{"id":21224,"date":"2000-06-11T16:05:00","date_gmt":"2000-06-11T14:05:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21224"},"modified":"2025-03-14T16:16:57","modified_gmt":"2025-03-14T15:16:57","slug":"1-korinther-2-12-16-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-korinther-2-12-16-12\/","title":{"rendered":"1. Korinther 2, 12-16"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"600\" align=\"CENTER\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"color: #0000a0; font-size: xx-small;\">Pfingstsonntag<\/span><br \/>\n<b>11.6.2000<br \/>\n1. Korinther 2, 12-16<\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\"><b>Heinz Behrends <\/b><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"LEFT\"><b>Vor\u00fcberlegungen zur Predigt<\/b><\/p>\n<p>(Ich nehme einen Blumenstrau\u00df mit auf die Kanzel und stelle ihn auf die Kanzel-Br\u00fcstung.)<\/p>\n<p>&#8222;Das ist meine Pfingst\u00fcberraschung. Pfingsten lebt von \u00dcberraschungen.<\/p>\n<p>Da bin ich Pfingstsamstag letztes Jahr mit meinem katholischen Kollegen auf dem Weg zum Hochzeitskaffee nach einer \u00f6kumenischen Trauung, da biegt er pl\u00f6tzlich mit seinem Golf links zum Markt ab und kauft mir einen Strau\u00df Blumen &#8211; und einen f\u00fcr sich selbst. &#8222;Hier, bitte, das ist f\u00fcr Sie!&#8220; Ich empfand das mehr als eine Konvention, hatten wir doch gerade im \u00f6kumenischen Geist ein Paar getraut. (Hier sollte der Prediger, die Predigerin eigene Erfahrungen von \u00dcberrascht-Sein erz\u00e4hlen.)<\/p>\n<p>Pfingsten lebt von \u00dcberraschungen. Das Fest kennt keine Br\u00e4uche, deshalb auch keine besonderen Vorbereitungen. Da ist kein besonderer Kuchen zu backen, kein Braten, keine Konvention f\u00fcr geladene G\u00e4ste vorzubereiten. Und seien wir ehrlich: Das bedeutet: kein Stre\u00df, keine Hetze, kein Familienkrampf, keine Verpflichtungen. Da kann man sich einfach hinsetzen und offen sein f\u00fcr \u00dcberraschungen.<\/p>\n<p>\u00dcberraschen mag Sie auch der Predigttext, aber in ganz anderem Sinn. Er kommt Pfingsten so gelehrig daher, so spr\u00f6de, ohne spontane Begeisterung.<\/p>\n<p>(Textlesung)<\/p>\n<p>Damit er Sie nicht ganz ratlos macht, mu\u00df ich kurz aus der Hafenstadt Korinth erz\u00e4hlen. Da haben sie in der -heute w\u00fcrden wir sagen- multikulturellen Stadt die Worte des Paulus vom Auferstandenen mit gro\u00dfem Eindruck geh\u00f6rt. Einige sind begeistert. Wir haben den Geist Gottes, sagen sie, und reden in Zungen und halten das Abendmahl f\u00fcr eine Himmelsspeise, f\u00fcr ein Medikament. Angesichts dieser himmlischen Euphorie ist die R\u00fccksichtnahme auf Schwestern und Br\u00fcder von wenig Belang. Sie putzen sich auf zum Abendessen, setzen sich an den gedeckten Tisch und haben das meiste schon aufgefuttert, wenn die Sklaven nach ihrem sp\u00e4ten Feierabend schlie\u00dflich in die Gemeindeversammlung kommen und die Tische leer vorfinden.<\/p>\n<p>Wir sind durch den Besitz des Geistes Gottes bereits vollkommen, verk\u00fcnden sie. Ihnen gegen\u00fcber definiert der Apostel, was geistlich ist. Geistlich ist, wer wei\u00df, was er von Gott empfangen hat. Weise ist, wer wei\u00df, was ihm von Gott geschenkt ist. Uns leuchtet das ein: Vielleicht haben Sie einen Menschen vor Augen, den Sie als weise empfinden. Das ist nicht die intellektuelle Kanone, nicht der Alleswisser. Es ist der lebenserfahrene Mensch, der still und besonnen das Leben sieht und beurteilt. H\u00e4ufig sind es die ganz einfachen Leute in der Gemeinde.