{"id":21194,"date":"2000-04-24T15:39:51","date_gmt":"2000-04-24T13:39:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21194"},"modified":"2025-03-14T15:41:07","modified_gmt":"2025-03-14T14:41:07","slug":"1-korinther-1550-57-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-korinther-1550-57-2\/","title":{"rendered":"1. Korinther 15,50-57"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"550\" align=\"CENTER\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"color: #0000a0; font-size: xx-small;\">Ostermontag<\/span><br \/>\n<b>24.4.2000<br \/>\n1. Korinther 15,50-57<\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\"><b>Wolfgang Petrak<\/b><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"LEFT\">Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>der Weg in die \u00f6sterliche Kirche f\u00fchrt \u00fcber den Friedhof.<\/p>\n<p>Und so bin ich heute morgen nicht wie gewohnt durch die kleine Pforte gegangen, sondern au\u00dfen herum, am Wirtschaftsgeb\u00e4ude vorbei, den Hauptweg unseres Friedhofes entlang. So sch\u00f6n, wie alles gr\u00fcn geworden ist, wie die Bl\u00e4tter der Buchenhecke sich zu entfalten beginnen und wie die feuchte, k\u00fchle Luft den Fr\u00fchling riechen, ja schmecken l\u00e4\u00dft,- welch eine Kraft, die in der Sch\u00f6pfung liegt, immer wieder. Und welch eine Ruhe, die einem hier begegnen kann und die Gedanken zur\u00fcckf\u00fchrt. Die Grabst\u00e4tten: jede von ihnen ein Ort besinnender Verbindung und sich ent\u00e4u\u00dfernder Trauer; an der Friedhofskapelle die Worte: \u201eChristus hat dem Tod die Macht genommen\u201c. Noch am Gr\u00fcndonnerstag waren wir hier zusammengekommen, um den Weg des Abschieds zu gehen und um Worte der Hoffnung zu h\u00f6ren, um zu singen und zu beten. \u201eErscheine mir zum Schilde, zum Trost in meinem Tod, und la\u00df mich seh\u2019n dein Bilde&#8230;\u201cBittende haben wir das gesungen und zugleich in voller Zuversicht, dass es dann ein Antlitz, sein Antlitz geben m\u00f6ge, das uns neu bestimmt. Und dazu jenes Lied, das allen hier so vertraut ist: \u201eSo nimm denn meine H\u00e4nde\u201c Wenn unsere H\u00e4nde nichts mehr tun k\u00f6nnen, wenn sie loslassen m\u00fcssen, dass dann eine Hand da sein m\u00f6ge, die h\u00e4lt (oder wie kann man das sagen?).Immer Wieder tr\u00e4gt diese Melodie Festes mit sich und l\u00e4sst Beziehung sp\u00fcren.<\/p>\n<p>Tragendes dr\u00fccken auch die Inschriften aus, versehen mit dem Geburts- und Sterbedaten, daneben oft ein Kreuz: dass das Leben einen Beginn hat und sein Ende und sein Ziel. Darum auch hier manchmal dazu Worte aus der Bibel zu lesen oder auch dieses: \u201e M\u00fche und Arbeit war sein Leben&#8230;\u201c. Denn es soll ja nichts und niemand verloren sein. Vielmehr aufbewahrt, in Gedanken, im Geschaffenen und im Gegebenen: das sind M\u00f6glichkeiten der Erinnerung, gegen die Macht des Vergessens Leben zu bewahren.<\/p>\n<p>Auf einem Kindergrab ein scheinbar verlorenes Spielzeug: Mein Gott, welche Macht des Todes.<\/p>\n<p>Die Glocken l\u00e4uten. Einige sehe ich, die auch zur Kirche gehen. Andere wiederum kommen mir entgegen und gehen ihrerseits zu den Grabst\u00e4tten, zum Teil mit Schnittblumen in der Hand, um die mittlerweile verbl\u00fchten Osterglocken gegen neue auszutauschen. Man gr\u00fc\u00dft sich mit einem verhaltenen \u201eGuten Morgen\u201c. Warum w\u00fcnschen wir uns nicht:\u201eFrohe Ostern\u201c?