{"id":21234,"date":"1999-03-14T16:17:06","date_gmt":"1999-03-14T15:17:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21234"},"modified":"2025-03-14T16:19:47","modified_gmt":"2025-03-14T15:19:47","slug":"matthaeus-531-32","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/matthaeus-531-32\/","title":{"rendered":"Matth\u00e4us 5,31-32"},"content":{"rendered":"<h3>Predigtreihe: Die Antithesen in der Bergpredigt | 7.3.1999 | Mt 5,31-32 | Beate Bachmann |<\/h3>\n<p>Die folgende Predigt ist f\u00fcr eine kleine Kirchengemeinde mit regem Gottesdienstbesuch in einer l\u00e4ndlichen Gegend konzipiert. Es ist mit Predigth\u00f6rern aller Altersstufen zu rechnen. Die Scheidungsrate liegt unter dem Durchschnitt, doch werden auch Geschiedene und Wiederverheiratete zu diesem Gottesdienst erwartet.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>wir leben in der Passionszeit. Wir denken in diesen Wochen an das Leiden Christi: Es ist f\u00fcr uns eine Herausforderung. Jesus hat f\u00fcr uns gelitten; er ist um unseretwillen in den Tod gegangen. Mu\u00dfte das sein? Es ist schwer auszuhalten, da\u00df ein anderer um unserer Schuld willen leiden, sterben mu\u00dfte. Ist die Schuld so gro\u00df? Und wenn sie so gro\u00df ist, mu\u00dfte dann Jesus sterben? Wir fragen uns, ob die Todesstrafe in den USA wirklich ausgef\u00fchrt werden mu\u00df. Jesus hat nicht gemordet und wir auch nicht.<\/p>\n<p>Der heutige Predigttext wird aber zeigen, wie n\u00f6tig sein Tod, dieses Geschenk der Liebe Gottes f\u00fcr uns ist. Der Inhalt des heutigen Textes ist als ein Beispiel zu verstehen; der Text zeigt uns einen konkreten Punkt auf, wo wir gegen Gottes Willen versto\u00dfen und uns damit schuldig machen.<\/p>\n<p>Die Tatsache, da\u00df uns diese Verse vielleicht als besondere H\u00e4rte erscheinen, zeigt umso deutlicher, wie weit der Wille Gottes dabei aus dem Bewu\u00dftsein der Menschen gewichen ist. In diesem Fall f\u00fchlen wir uns gar nicht vor Gott schuldig.<\/p>\n<p>I.<\/p>\n<p>Unser heutiger Predigttext steht bei Matth\u00e4us im f\u00fcnften Kapitel. Dort in der Bergpredigt hei\u00dft es: &#8222;Es ist gesagt: Wer seine Frau entl\u00e4\u00dft, soll ihr einen Scheidebrief geben. Ich aber sage euch: Jeder, der seine Frau entl\u00e4\u00dft, au\u00dfer bei einer Sache der Unzucht, tut, da\u00df sie die Ehe bricht. Und jeder, der eine geschiedene Frau heiratet, bricht ihre Ehe.&#8220;<\/p>\n<p>Im Ohr bleibt bei diesen beiden Versen der zweite, weil er eine ungeheuere Sprengkraft hat. Doch zun\u00e4chst wollen wir noch einmal bewu\u00dft den ersten Vers h\u00f6ren, gegen den sich Jesus mit seinem &#8222;Ich aber sage euch&#8220; wendet: &#8222;Es ist gesagt: Wer seine Frau entl\u00e4\u00dft, soll ihr einen Scheidebrief geben.&#8220; Diese Aussage bezieht sich auf einen Text im f\u00fcnften Buch Mose, einem Teil des j\u00fcdischen Gesetzes; eine Stelle, an der es um Scheidungsfragen geht. Danach konnte ein Ehemann seiner Ehefrau einen Scheidungsbrief ausstellen, gab ihr den von ihr eingebrachten Besitzanteil zur\u00fcck, und er war wieder ein freier Mann. Das Recht dazu hatte nur der Ehemann. Er wurde weder nach einem Grund noch nach einer Schuld gefragt. Es gen\u00fcgte einfach, da\u00df der Mann die Scheidung wollte. Die Frau wurde weder nach ihrem Wunsch nach Scheidung gefragt, noch hatte sie das Recht, sich scheiden zu lassen. Ohne ein Fehlverhalten ihres Mannes hatte sie keine M\u00f6glichkeit, sich von ihm zu trennen, wenn sie seiner \u00fcberdr\u00fcssig war.