{"id":21254,"date":"2000-06-18T16:30:41","date_gmt":"2000-06-18T14:30:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21254"},"modified":"2025-03-14T16:32:26","modified_gmt":"2025-03-14T15:32:26","slug":"epheser-1-3-14-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/epheser-1-3-14-9\/","title":{"rendered":"Epheser 1, 3-14"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"600\" align=\"CENTER\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"color: #0000a0; font-size: xx-small;\">Trinitatis<\/span><br \/>\n<b>18.6.2000<br \/>\nEpheser 1, 3-14<\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\"><b>J\u00fcrgen J\u00fcngling<\/b><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"LEFT\">Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">1. Diesen Worten merkt man es sogar noch in ihrer deutschen \u00dcbersetzung an: Da ist einer voll und ganz begeistert, genauer: er ist ergriffen von dem Geist, der von Pfingsten ausgeht. Es ist gerade so, als ob er das nicht alles schnell und gr\u00fcndlich genug schaffen kann, n\u00e4mlich von seinem Glauben zu erz\u00e4hlen und seinen Gott zu loben. Als ob er Angst habe, die Luft zum Sprechen zu verlieren oder die Hand zum Schreiben zu verkrampfen, packt er das alles in einen einzigen Satz. Im Griechischen ein wahres Satzunget\u00fcm, randvoll angef\u00fcllt mit Eindr\u00fccken, Aussagen und Zeugnissen. Wir kennen das doch auch, wenn wir voll sind mit Erfahrungen, Erlebnissen und Begebenheiten. Dann sprudelt es nur so aus uns heraus, und unsere Worte scheinen kein Ende nehmen zu wollen. So auch der Schreiber dieses Briefes nach Epesus: Worum es ihm geht, ist ihm so wichtig, dass es f\u00f6rmlich aus ihm heraus quillt. Wir haben M\u00fche, ihm zu folgen, m\u00fcssen uns schon anstrengen, seinem Tempo zu entsprechen. Wir merken: Es geht ihm um alles oder nichts. Und so entwirft er vor unseren Augen ein gro\u00dfartiges Panorama \u00fcber Leben und Glauben, \u00fcber Himmel und Erde, \u00fcber Gott und Christus und Mensch. Was f\u00fcr manche der gro\u00dfen Panorama-Bilder gilt, dass sie sich n\u00e4mlich erst durch Teil-Aspekte erschlie\u00dfen, dass ist auch bei den Worten nach Ephesus nicht anders. Deshalb m\u00f6chte ich ihnen nachgehen und an der einen oder anderen Stelle ein wenig verweilen, um genau diese Teil-Aspekte wirken zu lassen.<\/span><\/p>\n<p>2. Da hei\u00dft es z. B., dass Gott uns in Christus erw\u00e4hlt hat, ehe der Weltengrund \u00fcberhaupt gelegt war. Wir Menschen also erw\u00e4hlt vor aller Zeit! Ist das nicht eine gewaltige Aussage? Ich denke nur daran, wie h\u00e4ufig wir uns doch ins Dasein geworfen f\u00fchlen \u2013 einfach so und nach dem Zufallsprinzip und so ganz und gar nicht erw\u00e4hlt. Und auch im Alltag des Lebens selbst f\u00fchlen wir uns schwankend, hin- und hergerissen \u2013 wie ein Rohr im Wind und so ganz und gar nicht als Subjekte von Erw\u00e4hlung. Diese Erfahrungen sind es ja gerade, die uns Not machen, die Unsicherheit bewirken, die unsere bangen Fragen ausl\u00f6sen nach dem Woher und dem Wohin. Und dann lesen wir: erw\u00e4hlt vor aller Zeit. Zu sch\u00f6n, um wahr zu sein? Ich glaube nicht, und ich denke in diesem Zusammenhang nat\u00fcrlich an die Taufe, in der uns deutlich werden kann: Es hat einer ja gesagt zu uns und zu unseren Kindern, und zwar lange bevor wir und sie \u00fcberhaupt da waren. Oder ich werde an das Wort des Propheten Jesaja schon aus dem Alten Testament erinnert, das mir seit langem wichtig ist: \u201eF\u00fcrchte dich nicht \u2013 ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.