{"id":21215,"date":"2000-06-04T15:59:39","date_gmt":"2000-06-04T13:59:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21215"},"modified":"2025-03-14T16:00:58","modified_gmt":"2025-03-14T15:00:58","slug":"jeremia-31-31-34-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jeremia-31-31-34-4\/","title":{"rendered":"Jeremia 31, 31-34"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"600\" align=\"CENTER\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"color: #0000a0; font-size: xx-small;\">6. Sonntag nach Ostern, Exaudi<\/span><br \/>\n<b>4.6.2000<br \/>\nJeremia 31, 31-34 <\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\"><b>Wolfgang Winter <\/b><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"LEFT\">\n<p align=\"center\"><b>Der neue Bund <\/b><\/p>\n<p align=\"justify\">Siehe, Tage werden kommen &#8211; so spricht Gott -, da schlie\u00dfe ich mit dem Haus Israel einen neuen Bund. Nicht wird dieser Bund sein wie der, den ich mit ihren V\u00e4tern geschlossen habe, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus dem Land \u00c4gypten herauszuf\u00fchren. Sie waren es, die meinen Bund brachen, w\u00e4hrend ich doch Herr \u00fcber sie war &#8211; so spricht Gott. Doch dies soll der Bund sein, den ich mit dem Haus Israel schlie\u00dfe nach jenen Tagen &#8211; so spricht Gott. Ich lege meine Tora in ihr Inneres und schreibe sie ihnen ins Herz. Und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein. Und es wird nicht mehr einer den anderen und keiner seinen Bruder belehren: erkenne Gott, sondern sie alle werden mich erkennen, vom Kleinsten bis zum Gr\u00f6\u00dften &#8211; so spricht Gott -, denn ich werde ihre Schuld vergeben und ihrer S\u00fcnde nie mehr gedenken.<\/p>\n<p align=\"justify\">Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p align=\"justify\">Vor einiger Zeit bekam ich Besuch von Zeugen Jehovas. 2 junge M\u00e4nner, ordentlich in Schlips und Kragen, stellten sich vor und baten um ein Gespr\u00e4ch mit mir. Ich f\u00fchrte sie in mein Zimmer, und nach einigen H\u00f6flichkeiten zu Beginn kamen sie schnell zur Sache. Sie sagten, sie wollten mich zur Entscheidung rufen. Der Kampf Gottes gegen den Satan sei in vollem Gange. Die Kriege auf der Welt, die Gewalt, die Zerst\u00f6rung, Ausbeutung von Mensch und Natur &#8211; dahinter stecke der Satan. Aber Gott werde bald ein Ende machen und Feuer und Schwefel \u00fcber die B\u00f6sen regnen lassen. Er werde sich mit Macht durchsetzen und die B\u00f6sen ausrotten. Millionen w\u00fcrden zugrunde gehen &#8211; aber ich k\u00f6nne mich jetzt noch f\u00fcr Gottes siegreiche Seite entscheiden.<\/p>\n<p align=\"justify\">Ich merkte, da\u00df ich unterdessen unruhig wurde. Ich fing an, mich zu \u00e4rgern. Dann sagte ich sehr scharf: &#8222;Wie k\u00f6nnen Sie und Ihr Gott das Leben von Millionen Menschen so kaltherzig verloren geben!&#8220;<\/p>\n<p align=\"justify\">Ich hatte das Gef\u00fchl, einen unverdaulichen Brocken geschluckt zu haben, den ich unbedingt wieder los werden wollte. Die Atmosph\u00e4re war nun gespannt und feindselig geworden.<\/p>\n<p align=\"justify\">Und dann geschah etwas Merkw\u00fcrdiges: ich sah hinter den verschlossenen und harten Gesichtsz\u00fcgen der beiden M\u00e4nner weiche und offene Gesichtsz\u00fcge junger Leute aufleuchten. Zwei Menschenbr\u00fcder. Es war, als ob ich Teil einer anderen Geschichte geworden w\u00e4re &#8211; einer Geschichte, in der der verstehende und liebevolle Blick nicht bricht unter dem Ansturm des Negativen, sondern standh\u00e4lt. Gottes Blick auf uns Menschen, und Gottes Geschichte mit uns Menschen: der Herr l\u00e4\u00dft leuchten sein Angesicht \u00fcber uns.