{"id":21196,"date":"2000-04-30T15:41:10","date_gmt":"2000-04-30T13:41:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21196"},"modified":"2025-03-14T15:42:38","modified_gmt":"2025-03-14T14:42:38","slug":"kolosser-2-12-15-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/kolosser-2-12-15-5\/","title":{"rendered":"Kolosser 2, 12-15"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"550\" align=\"CENTER\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"color: #0000a0; font-size: xx-small;\">1. Sonntag nach Ostern, Quasimodogeniti<\/span><br \/>\n<b>30.4.2000<br \/>\nKolosser 2, 12-15<\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\"><b>Ulrich Nembach <\/b><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"LEFT\">Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Ostern feierten wir vor einer Woche. Die Schule beginnt morgen wieder. In manchen Bundesl\u00e4ndern hat sie schon begonnen.<\/p>\n<p>Nach Ostern &#8211; das ist auch die Situation unseres Predigttextes. Es ist ein schwerer Text, wie Konfirmanden meinten, denen ihr Pastor den Text vorlas. Sie baten ihn daraufhin, den Text noch einmal und langsam zu lesen. Nachher, als sie ihn besprochen hatten, waren sie fast Freunde geworden.<\/p>\n<p>Die Schwierigkeit des Textes ist, da\u00df er eine F\u00fclle von f\u00fcr unseren Glauben wichtigen Begriffen enth\u00e4lt. Jeder f\u00fcr sich f\u00fcllt schon mehr als eine Predigt.<\/p>\n<p>Die zweite Schwierigkeit &#8211; ja, es gibt noch eine &#8211; ist, da\u00df wir von der Gemeinde, an die der Brief gerichtet ist, aus dem unser Predigttext stammt, wenig wissen. Es ist die Gemeinde in Kolossae. Der Ort liegt in der heutigen Westt\u00fcrkei. Die E 87 f\u00fchrt auf ihrem Weg von Izmir \u00fcber Demizili und weiter nach Osten vorbei, wenn ich richtig im Autoatlas nachgesehen habe. Leider fand ich weder dort noch sonst wo Bilder oder aktuelle Informationen. Vielleicht haben Sie welche von Ihrer Reise oder Ihre t\u00fcrkischen Nachbarn, vielleicht gar Freunde. Das Tal, in dem der Ort Kolossae liegt, wird als wildromantisch beschrieben. Unser Text wie auch die \u00fcbrige Bibel schweigt, was die Lage des Ortes, das Aussehen der Landschaft betrifft. Aus anderen Zeiten, aus der Zeit der Antike, wissen wir, da\u00df das alte Kolossae, an dessen Gemeinde der Brief gerichtet war, fr\u00fcher von einem gro\u00dfen Erdbeben betroffen und wohl zerst\u00f6rt worden war wie der Nachbarort Laodizea. Inwieweit der Ort danach wieder aufgebaut worden war, bis der Brief geschrieben wurde, wissen die Forscher des Neuen Testaments nicht. Einer vermutet, da\u00df so gut wie nichts aufgebaut worden war, andere meinen, da\u00df schon einiges wieder stand. Die antiken Nachrichten schweigen dazu und unsere Brief auch. Damals war alles klar. Erdbebenopfer braucht man nicht \u00fcber das Beben zu informieren. Die heutigen Forscher haben es deswegen schwer. Vielleicht machen sie sich ihre Arbeit zus\u00e4tzlich schwerer, indem sie sich etwas einseitig auf die Analyse des Textes konzentrieren und zu wenig die Menschen im Blick haben, wie eine gro\u00dfe evangelische Zeitung dieser Tage meinte.<\/p>\n<p>Der Brief, der an unsere Gemeinde in Kolosae gerichtet ist, behandelt ein Problem, die Zeit nach Ostern. Ostern ist gewesen und was nun? Die entscheidenden S\u00e4tze des Briefes stehen in den Versen unseres Predigttextes.