{"id":21251,"date":"2000-06-18T16:29:02","date_gmt":"2000-06-18T14:29:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21251"},"modified":"2025-03-14T16:30:37","modified_gmt":"2025-03-14T15:30:37","slug":"epheser-1-3-14-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/epheser-1-3-14-8\/","title":{"rendered":"Epheser 1, 3-14"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"600\" align=\"CENTER\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"color: #0000a0; font-size: xx-small;\">Trinitatis<\/span><br \/>\n<b>18.6.2000<br \/>\nEpheser 1, 3-14<\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\"><b>Gertrud Yde Iversen, D\u00e4nemark<\/b><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"LEFT\">\n<p align=\"justify\">Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p align=\"justify\">Der Epheserbrief ist eine merkw\u00fcrdige Schrift. Worum geht es hier eigentlich? Sie handelt von der Einheit von Juden und Heiden im Leib Christi, von Christus als dem Haupt der Kirche, vom Leben in der Kirche als einem Wachsen hin zur Einheit und F\u00fclle. In Wirklichkeit aber ist der Epheserbrief in erster Linie eine Schrift \u00fcber das alles entscheidende Geschehen in Christus und dar\u00fcber, wie dieses das Leben total ver\u00e4ndert f\u00fcr die, die an ihn glauben.<\/p>\n<p align=\"justify\">Und dann wird die Schrift mit diesem gewaltigen Lobpreis f\u00fcr das Heil eingeleitet, das Gott denen bereitet hat, die an Christus glauben. Ein Lobpreis, der gro\u00df angelegt ist in einer Perspektive, die alles im Himmel und auf Erden umfa\u00dft, vom Anfang bis zum Ende, von Gott zu den Menschen. Und er ist in einer \u00fcberschw\u00e4nglichen Sprache abgefa\u00dft. Im Griechischen ist der ganze Abschnitt nur ein einziger Satz, eine meditierende liturgische Prachtsprache mit langen verschrobenen Passagen. \u00dcberschw\u00e4nglich, aber auch innerlich und fromm spricht der Text von dem Segen, der <i>uns<\/i>, die wir an Christus glauben, zuteil geworden ist. Ein \u00fcberschw\u00e4nglicher Dank und \u00fcberstr\u00f6mende Dankbarkeit, eine \u00fcberw\u00e4ltigende \u00dcberzeugung, eine umfassende Deutung der Wirklichkeit. Das Letztere ist kein unwesentliches Motiv in diesem Text. Vielleicht in den Augen unserer Zeit das Wichtigste. Nat\u00fcrlich ist es nicht gleichg\u00fcltig, da\u00df die Sprache pr\u00e4chtig und die Perspektive weit ist, aber die Deutung der Wirklichkeit in ihrem Zusammenhang, die in dem Lobpreis ihren Ausdruck findet, wird in unserer postmodernen Zeit immer mehr zu einer lebenswichtigen Stimme.<\/p>\n<p align=\"justify\">I<\/p>\n<p align=\"justify\">Es ist gar nicht so schwer zu erfassen, was gesagt wird. Alles greift ineinander. Aber man kann die allerersten Zeilen als \u00dcberschrift \u00fcber den ganzen Lobpreis sehen: &#8220; Gelobt sei Gott &#8230;., der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus&#8220;. Aller geistlicher Segen. Das ist viel. In diesem Sinne besteht nat\u00fcrlich ein guter Grund zu dem gewaltigen Lobpreis. Segen bedeutet eigentlich Schutz und Zustimmung. Das ist wichtig auch f\u00fcr das, was hier gesagt wird: Gott hat sein Volk erw\u00e4hlt, es zur Kindschaft berufen und diesen Bund durch den Heiligen Geist der Verhei\u00dfung in der christlichen Taufe besiegelt.