<\/p>\n<p align=\"justify\">Der Rest des Gespr\u00e4chs ist kurz erz\u00e4hlt: ich gewann meine Fassung wieder, die Atmosph\u00e4re entspannte sich und die Verschiedenheit unseres Fr\u00f6mmigkeitsstils konnte zun\u00e4chst einmal, jedenfalls von mir, akzeptiert werden.<\/p>\n<p align=\"justify\">Auch in unserem Text geht es um den Durchbruch durch eine gewohnte und vertraute Sichtweise und die Er\u00f6ffnung einer ganz neuen Perspektive.<\/p>\n<p align=\"justify\">Sehen wir n\u00e4her hin. Der Text setzt die Katastrophe Jerusalems zu Beginn des 6. Jahrhunderts voraus. Die Stadt ist von den Truppen Nebukadnezars erobert worden. Das kleine Reich Juda ist vom Gro\u00dfreich Babylon annektiert worden. Viele Menschen werden nach Babylon deportiert. Alles politische Geschick hat nichts genutzt. Alle religi\u00f6sen Anstrengungen, aller Einsatz der Propheten &#8211; vergeblich. Nur wenige haben die Situation realistisch eingesch\u00e4tzt und mit dem Sieg der Babylonier gerechnet. Zu ihnen geh\u00f6rt der Prophet Jeremia. &#8222;H\u00f6rt nicht auf die Worte der Propheten, die euch sagen: Ihr werdet nicht untertan sein m\u00fcssen dem K\u00f6nig von Babel! Denn sie weissagen euch L\u00fcge!&#8220; F\u00fcr diese Worte war Jeremia angefeindet und isoliert worden. Man hatte ihn des Def\u00e4tismus bezichtigt und verhaftet. Seine Spur verliert sich im Chaos des Krieges.<\/p>\n<p align=\"justify\">Unser Text, entstanden nach der Katastrophe, kn\u00fcpft hier an und er\u00f6ffnet den Geschlagenen eine gro\u00dfartige neue Aussicht: Tage werden kommen, da schlie\u00dfe ich mit euch einen neuen Bund. Wer ihr auch seid &#8211; gebrochen und verzweifelt oder trotzig; oder traurig; oder mit Schuldzuweisungen besch\u00e4ftigt &#8211; wer ihr auch seid, Gott jedenfalls k\u00fcndigt seine Treue zu euch nicht. Im Gegenteil: er wird sich noch enger mit euch verbinden. Einen neuen Bund wird er mit euch schlie\u00dfen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Dieser neue Bund wird so eng, so intensiv sein, da\u00df zwischen Menschen und Gott nichts Trennendes und Zerst\u00f6rerisches mehr Platz hat. Gott &#8211; eingeschrieben in das menschliche Herz.<\/p>\n<p align=\"justify\">Wenn man diesen Text auf sich wirken l\u00e4\u00dft, ist es vielleicht die gro\u00dfartige Einfachheit der Bilder, die anr\u00fchrt. Gott kommt zu den Menschen. Nichts wird uns trennen von seiner Gemeinschaft.<\/p>\n<p align=\"justify\">Was jeder Mensch, was wir sind, das sind wir durch Gott. Wir m\u00fcssen nur nach innen blicken, um diese andere Dimension des Lebens zu sehen. Der Blick sieht dann hinter der lebensgeschichtlich gewordenen Landschaft eines menschlichen Gesichtes noch eine andere Landschaft: Gottes Angesicht, wie es \u00fcber den Menschen leuchtet. Diese Perspektive hat etwas Sperriges und Widerspenstiges gegen\u00fcber dem gerade heute wachsenden Zwang, menschliches Leben auf Leistung und N\u00fctzlichkeit zu gr\u00fcnden. Es gibt wirklich jemanden, der den Blick nicht von uns abwendet &#8211; komme, was wolle.<br \/>\nIch will euer Gott sein &#8211; ihr sollt mein Volk sein.