\u201c Ich habe dich ganz pers\u00f6nlich gerufen, ich, der gn\u00e4dige Gott, kenne dich und meine dich h\u00f6chstpers\u00f6nlich, unter welchen Umst\u00e4nden du immer auch lebst. Eine solche Zusage, die gilt und die geht mit einem \u2013 ein Leben lang. Eine solche Zusage will uns befreien von unseren bedr\u00fcckenden Erfahrungen, ein Staubk\u00f6rnchen im Mahlwerk der Zeit zu sein \u2013 unbedeutend, aufgerieben und ohne Perspektive. So ist es gerade nicht, und so soll es auch in den Augen Gottes nicht sein. Wir sind eben nicht Staubk\u00f6rnchen, sondern mit dieser gro\u00dfen Zusage im R\u00fccken sind wir imstande, unseren eigenen Weg gehen zu k\u00f6nnen. Denn wer erw\u00e4hlt ist vor aller Zeit, der darf Hoffnung haben und kann deshalb auch Hoffnung weitergeben. Die Menschen warten darauf.<\/p>\n<p>3. Einen weiteren und wichtigen Teil-Aspekt in dem gro\u00dfen Panoramabild entdecke ich in den alten Bekenntnis-Worten: \u201eIn Christus haben wir die Erl\u00f6sung durch sein Blut, die Vergebung der S\u00fcnden nach dem Reichtum seiner Gnade, die er uns hat reichlich widerfahren lassen.\u201c Erl\u00f6sung \u2013 Reichtum \u2013 Gnade: Allein diese drei Hauptbegriffe machen doch deutlich, worum es geht \u2013 n\u00e4mlich nicht in der eigenen Unzul\u00e4nglichkeit verharren zu m\u00fcssen. Da leben wir unser Leben, so gut es eben geht, und merken dabei t\u00e4glich, wie die Verantwortung mit Zentnern auf uns lastet \u2013 die Verantwortung f\u00fcr uns, f\u00fcr andere und f\u00fcr die Welt. Es ist oft genug zum Verzweifeln. Und manch einer wei\u00df einfach nicht mehr weiter, hat den Eindruck, gegen die Wand zu fahren. K\u00f6nnen in dieser Situation die alten Worte nicht zum Segen werden: Erl\u00f6sung \u2013 Reichtum \u2013 Gnade? Uns geht auf, dass nicht wir wie Atlas alles selber schultern m\u00fcssen. Wir merken, dass wir doch nicht am Ende sind mit uns und unserem Latein und unserer Beschr\u00e4nktheit, weil ein ganz anderer f\u00fcr uns einsteht. Er l\u00e4sst uns teilhaben an seiner Erl\u00f6sung, an seinem Reichtum und an seiner Gnade. Wir k\u00f6nnen wieder Luft holen und durchatmen. Auch in diesem Zusammenhang muss ich an die Taufe denken und an deren lebenswichtige Bedeutung. Noch lange bevor unsere Kinder ihr Leben selbst in die Hand nehmen k\u00f6nnen, ist ihnen gesagt: Vor Gott seid ihr l\u00e4ngst jemand, vor ihm seid ihr gewichtig \u2013 ehe ihr \u00fcberhaupt die erste Leistung erbracht habt.<\/p>\n<p>So ab und an in einer schweren Stunde vielleicht, wenn uns Sorgen und Kummer plagen, wenn uns alles zu viel wird, m\u00f6chten wir am liebsten den ganzen Bettel hinwerfen. Da m\u00f6chten wir uns verkriechen in ein dunkles Loch und nichts mehr h\u00f6ren und sehen. Wir scheinen weder unseren eigenen noch anderen Anspr\u00fcchen gen\u00fcgen zu k\u00f6nnen, empfinden unsere Schw\u00e4che und auch unsere Schuld als bedr\u00fcckende Lebenslast. Und doch setzt genau da der Zuspruch Gottes ein: Er hat uns l\u00e4ngst erl\u00f6st, auch von den eigenen Anspr\u00fcchen, er will uns immer neu st\u00e4rken, er will uns vergeben und damit neue Wege weisen, kurz: Er bleibt uns zugewandt in seiner Gnade, die kein Ende hat. Der Gekreuzigte als der Auferstandene steht daf\u00fcr selber ein. Wer darum wei\u00df, wird sich wie befreit f\u00fchlen aus seinem dunklen Loch und sich vorkommen wie auf einem weiten Feld: frei und luftig, vor einem gro\u00dfen Horizont und unter einem sicheren Firmament.