<\/p>\n<p align=\"justify\">Zugleich handelt es sich um einen Lobpreis des &#8222;dennoch&#8220;. Der Autor des Epheserbriefs ist ein Mensch, der im Gef\u00e4ngnis sitzt. Er hat zu irgendeinem Zeitpunkt in seinem Leben das gefunden, was man den Schl\u00fcssel zu seinem Leben nennen k\u00f6nnte. Ein Schl\u00fcssel, der das Gro\u00dfe mit dem Kleinen verbindet &#8211; das, was war, mit dem, was kommt. Es handelt sich um eine befreiende Einsicht in sein Leben und in die Wirklichkeit, eine neue und befreiende Gotteserfahrung, von der er sprechen mu\u00df. Deshalb sitzt er im Gef\u00e4ngnis. Nach der Tradition ist dieser Autor der Apostel Paulus, aber es ist mindestens ebenso wahrscheinlich, da\u00df es sich um einen anderen handelt, einen Sch\u00fcler des Paulus. Wie dem auch sei, es ist also keine Klage, die aus dem Gef\u00e4ngnis kommt, keine Anklage gegen die, die ihn hinter Schlo\u00df und Riegel gebracht haben, kein Ruf danach, aus dem Gef\u00e4ngnis herauszukommen. Statt dessen ein Lobpreis an den Gott, der sein Volk befreit hat. Was dieser Mann &#8211; ob es nun Paulus selbst war oder nicht &#8211; gedacht hat, was er erduldet und gelitten hat, das wissen wir nicht. Eines aber k\u00f6nnen wir sehen: Der Mann sitzt im Gef\u00e4ngnis, und dennoch lobt er den Gott, der ihn befreit hat. Im Gef\u00e4ngnis und dennoch frei. Die Wirklichkeit der Erfahrung ist also eine, die Wirklichkeit des Glaubens eine andere. Aber damit nicht genug: Dies ist die wahre Wirklichkeit. In allem, was ist und in allem, was die Menschen erfahren k\u00f6nnen an Gefangenschaft und Tod, wirkt Gott mit seinem Segen. In Christus ist alles vers\u00f6hnt und befreit, und in ihm soll alles \u00fcberwunden werden, was jetzt den Menschen nach dem Leben trachtet &#8211; alles, was im Himmel ist und auf Erden.<\/p>\n<p align=\"justify\">II<\/p>\n<p align=\"justify\">Wie h\u00f6ren wir diesen Lobpreis? Was tun wir, wenn wir die Lobges\u00e4nge anderer h\u00f6ren? Erf\u00fcllt uns ein Wundern, Neid, sind wir \u00fcberw\u00e4ltigt, f\u00fchlen wir Dankbarkeit? Denken wir: Wie kann der im Gef\u00e4ngnis sitzen und dennoch mit einem Lobpreis Gottes reagieren? Denken wir: Wenn ich doch nur auch so im Glauben gefestigt w\u00e4re und in dieser Stimmlage Gott preisen k\u00f6nnte? Oder ist all dieser Lobpreis zu \u00fcberw\u00e4ltigend und nicht besonders glaubw\u00fcrdig, wenn man daran denkt, wie die Welt aussieht? Oder vielleicht reagieren wir mit Dankbarkeit dar\u00fcber, da\u00df hier trotz allen Elends und aller Not in der Welt die Stimme eines Menschen laut wird, der es wagt, diese gro\u00dfen Worte in den Mund zu nehmen, und das gro\u00dfe Heilswerk Gottes zu besingen, der es wagt, die vielen Bruchst\u00fccke der Wirklichkeit als ein Ganzes zu deuten?