<\/p>\n<p>Wollte Jesus also die Situation der Frauen mit seinen Worten verbessern? Oder ging es ihm gar um die Gleichberechtigung von Mann und Frau?<\/p>\n<p>Jesus schr\u00e4nkt mit seinen Worten die Scheidung auf die F\u00e4lle ein, in denen sich die Frau ein unz\u00fcchtiges Verhalten zuschulden kommen lie\u00df. Wie weit dieser Begriff zur Zeit Jesu ausgelegt wurde, l\u00e4\u00dft sich heute nicht mehr klar sagen. Wir m\u00fcssen uns jedoch sicher darunter vorstellen, da\u00df Ehebruch dazu geh\u00f6rte. In diesem Fall war die betroffene Frau ohnehin nach j\u00fcdischem Recht von der Todesstrafe bedroht. Die Ehe w\u00e4re durch ihre Bestrafung sowieso beendet worden. Aber wollte Jesus genau das mit seinen Worten sagen?<\/p>\n<p>Sicher setzte sich Jesus f\u00fcr Benachteiligte und Schwache ein, zu denen auch Frauen geh\u00f6rten. Dennoch heben moderne Frauenrechtlerinnen bei dieser Auslegung des Verses nur einen Teil der Aussage \u00fcberm\u00e4\u00dfig hervor, und sie vernachl\u00e4ssigen daf\u00fcr andere Gesichtspunkte. Insbesondere fehlt dabei ein Grundgedanke, um den es Jesus ging: der Gotteswille. H\u00f6ren wir deshalb noch einmal Jesu Wort: &#8222;Ich aber sage euch: Jeder, der seine Frau entl\u00e4\u00dft, au\u00dfer bei einer Sache der Unzucht, tut, da\u00df sie die Ehe bricht, und jeder, der eine geschiedene Frau heiratet, bricht ihre Ehe.&#8220;<\/p>\n<p>Diesen Satz teilt uns Jesus als den Gotteswillen mit. Die Aussage reizt uns in der heutigen Zeit zu starken Reaktionen. Vielleicht m\u00f6chte mancher von Ihnen aufstehen und die Kirche verlassen, weil er nun eine Moralpredigt bef\u00fcrchtet oder sich von einer Pfarrerin nicht ein solches Wort sagen lassen will. Aber: Es ist nicht unser Wort, sondern der Bibeltext! Vielleicht sagen Sie auch: &#8222;So ein 2000 Jahre alter Text! Wie kann der heute noch eine Bedeutung f\u00fcr uns haben? Jesus hat sich doch nur gegen das j\u00fcdische Scheidungsrecht seiner Zeit gewandt.&#8220;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Aber, liebe Gemeinde, ist eine solche Reaktion nicht nur der Versuch, sich diesem Text mit seinem Anspruch zu entziehen? Auch ich kann den Text nur schwer aushalten. Ich w\u00fcrde lieber einen anderen Text predigen. Aber d\u00fcrfen wir uns von unserem Wollen leiten lassen? M\u00fcssen wir nicht vielmehr immer wieder nach Gottes Willen fragen? Diesen k\u00f6nnen wir in der Bibel erfahren. Daher m\u00fcssen wir auch die Aussagen, die uns nicht so gut passen, aufnehmen und danach fragen, wie wir damit umgehen k\u00f6nnen. Der Text will uns den Gotteswillen deutlich machen. Doch dar\u00fcber, wie wir als Menschen in unserer Menschlichkeit damit umgehen k\u00f6nnen, sagt er nichts aus.<\/p>\n<p>Gehen wir doch einmal von der gegenw\u00e4rtigen Wirklichkeit in der Welt aus. Sehen wir uns einmal in unserer Umwelt um. In den alten Bundesl\u00e4ndern wird jede dritte Ehe geschieden und in den neuen Bundesl\u00e4ndern sogar die H\u00e4lfte aller Ehen. Auch Menschen, die wir kennen, vielleicht wir selbst, sind geschieden. Manche der Geschiedenen sind wieder verheiratet.<\/p>\n<p>Heute ist eine Scheidung aus gesellschaftlicher Sicht kein Stein des Ansto\u00dfes mehr. Selbst eine mehrmalige Scheidung wird in h\u00f6chsten politischen und kulturellen Kreisen toleriert. Es gilt nicht mehr als Makel, geschieden zu sein.<\/p>\n<p>Auch in kirchlichen Kreisen ist die Scheidung heute nichts Ungew\u00f6hnliches mehr. Wenn es noch vor Jahrzehnten undenkbar war, da\u00df ein Pfarrer sich scheiden lie\u00df, so ist die Zahl der geschiedenen Pastoren heute erheblich. Schlie\u00dflich sind Pastoren nur Menschen! Gerade dieses Menschsein ist der Grund f\u00fcr das Scheitern einer Ehe.