{"id":21205,"date":"2000-05-14T15:49:28","date_gmt":"2000-05-14T13:49:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21205"},"modified":"2025-03-14T15:50:52","modified_gmt":"2025-03-14T14:50:52","slug":"2-korinther-4-16-18-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/2-korinther-4-16-18-4\/","title":{"rendered":"2. Korinther 4, 16-18"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"600\" align=\"CENTER\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"color: #0000a0; font-size: xx-small;\">3. Sonntag nach Ostern, Jubilate<\/span><br \/>\n<b>14.5.2000<br \/>\n2. Korinther 4, 16-18 <\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\"><b>Klaus Steinmetz <\/b><\/span><br \/>\n<b><span style=\"color: #333399; font-family: Arial;\"><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/archiv-2\/000514.html#musik\">Kirchenmusikalische Gestaltung des<br \/>\nGottesdienstes zum Sonntag &#8222;Jubilate&#8220; <\/a><\/span><\/b><\/p>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"LEFT\">Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>\u201eWir werden nicht m\u00fcde\u201c \u2013 mit diesen Worten beginnt der heutige Predigttext aus dem 4. Kapitel des 2. Korintherbriefes. Wir werden nicht m\u00fcde \u2013 das ist nat\u00fcrlich im Blick auf eine Morgenmuffeligkeit gesagt, die zum Beispiel am heutigen Sonntagmorgen dazu f\u00fchrt, da\u00df viele Christenmenschen noch im Bett liegen. Das ist umfassender, grunds\u00e4tzlicher gemeint. Es hat einen aufweckenden, mutmachenden Klang.<\/p>\n<p>Darauf m\u00f6chte ich Sie vorweg hinweisen und, wenn m\u00f6glich, neugierig machen, darauf, woher diese Kraft, diese Zuversichtlichkeit kommt. Denn was im folgenden in unserem Predigttext noch drinsteht, hat es, wie so oft bei Paulus in sich und mutet uns einiges zu. H\u00f6ren Sie selbst:<\/p>\n<p>\u201eDarum werden wir nicht m\u00fcde; sondern wenn auch unser \u00e4u\u00dferer Mensch verf\u00e4llt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert. Denn unser gegenw\u00e4rtiges Leiden, das leicht wiegt, schafft uns eine ewige und \u00fcber alle Ma\u00dfen gewichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht auf das Sichtbare sehen, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist verg\u00e4nglich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.\u201c<\/p>\n<p>W\u00fcrden Sie das auch sagen k\u00f6nnen: Ich sehe nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare? Was heisst das \u00fcberhaupt, und wie ist das m\u00f6glich: auf das zu sehen, was man nicht sehen kann? Oder w\u00fcrden Sie auch sagen k\u00f6nnen: Unsere Tr\u00fcbsal, also das, was uns bedr\u00fcckt, uns m\u00fcde macht \u2013 das ist zeitlich, vor\u00fcbergehend, ja es ist leicht gegen\u00fcber der ewigen Herrlichkeit?<\/p>\n<p>Das klingt wie Vertr\u00f6stung auf ein Jenseits, wie Beschwichtigung: Es ist alles nicht so schlimm. Und dann die Rede vom \u00e4u\u00dferen Menschen, der verf\u00e4llt, und dem inneren Menschen, der t\u00e4glich erneuert wird: Redet Paulus hier dem R\u00fcckzug in die Innerlichkeit das Wort, dem alles \u00c4u\u00dfere nichts mehr anhaben kann? Klingt das nicht sehr weltfremd und abgehoben? Was fangen wir damit an bei einem Besuch im Krankenhaus, bei einem Schwerkranken, oder in einem Pflegeheim bei einem Dahind\u00e4mmernden?<\/p>\n<p>Ich finde es wichtig, solch einen gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfigen Widerspruch, der sich in uns meldet, zuzulassen, deutlich auszusprechen. Denn es stimmt, da\u00df solche oder \u00e4hnlich klingende S\u00e4tze in der Bibel immer wieder im Sinn einer Vertr\u00f6stung und Beschwichtigung verstanden worden sind. Ob Paulus allerdings sie wirklich so gemeint hat, daran habe ich meine Zweifel. Wenn man genauer hinsieht, stellt man fest, da\u00df er hier nichts so sehr zu dem Leiden anderer sagt, sondern von eigenen schweren Erfahrungen schreibt, die er als Bote und Zeuge