<\/p>\n<p align=\"justify\">Ich glaube, es kommt darauf an, wie wir uns selbst als ein Teil des kleinen Wortes mit der gro\u00dfen Bedeutung sehen &#8211; ich meine das Wort <i>uns<\/i>. Es f\u00e4llt auf, da\u00df diese Formulierung sich durch den ganzen Lobpreis hindurchzieht: Christus hat <i>uns<\/i> gesegnet. Der Autor des Lobpreises redet nicht nur von sich selber, \u00fcber mich, sondern von <i>uns<\/i>, das hei\u00dft von denen, die an Christus glauben. Es geht also nicht darum, was allein f\u00fcr ihn wahr ist. Der sogenannte Schl\u00fcssel, den er gefunden hat, um die Wirklichkeit der Welt zu erschlie\u00dfen, ist nicht allein dadurch gefunden, da\u00df Gott sich ihm in seinem eigenen Leben gezeigt hat, sondern vielleicht auch in dem Leben, das er bei den anderen gesehen hat. So war es jedenfalls bei Paulus. Das sehen wir in seinen Briefen. Immer wieder dankt Paulus Gott f\u00fcr seine Gemeinden, f\u00fcr ihre Standhaftigkeit in dem Glauben an Christus, den er ihnen beigebracht hat. Das tut er nicht nur, um sich selbst zu loben, sondern auch, weil ihre Festigkeit im Glauben f\u00fcr ihn ein Zeichen der Hoffnung ist. Wenn Paulus Gott in seinen Briefen dankt, dann nicht nur f\u00fcr den Glauben, den er selbst empfangen hat, sondern auch f\u00fcr den Glauben der anderen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Das ist ein Aspekt, den wir gew\u00f6hnlich nicht beachten. Jedenfalls nicht in D\u00e4nemark, wo ich lebe. Wir leben in einer individualistischen Zeit, wo sich vieles in der Schule, am Arbeitsplatz, in der Freizeit darum dreht, wie ich, der einzelne, am besten meine F\u00e4higkeiten entfalte. Dies gilt auch in religi\u00f6sen Fragen bei Kindern wie bei Erwachsenen. Ob Gott eine Bedeutung hat, h\u00e4ngt davon ab, ob er &#8222;f\u00fcr mich&#8220; etwas bedeutet. Wir sitzen sonntags in der Kirche und h\u00f6ren die Erz\u00e4hlungen des Evangeliums und denken daran, ob das, was dort geschieht auch &#8222;mit mir&#8220; passieren k\u00f6nnte, und wir setzen uns sogleich an die Stelle der trauernden Witwe, des toten Sohnes, der weinenden S\u00fcnderin oder des Gel\u00e4hmten. Dann hofft man, da\u00df das, was ihnen widerfuhr, auch f\u00fcr mich geschieht. Dies kann nat\u00fcrlich eine wichtige Seite des pers\u00f6nlichen Gottesverh\u00e4ltnisses und Fr\u00f6mmigkeitslebens sein. So weit, so gut. Aber das ist nicht die einzige Dimension. Es gibt auch eine andere, und an die erinnert uns der Predigttext dieses Sonntags. Hier werden wir Zuh\u00f6rer des Lobpreises eines anderen Menschen, und wir sollen nicht in erster Linie seine Worte zu den unsrigen machen, sondern seine Worte h\u00f6ren und uns \u00fcber die Freude freuen, die seine ist und vielleicht dadurch die unsrige werden kann.<\/p>\n<p align=\"justify\">III<\/p>\n<p align=\"justify\">Der Autor des Epheserbriefes sitzt im Gef\u00e4ngnis. Dennoch sieht er die Welt als in Christus befreit &#8211; f\u00fcr die, die an ihn glauben. Das ist wie eine Einsicht in den rechten Zusammenhang der Wirklichkeit trotz all dem, was einem sonst in dem Leben, das man gelebt hat widerfahren ist. Sein Lobpreis ist ein Dank, aber auch eine Erz\u00e4hlung vom Heilsplan Gottes. Er ist eine Erz\u00e4hlung, die Christus zur Hauptperson hat und alles zwischen Gott und Menschen umfa\u00dft, von der Sch\u00f6pfung bis zur endg\u00fcltigen Erl\u00f6sung. Gerade in seiner gro\u00dfen umfassenden Weltsicht kann dieser Lobpreis f\u00fcr einen