{"id":21209,"date":"2000-05-28T15:52:54","date_gmt":"2000-05-28T13:52:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21209"},"modified":"2025-03-14T15:54:37","modified_gmt":"2025-03-14T14:54:37","slug":"kolosser-4-2-6-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/kolosser-4-2-6-5\/","title":{"rendered":"Kolosser 4, 2-6"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"600\" align=\"CENTER\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"color: #0000a0; font-size: xx-small;\">5. Sonntag nach Ostern, Rogate<\/span><br \/>\n<b>28.5.2000<br \/>\nKolosser 4, 2-6<\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\"><b>Juhani Forsberg, Finnland<\/b><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"LEFT\">Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Beten ist eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit f\u00fcr einen religi\u00f6sen Menschen. Es ist sehr nat\u00fcrlich sich vorzustellen, dass wer glaubt auch betet. Beten ist sogar \u00fcblicher als glauben. Auch ein Agnostiker kann beten: Wenn du, Gott, existierst, so hilf mir! Barsche M\u00e4nner, Soldaten im Krieg angesichts des Todes haben gebetet: Gott rette mein Leben, und wenn du mich rettest, bessere ich mein Leben. Es gibt Religionen, in denen das Gebet so etwas wie &#8222;Verhandeln mit Gott&#8220; ist. Ich gebe Gott etwas, damit er mir gibt was ich brauche und w\u00fcnsche.<\/p>\n<p>Christliches Gebet ist trotzdem keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Wer an Gott, den Sch\u00f6pfer, Erl\u00f6ser und Vergeber glaubt, kann nicht mit Gott im Gebet verhandeln. Gott und seine Gaben sind keine Kaufwaren. Die Liebe Gottes ist grenzenlos, aber sie ist nicht einzukalkulieren. Von Anfang an haben J\u00fcnger Jesu und dann auch alle nachfolgenden Generationen der Christen sich pr\u00fcfen m\u00fcssen, was das richtige christliche Gebet sei. \u201cLehre uns zu beten\u201d war die Frage der J\u00fcnger an ihren Meister. Das \u201cVater unser\u201d war seine Antwort und seitdem ist es <i>das<\/i> Gebet der Christen. In der Geschichte der Kirche sind extreme Gruppen entstanden, die in ihrer Selbstkritik sogar alle andere Gebete verboten haben. Aber Beten ist auch ein Geschenk Gottes. Seine Kinder haben die Freiheit, alle ihre Sorgen aber auch Freuden vor ihrem Vater auszusprechen.<\/p>\n<p>Unser Beten ist keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Besonders wenn alles gut geht, kann das Gebet unversehens dahinschwinden. Der Apostel musste in seinem Brief seine Gemeinde mahnen: \u201cBleibet fest am Gebet!\u201d. Das Gebet muss ge\u00fcbt werden. Das Geschenk Gottes bleibt nutzlos wenn es kein Gebrauch in und unter uns findet. Dankbarkeit ist manchmal ein sehr spontanes Gef\u00fchl, aber Gott f\u00fcr seine Gaben zu danken ist eine Sache des Wachbleibens. Der Apostel sitzt im Gef\u00e4ngnis, aber in seinen Worten findet sich keine Spur von Bitterkeit oder Entmutigung. Er liegt in Fesseln um Christi willen. Das Geheimnis Christi hat ihm Mut und Freude gegeben, und aus der Kraft dieses Geheimnisses mahnt er auch seine Adressaten, Gott zu danken.<\/p>\n<p>Christliches Gebet hei\u00dft nicht nur, f\u00fcr mich selbst etwas zu bitten. Es besteht nicht nur darin, Bitten dem Allm\u00e4chtigen zu schicken, dass er sich um meine Sorgen k\u00fcmmere. Der Glaube befreit mich von einem egoistischen Selbstmitleid. Der Glaube verhindert, dass ich in meinen Sorgen gefesselt bleibe. Das Geheimnis Christi hat die Augen des Apostels f\u00fcr die frohe Botschaft ge\u00f6ffnet. Jetzt braucht er die F\u00fcrbitten seiner Gemeinde, dass er mit dieser Botschaft durch ge\u00f6ffnete T\u00fcren gehen kann. Das Gebet umgreift den Beter, seine Mitgl\u00e4ubigen aber letzten Endes auch die Au\u00dfenstehenden. Der Mensch kann nicht die T\u00fcr f\u00fcr das Evangelium \u00f6ffnen. Nur Gott selbst kann das tun. Deshalb will der Apostel mit der Gemeinde Gott bitten, dass er tue, was nur in seiner Macht ist.<\/p>\n<p>Es geht letzten Endes um die frohe Botschaft, um das Evangelium Jesu Christi. Die Gemeinde muss und will beten, dass das Evangelium seinen Weg in alle Welt findet. Das war <i>die<\/i> Sache und Sorge des Apostels. Er <i>muss<\/i> das Evangelium verk\u00fcnden. Aber <i>wie<\/i> das geschieht, ist nicht nur in seiner Macht. Dazu ist Weisheit von Gott und der rechte Zeitpunkt notwendig.