{"id":21228,"date":"1999-02-14T16:10:00","date_gmt":"1999-02-14T15:10:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21228"},"modified":"2025-03-14T16:14:10","modified_gmt":"2025-03-14T15:14:10","slug":"matthaeus-513-21-26","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-513-21-26\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 5,13; 21-26"},"content":{"rendered":"<h3>Predigtreihe: Die Antithesen in der Bergpredigt | 18.2.1999 | Mt 5,13; 21-26 | Axel Denecke |<\/h3>\n<p>I<\/p>\n<p>Rigoros &#8211; erfrischend rigoros, erschreckend rigoros &#8211; \u00fcberf\u00e4llt Jesus (nach der Komposition des Matth\u00e4us) seine Gemeinde in der Bergpredigt, nachdem er zuvor noch auf so freundliche Weise mit dem neunmaligen &#8222;Selig seid ihr&#8230;.&#8220; uns Gottes Heil zugesprochen hat. Und jetzt &#8211; so als pa\u00dfte es in die Passionszeit, wie die ber\u00fchmte Faust auf das Auge- &#8222;Ihr\u00a0seid\u00a0das Salz der Erde!&#8220; Basta! &#8222;Wenn nun das Salz kraftlos wird&#8230;, ists zu nix mehr n\u00fctze. Man solls wegsch\u00fctten, damit es die Menschen zertreten!&#8220; Also\u00a0wir\u00a0werden dann zertreten, wenn ich das Wort vom Salz w\u00f6rtlich nehme, nicht nur auf die J\u00fcnger damals, sondern auf uns heute beziehe. Das ist stark, hart, wirklich passioniert, passionszeitgem\u00e4\u00df rigoros! Erfrischend rigoros? Erschreckend rigoros?<\/p>\n<p>Schaue ich mich um in unser noch christlichen, grad mal eben noch halbwegs christlichen bundesrepublikanischen Welt, so hab ich -ohne da\u00df mich der Teufel der Schwarzmalerei reitet- schon den Eindruck: Das Salz ist wohl weithin kraftlos geworden. Na und was macht man dann: man sch\u00fcttet es weg, \u2018zertritt\u2019 es. Im Klartext: Es geht an uns Christen mit freundlicher Nicht-Beachtung vorbei. Nicht mal aggressiv gegen uns rebellierend, das w\u00e4re ja noch was. Dann w\u00fcrde man wenigstens ernst genommen. Sondern durchaus freundlich, wohlwollend oder auch mitleidig l\u00e4chelnd, hier und da gener\u00f6s noch eine Spalte in der Tageszeitung gew\u00e4hrend, aber im Grunde doch am Rande gar au\u00dferhalb des Gesch\u00e4fts des harten Streits um Normen und Werte f\u00fcrs kommende Jahrhundert. Betrachtet man die vielen Talkshows im Fernsehen, z.B. bei der durchaus seri\u00f6sen Runde bei Sabine Christiansen, (von all den exhibitionistischen Nachmittagsquasselshows bei den Privaten gar nicht zu reden), wo ab und an nicht nur gesellschaftlich, sondern auch kirchliche relevante Themen verhandelt werden, so kommt das \u2018Salz\u2019 des Christen nicht vor oder es wird durch Exoten repr\u00e4sentiert, die wie eine Karikatur christlicher Wertma\u00dfst\u00e4be wirken. Und hier in der Medienstadt Hamburg, wo ich selbst als halbwegs \u2018\u00f6ffentliche Person\u2019 zu Hause bin, ist es nicht viel anders. Ein gener\u00f6s zugestandener Sonntagskommentar dann und wann, aber Theodor Fontane in meinem Ohr: &#8222;Doch wenn ich weiter geschlafen h\u00e4tt und t\u00e4t von alledem nichts wissen, w\u00fcrd mir was fehlen? T\u00e4t ichs vermissen?