<\/p>\n<p>Ich lese jetzt den Text &#8211; langsam:<\/p>\n<p>&#8222;Mit ihm seid ihr begraben worden durch die Taufe; mit ihm seid ihr auch auferstanden durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten.<br \/>\nUnd er hat euch mit ihm lebendig gemacht, die ihr tot wart in den S\u00fcnden und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, und hat uns vergeben alles S\u00fcnden.<br \/>\nEr hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet.<br \/>\nEr hat die M\u00e4chte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie \u00f6ffentlich zur Schau gestellt und hat einen Triumph aus ihnen gemacht in Christus.&#8220;<\/p>\n<p>Der Text erinnert uns an unsere Taufe, an Jesu Tod und Auferstehung. Durch die Taufe haben wir Anteil an Jesu Sieg \u00fcber den Tod. Unsere Schuld, der Text sagt &#8222;S\u00fcnde&#8220;, und damit die Barriere zwischen uns und Gott ist durch das Kreuz Jesu beseitigt. Es gibt keine Macht mehr, die uns von Gott fernhalten kann. Ein sch\u00f6nes, weil eindr\u00fcckliches Bild gebraucht der Text f\u00fcr die Beseitigung der Sperre. Die Sperre, unsere Schuld, wird mit einem Schuldbrief verglichen, einer Hypothek, wie sie H\u00e4usle-Bauer von ihrer Bank kennen, oder einem Wechsel, wie Autok\u00e4ufer ihn bei ihrem Autoh\u00e4ndler unterschreiben, um an das notwendige Geld f\u00fcr das Haus, das Auto zu kommen. Dieser Schuldbrief, dieser Wechsel ist nun pass\u00e9, Vergangenheit. Der Schuldschein ist ans Kreuz geheftet, d.h. mit Jesu Tod bezahlt, mit der Auferstehung zerrissen worden. Er ist nichtig geworden! Das war Karfreitag und Ostern.<\/p>\n<p>Nun, danach gibt es aber Leute in Kolossae und der ganzen Gegend dort &#8211; die Nachbarstadt Laodizea wird ausdr\u00fccklich genannt -, die meinen, Ostern gen\u00fcge nicht. Manche sagen, Christen m\u00fc\u00dften Juden werden V. 11); manche meinen, Christren m\u00fcssen fasten, sich nach dem Mond und seinen Zeiten richten (V.16). Nix da. Ostern ist schon alles geschehen.<\/p>\n<p>Wir kennen solche und \u00e4hnliche neue Forderungen. Gerade wir als evangelische Gemeinde, die wir heute morgen in einer lutherischen Kirche versammelt sind. Luther stritt mit der katholischen Kirche. Damals ging es darum, da\u00df ein Abla\u00df, ein Erla\u00df der S\u00fcnden, gegen Geld verkauft werden sollte. &#8222;Nein&#8220; sagte Luther. Er ging dabei sehr in Einzelheiten wie unser Text, wenn auch auf andere Art. Luther analysierte das Problem. 95 Punkte, seine Thesen vom 31. Oktober 1517, waren das Ergebnis.<\/p>\n<p>Das Problem war damit klar erkannt, wieder erneut ins Ged\u00e4chtnis gerufen wie damals in Kolossae. Nur das Problem war damit nicht aus der Welt. Heute hei\u00dft es etwa &#8222;Erla\u00dfjahr&#8220;, 2000 Jahre, und wird in Rom gefeiert. Tausende, ja Millionen Menschen sollen nach Rom pilgern. Ostern, Auferstehung hei\u00dft: Gott ist bei den Menschen. Keine Macht, keine Gewalt kann sich mehr zwischen uns und Gott schieben. &#8222;Die M\u00e4chte sind ihrer Macht entkleidet&#8220;, dr\u00fcckt unser Predigttext diese Tatsache aus (V.15). Das ist w\u00f6rtlich zu nehmen. Richter tragen als Zeichen ihrer Macht ihre Robe, Ritter ihre R\u00fcstung. Ein Ritter ohne R\u00fcstung ist so verwundbar wie jeder andere. Der Ritter hat seine besondere Macht verloren.