<\/p>\n<p>Ich mu\u00df dabei an eine Beerdigung denken, an der ich vor einigen Jahren teilgenommen hatte. Die lange Ansprache des Priesters konnte ich nicht richtig verstehen, denn sie war in einer anderen Sprache. Aber zu merken war zu Beginn auch seine Trauer. Dann aber wurde der Fluss seiner Worte schneller, lebendiger, fast fr\u00f6hlich.. Darauf fielen die Frauen mit einem mehrstimmigen Gesang ein, dazu Trommeln. Nach einem Gebet des Priesters nahm die Gemeinde Abschied, indem jeder am ge\u00f6ffneten Sarg vorbeiging und noch einmal hineinsah; fast schien es, als ob einige tanzten. Dem schloss sich der Segen an. Dann wurde der Sarg auf einen \u201apick-up\u2018 gebracht, denn das Grab des Verstorbenen war im entfernt gelegenen Dorf, gleich hinter seiner H\u00fctte gelegen.<\/p>\n<p>Einige, die nicht so gut zu Fu\u00df waren, setzten sich mit auf die Ladefl\u00e4che des Toyotas. Alle anderen folgten dem offenen Wagen, der im Schritttempo durch den Busch fuhr; sie folgten singend und tanzend . \u201eWeisst du,\u201c erkl\u00e4rte mir eine junge Frau, \u201e wir Afrikaner glauben n\u00e4mlich an die Auferstehung\u201c. Diese Kraft des Glaubens. Es ist nicht das Fremde, das anzieht. Es ist die Wahrheit des Gesagten. H\u00f6ren wir nochmals, was Paulus sagt (Verlesen der Verse 53-56).<\/p>\n<p>Wo sind wir, was zieht uns an? Die Frage f\u00fchrt weg vom Gesagten zu uns hin. Nat\u00fcrlich meiden wir im Alltag eher die Gedanken \u00fcber unser Sterben und was dann sein kann, kommen lieber zur\u00fcck auf das Leben selbst und seine Attraktivit\u00e4t. Wir wissen um ihre Bedeutung, versuchen wohl auch, nach M\u00f6glichkeit ihr Spiel mitzuspielen, jene Augen-Blicke und dieses L\u00e4cheln, das zur\u00fcckkommen kann; die Gesten des Verstehens und die Bedeutung eines guten Gespr\u00e4ches, das sich zu einer Leichtigkeit des Seins aufschwingt. Gewi\u00df auch das hat seine Bedeutung, was man anzieht. Es wirkt auf andere und spricht etwas an, man selbst findet das auch: die Fr\u00fchlingsfarben lindgr\u00fcn und rot, wie anziehend, doch, doch, du kannst es deutlich sehen und ich auch.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich wissen wir auch, dass es nicht immer so ist. Dass scheinbar Anziehendes langweilig werden kann, wir lassen das anderen zuweilen deutlich sp\u00fcren. Dass Modisches verf\u00e4llt, -daf\u00fcr sorgt schon allein der Markt. Dass wir selbst&#8230; es gibt dieses unvermittelte Erschrecken vor dem Spiegel. Nat\u00fcrlich macht mann\/frau sich so seine Gedanken um die Attraktivit\u00e4t, sucht sich zu st\u00e4rken und zu pflegen, der K\u00f6rper hat es verdient. Weiss aber auch im erschreckenden Erkennen pl\u00f6tzlich um die eigene Zeit. Umso st\u00e4rker dann das Bem\u00fchen, Bleibendes zu schaffen und zu erhalten: kennst du das auch an dir?.<\/p>\n<p>Es kommt denn irgendwie zum Ausdruck, dass es wenigstens eine Erinnerung gibt. Damit man irgendwie sehen kann ( immer ist es diese ungenaue, unsichere Irgendwie), was das Leben \u00fcber seine Zeit hin ausgemacht hat. Erfolge werden gesucht wie Markierungspf\u00e4hle, und das best\u00e4ndige nach Identit\u00e4t und Autonomie, dieses sich insgeheime Fragen, ob wir uns das alles Bewahren k\u00f6nnen: ist es das, woran wir in Europa glauben und zum Prinzip erheben, damit sich jegliche Gegenwart zur Zukunft ausdehnt? Werde ich nach dem Undenkbaren so sein, wie ich bin?