{"id":21226,"date":"1998-06-14T16:07:43","date_gmt":"1998-06-14T14:07:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21226"},"modified":"2025-03-14T16:09:52","modified_gmt":"2025-03-14T15:09:52","slug":"1-timotheus-112-17-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-timotheus-112-17-2\/","title":{"rendered":"1. Timotheus 1,12-17"},"content":{"rendered":"<h3>3. S. nach Trinitatis | 28.6.1998 | 1. Tim 1,12-17 | Hilmar Menke |<\/h3>\n<p>Ich danke unserm Herrn Christus Jesus, der mich stark gemacht und f\u00fcr treu erachtet hat und in das Amt eingesetzt, mich, der ich fr\u00fcher ein L\u00e4sterer und ein Verfolger und ein Frevler war; aber mir ist Barmherzigkeit widerfahren, denn ich habe es unwissend getan, im Unglauben. Es ist aber desto reicher geworden die Gnade unseres Herrn samt dem Glauben und der Liebe, die in Christus Jesus ist. Das ist gewi\u00dflich wahr und ein Wort, des Glaubens wert, da\u00df Christus Jesus in die Welt gekommen ist, die S\u00fcnder selig zu machen, unter denen ich der erste bin. Aber darum ist mir Barmherzigkeit widerfahren, da\u00df Christus Jesus an mir als erstem alle Geduld erweise, zum Vorbild denen, die an ihn glauben sollten zum ewigen Leben. Aber Gott, dem ewigen K\u00f6nig, dem Unverg\u00e4nglichen und Unsichtbaren, der allein Gott ist, sei Ehre und Preis in Ewigkeit! Amen.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>&#8222;In welch ruhigen Bahnen ist doch dein Leben verlaufen&#8220;, das ist mein erster Gedanke. Hineingeboren in eine doch immerhin christlich gepr\u00e4gte Welt; nat\u00fcrlich als S\u00e4ugling getauft; aufgewachsen in fast selbstverst\u00e4ndlicher N\u00e4he zur Gemeinde; gepr\u00e4gt von der Fr\u00f6mmigkeit der Mutter, die ohne viele Worte auskam; engagiert in der Jugendarbeit; dem Pfarrer fast in einer Sohnesbeziehung verbunden; Studium und kirchliche Ausbildung; f\u00fcr &#8222;stark&#8220; genug befunden von den Pr\u00fcfungskommissionen; auch wohl &#8222;f\u00fcr treu erachtet&#8220; , jedenfalls von denen, die meine Kirche dazu berufen hat; ins Amt eingesetzt nach den Vorgaben und Vorschriften meiner Landeskirche &#8211; &#8222;Beamtenlaufbahn&#8220; nicht Rebellenkarriere! Sicher, auch Br\u00fcche hat es gegeben: Erfahrungen in Konfirmandenunterricht und Jugendgruppe f\u00fchrten zwar zur Abkehr von der Kirche, aber zu ihrem Gegner wurde ich nicht; die Auseinandersetzung in der Folge der 68er Jahre schufen Distanz, aber keine Feindschaft &#8211; und ein Damaskus gab es nicht, keine dramatische Bekehrung, keine Christusvision; keine \u00e4u\u00dferliche Erblindung, damit das innere Auge besser sehe. Menschen sind es gewesen, die mich mitnahmen, den Zugang neu er\u00f6ffneten, mich forderten und f\u00f6rderten, Freunde, Pfarrer, Mitarbeiterinnen.<\/p>\n<p>Soll, mu\u00df ich Paulus beneiden? Beneiden um seine Erlebnisse, beneiden um die Gr\u00f6\u00dfe seiner Schuld &#8211; &#8222;denn es ist desto gr\u00f6\u00dfer geworden die Gnade unseres Herrn, samt dem Glauben und der Liebe, die in Jesus Christus ist&#8220; &#8211; beneiden also um das, was doch erst im Kontrast zu S\u00fcnde und Schuld wirklich deutlich wird, erst so den wirklichen Reichtum erschlie\u00dft&#8230;? Kann nur ein &#8222;vorbildliche S\u00fcnder&#8220; Vorbild werden im Glauben &#8211; mu\u00df ich auch darin der &#8222;Erste&#8220; sein? Gilt nur der Sprung vom Verfolger zum Verk\u00fcnder, vom Feind zum Apostel, vom Gegner zu &#8222;Amtstr\u00e4ger&#8220; &#8211; was ist mit den vielen, die kein besonders Amt in der Kirche haben? Habe ich, haben wir weniger Grund, Jesus Christus dankbar zu sein, weniger Anla\u00df, Gott, dem ewigen K\u00f6nig, Ehre und Preis zu singen&#8230;?