&#8220;<\/p>\n<p>Man kanns drehen und wenden wie man will, so ist es! Nix da mit Salz, das wir doch &#8211; nach Jesu rigoroser Zumutung &#8211; sind. Nichts da! Eben doch stumpf? Kraftlos? Weggeworfen? Zertreten?<\/p>\n<p>Kein Lamento bitte an dieser Stelle, kein wehleidiges Beschw\u00f6ren besserer alter Zeiten, sondern &#8211; Passionszeit ist ja! Bu\u00dfzeit! In sich gehen! Ehrliche Bestandsaufnahme! Seelisches Gro\u00dfreinemachen! &#8211; n\u00fcchterne Wahrnehmung dessen, was ist. Nichts da mit &#8222;Salz der Erde&#8220;! Oder etwa doch? Jesus redet so rigoros &#8211; erfrischend, erschreckend rigoros &#8211; &#8222;Freunde, ihr seid das Salz der Erde. Ob ihr wollt oder nicht, ob euch recht ist oder nicht. Ihr k\u00f6nnt gar nichts dagegen machen. Es sei denn, es ist in euch kraftlos geworden. Doch dann&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Also ein wirklich passender Einstieg in die Passionszeit, die wir als Christen ebenso ernst nehmen wollen, so wie dieses Wort von uns als \u2018Salz der Erde\u2019.<\/p>\n<p>II<\/p>\n<p>Ebenso rigoros geht\u2019s nun zu in der sog. 1. Antithese, die in der Bibel mit den schlichten Worten &#8222;Vom T\u00f6ten&#8220; \u00fcberschrieben ist. &#8222;Die Alten haben auch gesagt &#8230;, ich aber sage euch&#8230;&#8220; Wenn das nicht rigoros ist, entschieden, scharf und klar. Sehen wir es uns genauer an. Was sagten die &#8222;Alten&#8220;? Wir kennen alle das Gebot: &#8222;Du sollst nicht t\u00f6ten&#8220;. Und es wird auch gleich mit einer Androhung verbunden. &#8222;Wer aber t\u00f6tet, soll des Gerichts schuldig sein&#8220;. Ganz klar! Braucht man nichts dazu zu sagen, sieht jeder ein, so l\u00e4uft ja auch unsere Rechtsprechung.<\/p>\n<p>Und nun Jesus, ganz rigoros: &#8222;Nicht erst wer t\u00f6tet, sondern schon wer seinem Bruder (resp. Schwester) z\u00fcrnt, wer ihn beschimpft, beleidigt&#8230; ist des Gerichts schuldig&#8220;. Oh ja, es h\u00f6rt sich an wie ein versp\u00e4teter Karnevalsscherz, denn wer k\u00e4me hier nicht hinter Gittern? Unser ganzes Land, ja auch unsere Kirche w\u00e4re ein einziges Gef\u00e4ngnis. Und manchmal hat man durchaus den Eindruck, es ist tats\u00e4chlich so. Trotzdem: L\u00e4\u00dft sich nach dieser rigorosen Lebensdevise leben, wenn ich unterstelle, Jesus hat das alles nicht nur &#8222;symbolisch&#8220;, so im \u00fcbertragenen Sinn gemeint, sondern tats\u00e4chlich ganz w\u00f6rtlich und direkt? L\u00e4\u00dft sich danach leben? Machen wir also die Probe in unserem Leben?<\/p>\n<p>1.\u00a0Nein, so l\u00e4\u00dft sich nicht leben, nat\u00fcrlich nicht. Es \u00fcberfordert uns Menschen heillos, weil wir alle &#8211; auch die Sanftm\u00fctigsten, Friedvollsten, Nachgiebigsten unter uns &#8211; diesen Edelmut von Natur aus nicht haben. Auch wenn wir guten Willens sind, gar Gott darum bitten, es jeden Tag immer wieder neu versuchen. Sehe ich mich um in unserer Gesellschaft &#8211; immer wieder neue ausl\u00e4nderfeindlichen Aktionen mit Todesfolge, jetzt gerade wieder in Guben, da ist ein zorniges Nein und unmi\u00dfverst\u00e4ndliche Verurteilung geradezu Anstandssache &#8211; oder sehe ich menschenverachtende Sendungen im Fernsehen, wo Zorn und Widerstand und Fluchworte mich \u00fcbermannen. &#8211; Und auch Jesus selbst wurde bekanntlicherweise von einem &#8211; wie wir sagen &#8211; &#8222;heiligen Zorn&#8220; \u00fcbermannt, als er sah, wie der &#8222;Tempel Gottes&#8220; zu einer &#8222;R\u00e4uberh\u00f6hle&#8220; verkam. Also Nein, so rigoros friedvoll und sanftm\u00fctig l\u00e4\u00dft sich nicht leben, darf man gar nicht leben. Einen verp\u00e4teten Faschingsscherz hat Jesus hier gemacht. Oder?