{"id":21277,"date":"1998-07-14T17:03:55","date_gmt":"1998-07-14T15:03:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21277"},"modified":"2025-03-14T17:05:54","modified_gmt":"2025-03-14T16:05:54","slug":"1-korinther-118-25-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-korinther-118-25-2\/","title":{"rendered":"1. Korinther 1,18-25"},"content":{"rendered":"<h3>5. S. nach Trinitatis | 12.7.1998 | 1. Kor 1,18-25 | Friedrich Seven |<\/h3>\n<p>Kanzelgru\u00df<\/p>\n<p>Text: 1. Korinther 1, 18-25<\/p>\n<p>18 Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist&#8217;s eine Gotteskraft. 19 Denn es steht geschrieben: &#8222;Ich will zunichte machen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verst\u00e4ndigen will ich verwerfen.&#8220; 20 Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten? Wo sind die Weisen dieser Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht? 21 Denn weil die Welt, umgeben von der Weisheit Gottes, Gott durch ihre Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt selig zu machen, die daran glaubten. 22 Denn die Juden forderten Zeichen, und die Griechen fragten nach Weisheit, 23 wir aber predigten dem gekreuzigten Christus, den Juden ein \u00c4rgernis und den Griechen eine Torheit; 24 denen aber, die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit. 25 Denn die Torheit Gottes ist weiser, als die Menschen sind, und die Schwachheit Gottes ist st\u00e4rker, als die Menschen sind.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>eine Predigt kann t\u00f6richt sein, das haben sicher einige von uns schon erfahren. Jetzt h\u00f6ren wir gar vom Apostel Paulus, eine Predigt kann nicht nur t\u00f6richt sein, sondern sie soll es gar, ja, gerade wenn sie gelingt, ist sie t\u00f6richt. So k\u00f6nnen wir durchaus mit dem Geist der Zeit mithalten und m\u00fcssen das Feld nicht den Talk-Runden und Meckerecken, den Bl\u00f6delstreifen und Werbebl\u00f6cken \u00fcberlassen.<\/p>\n<p>Da\u00df die Torheit zum gelungenen Leben dazugeh\u00f6rt, wissen wir sp\u00e4testens, seit wir uns durch den langen Alltag und die noch l\u00e4ngeren Feierabende hindurchzappen k\u00f6nnen und in den Zeitschriften vor allem das noch lesen, was uns im Fernsehen T\u00f6richtes erwartet. Unterhaltung scheint der Weisheit letzter Schlu\u00df, und wer k\u00f6nnte uns besser unterhalten als der, den wir gar nicht erst selbst zum Deppen machen m\u00fcssen. Sp\u00e4testens er bringt die Welt, die immer wieder mit Nachrichten st\u00f6rt, schlie\u00dflich ins Lot.<\/p>\n<p>Wir kennen das auch aus dem Leben vor der Mattscheibe: Da war der Klassenclown, der sich der Anerkennung seiner Kameraden sicher sein konnte, der \u00fcber so manch peinliche Situation hinweghalf und am meisten Lacher hatte, wenn es dann selbst f\u00fcr ihn peinlich wurde, und da ist der Verwandte, die Kollegin oder der Freund, der bei gro\u00dfen Festen immer dann mit Witzen unterh\u00e4lt, wenn das Gespr\u00e4ch stockt. Jeder hat es vermutlich auch gelernt, eine bedr\u00e4ngende Situation, etwa im Gespr\u00e4ch mit einem Kranken, durch eine witzige Bemerkung umzubiegen. Wir kennen den Humor zur gen\u00fcge, der dann ist, wenn man trotzdem lacht.<\/p>\n<p>Wie mu\u00df es da um uns stehen, wenn sich inzwischen die Spa\u00dfmacher, die Bl\u00f6delbarden und die Sit-Kom\u00f6dianten, die Entertainer und die Infotainer, scheinbar freiwillige und offenbar unfreiwillige Toren als heimliche Regenten f\u00fchlen k\u00f6nnen. Die Narren als K\u00f6nige, das klingt wie im M\u00e4rchen.<\/p>\n<p>Die Weisheit, die heute gilt, scheint einfach die zu sein: Es ist alles m\u00f6glich, was angeschaut werden kann, es wird alles angeschaut, was unterh\u00e4lt, und es unterh\u00e4lt alles, was nur humorvoll genug ist. So ist der Humor der Weisheit letzter Schlu\u00df. und der Tor sitzt am Tisch der Weisen und M\u00e4chtigen.<\/p>\n<p>An diesem M\u00e4rchen soll die Predigt etwa miterz\u00e4hlen? Das Wort Gottes erz\u00e4hlt doch vom Kreuz des Jesus von Nazareth. Der hat mit seinem Reden und Tun zwar zuletzt auch Spott geerntet, doch sa\u00df er nie, wo die Sp\u00f6tter sitzen. Eine Predigt, die von ihm sprechen will, versucht auch nicht, mit ein paar Gramm Torheit die Menschen und ihre Welt in Balance zu halten, sondern bringt, wenn sie denn gelingt, jede noch so ausgekl\u00fcgelte Balance zum Kippen. Die Toren m\u00f6gen salonf\u00e4hig geworden sein, t\u00f6richte Predigt aber wird es nie werden. Mag es auch kl\u00fcger gewesen sein, die Narren mit ins Boot zu nehmen, der Gekreuzigte wird darin immer noch keinen Platz finden. Er mutet uns auch heute noch zu, da\u00df wir mehr auf Gottes als auf unsere Weisheit vertrauen sollen.