{"id":21198,"date":"2000-04-30T15:42:49","date_gmt":"2000-04-30T13:42:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21198"},"modified":"2025-03-14T15:43:53","modified_gmt":"2025-03-14T14:43:53","slug":"kolosser-2-9-10-12-15-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/kolosser-2-9-10-12-15-2\/","title":{"rendered":"Kolosser 2, (9-10) 12-15"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"550\" align=\"CENTER\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"color: #0000a0; font-size: xx-small;\">1. Sonntag nach Ostern, Quasimodogeniti<\/span><br \/>\n<b>30.4.2000<br \/>\nKolosser 2, (9-10) 12-15<\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\"><b>Jobst v. Stuckrad-Barre <\/b><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"LEFT\">Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p align=\"justify\">In diesem Gottesdienst wird der kleine Aaron getauft. Er selbst kann noch nicht sprechen und hilft uns doch, von dem gro\u00dfen Geschehen zu reden, das Ostern von Gott ausgeht und die Glaubenden und unsere Welt einbezieht;<i> zu reden von dem, an dessen Vielfalt und F\u00fclle wir teilhaben durch die Taufe, von dem Auferstandenen, der uns den Tod der S\u00fcndenherrschaft, die Vergebung von S\u00fcnde und Schuld in Kreuz und Auferstehung bringt, von der Befreiung, die die M\u00e4chte und Gewalten als das zeigt, was sie sind: Menschenm\u00e4chte und -projektionen, die im Auferstandenen ihr Ende finden. <\/i><\/p>\n<p align=\"justify\">Aaron, der kleine T\u00e4ufling, beginnt f\u00fcr uns zu reden (wie der biblische Aaron anstelle seines Bruders Mose zu reden hatte, Geheimnisse, Grenzen menschlichen Verstehens anr\u00fchrend, Gott die Ehre gebend und nicht etwa nur f\u00fcr sich selbst sprechend!). In diese Sprache m\u00fcssen wir uns erst hineindenken, hineinbegeben. Doch schon dies schafft, indem es geschieht, Freude, die sich auf den Gesichtern zeigt: Das Kind, das wir anreden, beginnt zu l\u00e4cheln und er\u00f6ffnet uns mit einem Mal die ganze F\u00fclle dessen, was Gott uns zuteil werden l\u00e4\u00dft; das L\u00e4cheln zeigt uns etwas von der Freundlichkeit und G\u00fcte dessen, der nicht fern \u00fcber der Welt thront, sondern der uns mitten in unserem t\u00e4glichen Tun begegnet, von \u00c4ngsten und falschen Herrschaften befreit. A. beginnt zu reden und zieht uns hinein in das Reden von Gottes sch\u00f6pferischer Macht, von seiner Art, die Welt neu werden zu lassen, die so ganz anders ist als die Art weltlicher M\u00e4chte und Herrschaft. Von dieser uns umkrempelnden Macht beginnt der kleine Junge zu reden, wenn wir ihn zu Wort kommen lassen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Dieses gro\u00dfe Geschehen, das mit Ostern anf\u00e4ngt und in der Taufe uns alle einbezieht, begr\u00fcndet unsern Glauben im Auferstandenen, gibt uns Halt im unabl\u00e4ssigen Strom von Leben und Tod, von S\u00fcndenangst und Todesfurcht.