zeigen oder selber herstellen k\u00f6nnt und f\u00fcr alles eine einleuchtende Erkl\u00e4rung habt. Wie dumm ihr seid! Ihr habt nicht nur keine Ahnung, ihr seid auch noch platt und zum Erbarmen oberfl\u00e4chlich! Kriegt ihr \u00fcberhaupt etwas mit?\u201c Ich stelle mir vor, wie sie \u00fcber unser Kopfsch\u00fctteln oder unseren Protest hinweg fortf\u00fchre:<\/p>\n<p align=\"justify\">\u201eIst euch nie etwas aufgefallen? Ihr habt doch das Sprichwort: \u201aErstens kommt es anders, zweitens als man denkt\u2018 \u2013 ist euch denn nie die Frage gekommen, wieso eigentlich? Ach so: Zufall oder ungen\u00fcgende Technik oder zuwenig genaues Wissen. Da\u00df ihr euch damit nicht vor euch selber bl\u00f6de vorkommt! Denn wenn ihr Berechnung und Technik und genaues Wissen hattet und habt und alles lief, wie geplant: Habt ihr nie mitbekommen, da\u00df auch dann immer wieder anderes herauskam, als ihr wolltet oder dachtet oder \u00fcberhaupt vermutetet? Und dann rettet ihr euch mit Phrasen wie: \u201aDas ist halt so\u2018 oder: \u201aDas konnte man nicht wissen\u2018 und dergleichen. Als ob es nur darum ginge, da\u00df man noch besser planen und noch mehr Detailkenntnis haben m\u00fc\u00dfte. Ja merkt ihr denn gar nicht, da\u00df ihr damit lediglich unendliche Geschichten konstruiert und in Wirklichkeit auf der Stelle tretet?\u201c Und ich stelle mir vor, wie sie uns einen kleinen Augenblick uns selbst \u00fcberlie\u00dfe, unserem Befremden, unserem \u00c4rger oder auch unserer Neugier, ehe sie dann richtig in Fahrt k\u00e4me:<\/p>\n<p align=\"justify\">\u201eIch will euch mal was sagen! Unseren Planten hat Gott geschaffen, und wenn er ihn nicht wollte, w\u00e4re er erst gar nicht entstanden oder h\u00e4tten wir auf ihm keine Lebensm\u00f6glichkeit. So. Nun will er ihn und will uns und da\u00df wir leben. Da\u00df wir leben als seine Gesch\u00f6pfe, als Menschen. Und damit wir leben <u>und<\/u> damit wir Menschen bleiben, zieht Gott immer wieder seine Linien quer durch alles, was wir planen und tun:<\/p>\n<p align=\"justify\">Gott tut das Unerwartete. Er tut Wunder.<\/p>\n<p align=\"justify\">Seht hier meinen Sohn: Ich habe ihn ausgetragen und geboren. Wi\u00dft ihr, was das ist? Heute, bei euch, w\u00e4re ich vom Labor zur Klinik und von der Leihmuttervermittlungsagentur zum Klonungsspezialisten hin und her gelaufen, w\u00e4re Versuchskaninchen und Zellenlieferantin geworden. Und am Ende w\u00e4re dann vielleicht ein Kind dabei herausgekommen als ein technisches Produkt mit geplantem Geschlecht und im voraus festgelegter Haarfarbe \u2013 begreift ihr\u2019s? Merkt ihr\u2019s? Wenn Gott keine Wunder tut, dann sinken wir ab in die Armut blo\u00dfer technischer Vorg\u00e4nge, in die Knechtschaft von Industrie und Produktion, in die Brutalit\u00e4t des Marktes.<\/p>\n<p align=\"justify\">Nun aber hat Gott das Unerwartete getan, hat ein Wunder gewirkt. Denn ihm geh\u00f6re ich und die Erde und alles, was sie ausmacht, und er verf\u00fcgt \u00fcber alles und richtet es nach seinem Wohlgefallen. Ihr tut mir leid! Ihr richtet euch nach Berechnung und Plan und Wissenschaft und Machbarkeit und seid damit euch selbst ausgeliefert und dem Belieben von Deppen, die aber Macht haben. Ich jedoch vertraue Gott und gr\u00fcnde in ihm und preise ihn: Er hat die Erde bereitet und ist heilig, er und er allein, und er hat mein Leben umgewendet. Mit euch m\u00f6chte ich nicht tauschen!