<\/p>\n<p>Nun kann man sagen: Was Jesus sagte, gilt gar nicht allgemein f\u00fcr jedermann oder jedefrau, so als Weltformel f\u00fcr sanftm\u00fctigen Umgang miteinander. Er hat es zu seinen J\u00fcngern (und J\u00fcngerinnen) gesagt, zu seiner &#8222;Br\u00fcdergemeinde&#8220;, also zu uns in der Kirche, die wir als Christen bewu\u00dft seinem Weg folgen sollen und auch wollen. Und unser Lebensstil habe sich eben zu unterscheiden von denen anderer Menschen. Hoher Anspruch, hohe Verpflichtung. Die moralische Me\u00dflatte liegt f\u00fcr Christen halt h\u00f6her. &#8211; Oh ja, wenns so gemeint ist, sieht die Bilanz fast noch schlimmer aus. Denn manchmal hab ich den Eindruck, in der Kirche geht\u2019s trotz aller, vielleicht gar wegen aller Beschw\u00f6rung der &#8222;Br\u00fcderlichkeit&#8220; (neuerdings sagen wir dazu &#8222;Geschwisterlichkeit&#8220;, aber das hat in der Sache nichts ge\u00e4ndert) keinen Deut besser zu. Zorn, \u00fcble Nachrede, geh\u00e4ssiger Neid, s\u00fcffisanter Sarkasmus, hinterfotziges Mobbing &#8230; ach und all die anderen Spielarten, den &#8222;Bruder&#8220; und die &#8222;Schwester&#8220; ins Abseits zu stellen, sind eher die Regel als die Ausnahme. Denk ich z.B. an den vitalen Existenzkampf um eine Berufsperspektive junger Theologen, angehender Pastoren\/innen. Denk ich an die Verteilungsk\u00e4mpfe in Synoden um Geld, in Pfarrkonventen, Kirchenvorstandssitzungen um Ansehen und Einflu\u00df. Genug von allem: Wir scheitern an unseren &#8211; an Jesu &#8211; zu hohen Anspr\u00fcchen. Und ganz ehrlich: Wer hat sich denn wirklich schon ganz konkret (und nicht nur in frommen Gedanken) vor dem Gang zum Abendmahl mit seinem Bruder vers\u00f6hnt (vv.23-24), welcher Bruder hats dann auch angenommen und es nicht nur als gutgemeintes Wortgeklimper empfunden? Und vor allem: Wie hat sichs auf den weiteren Umgang miteinander ausgewirkt?<\/p>\n<p>Nein, auch unter &#8222;Geschwistern&#8220; gilt: So l\u00e4\u00dft sich nicht leben, so leben wir jedenfalls nicht. Jesu rigorose Moral: &#8222;Ich aber sage euch..&#8220; h\u00e4lt der Wirklichkeit, gerade auch der christlichen, nicht stand. Auch wenn es noch so passioniert vorgetragen ist. Das ist alles &#8222;erschreckend&#8220; rigoros. Kein \u2018Salz der Erde\u2019 da, vom \u2018Licht der Welt\u2019 noch ganz zu schweigen.<\/p>\n<p>2.