<\/p>\n<p align=\"justify\">S\u00fcndenangst? Lockt nicht allein dies Wort ein L\u00e4cheln hervor, anders aber nun als eben das L\u00e4cheln des T\u00e4uflings &#8211; wie von weither kommen uns manche dieser Worte vor, weit zur\u00fcckweisend und eigentlich doch l\u00e4ngst hinter uns? Doch genauer betrachtet taucht noch in diesem scheinbar l\u00e4ngst zur\u00fcckgelassenen Wort das verzerrte Gesicht des Menschen auf, der sich um Korrektheit bem\u00fcht und immer wieder scheitert. Auch heute, wo jeder sich beliebig seine Tradition und seine Lebensziele aussuchen kann, ja mu\u00df, wei\u00df er doch nur zu genau, wo er seinem Egoismus, seiner Feigheit, dem vorgeblichen Sachzwang erliegt und den andern Menschen wie ein St\u00fcck Dreck behandelt, wie ein Instrument, das man benutzt und dann wegwerfen kann; im gleichen Augenblick erkennen wir, da\u00df wir darin auch Mitte und Ziel des Lebens verfehlen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Diese Angst, unter die R\u00e4der zu geraten, Mitte und Ziel zu verfehlen, wird in Jesus hinf\u00e4llig: Um unseretwillen ist er gestorben &#8211; um unserer Verfehlung, um der S\u00fcnde willen, die wie eine kosmische Macht nach dem Menschen greift. Wir ordnen heute die S\u00fcnde, die Verfehlung Gottes und des eigenen Lebens eher und oft einzig dem Einzelnen zu und reduzieren sie auf die Erfolgsfrage &#8211; was habe ich falsch gemacht, womit habe ich diesen Mi\u00dferfolg verursacht &#8211; das kosmische Modell des Kolosserbriefs l\u00e4\u00dft zumindest einmal wieder \u00fcber diese Individualisierung nachdenken.<\/p>\n<p align=\"justify\">Wer getauft ist auf den Auferstandenen, braucht nicht mehr \u00e4ngstlich zur\u00fcckzustarren, sondern kann mit ihm an die Menschen, an die Anforderungen des nach\u00f6sterlichen Alltags herangehen, ins Leben hinein. Die Macht der S\u00fcnde ist abgetan, begraben, abgewaschen in der Taufe. Nicht durch uns, unsere Leistung, sondern durch den, der uns das Leben schenkt, der uns gut ist, an dessen Kreuz der Schuldbrief geheftet wurde, damit die Forderungen ein f\u00fcr alle Mal beglichen wurden. Seit Ostern, seit Jesu Auferstehung gilt eine neue Wertstellung: Nicht Vergeltung, sondern Vergebung; nicht Ha\u00df gegen Ha\u00df, nicht Gleichg\u00fcltigkeit, nicht Tod &#8211; vielmehr anstelle des Todes das Leben. Das Leben des Auferstandenen. Grund unserer Hoffnung, Grund der Taufe &#8211; Leben f\u00fcr uns.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die Todesherrschaft, sie hat ein Ende. Die Auferstehung Jesu hat sie durchbrochen. Wir m\u00fcssen auch nicht mehr \u00e4ngstlich darauf starren: was wird mit uns, wenn wir gestorben sind, wo, wie und was sind wir. Der im Kreuz und in der Auferstehung Jesu die Todesmacht aus den Angeln hob, bei dem sind auch wir dann gut aufgehoben.<\/p>\n<p align=\"justify\">Wie aber nun? Vergebung der S\u00fcnden und neue Lebendigkeit: ja &#8211; doch auferstanden, wie der Kolosserbrief schreibt, das sind wir noch nicht! Hier hat er eine von Paulus und der sich ihm bis heute anschlie\u00dfenden Tradition abweichende Meinung. Sie zielt offensichtlich darauf, die Gegenw\u00e4rtigkeit der Gotteskraft im Glauben zu beschreiben. Die Gefahr dabei: Die Anschauung, da\u00df wir in der Taufe auch schon auferstanden seien, nimmt dem Leben und seiner Gef\u00e4hrdung den Ernst. Hoffnung, die man sieht, kontert Paulus, ist keine. Ihm geht es um den Anfang der Auferstehung in Christus, dem wir nachfolgen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Ehe wir uns im Gestr\u00fcpp verschiedener Anschauungen verlieren, stelle ich den Grund unserer Osterfreude, unseres Getauftseins, unseres Christenlebens in die Mitte: Der Auferstandene hat zerst\u00f6rt des Todes Macht, bringt uns das Leben neu nahe und damit die Hoffnung, die den Tod \u00fcberwindet.