<\/p>\n<p>Die Worte des Apostels sind von gr\u00f6\u00dfter Relevanz f\u00fcr die Kirche von heute. Es gibt so klare Zeichen von M\u00fcdigkeit in der Christenheit Europas &#8211; aber auch in vielen anderen Teilen der Welt \u2013 im Blick auf die Verk\u00fcndigung der frohen Botschaft. Der Glaube wird immer mehr als Privatsache verstanden. Nat\u00fcrlich glaube ich &#8211; vielleicht nicht immer so wie die Kirche lehrt &#8211; und bete auch, aber das sind meine privaten Angelegenheiten. Warum muss ich von meinem Glauben reden oder sogar das Evangelium verk\u00fcnden? Das wird doch nur als Ausdruck der Arroganz empfunden oder weckt nur Irritation bei anderen Menschen, die ihren eigenen Glauben haben.<\/p>\n<p>Diese Scheu und Empfindlichkeit vor der Verk\u00fcndigung des Evangeliums wird von vielen falschen Vorstellungen gen\u00e4hrt. Der Missionsauftrag der Kirche wird nicht &#8211; wenigstens nicht nur &#8211; so vollzogen, dass die Vertreter der Kirche &#8211; seien sie Geistliche oder Laien -, das Evangelium von oben her und laut aller Welt verk\u00fcnden. Das Geheimnis Christi zu verk\u00fcnden ist kein aggressiver Proselytismus, wie leider viele, vielleicht manchmal auch aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen, denken.<\/p>\n<p>Das Geheimnis Christi zu verk\u00fcnden braucht Weisheit und mit Salz gew\u00fcrzten Anreiz. Man muss den rechten Kairos beachten. Die Verk\u00fcndigung braucht Lust, aber auch Geduld,den uns gestellten Herausforderungen zu begegnen, und denen zu erwidern, die nach dem Grund unseres Glaubens fragen.<\/p>\n<p>Es geht nicht nur um unsere gut geplanten Aktionen und Aktivit\u00e4ten. Es geht zuerst darum, fest und beharrlich zu sein im Gebet. Heute hat die Kirche und jedes Mitglied M\u00f6glichkeiten im \u00dcberfluss, die Mission der Kirche im Sinne des Apostels zu betreiben. Mit und im Gebet \u00f6ffnen sich die T\u00fcre f\u00fcr diese M\u00f6glichkeiten vor allen, die ihren Glauben nicht unter ihre Privatsachen verstecken, von selbst.<\/p>\n<p>Viele Christen in Europa f\u00fchlen sich unwohl, wenn der Missionsauftrag zur Sprache kommt. Die Ursachen daf\u00fcr sind gut bekannt. Man identifiziert die Mission leicht mit einem unh\u00f6flichen Proselytismus, der die Integrit\u00e4t der Andersdenkenden nicht beachten will. Die Missionsgeschichte der christlichen Kirche ist mit schweren Fehlern belastet. Besonders der Bund der christlichen Mission mit dem Kolonialismus ist ein trauriges Kapitel in der Geschichte der Kirche.<\/p>\n<p>Der Auftrag selbst ist jedoch nicht \u00fcberholt. Trotz unserer Mangelhaftigkeit bleibt das Evangelium in der Kraft. Es handelt sich nicht um einen Streit \u00fcber Worte. Wenn das Wort &#8222;Mission&#8220; immer falsch verstanden wird, dann gibt es genug andere Worte, um die Sache auszudr\u00fccken. Unser Problem sind nicht die fehlenden Worte, sondern ist die Zur\u00fcckgezogenheit in uns selbst. Es handelt sich nicht nur darum, dass wir die richtigen Worte finden, sondern um unser Sein und Leben in Christus. Wie kommen wir wieder dahin, als einzelne Christen und als eine christliche Gemeinschaft die Freude des Evangeliums und mit Freude Zeugnis f\u00fcr dieses Evangelium abzulegen? Die T\u00fcre sind weit offen. Wir k\u00f6nnen diese Freude nur finden, wenn wir im Gebet v\u00f6llig auf Gott ausgerichtet bleiben. &#8222;Rogate &#8211; betet&#8220; ist nicht nur eine freudige Mahnung f\u00fcr diesen Sonntag, sondern Wegweisung f\u00fcr unsere ganze Existenz.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p><b>Dr. theol. Juhani Forsberg<br \/>\nPastor, Hauptreferent f\u00fcr Theologie im Aussenamt der Evangelisch-lutherischen Kirche Finnlands<br \/>\n<a href=\"mailto:juhani.forsberg@evl.fi\">E-Mail: juhani.forsberg@evl.fi <\/a><\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=000528-2.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>5. Sonntag nach Ostern, Rogate 28.5.2000 Kolosser 4, 2-6 Juhani Forsberg, Finnland Liebe Gemeinde! Beten ist eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit f\u00fcr einen religi\u00f6sen Menschen. Es ist sehr nat\u00fcrlich sich vorzustellen, dass wer glaubt auch betet. Beten ist sogar \u00fcblicher als glauben. Auch ein Agnostiker kann beten: Wenn du, Gott, existierst, so hilf mir! 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