<\/p>\n<p>Das trifft uns schwer, wo wir doch so stolz darauf sind, inzwischen so viel \u00fcber die Grenzen unseres Wissens und Verstehens gelernt zu haben, da\u00df wir auch die Torheiten nicht mehr missen wollen. Das Wort vom Kreuz mutet uns zu, auf das Ende aller menschlichen Weisheit, und sei sie auch um die Narretei bereichert, zu schauen.<\/p>\n<p>Wenn Gott gekreuzigt, wenn der Sohn Gottes tot ist, dann ist der Mensch mit seiner Weisheit, und auch mit der religi\u00f6sen, am Ende. Da hilft keine Narrenkappe zur Tarnung mehr. Da\u00df am Ende keine Balance zwischen Wissen und Nichtwissen, Leben und Tod, Anfang und Ende, Weisheit und Torheit weiterhelfen, sondern nur Gott selbst helfen kann, bleibt Torheit f\u00fcr jeden, dem der Mut des Glaubens nicht geschenkt wird.<\/p>\n<p>Gott verwandelt, und er wandelt uns durch das Geschenk des Glaubens. Deswegen brauchen wir unsererseits nicht mehr darauf aus sein, alles Schwere und Schmerzliche so lange zu verwandeln, bis es endlich belacht werden kann. Wir d\u00fcrfen die Narren- und Tarnkappe ablegen, mit der wir noch jede heikle Situation entsch\u00e4rfen wollten. Auch angesichts schlechtester Diagnosen, dann, wenn unsere Weisheiten am Ende sind und wir mit uns nichts mehr anfangen k\u00f6nnen, d\u00fcrfen wir auf den Anfang zur\u00fcckkommen, den Gott mit uns gemacht hat.<\/p>\n<p>Gottes Ankunft ist der Abschied f\u00fcr alle Weisen und Narren dieser Welt und vor allem von meinen Weis- und Narrheiten. Christen m\u00fcssen nicht immer als letzte lachen. Gerade deswegen finden sie zu ihrer Lebensfreude, ihrem Humor und ihrem Witz immer wieder zur\u00fcck. Sie leben aus einer Quelle und nicht in Kan\u00e4len. Weise und Narren liefern immerzu Zeichen ihrer Kunst, denn jeder ist nur so lange ein Weiser oder ein Tor bis zum Beweis des Gegenteils.<\/p>\n<p>Wir kennen die Fragen an die Kirche nach den sichtbaren Zeichen des Waltens unseres Gottes in der Welt. &#8222;Wo war denn euer Gott in den schrecklichen Kriegen, die hinter uns liegen, wo ist er in den Kriegen jetzt und wo wird er in denen sein, die vor uns liegen?&#8220; Wir kennen \u00e4hnliche Fragen auch in der Kirche selbst: &#8222;Warum hilft Gott seiner bedr\u00e4ngten Kirche nicht auf?&#8220; Auch kennen wir die Frage in uns selbst: &#8222;Warum hilfst du mir nicht, Gott?&#8220;<\/p>\n<p>Hier wird gefragt aus tiefer Not und aus tiefster Not des Glaubens. Wer so fragt, ist an Gott irre geworden und fordert Zeichen. Er sorgt sich, ob er noch weiter an Gott glauben und am Ende noch mit ihm rechnen kann. Die Weisheit der Welt rechnet so mit Gott. Sie berechnet seinen Heilsplan oder rechnet mit ihm ab. Immer ist sie auf ein Ende, auf ein Resultat aus. Nie w\u00e4re es ihr genug, da\u00df Gott den Anfang schon gemacht hat und mit dir und mir immer noch mehr anfangen kann, als sich jede Weisheit tr\u00e4umen l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Auch an unserem Ende steht Gott immer noch am Anfang mit uns. Darum k\u00f6nnen wir unser Leben stets als Anfang begreifen. Jeder Morgen ist der Aufbruch in einen Tag, an dem Gott mit uns etwas anfangen will und wird, und jeder Abend ist der Beginn einer Nacht, in der Gott die Fl\u00fcgel \u00fcber uns breitet.<\/p>\n<p>Doch sieht dies nicht ganz nach der Narrheit dessen aus, der nichts mehr tut und alles von einem anderen erwartet? Gott f\u00e4ngt im Glauben mit uns an. Er will am Anfang unseres Tuns stehen. Er wirkt durch uns als der, dem wir mit unserem Tun und Lassen die Ehre geben. Deswegen k\u00f6nnen wir noch etwas anfangen mit dem, der von anderen und vielleicht sogar schon von sich selbst aufgegeben worden, vor dem jeder mit seinem Latein ans Ende gekommen ist. Wir k\u00f6nnen auch anschauen, was nicht gesendet wird, wollen nachschauen, obwohl schon weggeblendet ist und riskieren den Blick \u00fcber den Bildschirmrand nach vorne. Wir k\u00f6nnen sogar in den Spiegel schauen und sehen nicht mehr, aber auch nicht weniger als einen der Narren, mit denen Gott sein Reich bauen will.<\/p>\n<p>Sagen wir es weiter, Narren werden sich genug finden. Wir m\u00f6chten nicht gegen jemanden lachen, aber gerne mit ihm.<\/p>\n<p>Amen!<\/p>\n<p>Kanzelsegen<\/p>\n<hr \/>\n<p>Dr. Friedrich Seven Im Winkel 6 37412 Scharzfeld<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>5. S. nach Trinitatis | 12.7.1998 | 1. Kor 1,18-25 | Friedrich Seven | Kanzelgru\u00df Text: 1. 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