{"id":21242,"date":"2000-06-12T16:22:28","date_gmt":"2000-06-12T14:22:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21242"},"modified":"2025-03-14T16:27:01","modified_gmt":"2025-03-14T15:27:01","slug":"epheser-411-16-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/epheser-411-16-3\/","title":{"rendered":"Epheser 4,11-16"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"600\" align=\"CENTER\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"color: #0000a0; font-size: xx-small;\">Pfingstmontag<\/span><br \/>\n<b>12.6.2000<br \/>\nEpheser 4,11-16 <\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\"><b>Leo Karrer <\/b><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"LEFT\">\n<p align=\"CENTER\"><b>Kirche: Einheit als leibhafter Christus <\/b><br \/>\n(Einheit in der Vielfalt durch Christus)<\/p>\n<p align=\"justify\"><b>Zur Brisanz des Schrifttextes<\/b><\/p>\n<p align=\"justify\">Gleich schon der erste Vers des Schrifttextes zur heutigen Predigt (4,11) nennt f\u00fcnf Gemeinde\u00e4mter, deren Aufgabenbereich in den folgenden Versen knapp skizziert wird (4,12-14). In der katholischen Kirche h\u00f6ren wir diese Worte aus dem Epheserbrief mit einem ganz anderen Klang als vermutlich die Christinnen und Christen aus den Kirchen der Reformation. Trotzdem ist die Unruhe um das Pfarramt, um die kirchlichen \u00c4mter, Dienststrukturen und der Ruf nach einer zeitgem\u00e4ssen Kirchenordnung in den meisten Kirchen zu sp\u00fcren. Ob es um die Probleme zwischen Kirchenleitung und Basis, um die Weihe von Frauen zu Priesterinnen, wie j\u00fcngst in der christ- bzw. altkatholischen Kirche, oder um den Z\u00f6libat und die Zulassung von Frauen zum Pfarramt in der katholischen Kirche und deren Personalfragen wie z.B. der sog. Priestermangel geht, das kirchliche Leben ist \u00fcber Geb\u00fchr mit diesen Problemen der kirchlichen Innenarchitektur besch\u00e4ftigt. Mit ganz neuen Formen und Kategorien von Seelsorgern und Seelsorgerinnen versucht man, einen Ausweg aus personellen Engp\u00e4ssen zu finden.<\/p>\n<p align=\"justify\">Gibt nun der Epheserbrief auf diese so aktuelle Herausforderung eine Antwort oder gar ein Patentrezept? Um es vorweg zu sagen: Ein Patentrezept bietet er nicht, denn es geht ihm gar nicht in erster Linie um Dienste, kirchliche \u00c4mter und um eine angemessene Kirchenordnung. Also sollten wir unserem ersten Eindruck nicht auf den Leim gehen.<\/p>\n<p align=\"justify\"><b>Christus ist das Haupt der Kirche <\/b><\/p>\n<p align=\"justify\">Wohl gibt der Epheserbrief eine Antwort. Aber die liegt keineswegs auf der Ebene der empirischen Institution Kirche mit ihren Strukturen und Aemtern. Vielmehr geht es um die Seele dessen, was die Kirche ausmacht und worauf alle ihre Gaben und Begabungen ausgerichtet sein sollen: auf den Grundstein oder Eckstein Jesus Christus. &#8222;Er h\u00e4lt das ganze Geb\u00e4ude zusammen, und durch ihn w\u00e4chst es zu einem heiligen Tempel im Herrn. Auch ihr werdet in diesem Bau eingef\u00fcgt, in dem Gott durch seinen Geist wohnt&#8220; (2,19). An einer sp\u00e4teren Stelle wird f\u00fcr den Eckstein Christus das Bild von Christus als dem Haupt der Kirche (5,23) gebraucht. Auf ihn kommt es also an und nicht auf die Kirchenorganisation mit ihren W\u00fcrdentr\u00e4gern und Theologen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Es scheint dem Verfasser des Epheserbriefes, der sich beim Schreiben vom Gedankengut des Paulus inspirieren liess, sehr wichtig zu sein, auf die Einheit der Kirche zu dringen. Zwar vernehmen wir kaum etwas Konkretes zur christlichen Gemeinde in Ephesus. Vielleicht war der Brief gar nicht direkt an diese Gemeinde gerichtet, sondern eine Art &#8222;Rundschreiben&#8220;. Dies w\u00fcrde den allgemeinen Stil und den katholischen bzw. weltumspannenden Charakter des Briefes erkl\u00e4ren. Der erste Teil ist auch entsprechend feierlich und meditativ; er &#8222;hat als ganzer einen geradezu liturgischen Klang, und wenn man irgendwo zu lesen beginnt, hat man den Eindruck, man komme versp\u00e4tet zu einem feierlichen Hochamt&#8220; (H.J. Venetz).