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde, deshalb sind wir gegen die Pilgerreisen nach Rom. Auch unsere Kirche, die mit der katholischen am 31. Oktober 1999 in Augsburg ihren Frieden schlo\u00df, 482 Jahre nach 1517, ist gegen das Erla\u00dfjahr, weil der Erla\u00df etwas erlassen soll, was l\u00e4ngst erlassen ist!<\/p>\n<p>Aber nicht nur die katholische Kirche meint, einen Erla\u00df bieten zu k\u00f6nnen, zu m\u00fcssen. Auch au\u00dferhalb der christlichen Kirchen &#8211; und gerade dort &#8211; werden zahlreiche Angebote gemacht, Empfehlungen gegeben, oft sogar als Forderungen erhoben, denn nur so k\u00f6nne sie oder er gl\u00fccklich werden bzw. erfolgreich werden. Und was wird nicht alles angeboten in den Zeitungen und im Internet? Hier ist u.a. zu denken an die zahlreichen Gurus, wenn sie auch heute weniger zahlreich in Deutschland geworden sind. Wenn das Offerierte uns Heil, Gl\u00fcck br\u00e4chte, m\u00fc\u00dften wir doch ein Volk von gl\u00fccklicheren Menschen sein. Warum sind Psychiater, Eheberater u.a. \u00fcberlaufen, haben Wartelisten? Warum waren unsere Flugh\u00e4fen vor Ostern \u00fcberlaufen und nach Ostern mit den R\u00fcckkehrern?<\/p>\n<p>Wir waren am Ostermorgen in der Kirche gewesen. Die Orgel brach mit allen ihren Registern, allen ihren T\u00f6nen in den \u00f6sterlichen Jubel aus. Der Klang ging durch die Kirche, steckte an. Auch die Kinder, die gro\u00dfen und die kleinen, die alle mit im Gottesdienst waren, wurden von der Musik erfa\u00dft. Hier rede ich nicht als Orgelbegeisterter, als Fan von Orgelmusik, sondern ich spiegele, gebe nur zur\u00fcck, was die Kirchenmusiker sich im Laufe der Zeit, der Jahrhunderte einfallen lie\u00dfen, um Ostern zu jubeln.<\/p>\n<p>Dasselbe gilt f\u00fcr die Dichter. Unser Gesangbuch ist ein Ausdruck dieser Freude, vermittelt sie, indem es zum Singen einl\u00e4dt:<\/p>\n<p>&#8222;Erschienen ist der herrliche Tag&#8220; (EG Lied 106) oder &#8222;Wir wollen alle fr\u00f6hlich sein&#8220; (EG Lied 100).<\/p>\n<p>Darum singen wir jetzt: &#8220; Nun saget Dank und lobt den Herren&#8220; (EG Lied 294,1) und am Schlu\u00df des Gottesdienstes stehend: &#8222;Christ ist erstanden&#8220; (EG Lied 99).<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p><b>Lieder<\/b>:<br \/>\nnach der Predigt: Nun saget Dank und lobt den Herren (EG Lied 294,1)<br \/>\nam Ende des Gottesdienstes: Christ ist erstanden (EG Lied 99).<\/p>\n<p><b>Nachbemerkung:<\/b><\/p>\n<p>Ich folgte in der Exegese der neueren Literatur, besonders Michael Wolters mit seinem Kommentar zum Kolosser im \u00d6kumenischen Taschenbuchkommentar zum NT, G\u00fctersloh 1993.<\/p>\n<p>Die systematisch-theologischen \u00dcberlegungen schlossen sich den Reformatoren, besonders Luther und seinen 95 Thesen von 1517 an.<\/p>\n<p>Last but not least waren mir eine Hilfe aktuelle Predigtmeditationen zum Text, besonders die G\u00f6ttinger Predigtmeditationen, Gottesdienstpraxis und die Predigtstudien.<\/p>\n<p><a href=\"mailto:unembac@gwdg.de\">Prof. Dr. Dr. Ulrich Nembach, G\u00f6ttingen: unembac@gwdg.de <\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=000430-2.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. 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