{"id":21202,"date":"2000-05-07T15:47:45","date_gmt":"2000-05-07T13:47:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21202"},"modified":"2025-04-10T13:11:05","modified_gmt":"2025-04-10T11:11:05","slug":"1-petrus-51-4-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-petrus-51-4-4\/","title":{"rendered":"1. Petrus 5,1-4"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"600\" align=\"CENTER\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"color: #0000a0; font-size: xx-small;\">2. Sonntag nach Ostern, Miserikordias Domini<\/span><br \/>\n<b>7.5.2000<br \/>\n1. Petrus 5,1-4<\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\"><b>Franz-Heinrich Beyer<\/b><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"LEFT\">Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>&#8222;Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln&#8230; und ob ich schon wanderte im finstern Tal, f\u00fcrchte ich kein Ungl\u00fcck; denn du bis bei mir, dein Stecken und Stab tr\u00f6sten mich&#8220;.<\/p>\n<p align=\"justify\">Jahrtausende hindurch haben die Worte und die Bilder, die in diesem Psalm laut werden, Menschen begleitet bis hinein in die Gegenwart. In wie vielen Wohnungen begegnen wir diesem Psalmwort &#8211; gerahmt, an der Wand h\u00e4ngend. Und es gibt wohl nur ganz wenige Worte der Bibel, die so verbreitet sind und die &#8211; \u00fcber manche Distanzen hinweg &#8211; so unmittelbar Menschen anzusprechen verm\u00f6gen. Konfirmandinnen und Konfirmanden w\u00e4hlen zum Teil Worte dieses Psalms zu ihrem Konfirmationsspruch; Menschen in pers\u00f6nlich schweren Situationen erinnern sich an die Psalmworte als einen Hilfe verhei\u00dfenden Halt. Und Menschen, die der Kirche, dem Christentum l\u00e4ngst distanziert gegen\u00fcberstehen, finden gerade in den Psalmworten das ihnen Wichtige, das, was sie in Kirche und Gemeinde nicht anzutreffen meinten. Es scheint so, als spr\u00e4chen diese Psalmworte das zum Leben Notwendige in schlichtester Weise un\u00fcberbietbar aus: Der Herr ist mein Hirte. Und es scheint so, als begegnete uns mit dieser Metapher von Hirt und Herde ein Bild von gleichsam archetypischer Unmittelbarkeit.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die Rede von Gott als dem Hirten, der f\u00fcr seine Herde f\u00fcr die Menschen sorgt, begegnet in der Bibel im Alten Testament mehrfach: Der Hirt schl\u00e4ft nicht, er wei\u00df den Hunger der Herde zu stillen; er sch\u00fctzt sie vor Angreifern. Dieses Bild des Hirten wird dann auch auf den jeweiligen K\u00f6nig in Israel \u00fcbertragen. Von dem K\u00f6nig hei\u00dft es dann, da\u00df er seine Herde ern\u00e4hrt, sch\u00fctzt und tr\u00f6stet. Alles das findet sich nicht nur in Texten des Alten Testaments, sondern auch Texte aus \u00c4gypten oder aus Mesepotamien reden von dem K\u00f6nig im Bild des Hirten.<\/p>\n<p align=\"justify\">Das Alte Testament wei\u00df aber nicht nur von dem idyllischen, positiv gepr\u00e4gten Bild des Hirten, der unerm\u00fcdlich f\u00fcr seine Herde wirkt. Im Buch Hesekiel ist die Rede von den Hirten Israels, die sich selber weiden, aber nicht die Herde: &#8222;Das Schwache st\u00e4rkt ihr nicht, und das Kranke heilt ihr nicht, das Verwundete bindet ihr nicht, das Verirrte holt ihr nicht zur\u00fcck, und das Verlorene sucht ihr nicht; das Starke aber tretet ihr nieder mit Gewalt&#8220;.