seines Herrn Jesus Christus gemacht hat. Kurz vor unserem Abschnitt lesen wir: Wir sind von allen Seiten bedr\u00e4ngt \u2013 uns ist bange \u2013 wir leiden Verfolgung \u2013 wir werden unterdr\u00fcckt. Paulus steckt mittendrin. Der \u00e4u\u00dfere Mensch, von dem Paulus spricht, ist niemand anders als er selbst, mit Haut und Haaren. Paulus wei\u00df, wovon er redet, wenn er sagt, da\u00df sein \u00e4u\u00dferer Mensch verf\u00e4llt. Verfolgung und Leid setzten ihm zu bis an den Rand dessen, was er ertragen kann. Er ist m\u00fcde. Ich, heute morgen, h\u00f6re das alles, wenn ich den Satz lese: Wir werden nicht m\u00fcde.<\/p>\n<p>Der Mensch Paulus ist nicht weit weg von uns. Er verbietet uns auch nicht, an all das zu denken, was uns zusetzt und m\u00fcde macht. Als Christen haben wir immer wieder den Eindruck, da\u00df unser Glaube nicht allzusehr gefragt scheint, da\u00df so viele &#8211; angeblich oder wirklich &#8211; ohne ihn meinen auskommen zu k\u00f6nnen; da\u00df sie sich f\u00fcr alles M\u00f6gliche, Wichtiges und Unwichtiges Zeit nehmen, nur nicht f\u00fcr ihren inneren Menschen. Oder ich denke an das Drama der unmenschlichen Geiselnahme auf den Philippinen, das uns hier in G\u00f6ttingen in diesen Wochen und Tagen sehr besch\u00e4ftigt. Mit Entsetzen und Emp\u00f6rung nehmen wir es zur Kenntnis, zugleich ist da aber auch die Einsicht, nichts machen zu k\u00f6nnen, trotz aller Informationen, ja sogar Bilder, die wir dar\u00fcber h\u00f6ren und sehen. Da macht sich Resignation, M\u00fcdigkeit breit. Hoffentlich kommt dieses schlimme Ereignis doch noch bald zu einem guten Ende.<\/p>\n<p>Oder ich denke an einen Besuch bei einem Elternpaar, die vor wenigen Wochen ihren einzigen Sohn kurz vor seinem 30. Geburtstag durch einen Verkehrsunfall verloren haben. Ich hatte ihn Jahre zuvor konfirmiert. \u201eWof\u00fcr arbeitet man dennoch, wozu sind wir eigentlich noch da?\u201c, das war die Frage der Eltern und auch meine. Da war eine tiefe M\u00fcdigkeit im Raum, und uns fehlten die Worte.<\/p>\n<p>Vertr\u00f6stung, die verf\u00e4ngt hier nicht. Die auf ein Jenseits nicht, aber auch die andere nicht, die Vertr\u00f6stung auf das Diesseits. Wenn nur dieses Leben mit seinen M\u00f6glichkeiten, Annehmlichkeiten und Zielen z\u00e4hlt, dann ist man in so einer Lage erst recht am Ende. Da bleibt als angeblicher Trost nur: Das Leben geht weiter. Und die anderen denken: Ja, das ist es ja gerade!<\/p>\n<p>Paulus kennt dieses Gef\u00fchl und sagt trotzdem nicht: Ich bin m\u00fcde. Er kann sagen: \u201eWir werden nicht m\u00fcde.\u201c Er wei\u00df noch von einer anderen Erfahrung. Als ich vorhin aufz\u00e4hlte, was alles ihm zu schaffen gemacht hat, da habe ich weggelassen, was er jeweils noch hinzugef\u00fcgt hat:<\/p>\n<p>Wir sind von allen Seiten bedr\u00e4ngt, aber wir \u00e4ngstigen uns nicht; uns ist bange, aber wir verzagen nicht; wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen; wir werden unterdr\u00fcckt, aber wir kommen nicht um. Er sieht das nicht als Ergebnis seines Bem\u00fchens, sondern als Widerfahrnis, als Geschenk, wor\u00fcber er selber nur staunen kann, da\u00df es so ist, da\u00df er nicht m\u00fcde wird.<\/p>\n<p>In dieser Erfahrung wei\u00df Paulus sich mit seinem Herrn Jesus Christus verbunden. Er nimmt teil an seinem Leiden und Sterben: Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserem Leibe. Aber er ist gewi\u00df, da\u00df er auch an dem Leben Jesu Christi teilnimmt, da\u00df auch dieses Leben an ihm offenbar werden wird.<\/p>\n<p>Die Kraft dieses Lebens, des Lebens des Auferstandenen, ist es, die Paulus nicht m\u00fcde sein l\u00e4\u00dft. Nicht so, da\u00df er die Kraft einfach h\u00e4tte, da\u00df sie an ihm sichtbar oder gar demonstrierbar w\u00e4re. Wenn wir nach dem Auferstandenen Ausschau halten, sehen wir immer wieder den Gekreuzigten. Das meint Paulus wohl, wenn er sagt, wir Christen sehen nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Das Leben Jesu ist nie einfach sichtbar und aufweisbar, und es h\u00e4lt und tr\u00e4gt uns doch schon hier und jetzt, in dem es uns zugesagt wird, Tag f\u00fcr Tag neu. Die Worte sind oft hilflos und stammelnd, so wie ich jenen Eltern gesagt hatte, da\u00df Gott sie in dem Dunkel beh\u00fcten m\u00f6ge, das \u00fcber sie durch den Tod ihres Sohnes gekommen ist..