\u00a0Ja, so l\u00e4\u00dft sich leben, durchaus, grad weil Jesu Wort nicht nur &#8222;erschreckend&#8220;, sondern auch &#8222;erfrischend&#8220; rigoros ist. Unter zwei Voraussetzungen:<\/p>\n<p>a) Wenn jeder nicht auf den anderen schaut, obs da klappt &#8211; in der Kirche, in unserer Gesellschaft &#8211; und da nat\u00fcrlich sofort entdeckt, da\u00df es nicht klappt. Sondern wenn jeder bei sich selbst beginnt, bei sich ganz pers\u00f6nlich, ganz unabh\u00e4ngig davon, wies bei anderen aussieht. &#8222;Du bist der Mann&#8220;, &#8222;Du bist die Frau&#8220;, die hier angeredet ist, Du ganz pers\u00f6nlich und ganz direkt, ohne da\u00df Du auf den\/die andere\/n schielen mu\u00dft. Bei Dir beginnt es, wenn es beginnt. Und wenn ich wirklich bei mir beginne, dann habe ich gar keine Zeit, kann man sich gar nicht den Luxus leisten, auf andere zu schielen. Und ich hab genug damit zu tun, bei mir selbst zu beginnen, in mir und in meiner kleinen aber \u00fcberschaubaren Welt mit mir so erfrischend rigoros zu sein und zu sehen, wieweit ich damit komme.<\/p>\n<p>b) Hier wird kein &#8222;Ist-Zustand&#8220; von Jesus festgestellt. So ist es also bei mir, bzw. so solls, mu\u00df es gar bei mir sein. Hier wird vielmehr ein Ziel anvisiert, auf das hin ich mein Leben orientiere. Frei nach Paulus: &#8222;Nicht da\u00df ichs ergriffen h\u00e4tte, ich jage ihm aber nach, weil ich davon ergriffen worden bin&#8220;. Also nicht: So soll es sein, mu\u00df es sein &#8211; und leider &#8211; verdammt noch mal &#8211; scheitere ich immer wieder, weils so erschreckend rigoros ist. Und auch nicht: So ist es bei mir und ich kann mich vergn\u00fcgt damit beruhigen, da\u00df ich ja laut Jesu Zusage \u2018Salz der Erde\u2019 schon bin und auch so leben. Sondern: Ich wei\u00df f\u00fcr mich, wo es langgeht, welcher Lebensstil f\u00fcr mich der richtige ist. Und ich werde nicht m\u00fcde werden, mich daran, an Jesu Lebensstil, zu orientieren. Ich werde wohl &#8211; das sagt meine Lebenserfahrung &#8211; dies Ziel in meinem Leben nie erreichen, aber ich arbeite daran, bleib nicht stehen, sondern gehe immer weiter, mal stolpernd, mal auch fallend, aber unbeirrt das Ziel vor Augen, das ich als richtig erkannt habe, heilsnotwendig zun\u00e4chst f\u00fcr mich, ja und dann&#8230; vielleicht strahlt es ja auch nach au\u00dfen aus, zieht andere mit hinein in diesen \u2018way of live\u2019. Also zum Gl\u00fcck ist Jesu &#8222;Ich sage euch&#8230;&#8220; so erfrischend rigoros, zu meinem Gl\u00fcck. Denn nun wei\u00df ich, wo es langgeht in meinem Leben. Das will ich ganz ernst nehmen und peu a peu &#8211; ohne mich zu \u00fcberfordern, ohne mich unter einen gesetzlichen Zwang zu stellen, ohne andere daran zu messen, ohne zu resignieren, wenn ich meine Mittelm\u00e4\u00dfigkeit sehe, ohne zu stolz auf kleine Zwischenerfolge zu sein &#8211; daran arbeiten, damit leben, meinem Leben so eine innere Gestalt und ein \u00e4u\u00dferes Ziel zu geben.<\/p>\n<p>Ja also, danach l\u00e4\u00dft sich leben. Durchaus. Und es gibt auch konkrete Beispiele daf\u00fcr. Dabei mu\u00df ich nicht nur an so gro\u00dfe, oft uns viel zu gro\u00dfe Menschen wie L. Tolstoi und D. Bonhoeffer denken, die das ganz ernst und w\u00f6rtlich genommen und in ihrem Leben zum mindesten ansatzweise verwirklicht haben. Ich denke einfach &#8211; das ist doch erlaubt &#8211; an mich selber und erinnere mich an Situationen, wo ich in diesem Geist gehandelt, gelebt habe (sehr ansatzweise nur, zugegeben, aber doch immerhin, ich bin ja erst auf