<\/p>\n<p align=\"justify\">Immer wieder begegnen wir dem Bild des Hirten, wie es auf die Wahrnehmung von Funktionen und die Sinnhaftigkeit von Istitutionen bezogen wird, auch im Neuen Testament, im ersten Petrusbrief, unserem Predigttext: &#8222;Weidet die Herde Gottes, die Euch anbefohlen ist: Achtet auf sie, nicht gezwungen, sondern freiwillig, wie es Gott gef\u00e4llt: Nicht um sch\u00e4ndlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrund, nicht als Herrn der Gemeinde, sondern als Vorbilder der Herde&#8220;. Sp\u00e4ter wird der lateinische Begriff f\u00fcr Hirt &#8211; Pastor &#8211; zu einer Amtsbezeichnung. In der Reformationszeit werden in der antir\u00f6mischen Polemik Papst und Kleriker mit den falschen Hirten gleichgesetzt, die nur sich selber weiden. Ihnen wird der &#8222;gute Hirte&#8220; Christus mit den Christen gegen\u00fcbergestellt.<\/p>\n<p align=\"justify\">Sp\u00e4testens in unserer Gegenwart scheint die Rede von Hirt und Herde in unserer allt\u00e4glichen Umwelt ganz und gar unangemessen zu sein. Zu nahe liegt die Vermutung mit dem Bild des Hirten angema\u00dfte und verletzende Autorit\u00e4t zu verbinden, mit dem Bild der Herde aufgezwungene Abh\u00e4ngigkeit und bewu\u00dft intendierte Regression. Das Modell von Hirt und Herde mit dieser kritischen R\u00fcckbindung k\u00f6nnte aber durchaus versuchsweise herangezogen werden im Blick auf sozialpsychologische Konstellationen in unserer Umgebung. Poilitiker und W\u00e4hler, LehrerInnen und Sch\u00fclerInnen, Eltern und Kinder, \u00c4rzte und Patienten, Professoren und Studierende, Pfarrerinnen und Gemeindeglieder&#8230; Vielleicht ist dieses Bild von Hirt und Herde doch weniger abst\u00e4ndig als vermutet. Die Werbung wenigstens spielt mit diesem Bild, wenn damit in unseren Tagen f\u00fcr eine gro\u00dfe Tageszeitung geworben wird.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die Motive des Hirten und des Schafes seiner Herde lassen sich nicht nur mit Beispielen aus der gegenw\u00e4rtigen Umwelt aktuell f\u00fcllen. Die Motive des Hirten und des Schafes einer Herde sind ebenso, so darf man vermuten, Teilaspekte unserer Person. Der Wunsch Hirt zu sein, der Wunsch den rechten Weg weisen zu k\u00f6nnen, der Wunsch zu erfahren, da\u00df andere Vertrauen fassen, sich einlassen, da\u00df meine Worte geh\u00f6rt werden &#8211; und auch die Hoffnung tr\u00f6sten zu k\u00f6nnen, Unheil abwehren zu verm\u00f6gen. Hirte sein k\u00f6nnen &#8211; der Wunsch und die damit verbundenen Hoffnungen geh\u00f6ren wohl doch zum Leben dazu. Aber es geh\u00f6rt dann auch diese andere Erfahrung dazu, die Erfahrung des hilflosen Hirten: Die Zweifel um den richtigen Weg, das Gef\u00fchl, die Verantwortung f\u00fcr andere nicht l\u00e4nger tragen zu k\u00f6nnen, der gebannte Blick auf das eigene Unverm\u00f6gen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Der anderen H\u00e4lfte dieses Bildes in uns selber sind ebenso anziehende wie auch ambivalente Z\u00fcge eigen: Das Schaf, das sich vertrauensvoll auf die Sorge des Hirten verl\u00e4\u00dft, ein Leben, das aus solch tief gegr\u00fcndetem Vertrauen Kraft und Motivation f\u00fcr angstfreies Eintreten gewinnt, ein Leben also, das sich im Tiefsten