<\/p>\n<p>Er wei\u00df von der Grunderfahrung des Menschen: Alles Wesentliche habe ich empfangen. Wer offen f\u00fcr das Empfangen ist, erlebt st\u00e4ndig \u00dcberraschungen. Er entdeckt ein Wort, das eine Woche mit ihm geht. Sie trifft auf einen Menschen, der lange vermi\u00dft wurde. Er sieht etwas, was er jeden Tag sieht, aber dieses Mal v\u00f6llig neu. Sie hat sich zu etwas verr\u00fccktem anregen lassen, das sie bisher vermieden hatte.<\/p>\n<p>Mag sein, da\u00df die \u00dcberraschung auch \u00e4ngstigt. Pfingsten lehrt, da\u00df \u00dcberraschungen auch mit Furcht verbunden sind. Erst sp\u00e4ter ordnen sich die \u00fcberraschenden Erlebnisse dem Leben ein.<\/p>\n<p>Aus den vielen geschenkten, kleinen \u00dcberraschungen w\u00e4chst die Erkenntnis, da\u00df das ganze Leben nicht von Planung und Organisation lebt, sondern geschenkt ist. Ich lebe und ich bin, wie ich bin. Wer wei\u00df, da\u00df ihm das Leben von Gott geschenkt ist, lebt und denkt geistlich.<\/p>\n<p>Wem diese Erkenntnis fremd und fern bleibt, der lebt nat\u00fcrlich, nicht geistlich, sagt Paulus. Nun ist die Unterscheidung des Apostels in geistlich und nat\u00fcrlich irref\u00fchrend. Der nat\u00fcrliche Mensch wird als nat\u00fcrlich verstanden, weil er die Welt mit den Kategorien der Natur, der biologischen Gesetze beurteilt. Ich habe mein Leben in der eigenen Hand. Was daraus wird, folgt aus den Gesetzen der Natur. Ich bin der Macher meines Lebens. Der nat\u00fcrliche Mensch ist heute noch nicht ausgestorben. Die technische Entwicklung hat die Macher-Mentalit\u00e4t kr\u00e4ftig gen\u00e4hrt. Ger\u00e4te \u00fcbernehmen menschliche Arbeit. Was fr\u00fcher ein ganzes Regal f\u00fcllte, pa\u00dft heute auf eine Diskette. Geerntete \u00c4pfel gibt es schon, wenn die Apfelb\u00e4ume noch bl\u00fchen. Das ist zun\u00e4chst nicht schlecht. Wir sind T\u00e4ter und Gestalter geworden, nicht nur mehr Erdulder unseres Geschickes. Nur dringt die Erfahrung tief in die Selbst-Einsch\u00e4tzung des Menschen ein. Erfolg rechtfertigt jedes Handeln. Der Einzelne orientiert sich an der Lebenserf\u00fcllung des Subjektes. So schenkt er die h\u00f6chste Aufmerksamkeit sich selbst, seiner Gesundheit und seinem Wohlgef\u00fchl. Aber in der Selbsterf\u00fcllung seines Gl\u00fccks ist er \u00fcberfordert. Die Haltung landet schnell in Nicht-Erf\u00fcllung, Ungl\u00fcck und Wehleidigkeit. Wieso kann sich sonst eine Gesellschaft voller Reichtum der Massen so unbeweglich und so wehleidig zeigen. Das ist der moderne nat\u00fcrliche Mensch.<\/p>\n<p>Geistlich dagegen lebt, wer alles von Gott erwartet, nicht von seiner eigenen Kraft. Der gro\u00dfe Theologe Karl Barth gibt das Schl\u00fcsselwort zum Verstehen dieses Textes. &#8222;Der Heilige Geist ist der intimste Freund des gesunden Menschenverstandes.&#8220; Es ist nicht das Ergebnis einer besonderen geistlichen Leistung, zu erkennen, da\u00df ich all die wesentlichen Dinge des Lebens nicht selber machen kann. Das Brot habe ich nicht selber gebacken, das Korn nicht wachsen lassen, das Bier nicht gebraut, meine Gesundheit nicht beschafft. Der geistliche Mensch vertieft sich so sehr in die Geheimnisse des Lebens, da\u00df er selbst das Erkennen der Gnade Gottes als ein Geschenk versteht. Der gesunde Menschenverstand sieht die Dinge wie sie sind. In dem Sinne ist der Geist Gottes ein Geist der Wahrheit und Ehrlichkeit.