\u201c<\/p>\n<p align=\"justify\">Ich stelle mir vor, wie sie dann den Psalm vornehmen und ihn uns Zeile um Zeile ausbreiten w\u00fcrde: Wie Gottes Wunder Mut und Kraft gibt, zu stehen, ja den Mund aufzutun vor feindlich gesonnenen Menschen. Wie Gottes Wunder mit Freude erf\u00fcllt \u2013 auch mit der Freude, die daraus erw\u00e4chst zu wissen, zu sp\u00fcren: Ich habe einen Grund, und der tr\u00e4gt. Wie Gott im Leben rundherum sich als heilvoll und zuverl\u00e4ssig erweist, auch wenn er immer wieder alle unsere Geduld herausfordert. Wie man sicher sein kann: Worte und Taten und insbesondere b\u00f6se Worte und Untaten aller Menschen werden von Gott gewogen. Wir m\u00f6gen sie vergessen und uns von ihnen distanzieren: Wir werden, bald oder einst, vor Gott zu ihnen stehen m\u00fcssen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Wie sie dann insbesondere ausmalen w\u00fcrde: Gott tut das Unerwartete. Er tut Wunder. Und das nicht im Sinne von Sensation, Mirakel oder Ereignissen, wo wir kopfsch\u00fcttelnd sagen: \u201eDonnerwetter!\u201c oder: \u201eDas gibt\u2019s doch nicht!\u201c Sondern so, da\u00df er immer wieder die Zusammenh\u00e4nge umpfl\u00fcgt, die Strukturen aufbricht und Menschen in unerwartete Positionen bringt: M\u00e4chtigen gehen die Machtmittel kaputt, Schwache erweisen sich als machtvoll; Satte und Reiche m\u00fcssen ums Elementare k\u00e4mpfen, zu kurz Gekommenen wird Genugtuung und Ausgleich zuteil; vom Leben und von der Biologie Benachteiligte finden Erf\u00fcllung und Ehre, Vitale und Strotzende trifft es unversehens, und sie siechen; Menschen, die in den Staub getreten wurden, finden sich \u00fcber Nacht mit Rang und W\u00fcrde bekleidet oder in verantwortlicher Position. Kurzum, was eingelebt ist, wirbelt Gott auf und kehrt immer wieder die Verh\u00e4ltnisse um.<\/p>\n<p align=\"justify\">Ich stelle mir uns dabei vor, wie wir irgendwann nicht mehr an uns halten k\u00f6nnen und ihr Bedenken entgegenhalten, ihr mit Nachdruck widersprechen, ihr unsere gegenteiligen Erfahrungen einwenden. Wie wir dabei f\u00fcrchten \u2013 und in einem Winkel des Herzens zugleich hoffen \u2013 , ihre gro\u00dfen Worte m\u00f6chten dar\u00fcber schrumpfen, sich wom\u00f6glich als <u>blo\u00dfe<\/u> Worte erweisen. Und ich sehe in manchem Auge ein Leuchten: \u201eJetzt haben wir sie in die Enge getrieben!\u201c L\u00e4\u00dft sie sich in die Enge treiben?<\/p>\n<p align=\"justify\">Keineswegs. Sie zieht diese Linie vielmehr weiter aus \u2013 zieht sie aus ins Ungeheuerliche: \u201eDer Herr t\u00f6tet und macht lebendig, f\u00fchrt hinab zu den Toten und wieder herauf.\u201c Bereits das kommt unerwartet: da\u00df Gott es ist, der da t\u00f6tet, da\u00df er es ist, der wieder und wieder ins Totenreich hinabschleudert, da\u00df, kurzum, er nicht der liebe Gott ist, sondern der heilige Herr, der \u00fcber uns, der \u00fcber seine Kreaturen, der \u00fcber die ganze Sch\u00f6pfung verf\u00fcgt, und zwar nicht nach unseren Normen oder Erwartungen, sondern nach seinem Wohlgefallen, und das mag f\u00fcr uns auch hart und bitter sein. Ja, auch das geh\u00f6rt hinein in sein st\u00e4ndiges Umpfl\u00fcgen der Gegebenheiten: Er t\u00f6tet, er schleudert in die H\u00f6lle. Und auch das in sein st\u00e4ndiges Aufwirbeln des Bestehenden: Er entnimmt dem Tode, er errettet aus ihm, verleiht Leben, schenkt neues Leben, l\u00e4\u00dft aus den H\u00f6llen entrinnen, \u00f6ffnet im Todesreich Tore. Beides! Also da, wo unser Verm\u00f6gen und unser Weltbild enden und wo wir nur mehr unsicheres Licht oder aber letztes Grauen erkennen, auch da sind wir in der Hand Gottes, ist er am Werk, pfl\u00fcgt er um, wirbelt er auf und tut das Unerwartete, tut Wunder.