H\u00f6rer der Jahres 2000 fern klingen. Nicht da\u00df das Interesse an einer Deutung der Wirklichkeit in unserer Zeit gering w\u00e4re. Es ist gro\u00df und es gibt viele Angebote. Die Welt und das Leben werden in ihrer Mannigfaltigkeit gedeutet, und die eine Deutung mag so gut sein wie die andere. Man sucht Grenzen, um sie zu sprengen, aber trotz der Mannigfaltigkeit und der Erprobung von Grenzen ist der Mensch des Jahres 2000 bei einem allzu engen Ausschnitt der Wirklichkeit angelangt. Dies gilt an sich f\u00fcr alle, auch f\u00fcr die Christen. Die Lage, in der wir uns befinden, hat nat\u00fcrlich eine lange Geschichte hinter sich, und wir k\u00f6nnen nicht hinter die Zeit der Aufkl\u00e4rung oder der Renaissance, die Naturwissenschaft und die Industrialisierung zur\u00fcck, die eine Trennung zwischen Geist und Leib setzten und den Menschen in einer Welt zur\u00fccklassen, die er zwar messen, aber nicht mehr wahrnehmen kann, ohne sich gegen\u00fcber Gott und sich selbst fremd zu f\u00fchlen. Hier sind wir nun im 21. Jahrhundert Menschen, die machtvoll und frei sind, aber auch nur mit einem schmalen Streifen der Wirklichkeit, weil wir nur auf unsere eigene Wirklichkeit verwiesen sind. Und nun werden wir also Zuh\u00f6rer dieses Lobpreises von Gottes Segen in den Himmeln in Christus, in dem das Getrennte wieder vereint wird. Hier redet einer wie ein Richter, der seine Geschichte gelesen hat und nun das Urteil f\u00e4llt \u00fcber die Welt, so wie diese ihr Urteil \u00fcber ihn gef\u00e4llt und ihn ins Gef\u00e4ngnis geworfen hat. Das Urteil ist gef\u00e4llt. Er erz\u00e4hlt eine andere Geschichte von Gottes Verh\u00e4ltnis zur Welt, die nun verurteilt ist zur endg\u00fcltigen Erl\u00f6sung in Christus. Er \u00fcberblickt die Geschichte und sammelt ihre Vergangenheit und Zukunft in einem einzigen Namen; eine Zukunft, die auch uns erreicht und \u00fcber uns hinausweist und die uns darum umschlie\u00dft.<\/p>\n<p align=\"justify\">Mit der Stimme des Lobpreises im Ohr haben wir also bereits ein gutes St\u00fcck zu unserem ansonsten d\u00fcnnen Streifen Wirklichkeit hinzugef\u00fcgt. Das zu sehen erfordert Glauben. So wie die Einsicht des Lobgesanges auf den Heilsplan Gottes auf der Einsicht des Autors beruht. Glaube daran, da\u00df die Wirklichkeit die Vers\u00f6hnung der Welt mit dem Menschen ist. Christus-Glaube nennt Paulus das &#8211; und Hoffnung darauf, da\u00df es wirklich so sein m\u00f6ge. Amen.<\/p>\n<p align=\"justify\"><b>Dr. Gertrud Yde Iversen<br \/>\nFasanvej 21<br \/>\nDK-6240-L\u00f8gumkloster<br \/>\nD\u00e4nemark<br \/>\n<a href=\"mailto:gyi@mail.tele.dk\">e-mail: gyi@mail.tele.dk<\/a><br \/>\nTel.: ++ 45 &#8211; 74 74 55 99 <\/b><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/archiv-2\/000618-3.html#top\"><span><b>(zur\u00fcck zum Seitenanfang)<\/b><\/span><\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=000618-3.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trinitatis 18.6.2000 Epheser 1, 3-14 Gertrud Yde Iversen, D\u00e4nemark Liebe Gemeinde! Der Epheserbrief ist eine merkw\u00fcrdige Schrift. Worum geht es hier eigentlich? 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