<\/p>\n<p>Wer geistlich denkt, enthebt sich nicht dieser Welt mit seiner Fr\u00f6mmigkeit. Er ordnet sich dem Gedanken Gottes ein. Und was ich selber als Geschenk sehe, kann mir ein anderer nicht absprechen. Deshalb sagt Paulus: Der geistliche Mensch wird von niemandem beurteilt.<\/p>\n<p>Doch kann die Rede von diesem schenkenden Gott nie ohne Br\u00fcche sein. Systematische Systeme vertritt der Geist nicht. Er bleibt immer bezogen auf das Kreuz. Das wahre Leben ist sprunghaft, \u00fcberraschend, aber auch gebrochen. Das unterscheidet den Geist Gottes von dem Geist der esoterischen Bewegung. Der besch\u00e4ftigt sich wesentlich mit sich selbst und ist nicht offen f\u00fcr fremde Stimmen von au\u00dfen.<\/p>\n<p>Der Geist Gottes dr\u00e4ngt in die Gemeinschaft. Sie ist Herberge und Werkstatt des Geistes Gottes. Aus ihr mu\u00df ver\u00e4nderndes in die Welt dringen. Die Worte \u00fcber das Wesen des Heiligen Geistes m\u00fcnden in sehr konkreten Worten \u00fcber die Ehe, \u00fcber das Verhalten beim Essen und den Umgang mit dem Geld, wenn auch sehr zugeschnitten auf die Situation seiner Zeit.<\/p>\n<p>Jetzt habe ich aber genug \u00fcber den Geist geredet. Herbeireden kann man ihn nicht. Man mu\u00df sich in ihn hineinbeten und vertiefen. Man mu\u00df sich singend hineinbegeben. Alle Pfingstlieder sind Gebete. O komm du Geist der Wahrheit. Komm, o komm, du Geist des Lebens. Veni Spiritus sancte. O Heilger Geist, kehr bei uns ein. Bereite doch ein Pfingtfest uns allen nah und fern. Weil Gott an uns denkt, k\u00f6nnen wir selbstvergessen sein und singen.&#8220;<\/p>\n<p><a name=\"vor\"><\/a>Theologisch-homiletische Vor\u00fcberlegungen<\/p>\n<p>Der Geist Gottes ist nicht verf\u00fcgbar. Gott beh\u00e4lt in der Hand, was wir von ihm wissen. V. 12 ist der Schl\u00fcsselsatz des Textes. Wir haben den Geist Gottes empfangen, da\u00df wir wissen k\u00f6nnen, was uns von Gott geschenkt ist. Paulus argumentiert final. Das Ziel des Wirkens des Geistes Gottes ist unser Erkennen, da\u00df wir Beschenkte sind. Wir verf\u00fcgen weder \u00fcber den Geist noch \u00fcber die Erkenntnis. Die Tiefen Gottes sind nicht seine unerforschlichen Ratschl\u00fcsse, die sich nur dem Glaubenden erschlie\u00dfen, sondern Tiefe Gottes ist, was allen Glaubenden von Gott aus Gnaden geschenkt ist. V.15 erscheint in diesem Kontext zun\u00e4chst nicht verst\u00e4ndlich. Wie kann der Mensch in der Kraft des unverf\u00fcgbaren Geistes alles beurteilen, selber aber jedem menschlichen Urteil entnommen sein? Das ist keine Selbst\u00fcberhebung, weil alles Urteilen an der Weisheit des Kreuzes, nicht am intellektuellen Erkenntnisverm\u00f6gen zu messen ist. Doch aus der geistlichen Erkenntnis w\u00e4chst die Urteilskraft.<\/p>\n<p>Die Predigt wird \u00fcber jeden Grad unterschiedlicher Geistlichkeit der H\u00f6rer hinaus eine Plausibilit\u00e4t daf\u00fcr schaffen m\u00fcssen, da\u00df der Mensch im wesentlichen ein Empfangender ist.<\/p>\n<p>Im Tonfall mu\u00df eine Pfingstpredigt immer von einer Leichtigkeit beseelt und fr\u00f6hlich sein.<\/p>\n<p>Heinz Behrends, Distelweg 8, 37077 G\u00f6ttingen Tel\/fax 0551\/21222<br \/>\n<a href=\"mailto:Heinz.Behrends@Nikolausberg.de\">email: Heinz.Behrends@Nikolausberg.de<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.nikolausberg.de\/\">internet: www.nikolausberg.de <\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=000611-4.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pfingstsonntag 11.6.2000 1. 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