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die Todesgrenze ist <u>unsere<\/u> Grenze, aber nicht die Gottes. Gott umgreift sie.<\/p>\n<p align=\"justify\">Darum sind unsere bitteren und bedr\u00fcckenden Erfahrungen kein Einwand, da\u00df immer und immer wieder Gute, Fromme, Edle, Warmherzige und Redliche scheitern, ausgegrenzt oder ums Leben gebracht werden, da\u00df statt dessen Bosheit, Gottlosigkeit und Zynismus triumphieren. Hanna wei\u00df, und daf\u00fcr steht sie mit ihrem Psalm: Zu seiner Zeit wird Gott die Dinge zurechtr\u00fccken, wird er denen, die ihm vertrauen, sich als treu erweisen, wird er die, die sich um ihn und seinen Willen den Teufel scheren, an ihrer eigenen Teufelei ersticken lassen und sie zu Boden schleudern.<\/p>\n<p align=\"justify\">So weit Hanna mit ihrem Psalm. Und wir \u2013 ?<\/p>\n<p align=\"justify\">Wir feiern heute, da\u00df Hannas Psalm von Gott abschlie\u00dfend und buchst\u00e4blich wunderbar best\u00e4tigt und in Kraft gesetzt worden ist:<\/p>\n<p align=\"justify\">\u00bbDer H\u00f6chste im Himmel&#8230;wird Macht geben seinem K\u00f6nige und erh\u00f6hen das Haupt seines Gesalbten.\u00ab<\/p>\n<p align=\"justify\">Denn Jesus Christus \u2013 \u201eChristus\u201c meint \u201eGesalbter\u201c, hebr\u00e4isch \u201eMessias\u201c, und das ist der Ehrentitel des K\u00f6nigs; also: Jesus Christus ist nicht im Tod geblieben. Er ist vom Tode auferstanden. Alle, die an ihm ihren Mut k\u00fchlten und ihre Macht bewiesen und ihn gemeinsam am Kreuz von Golgatha beseitigten, wurden in der Osternacht vorgef\u00fchrt. Gott hat unsere Welt so tief umgepfl\u00fcgt und die Weltordnung so gr\u00fcndlich aufgewirbelt, da\u00df auch das Gewisseste zerborsten ist: der Tod. Jesus Christus hat die Macht empfangen, den Tod zu \u00fcberwinden: Aus dem alles abschneidenden Ende wurde er zum Eingang ins Leben, in bleibendes, erf\u00fclltes Leben. Und Gott hat das Haupt seines Gesalbten erh\u00f6ht: Mit Ostern wurde der verspottete und geschundene Prediger aus Nazareth als Gottessohn und als Herr \u00fcber alle Kreatur offenbar. Das kriegt niemand nicht mehr wegradiert. (Auch nicht unter Ostereiern begraben.)<\/p>\n<p align=\"justify\">Wir feiern mit Ostern, da\u00df wir allen Grund haben, \u201efr\u00f6hlich\u201c zu sein \u201ein dem Herrn\u201c; da\u00df Gott unser \u201eFels\u201c ist; da\u00df er die, die oben sind, fallen l\u00e4\u00dft und die Elenden und Schwachen und Verachteten erh\u00f6ht; da\u00df er aus dem Tod ins Leben zur\u00fcckf\u00fchrt; da\u00df er \u201ebeh\u00fctet die F\u00fc\u00dfe seiner Heiligen\u201c \u2013 selbst durch den Tod hindurch. Wir feiern die Best\u00e4tigung und Gewi\u00dfheit:<\/p>\n<p align=\"justify\">Gott tut das Unerwartete. Er tut Wunder. Denn: \u201eErschienen ist der herrlich Tag, dran niemand gnug sich freuen mag: Christ, unser Herr, heut triumphiert, sein Feind er all gefangen f\u00fchrt.