dem Wege). Und jeder kann da bei sich selbst beginnen, &#8222;in sich gehen&#8220;, sich betrachten und vielleicht wird er Spurenelemente davon durchaus entdecken. Vielleicht? Ich denke: bestimmt! Und dann erinnern wir uns auch an Situationen in Synoden und Pfarrkonventen und bei Familienkonferenzen und gar in politischen Gremien, wo das ansatzweise geklappt hat, wo gegen alle Verletzungs- gar verbale T\u00f6tungsgel\u00fcste &#8222;Vers\u00f6hnung&#8220;, &#8222;Verst\u00e4ndigung&#8220;, &#8222;Verzeihung&#8220; sich ausbreiten, wo ohne da\u00df Diktat der alles zudeckende Sanftmut sich der Zorn durch friedenschaffende Ma\u00dfnahmen in Verst\u00e4ndnis verwandelt. Das gibt es durchaus, vielleicht mehr als wir Skeptiker vorschnell denken.<\/p>\n<p>Also: Erfrischend rigoros ist das, was Jesus sagt. Er mu\u00df es so rigoros sagen, weil wir &#8211; zun\u00e4chst jeder ganz pers\u00f6nlich, also Du und Du und ich &#8211; nur so aufmerksam gemacht werden auf F\u00e4higkeiten und Talente, die durchaus in uns drinstecken, die Gott von Anfang an in uns hineingelegt hat und die trotz all unserer Unvollkommenheit und unseres Versagens (&#8222;S\u00fcnde&#8220; kann mans auch nennen) durchaus noch in uns stecken, wieder in uns stecken, weil Jesus wieder zutage gef\u00f6rdert hat. Erfrischend, begl\u00fcckend, befreiend rigoros redet Jesus hier.<\/p>\n<p>III<\/p>\n<p>Und so gilt am Ende nat\u00fcrlich: &#8222;Ihr seid das Salz der Erde&#8220;. Wir sind es, wenn wir uns an Jesu Lebenstil halten, wenn das unsere Zielvorgabe ist und wir uns daran orientieren. Salz der Erde sind wir gerade darin, da\u00df wir nicht nachlassen, diesen Lebensstil ernst zu nehmen, da\u00df wir nicht irre werden, uns daran zu orientieren. Und damit nat\u00fcrlich bei uns selbst zu beginnen. Dann ist es auch erlaubt, ja notwendig, dies gesamtgesellschaftlich &#8222;einzufordern&#8220;, oder freundlicher gesagt: immer neu an diesen Lebensstil zu erinnern. Salz der Erde sind wir, wenn wir unbeirrt weiter darauf vertrauen, so l\u00e4\u00dft sich sinnvolles Zusammenleben durchaus regeln. Salz der Erde sind wir, wenn wirs &#8211; zugegeben: mit unserer kleinen Kraft &#8211; einfach vorleben. Mag sein, da\u00df es Kreise zieht, da\u00df es ansteckt, da\u00df dieser Stil sich gar als allgemein &#8222;vern\u00fcnftig&#8220; erweist. Das Bild vom &#8222;Salz in der Suppe&#8220;, da\u00df die Suppe w\u00fcrzt und erst wirklich genie\u00dfbar macht, darf hier durchaus verwandt werden. &#8222;Genie\u00dfbar&#8220; ist unser Leben wirklich nur, wenn stellvertretend f\u00fcr die, die es nicht wollen und nicht k\u00f6nnen, dieser Lebensstil Jesu zum mindesten unterschwellig das Miteinander pr\u00e4gt, vielleicht gar heimlich zur Anstandssache wird. Nicht alle m\u00fcssen da mitmachen, bewahre Gott, es reicht bereits aus, wenns einige sind, vielleicht auch noch ein paar mehr, denn das Salz im \u00dcberma\u00df kann ja auch die Suppe versalzen.