geborgen wei\u00df. Aber auch hier ist die andere Erfahrung ganz nahe: Nicht nur der Wunsch nach deutlich sichtbarer Selbstverantwortung, vor allem aber die Ahnung darum, da\u00df die schwersten Wege im Leben allein gegangen werden, ja allein gegangen werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die Psalmworte &#8222;Der Herr ist mein Hirte&#8220; und: &#8222;Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen&#8220;, finden sich beide nahe beieinander. Sie schlie\u00dfen einander nicht aus. Im Gegenteil. Sie bezeichnen die Pole, zwischen denen menschliches Leben seinen Ort hat. K\u00f6nnen wir Menschen Hirten sein, einander H\u00fcter sein? K\u00f6nnen wir das sein angesichts der angesprochenen Grenzen und Abgr\u00fcnde?<\/p>\n<p align=\"justify\">Der Abschnitt aus dem 1. Petrusbrief kann uns darauf aufmerksam machen, da\u00df wir uns immer wieder in solchen Situationen schon vorfinden und das nicht nur innerhalb kirchlicher Strukturen. Es wird immer wieder darum gehen, Verantwortung zu \u00fcbernehmen f\u00fcr andere Menschen. Es wird darum gehen zu fragen, wie Menschen geholfen werden kannen. Oft genug erfahren Helfer in solchen Situationen wo ihre Grenzen sind. Solidarit\u00e4t und Hilfe f\u00fcr den Augenblick &#8211; das ist manchmal m\u00f6glich, das kann gl\u00fccklicherweise immer wieder erfahren werden. Die Einsicht in die Grenzen der Hilfe dagegen bleibt schmerzhaft, ja, man m\u00f6chte daran verzweifeln. Es geh\u00f6rt zu der Weisheit des Predigttextes, da\u00df solche Begrenzung angesprochen ist: Von dem Achten auf die Herde ist die Rede &#8211; und das in Freiwilligkeit, aus Herzensgrund und das gemeinsam mit den Betroffenen. Daneben ist auch das andere Extrem im Blick: Die Anma\u00dfung, sich zum Hirten f\u00fcr andere aufzuschwingen und dabei die eigene Angst und Hilflosigkeit zu \u00fcbert\u00f6nen und so um eines Gewinnes Willen &#8211; und sei er psychischer Art &#8211; zu handeln und \u00fcber andere zu herrschen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Miserikordias Domini &#8211; das herzliche Erbarmen des Herrn &#8211; so lautet der Name dieses Sonntags und weist damit auf etwas ganz Entscheidendes hin: Es geht um das Hirte-Sein Gottes. Davon spricht die Bibel immer wieder und bis heute, da\u00df Gott die Menschen sucht, einem Hirten gleich. Die Bibel kennt durchaus auch andere Bilder davon, wie Gott sich hilfreich und bergend Menschen zuwendet: Er tr\u00f6stet, wie eine Mutter tr\u00f6stet; er ist Hilfe und Schild.<\/p>\n<p align=\"justify\">Das Bild des Hirten ist nur eines unter mehreren. Es mu\u00df nicht begr\u00fcndet werden ob dieses Bild des Hirten wirksamer ist als andere. Der heutige Sonntag ist heilsame Erinnerung daran, da\u00df unsere Hoffnung sich mit diesem Bild verbinden und darin gr\u00fcnden kann: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.<\/p>\n<p align=\"justify\"><b>Prof. Dr. Franz-Heinrich Beyer, Ruhr-Universit\u00e4t Bochum<br \/>\n<a href=\"mailto:ev.Relpaed@ruhr-uni-bochum.de\">E-Mail: ev.Relpaed@ruhr-uni-bochum.de<\/a><\/b><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=000507.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2. Sonntag nach Ostern, Miserikordias Domini 7.5.2000 1. 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