<\/p>\n<p>4. Noch einen letzten Teilaspekt aus den Worten nach Ephesus m\u00f6chte ich festhalten: Es hei\u00dft da: \u201eIn ihm seit ihr versiegelt worden mit dem Heiligen Geist.\u201c Das klingt auf dem ersten Blick eher r\u00e4tselhaft und ist doch so elementar. Zun\u00e4chst erinnert das nat\u00fcrlich an Pfingsten \u2013 Stichwort: Heiliger Geist \u2013 und damit an die Erfahrung der fr\u00fchen Christen, dass Gott durch die Zeiten seinen Leuten zugewandt bleibt. Und um das zu unterstreichen, ist vom Versiegeln die Rede. Wer d\u00e4chte da nicht von allein an das Parkett oder die wertvolle Weinflasche oder den Vorgang beim Notar? Alles doch Sachen, die so teuer erkauft sind, dass sie gesch\u00fctzt, gesichert, verschont werden m\u00fcssen! Und genauso wir als Christen: teuer erkauft, erkauft n\u00e4mlich durch das Blut Christi! Deshalb m\u00fcssen wir versiegelt, m\u00fcssen wir festgemacht werden mit Tiefen- und hoffentlich auch mit Langzeitwirkung. Daf\u00fcr steht kein geringerer als der Geist Gottes. Wir wissen, wie schnell wir uns begeistern k\u00f6nnen oder begeistern lassen, wie schnell diese Begeisterung aber auch umschlagen, Schiffbruch erleiden kann angesichts unserer Erfahrungen. Da haben wir wirklich so etwas wie Versiegelung oder \u2013 wie wir heute sagen w\u00fcrden \u2013 so etwas wie Vergewisserung bitter n\u00f6tig. Das alles ist aber Grund und Anlass, unserem Gott zu danken, auf ihn auch weiterhin unsere Hoffnung zu setzen und ihn aus Herzensgrund zu loben: \u201eGelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus.\u201c Diesen Worten nach Ephesus, auf uns \u00fcberkommen durch Raum und Zeit, schlie\u00dfen wir uns gerne an. Hinzuzuf\u00fcgen haben wir ihnen nichts. Amen.<\/p>\n<p><b>Oberlandeskirchenrat J\u00fcrgen J\u00fcngling, Kassel<br \/>\n<a href=\"mailto:landeskirchenamt@ekkw.de\">E-Mail: landeskirchenamt@ekkw.de<\/a><\/b><\/p>\n<p><b>Bemerkungen zum Text: <\/b><\/p>\n<p>Im Epheserbrief geht es \u2013 in durchaus feierlicher Sprache \u2013 um die Kirche Jesu Christi, die auf wunderbare Weise Juden und Christen umgreift. Daf\u00fcr gilt es \u2013 so vor allem im ersten Teil des Briefes \u2013 zu danken und Gott zu loben. Unser Textabschnitt er\u00f6ffnet genau diesen Teil und stimmt \u201ebegeistert\u201c in den folgenden gro\u00dfen Lobpreis ein. Insofern passt er sehr gut in das pfingstliche Umfeld.<\/p>\n<p>Bei den sprachlichen und inhaltlichen Kaskaden, die unser Text in einem einzigen (!) Satz aus sich heraus entl\u00e4sst, bleiben nachhaltig die Stichworte h\u00e4ngen: Erw\u00e4hlung (Vers 4) \u2013 Erl\u00f6sung (Vers 7) \u2013 Versiegelung (Vers 13).<\/p>\n<p>Diese \u2013 hier eher in gottesdienstlicher Sprache gebrauchten \u2013 Begriffe m\u00f6chte ich in meiner Predigt gern festhalten und ihnen im Blick auf unsere Alltagserfahrungen und im Blick auf das Leben ganz allgemein nachgehen. Ich setze ein mit der pfingstlichen \u201eBe-Geisterung\u201c des Schreibers und buchstabiere dann die drei Begriffe durch: Erw\u00e4hlung als Zusage f\u00fcr mich und mein Leben \u2013 Erl\u00f6sung als Entlastung von dem Zwang, alles selbst schultern zu m\u00fcssen \u2013 Versiegelung als Gabe einer stets neuen Vergewisserung im Leben und im Glauben.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=000618.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trinitatis 18.6.2000 Epheser 1, 3-14 J\u00fcrgen J\u00fcngling Liebe Gemeinde! 1. 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