<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen nur hoffen und darum bitten, da\u00df sich so das Leben Jesu an uns offenbart, uns umf\u00e4ngt und h\u00e4lt und unseren inneren Menschen, d.h. das Gott uns selbst als seine Kinder erneuert, da\u00df wir erfahren und dar\u00fcber staunen: Wir werden nicht m\u00fcde.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><b>Superintendent<br \/>\nKlaus Steinmetz<br \/>\nJohanniskirchhof 2<br \/>\n37073 G\u00f6ttingen<br \/>\nTel.: 0551 \/ 56069<br \/>\nFax: 0551 \/ 5315251<\/b><\/p>\n<hr \/>\n<p><a name=\"musik\"><\/a><\/p>\n<p align=\"CENTER\"><span style=\"color: #333399; font-family: Arial; font-size: xx-small;\">Kirchenmusikalische Gestaltung des<br \/>\nGottesdienstes zum Sonntag &#8222;Jubilate&#8220; <\/span><\/p>\n<p><b>Vorspiel<\/b> k\u00f6nnte ein freies Orgelst\u00fcck sein, das dem Affekt des 66. Psalmes entspricht, z.B. eine der beiden Pr\u00e4ludien in G-Ddur oder den ersten Satz aus dem Concerto Nr. 1, G-Dur von J.S. Bach &#8211; oder eine Improvisation \u00fcber den Choral \u201cJauchzt, alle Lande, Gott zu Ehren\u201d (in der G\u00f6ttinger Johanniskirche auch auf dem Konzertfl\u00fcgel m\u00f6glich &#8230;)<\/p>\n<p>Als <b>Lieder<\/b> werden vorgeschlagen:<\/p>\n<p>EG 279, 1+4+8 Jauchzet, alle Lande, Gott zu Ehren<br \/>\nEG 108, 1-3 Mit Freuden zart zu dieser Fahrt<br \/>\nEG 359, 1,4,5,6 In dem Herren freut euch nun<br \/>\nEG 398, 1+2 In dir ist Freude<\/p>\n<p><b>Nachspiel<\/b> w\u00e4re dann die Choralbearbeitung \u00fcber \u201cIn dir ist Freude\u201d aus dem \u201cOrgelb\u00fcchlein\u201d von J.S. Bach.<\/p>\n<p><b>Kantor und Organist<br \/>\nBernd Eberhardt<br \/>\nChemnitzer Str. 2<br \/>\nTel.\/Fax; 0551 \/ 790 7766 <\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=000514.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3. Sonntag nach Ostern, Jubilate 14.5.2000 2. Korinther 4, 16-18 Klaus Steinmetz Kirchenmusikalische Gestaltung des Gottesdienstes zum Sonntag &#8222;Jubilate&#8220; Liebe Gemeinde! \u201eWir werden nicht m\u00fcde\u201c \u2013 mit diesen Worten beginnt der heutige Predigttext aus dem 4. Kapitel des 2. Korintherbriefes. Wir werden nicht m\u00fcde \u2013 das ist nat\u00fcrlich im Blick auf eine Morgenmuffeligkeit gesagt, die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":21105,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[43,727,157,853,114,350,748,349,1548,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-21205","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-2-korinther","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-jubilate","category-kapitel-04-chapter-04-2-korinther","category-kasus","category-klaus-steinmetz","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21205","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21205"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21205\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21206,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21205\/revisions\/21206"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/21105"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21205"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21205"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21205"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=21205"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=21205"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=21205"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=21205"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}