<\/p>\n<p>&#8222;Ihr\u00a0seid\u00a0das Salz der Erde&#8220;, sagt Jesus erfrischend, begl\u00fcckend, befreiend rigoros zu sein, konkret zu Dir, zu Dir und nat\u00fcrlich auch zu mir. Ich glaube, wir haben guten Grund, dies ernst zu nehmen und uns einfach daran zu halten. Es ist so und Jesus traut es uns zu, da\u00df wirs wirklich sind. Und daher brauchen wir auch keine Spekulationen dar\u00fcber anzustellen, was denn geschieht, wenn das Salz stumpf wird, \u00f6d und fad, und also weggeworfen wird. Das brauchen wir nicht, denn wir sind ja Salz der Erde. Oder?<\/p>\n<p><strong>Nachbemerkung:<\/strong>\u00a0Es ist eine gute Entscheidung, die sog. Antithesen der Bergpredigt, die einen Zyklus an den sechs Passionssonntagen bilden sollen, mit dem Wort vom &#8222;Salz der Erde&#8220; (Mt 5,13) zu verbinden. Damit ist zwar eine interessegeleitete Auslegung der Antithesen vorgegeben, aber jede Auslegung ist interessegeleitet und daher ist es gut, dies vorher auch offen zu sagen. &#8211; Da\u00df Christen \u2018Salz der Erde\u2019 sind (Pr\u00e4sens, nicht Futur! Indikativ, nicht Konjunktiv!) zeigt sich darin, ob und wie sie die Antithesen in ihrem Leben umsetzen. Und umgekehrt gilt auch: Wenn die Antithesen konkret das Leben der Christen\/innen gestalten, dann sind sie tats\u00e4chlich \u2018Salz der Erde\u2019. Dies zu verdeutlichen, ist Aufgabe der Predigt.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Prof. Dr. Axel Denecke<\/p>\n<p>(Hauptpastor St. Katharinen\/Hamburg)<\/p>\n<p>Herbert-Weichmann-Str. 34<\/p>\n<p>22085 Hamburg<\/p>\n<p>Fax-Nr. 0511 \/ 612024<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigtreihe: Die Antithesen in der Bergpredigt | 18.2.1999 | Mt 5,13; 21-26 | Axel Denecke | I Rigoros &#8211; erfrischend rigoros, erschreckend rigoros &#8211; \u00fcberf\u00e4llt Jesus (nach der Komposition des Matth\u00e4us) seine Gemeinde in der Bergpredigt, nachdem er zuvor noch auf so freundliche Weise mit dem neunmaligen &#8222;Selig seid ihr&#8230;.&#8220; uns Gottes Heil zugesprochen hat. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":19019,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[36,727,1564,157,853,114,150,349,3,109,126],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-21228","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-matthaeus","category-archiv","category-axel-denecke","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-kapitel-5-chapter-5","category-kasus","category-nt","category-predigten","category-predigtreihen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21228","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21228"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21228\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21229,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21228\/revisions\/21229"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/19019"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21228"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21228"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21228"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=21228"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=21228"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=21228"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=21228"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}