\u201c<\/p>\n<p align=\"justify\">AMEN.<\/p>\n<p align=\"justify\"><b><a name=\"bemerkungen\"><\/a>Bemerkungen zur Predigt:<\/b><\/p>\n<p align=\"justify\">Der vorgegebene Predigttext gibt zu Bedenken Anla\u00df. Einmal inhaltlicher Art: Ein Bezug auf Ostern besteht nicht. Man kann nur vermuten \u2013 ich habe derzeit nicht die Mittel zur Hand, m\u00f6glicherweise zugrundeliegende alte Traditionen festzustellen &#8211; , da\u00df Vers 6 eine gewisse Assoziation mit Ostern wachrief. Das aber kann kein Grund f\u00fcr eine Textauswahl sein, und das umso weniger, als es an Texten mit unmittelbarem Osterbezug nicht mangelt. R\u00e4tselhaft ist, da\u00df man den einzigen Vers in diesem Textzusammenhang, der sich zwanglos auf Ostern deuten l\u00e4\u00dft, ausschied: Vers 10. Immerhin jedoch mag der Rekurs auf einen alttestamentlichen Text Anla\u00df sein, sich den weiteren Zusammenhang von Ostern in den Sinn zu rufen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Zum anderen Bedenken im Blick auf die Textgestalt. Aus der Liturgie sind wir gewohnt, da\u00df Psalmen zers\u00e4gt und die Bruchst\u00fccke zu erbaulichen Kollagen verklebt werden. Dabei wird sorgf\u00e4ltig alles getilgt, was anst\u00f6\u00dfig klingt, also mit Salz gew\u00fcrzt ist und nicht lau. Damit aber wird die F\u00fclle der Bibel und mit dieser das Leben ausgesperrt und jene gel\u00e4ufige wohltemperierte Mittellage erzeugt, die der Bibel, insbesondere den Psalmen, fremd ist. Die im Vorschlag vorgenommene Verst\u00fcmmelung des Lobgesangs der Hanna findet durch den Text keine Legitimation, reduziert seine F\u00fclle und bringt ihn um die Kr\u00f6nung durch die beiden letzten Verse.<\/p>\n<p align=\"justify\">Und Bedenken schlie\u00dflich im Blick auf den Umgang mit der Bibel. In diesem Zers\u00e4gen und Herausbrechen und Zuammenst\u00fcckeln und willk\u00fcrlichen Eingrenzen werfen sich die Urheber faktisch zu Herren der Schrift auf, die immerhin der Kanon der Kirche ist. Sie machen die Schrift ad hoc herangetragenen Vorstellungen und Zielen dienstbar. Diese m\u00f6gen wohl begr\u00fcndet und unmittelbar verst\u00e4ndlich sein; mit einem derartigen, objektiv willk\u00fcrlichen Verfahren bemeistert man sich der Schrift. Von den Reformatoren sollten wir exakt das Gegenteil gelernt und es darum einge\u00fcbt haben, die Schrift gerade auch dort ausreden zu lassen, wo uns das \u2013 warum auch immer \u2013 st\u00f6rt.<\/p>\n<p align=\"justify\">Kurz, die Schrift wird in diesem Umgang mit dem Text nicht ernst genommen. Das ist inakzeptabel; hiergegen ist Verwahrung einzulegen. Ich folge dem Vorschlag in der Weise, da\u00df ich f\u00fcr die vorstehende Predigt den ganzen Lobgesang der Hanna als Text nehme.<\/p>\n<p align=\"justify\"><b>Prof. Dr. Klaus Schwarzw\u00e4ller<br \/>\n<a href=\"mailto:kschwarzwaeller@foni.net\">E-Mail: kschwarzwaeller@foni.net<\/a><\/b><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/archiv-2\/000423.html#top\"><b>(zur\u00fcck zum Seitenanfang)<\/b><\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=000423.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ostersonntag 23.4.2000 1. Samuel 2,1-10 Klaus Schwarzw\u00e4ller Liebe Gemeinde! 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