<\/p>\n<p>Wer sind wir, wer zieht uns an?. Es geht vom Ort des Seins hin zur \u00f6sterlichen Bewegung, und wenn wir h\u00f6ren, werden wir unwillk\u00fcrlich mitgenommen.. Paulus spricht es aus, sehr deutlich, realistisch hart und nat\u00fcrlich schroff: fleisch und Blut k\u00f6nnen das Reich Gottes nicht ererben. So komme ich nicht hin\u00fcber, nicht von mir aus. Selbst wenn wir alle M\u00f6glichkeiten ethischer Vernunft und alle Anstrengungen der Medizin und Humangenetik und Kommunikationsm\u00f6glichkeiten, ja selbst noch die Wege esoterischer Tr\u00e4ume zusammenbringen k\u00f6nnten, um das Leben in seinem Entwurf zu verl\u00e4ngern, es bleibt nur jeweils unser Entwurf. Und damit ist mir die Grenze gesetzt. Das Reich Gottes wird von mir aus nie. Denn es ist nicht das Reich der Vernunft noch der Garten der Sch\u00f6nheit, nicht das Zukunftslaboratorium oder der Raum der Zeit. Vielmehr: Sein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit. Deshalb, weil es ihm geh\u00f6rt, k\u00f6nnen wir es nicht sehen und beweisen durch allerlei Entsprechungen und Vergleiche aus unserer Welt. Das Fremde mu\u00df uns gesagt werden. Wie Paulus es tut, indem er aller Gewohnheit zum Trott das Geheimnis er\u00f6ffnet. Am Ende der Zeit die Melodie dies vollen Lebens.Nichts wird verl\u00e4ngert, der Ton der Posaune hat keine Fermate und die Trommel kein repeat. Nichts wird von Ihm verl\u00e4ngert, aber alles wird neu. Unsere Geschichte wird von Gottes Handeln eingeholt, unsere Zeit von seiner Ewigkeit. Es ist so, als ob wir uns neu anziehen; aber im Grund wird er uns anziehen. Nicht weil wir es wollten, um attraktiv zu sein, sondern weil er uns will, schon jetzt im Leben auf ihn hin. Und so werden wir in unserer Schuld Gnade finden. Und in unseren Zweifeln Gewi\u00dfheit. Und wenn es noch nicht da ist: ganz bestimmt, es wird werden. Das Verg\u00e4ngliche wird das Unverg\u00e4ngliche anziehen und das Sterbliche das Unsterbliche.<\/p>\n<p>Woher Paulus das weiss? Von denen, die vor ihm waren und die das Geh\u00f6rte sich angezogen und anderen weitergegeben haben. Eigentlich fing es auf dem \u00f6sterlichen Friedhof an. Die Frauen, die den Toten suchten und die Worte des Lebendigen h\u00f6rten. In ihm erkannten sie die N\u00e4he Gottes und die F\u00fclle des Lebens. So hat das angefangen. Wenn das kein Grund zur Freude ist. Zum Tanzen. Zum Anziehen. Neues ist geworden.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p>P.Wolfgang Petrak<br \/>\nSchlagenweg 8a<br \/>\n37077 G\u00f6ttingen<br \/>\nTel.:31838<br \/>\nFax:0551\/31627<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=000424-2.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ostermontag 24.4.2000 1. Korinther 15,50-57 Wolfgang Petrak Liebe Gemeinde, der Weg in die \u00f6sterliche Kirche f\u00fchrt \u00fcber den Friedhof. Und so bin ich heute morgen nicht wie gewohnt durch die kleine Pforte gegangen, sondern au\u00dfen herum, am Wirtschaftsgeb\u00e4ude vorbei, den Hauptweg unseres Friedhofes entlang. 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