<\/p>\n<p>Wie gehen wir aber nun mit dem Predigttext um? Es ist der Wille Gottes, da\u00df Mann und Frau als Ehepaar zusammenleben. Schon im Sch\u00f6pfungsbericht hei\u00dft es: Sie sollen ein Fleisch werden. Dieses Ziel haben sie bei ihrer Eheschlie\u00dfung. Deshalb bitten sie um Gottes Segen f\u00fcr ihre Ehe, bis da\u00df der Tod sie scheide.<\/p>\n<p>Doch nun: das Aus. Vielleicht ist die Ehe am Alltagstrott oder der Langeweile erstickt. Vielleicht sind die Kinder aus dem Haus, und man hat sich nichts mehr zu sagen. Soll man jetzt um jeden Preis zusammenbleiben? Die Ehe wird vielleicht als Gef\u00e4ngnis erlebt.<\/p>\n<p>Kann es Gottes Wille sein, da\u00df wir so zusammenleben? Nein, denn Gott hat Mann und Frau geschaffen, da\u00df sie als ein Fleisch zusammmenleben. Die Einheit ist jedoch in allen diesen F\u00e4llen schon viel fr\u00fcher zerbrochen. Die Scheidung ist nur noch die Folge. Der Ehebruch liegt viel l\u00e4nger zur\u00fcck.<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Uns bleibt nur ein Weg: uns auf den Weg zu unserem Gott zu machen. Zu dem Gott, der von uns Menschen mehr erwartet, als wir leisten k\u00f6nnen. Zu dem Gott, der um unsere Schwachheit wei\u00df. Dieser Gott ist die Liebe. Aus seiner Liebe heraus hat er uns seinen Sohn geschickt.<\/p>\n<p>Erinnern wir uns noch einmal an den Anfang der Predigt, als wir \u00fcber den Sinn des Leidens und Sterbens Jesu nachgedacht haben. Unser Predigttext gibt ein Beispiel daf\u00fcr, wie n\u00f6tig wir Gott und seine Liebe haben. Dann, wenn wir selbst nicht mehr weiterwissen, wenn wir uns selbst aus unserer Lage nicht befreien k\u00f6nnen, weil wir als Menschen in Schuld verstrickt sind, dann brauchen wir immer wieder aufs neue Gottes erbarmungsvolle Liebe. W\u00fcrden wir allein vor Gottes Anspruch dastehen, dann w\u00e4ren wir verloren. Wir k\u00f6nnten seinem Anspruch nicht gerecht werden.<\/p>\n<p>Doch Gott hat nicht nur diesen Anspruch an uns, sondern er wei\u00df auch um unsere Menschlichkeit und Beschr\u00e4nktheit. Darum d\u00fcrfen wir wissen, was immer unsere Schuld sein mag, was die Ursache ist und wie gro\u00df sie uns auch erscheinen mag: Wir d\u00fcrfen immer hin zu diesem Gott fliehen! Wir d\u00fcrfen auf seine Vergebung hoffen, denn er hat uns seine Hilfe und Liebe zugesagt.<\/p>\n<p>Das sichtbare Zeichen der Liebe Gottes ist sein Sohn, den er auf die Erde gesandt hat und den er f\u00fcr uns in sein Leiden und Sterben gab. Gott, der seinen eigenen Sohn gab, damit die Welt gerettet w\u00fcrde, dieser Gott nimmt auch uns mit unserer Schuld an.<\/p>\n<p>Damit ist auch der heutige Predigttext auszuhalten. Bei dem Anspruch Gottes, den er an uns hat und dem wir oft nicht gerecht werden k\u00f6nnen, d\u00fcrfen, ja sollen wir wissen, da\u00df Gottes Liebe und Vergebung uns zugesprochen ist, wenn wir darum bitten.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Beate Bachmann, Br\u00fcckenhof 14, 34329 Nieste b. Kassel, Tel. 05651 \/ 951795<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Predigtreihe: Die Antithesen in der Bergpredigt | 7.3.1999 | Mt 5,31-32 | Beate Bachmann | Die folgende Predigt ist f\u00fcr eine kleine Kirchengemeinde mit regem Gottesdienstbesuch in einer l\u00e4ndlichen Gegend konzipiert. Es ist mit Predigth\u00f6rern aller Altersstufen zu rechnen. Die Scheidungsrate liegt unter dem Durchschnitt, doch werden auch Geschiedene und Wiederverheiratete zu diesem Gottesdienst erwartet. 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