<\/p>\n<p align=\"justify\">Wenn um Einheit gerungen wird, dann ist sie in Gefahr. Es gab somit schon damals Kirchenkrisen und Ertragen und Erleiden von Umbr\u00fcchen. Der erste Eifer hat in den christlichen Gemeinden einer Ern\u00fcchterung Platz gemacht; die Faszination des Neuen ist verblasst. Es gab vor allem in Kleinasien ein reiches Angebot an Religionen, Mysterienvereinen und religi\u00f6sen Bruderschaften. Die Spannung zwischen ehemaligen Heiden und Juden erwies sich als Dauerbrenner. Und mit dunkler Anspielung wird im Epheserbrief auf synkretistische Verirrungen hingewiesen (4,14), die eine lockere Verschmelzung verschiedener Religionen und Weltanschauungen ohne inneren Zusammenhang bedeuteten. Ist es da nicht mehr als verst\u00e4ndlich, dass im Hintergrund auch Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf die sich damals verfestigende \u00c4mterstruktur eine Rolle spielten? Ist es dann nicht geradezu notwendig, dass klare Verh\u00e4ltnisse inneren Zusammenhalt und Geschlossenheit garantieren sollen? &#8222;In einer Zeit aufl\u00f6sender Tendenzen, der Krise, des religi\u00f6sen Individualismus, der Geschichtslosigkeit stellt der Epheserbrief den Versuch dar, das Heil Gottes, das sich in der universalen Kirche \u2026 dargestellt hat, und die konkrete Verantwortung abzusichern&#8220; (J. Gnilka). Die Parallelen zur heutigen Zeit sind offenkundig.<\/p>\n<p align=\"justify\"><b>Mahnung zur Einheit in Christus <\/b><\/p>\n<p align=\"justify\">So m\u00fcndet der erste eher theoretische und hymnische Abschnitt des Epheserbriefes im zweiten Teil in eine Paraklese mit Mahnungen und praktischen Anweisungen in die damalige Stunde der werdenden Kirche. Wer nun eine klare \u00c4mterstruktur und eine normative f\u00fcr alle Zeiten g\u00fcltige Kirchenordnung erwartete, w\u00fcrde dem Text Gewalt antun m\u00fcssen. Nicht auf die Organisation kommt es in erster Linie an, sondern auf das Anliegen, in dessen Dienst die Aemter und Strukturen stehen, auf die Aufgaben, auf die Funktion, w\u00fcrden wir heute auch sagen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Es geht darum, &#8222;die Heiligen f\u00fcr die Erf\u00fcllung ihres Dienstes zu r\u00fcsten, f\u00fcr den Aufbau des Leibes Christi. So sollen wir alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen&#8220; (4,12f).<\/p>\n<p align=\"justify\">Zugegeben, diese Sprache klingt reichlich fremd; sie geh\u00f6rt in die damalige Kirchenstunde. Aber auch f\u00fcr heute wird doch offenkundig, um was es geht: nicht um ein Modell des kirchlichen Systems, sondern um die Verwirklichung der Kirche als Leib Christi. Kirche soll in allen ihren Mitgliedern leibhaftig Christus \u00e4hnlich werden. Dadurch findet der Mensch zur Erf\u00fcllung seiner Berufung. Und indem er diese lebt, nimmt Christus in dieser Welt Gestalt an.<\/p>\n<p align=\"justify\">Somit geht es auch heute in den verschiedenen Lebenskontexten um die christliche Dimension von Kirche, n\u00e4mlich darum, dass Kirche als solche erfahren werden kann, wo Menschen sich miteinander auf den Weg und auf die Botschaft Jesu von Nazaret einlassen. Kirche wird zum Leib Christi, wenn sie sich ins Leben hinein verleiblicht und damit zum Ort wird, wo in unserem pers\u00f6nlichen Alltag und in der gesellschaftlichen Umwelt von jener neuen und gr\u00f6sseren Liebe und Hoffnung etwas gelebt und erfahren wird, von denen die biblischen Urkunden des Glaubens erz\u00e4hlen. Kirche wird demzufolge durch menschliche Beziehungen und durch unser Tun zum anschaulichen Hinweis auf das, was im Evangelium mit Reich Gottes gemeint ist und der Epheserbrief &#8222;Glauben und Erkenntnis des Sohnes Gottes&#8220; nennt. So sind alle am Aufbau der Kirche als lebendige Steine beteiligt. Und f\u00fcr den Bauplatz Kirche braucht es Dienste und eine Kirchenordnung, die sich den Anforderungen der jeweiligen Zeit \u2014 allerdings dem Auftrag entsprechend \u2014 anzupassen haben. Aber es ist letztlich Christus, der den Sinn dieser Dienste ausmacht, er gibt &#8222;den einen das Apostelamt&#8220;, er setzt &#8222;andere zu Propheten ein, zu Evangelisten, Hirten und Lehrern&#8220; (4,11). Diese Begabungen und Gaben finden ihren Sinn in ihren Aufgaben und nicht einer \u00dcber- und Unterordnung oder in Bestimmungen, die manche zum vornherein manche ausschliessen.