<\/p>\n<p>Ein Prediger soll nicht \u00fcber sich selbst reden, so habe ich es gelernt &#8211; schon gar nicht, wenn er sich selbst als Beispiel, als Muster, gar als Vorbild hinstellt. Aber Paulus hat so pers\u00f6nlich, so eindringlich, so bewegend \u00fcber sich selbst geschrieben, da\u00df ich meinem ersten Impuls gefolgt bin &#8211; und sehe, da\u00df mich das in die Irre gef\u00fchrt hat. Denn genau das, was dabei herausgekommen ist, will Paulus wohl auf gar keinen Fall.<\/p>\n<p>Zweierlei, so scheint mir, bewegt ihn, von sich selbst zu schreiben: &#8222;Wes das Herz voll ist, des geht der Mund \u00fcber&#8220; &#8211; so sagt es der &#8222;Volksmund&#8220;: So gro\u00df ist seine Dankbarkeit, da\u00df er gar nicht anders kann, als von dem Grund f\u00fcr seine Dankbarkeit zu sprechen &#8211; ganz pers\u00f6nlich und aus eigener Erfahrung genau so wie mit den gepr\u00e4gten gottesdienstlichen Worten am Ende dieses Abschnitts: Da\u00df Jesus Christus selbst ihn, der ja wirklich eine erbitterter Gegner der ersten Christenheit, voll Ha\u00df und Zorn &#8211; und damit ein Feind des Herrn selbst &#8211; da\u00df ausgerechnet er, von dem es in der Apostelgeschichte hei\u00dft , er &#8222;schnaubte &#8230; mit Drohen und Morden gegen die J\u00fcnger des Herrn&#8220;; er, dem es nicht reicht, in seiner unmittelbaren Umgebung zu w\u00fcten, sondern der sogar die Verfolgung anderswo &#8211; \u00fcberall vielleicht &#8211; zu organisieren gedenkt &#8211; da\u00df ausgerechnet er aufgehalten wird auf seinem Weg, \u00fcberwunden, angenommen von Jesus Christus und von denen, die er verfolgte &#8211; auch das! &#8211; Das aber ist eben nicht nur pers\u00f6nliche Erfahrung, nicht allein Grund zur eigenen Dankbarkeit, sondern &#8222;Wort, des Glaubens wert&#8220; &#8211; und es ist Vorbild. Nicht Paulus ist Vorbild &#8211; weder als &#8222;L\u00e4sterer, Verfolger und Frevler&#8220;, noch als &#8222;Starker &#8220; und &#8222;Treuer&#8220; in seinem Amt, sondern das, was Christus tut, ist Vorbild: &#8222;Darum ist mir Barmherzigkeit widerfahren, da\u00df Christus an mir als erstem alle Geduld erweise, zum Vorbild denen, die an ihn glauben sollten&#8230;&#8220; &#8211; nicht &#8222;als Vorbild&#8220;!<\/p>\n<p>Wenn &#8211; so will es der Apostel wohl ganz deutlich machen &#8211; wenn dies Handeln Jesu Christi an ihm &#8222;Vorbild&#8220; ist, wie sollte ich dann zweifeln, da\u00df Jesus Christus auch mich annimmt, selig macht, mir Barmherzigkeit widerfahren l\u00e4\u00dft, mir gn\u00e4dig ist &#8211; zum ewigen Leben. Nur so kann er sich eigentlich erkl\u00e4ren, da\u00df Jesus Christus sogar ihm gn\u00e4dig gewesen ist. S\u00fcnde, das ist Trennung von Gott &#8211; und selber so sein wollen wie der, &#8222;der allein Gott ist&#8220; &#8211; und Verg\u00e4ngliches an die Stelle dessen setzen, der der &#8222;Unverg\u00e4ngliche&#8220; ist &#8211; und anderen gehorchen als &#8222;dem ewigen K\u00f6nig&#8220;.<\/p>\n<p>S\u00fcnde, so verstanden, kann ich doch kaum in der Weise messen und vergleichen, da\u00df ich von mehr oder weniger rede, von schwerer oder leichter, von gewichtiger oder unbedeutender In seinem Brief an die Gemeinde in Rom schreibt Paulus es selbst: &#8222;&#8230;es ist hier kein Unterschied: sie sind allesamt S\u00fcnder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten&#8230;&#8220; Als man eine Frau zu Jesus brachte, die die Ehe gebrochen hatte, und ihn fragte, ob man sie &#8211; dem j\u00fcdischen Gesetz entsprechend, dem der R\u00f6mer aber zuwider &#8211; steinige solle, da antwortete er: &#8222;Wer unter euch ohne S\u00fcnde ist, der werfe den ersten Stein auf sie&#8220; &#8211; und alle wandten sich ab und gingen fort.