<\/p>\n<p align=\"justify\">Nicht nur ich bin gemeint, sondern die anderen auch. Auch die anderen sind in den Bund einbezogen. So werden sie zu meinen Menschenbr\u00fcdern und Menschenschwestern. In aller Unterschiedlichkeit und oft Konflikthaftigkeit von menschlichen Beziehungen gibt es auch diese andere Dimension: unsere Verbundenheit untereinander durch Gottes Zuwendung zu uns<span style=\"font-size: small;\">. <\/span><span style=\"font-size: medium;\">Gottesliebe und N\u00e4chstenliebe geh\u00f6ren so zusammen, da\u00df wir im anderen Menschen mehr sehen, als auf der Oberfl\u00e4che des Verhaltens zu sehen ist: den von Gott geliebten Mensch.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">Wir haben wohl alle gen\u00fcgend Lebenserfahrung, da\u00df wir wissen: wir k\u00f6nnen tun oder lassen was wir wollen &#8211; ohne Liebe wird alles langsam aber sicher hohl. Ich meine mit Liebe nicht sentimentale Gef\u00fchle, sondern den Respekt und die Achtung vor dem Menschenbruder und der Menschenschwester.<\/p>\n<p align=\"justify\">Das gilt auch und gerade von den Menschen, die uns unangenehm sind. Martin Luther hat einmal die Blickrichtung Gottes im Unterschied zur Blickrichtung des nat\u00fcrlichen Menschen so beschrieben: &#8222;Menschen wollen in die Tiefe nicht sehen. Wo Armut, Schmach, Not, Jammer und Angst ist, da wendet jedermann die Augen ab. Und wo solche Leute sind, da l\u00e4uft jedermann davon.&#8220; Gott aber sieht die an, die in der Tiefe sind. Die menschliche Blickrichtung mu\u00df sich immer wieder umkehren, um Gottes Blick auf den Menschen zu entsprechen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Liebe Gemeinde, es ist schwer, Gottes Bund mit uns durch die Oberfl\u00e4che des Alltags hindurch sehen zu lernen &#8211; als tragenden Grund unseres Lebens. Die tragende Dimension der Wirklichkeit entzieht sich immer wieder unseren Blicken. Die Wirklichkeit des lebendigen Gottes in der Wirklichkeit des blo\u00df Faktischen von Ereignissen und von Gef\u00fchlen und von Normen sehen zu lernen &#8211; das l\u00e4\u00dft sich nicht machen und bewerkstelligen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die neue Sch\u00f6pfung &#8211; Gott, eingeschrieben in das menschliche Herz &#8211; steht noch aus. Aber es gibt schon jetzt Momente im Leben, die auf diese Zukunft verweisen. Offenheit f\u00fcr solche Momente im Leben l\u00e4\u00dft sich vielleicht lernen &#8211; alles andere ist dann Geschenk.<\/p>\n<p align=\"justify\">Marie-Luise Kaschnitz redet davon so:<\/p>\n<p>Manchmal stehen wir auf<br \/>\nstehen wir zur Auferstehung auf<br \/>\nmitten am Tage<br \/>\nmit unserem lebendigen Haar<br \/>\nmit unserer atmenden Haut.<\/p>\n<p>Nur das Gewohnte ist um uns.<br \/>\nKeine Fata Morgana von Palmen<br \/>\nMit weidenden L\u00f6wen<br \/>\nUnd sanften W\u00f6lfen.<\/p>\n<p>Die Weckuhren h\u00f6ren nicht auf zu ticken<br \/>\nIhre Leuchtzeiger l\u00f6schen nicht aus.<br \/>\nUnd dennoch leicht<br \/>\nUnd dennoch unverwundbar<br \/>\nGeordnet in geheimnisvolle Ordnung<br \/>\nVorweggenommen in ein Haus aus Licht.<\/p>\n<p>Und der Friede Gottes, welcher h\u00f6her ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p><b>Wolfgang Winter, Studienseminar der Ev.-luth Landeskirche, Von-Bar-Str. 2\/4, 37075 G\u00f6ttingen, Tel.: 0551-49990-31<br \/>\n<a href=\"mailto:stg@gwdg.de\">E-Mail: stg@gwdg.de<\/a><\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=000604.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>6. 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