<\/p>\n<p align=\"justify\"><b>Wachsen im Tun der Liebe <\/b><\/p>\n<p align=\"justify\">In diesem Zusammenhang wird betont, dass es auf die Liebe ankommt, die sich im Tun und Leben der Wahrheit erf\u00fcllt: &#8222;Wir wollen uns, von der Liebe geleitet, an die Wahrheit halten und in allem wachsen, bis wir ihn erreicht haben. Er, Christus, ist das Haupt\u2026 Jedes tr\u00e4gt mit der Kraft, die ihm zugemessen ist. So w\u00e4chst der Leib und wird in Liebe aufgebaut&#8220; (4,15f). Wenn immer das Boot der Kirche hoher Brandung ausgesetzt ist oder an Bord selber Konflikte drohen, so kommt es auf den Kompass an, der sich an Jesus Christus orientiert und in seinem Geiste handelt. Das Tun der Wahrheit aus dieser Berufung heraus wird als das Mittel in der Auseinandersetzung und in der Konfrontation mit Irrlehren herausgestrichen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Dabei gewinnen wir einen fast barmherzigen Hinweis, der den Gesetzen des Lebens und dem Reifen des Menschen gerecht wird. Es ist mehrmals vom Wachsen, also von Werden und Reifen, von Entfaltung und Entwicklungsphasen die Rede. Christsein ist ein Weg der Hoffnung im Vertrauen auf den Weg und die Botschaft Jesu von Nazaret, kein theoretisches Ideal oder Wunschbild, das nur \u00fcberfordert und dadurch entmutigen kann. Praktisches Christsein hat mit konkreten Menschen zu tun, mit Lebensprozessen und mit der pers\u00f6nlichen Erreichbarkeit, es geht um die Beziehungsf\u00e4higkeit zu sich und den Anderen und zur Realit\u00e4t. Da ergeben sich nicht auf Anhieb idealistische Erfolgskategorien und moralische H\u00f6chstleistungen. Das Leben auch der Christinnen und Christen ist gepr\u00e4gt von den Gesetzen des Reifens und des Freiheitswagnisses, der Pers\u00f6nlichkeitsprozesse mit all den m\u00f6glichen Fortschritten und R\u00fcckschritten, mit Mut und Angst, mit Zweifel und Wagnis, mit Suchen und Warten, Gelingen und Scheitern, mit Erfahrungen der seligen Freude am geschenkten Glauben und der abgrundtiefen Gottesferne und Not mit der Gottesfrage\u2026 wie eben das Leben so spielt. Die Realit\u00e4ten und Herausforderungen des Lebens werden nicht geschenkt und nicht erlassen. Der &#8222;alte Mensch&#8220; (4,22) ist nun einmal nicht so leicht abzulegen. Aber der &#8222;neue Mensch&#8220; (4,24) wird zum &#8222;Bild Gottes&#8220;, wenn er sein konkretes Leben immer wieder am Glauben an Jesus Christus auszurichten versucht und daraus Kraft gewinnt, konkrete Hoffnungsschritte im Alltag zu wagen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Damit sind zwar f\u00fcr die praktischen Probleme um Dienste, \u00c4mter und Strukturen der Kirchenordnung und f\u00fcr das \u00f6kumenische Miteinander der Kirchen nicht Patentrezepte gewonnen; aber es ist der entscheidende Kompass f\u00fcr die L\u00f6sung der Probleme ins Spiel gebracht.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><b>Prof. Dr. Leo Karrer<br \/>\nDepartement f\u00fcr Praktische Theologische Fakult\u00e4t<br \/>\nUniversit\u00e4t Freiburg i. Ue.<br \/>\nMis\u00e9ricorde<br \/>\nCH &#8211; 1700 Fribourg<br \/>\n<a href=\"mailto:Leo.Karrer@unifr.ch\">E-Mail: Leo.Karrer@unifr.ch<\/a><\/b><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=000612.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pfingstmontag 12.6.2000 Epheser 4,11-16 Leo Karrer Kirche: Einheit als leibhafter Christus (Einheit in der Vielfalt durch Christus) Zur Brisanz des Schrifttextes Gleich schon der erste Vers des Schrifttextes zur heutigen Predigt (4,11) nennt f\u00fcnf Gemeinde\u00e4mter, deren Aufgabenbereich in den folgenden Versen knapp skizziert wird (4,12-14). 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