<\/p>\n<p>Niemand kann sich freisprechen von dem, was die Bibel S\u00fcnde nennt, von Selbstgerechtigkeit und Kleinglauben, von Egoismus und Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung , von Unachtsamkeit gegen\u00fcber dem N\u00e4chsten und Schuld im Umgang mit dem Mitmenschen &#8211; wir k\u00f6nnen uns dabei noch nicht einmal auf das Unwissen berufen wie Paulus! &#8222;Allesamt S\u00fcnder&#8220; &#8211; das gilt, aber es gilt eben auch das, was im R\u00f6merbrief folgt: &#8222;und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erl\u00f6sung, die durch Christus Jesus geschehen ist&#8220; &#8211; auch darauf bezieht sich das &#8222;Alle&#8220;!<\/p>\n<p>Wenn das so ist, wenn auch ich zu den Begnadigten geh\u00f6re, zu denen, mit denen Gott Geduld gehabt hat und hat, zu denen, denen er Menschen schickte, die einen neuen Anfang machten und neue Wege zeigten &#8211; wenn das so ist, warum sollte er mich nicht auch stark machen und &#8222;mich f\u00fcr treu erachten&#8220; &#8211; ich verstehe es besser, wenn ich es so h\u00f6re: &#8222;mir etwas zutrauen&#8220; &#8211; und mir ein &#8222;Amt&#8220; geben, eine Aufgabe und einen Platz in der Gemeinde, an dem ich diese Aufgabe erf\u00fcllen kann &#8211; ohne die St\u00e4rke, die er gibt, bekomme ich jedenfalls nichts zustande, ohne da\u00df er mir etwas zutraut werde ich mir auch selbst nichts zutrauen, ohne da\u00df er es will werde ich keine Aufgabe erf\u00fcllen, kein Amt aus\u00fcben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&#8222;Gott schreibt auch auf krummen Linien gerade&#8220; &#8211; vielleicht kennen Sie das Buch oder zumindest den Titel &#8211; Paulus, der Apostel, der gro\u00dfe Briefschreiber, ist daf\u00fcr selbst ein &#8211; vielleicht das &#8211; Beispiel. Ich bin aber sicher, da\u00df Gott auch auf den gerader erscheinenden Linien gerade schreibt. &#8222;Ich danke unserem Herrn Christus Jesus. Er gibt mir die Kraft, die ich brauche; er traut mir etwas zu und gibt mir eine Aufgabe. Er tut das f\u00fcr mich, der ich als Kind getauft wurde und hineingewachsen bin in die Gemeinde. Darin ist mir seine Barmherzigkeit widerfahren. Trotzdem habe ich nicht nach seinem Willen gelebt, obwohl ich im Glauben erzogen wurde, obwohl ich es besser wu\u00dfte. Umso reicher ist die Gnade unseres Herrn geworden; immer wieder hat er Glaube und Liebe gezeigt und geweckt. Wahr ist es und etwas, was wert ist, darauf zu vertrauen, da\u00df Christus Jesus in unsere Welt gekommen ist, um die zu retten, die von Gott getrennt lebten. Dazu geh\u00f6re ich auch. Auch mir ist Barmherzigkeit widerfahren, auch an mir hat Christus Jesus seine gro\u00dfe Geduld erwiesen zum Vorbild f\u00fcr alle, die ihm vertrauen sollten, damit sie leben. Gott, dem ewigen K\u00f6nig, dem Unverg\u00e4nglichen und Unsichtbaren, der allein Gott ist, sei Ehre und Preis in Ewigkeit! Amen!&#8220;<\/p>\n<hr \/>\n<p>Hilmar Menke, Superintendent in Cadenberge<\/p>\n<p>E-Mail:\u00a0<a href=\"mailto:HHFJMenke@aol.com\">HHFJMenke@aol.com<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>3. S. nach Trinitatis | 28.6.1998 | 1. 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