<\/p>\n<p align=\"justify\">So zeigt es uns der T\u00e4ufling, so ist es in unserer eigenen Taufe gelobt worden, dem stimmen wir zu in jedem Gebet, in jedem Gedanken, in dem wir die Zeit, unsere Zeit Gott anvertrauen &#8211; wie dann Zeit und Ewigkeit ineinanderwirken, ist ganz seine Sache.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die Folgen dieser \u00dcbereignung sind erheblich: Der Auferstandene, in dessen Namen wir, die Getauften leben, befreit von der Herrschaft aller m\u00f6glichen M\u00e4chte und Gewalten. Er l\u00e4\u00dft sie uns erkennen als Menschenm\u00e4chte, als Mechanismen, mit denen einige herrschen und viele beherrscht werden. Die Opfer politischer Manipulation hat das zuendegehende Zeitalter zur Gen\u00fcge gezeigt; jetzt m\u00fcssen wir lernen, die Macht der M\u00e4rkte &#8211; ob neu, ob alt &#8211; menschlich werden zu lassen. Sonst anonymisieren sie die Herrschaft von Menschen erneut und machen sie zu Weltm\u00e4chten im Sinne der Zeit des Kolosser: Menschen werden zu Opfern im Namen einer vorget\u00e4uschten Freiheit.<\/p>\n<p align=\"justify\">\u201ewww\u201c, Internet, e-commerce &#8211; alles Stichworte eines gewaltigen Umbruchs in unseren Kommunikationsm\u00f6glichkeiten; wenn es in einem komplizierten Ausgleich von Interessen gelingt, hier Spielregeln einzuf\u00fchren, die die Opfer sch\u00fctzen, ist das ein Gewinn &#8211; wenn nicht, sind wir hier vor einem neuen Beispiel der M\u00e4chte und Gewalten, die ihrer Macht entkleidet werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Auch da ist eine neue Sprache zu lernen, haben wir wie der T\u00e4ufling sprechen zu lernen. Vielleicht beginnt auch hier alles mit einem L\u00e4cheln, in Antwort auf das Lachen, das die Todesm\u00e4chte seit Ostern ihrer M\u00e4chtigkeit beraubt. All die, die auf den hohen Podesten ihrer Fusionen und Konfusionen stehen und sich am Ende nur an sich selber verschlucken k\u00f6nnen, weil sie die Menschen nicht mehr sehen und die Sch\u00f6pfung in ihrer Eigenart nicht mehr achten &#8211; sie scheinen alle Macht der Welt zu haben. Doch Liebe l\u00e4\u00dft sich so nicht erwerben. Und Leben schon gar nicht.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die Sprache des kleinen T\u00e4uflings ist eine andere. Diese Sprache hilft uns, unsere Zeit zu verstehen aus der Zeit des Auferstandenen. Das Verstehen w\u00e4chst dabei in all den Ver\u00e4nderungen wie die Liebe, und wir sehen, wie wir in Christus teilhaben an der F\u00fclle Gottes, die er uns verhei\u00dft: die gro\u00dfe Befreiungsbewegung von Ostern.<\/p>\n<p align=\"justify\">Amen.<\/p>\n<p><b>Pastor Jobst v. Stuckrad-Barre, Kleiner Hillen 1, 30559 Hannover<br \/>\n<a href=\"mailto:StuckradBarre@gmx.de\">e-mail: StuckradBarre@gmx.de<\/a><\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=000430.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Sonntag nach Ostern, Quasimodogeniti 30.4.2000 Kolosser 2, (9-10) 12-15 Jobst v. Stuckrad-Barre Liebe Gemeinde, In diesem Gottesdienst wird der kleine Aaron getauft. 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