{"id":21279,"date":"1998-07-14T17:05:58","date_gmt":"1998-07-14T15:05:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21279"},"modified":"2025-03-14T17:10:18","modified_gmt":"2025-03-14T16:10:18","slug":"roemer-63-8-9-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/roemer-63-8-9-11\/","title":{"rendered":"R\u00f6mer 6,3-8 (9-11)"},"content":{"rendered":"<h3>6. S. nach Trinitatis | 19.7.1998 | R\u00f6m 6,3-8 (9-11) | Friedrich Malkemus |<\/h3>\n<p>R\u00f6mer 6, 3-8&#8243;Oder wi\u00dft ihr nicht, da\u00df alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln.Denn wenn wir mit ihm verbunden und ihm gleichgeworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein. Wir wissen ja, da\u00df unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der S\u00fcnde vernichtet werde, so da\u00df wir hinfort der S\u00fcnde nicht dienen. Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der S\u00fcnde. Sind wir aber mit Christus gestorben, so glauben wir, da\u00df wir auch mit ihm leben werden.<\/p>\n<p>Am Silbersee, Spieskappel &#8211; <em>Entscheidungen f\u00fcr diese Predigt:<\/em><\/p>\n<ol>\n<li>Die Gedanken der paulinischen Christologie und Tauflehre sind von hohem Anspruch und voller dogmatischer Reflexionen. Mein H\u00f6rerkreis aber ist eine bunt zusammengew\u00fcrfelte Gemeinde von Besuchern des Naturbadesees Silbersee und seiner sch\u00f6nen Umgebung rund um Spieskappel. Erfahrungsgem\u00e4\u00df: Kasachstaner, Deutsche, Holl\u00e4nder und Einheimische, die von dem Feriendorf kommen, von den Umsiedlerheimen und aus den umliegenden Orten. Es sind Kinder, Eltern und Jugendliche, Mountainbiker.<\/li>\n<li>Die Lockerheit der Umgebung, ich selbst komme als Vertretung f\u00fcr die urlaubmachenden Pfarrer des Ortes &#8211; bedingt eine gro\u00dfz\u00fcgige, gewagte Heranf\u00fchrung und zug\u00e4ngliche Veranschaulichung des spr\u00f6den Sachverhaltes f\u00fcr den ungew\u00f6hnlichen Gottesdienstbesucher.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Liebe Gemeinde am Silbersee!<\/p>\n<p>Es ist eine Freude f\u00fcr mich und ich hoffe sehr, auch f\u00fcr Euch alle, hier unter freiem Himmel am Sonntagmorgen und am sch\u00f6nen Silbersee einen Gottesdienst zu erleben. Wir sind hierbei verbunden mit den Menschen, die heute in den Kirchen und Kapellen, auch in Festzelten oder wie wir im Freien Gottes Wort h\u00f6ren und ihm in Lob und Dank die Ehre geben.<\/p>\n<p>Ich vertrete gerne die \u00f6rtlichen Pfarrer, Pfarrerin Weidemeier und Pfarrer Hempel, die sich im Urlaub befinden.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen gar nicht anders, wir m\u00fcssen hier die wundervolle Natur, Gottes herrliche Sch\u00f6pfung mit in unseren Lobgesang einbeziehen: die B\u00e4ume und Str\u00e4ucher, die V\u00f6gel und die Hunde, die Enten und die Fr\u00f6sche. Wir wollen ganz offen sein f\u00fcr die Botschaft des Himmels hier an der frischen Luft. &#8211; Der Apostel und Bote Jesu Christi Paulus ruft es uns vernehmlich zu: Freuet euch an Eurer Taufe! Verge\u00dft nicht, da\u00df Ihr getauft seid! Euer Name und Jesu Name sind in der heiligen Taufe verbunden und ausgerufen worden. Euer Leben und Jesu Leben sind verkn\u00fcpft und miteinander verwoben durch die Taufe!<\/p>\n<p>Hier am See kommt uns in den Sinn, da\u00df Johannes der T\u00e4ufer unter freiem Himmel am Flu\u00df, dem Jordan, und offenem Wasser getauft hat. Und Jesus lie\u00df sich dort von ihm taufen und alle h\u00f6rten: Dies ist mein lieber Sohn, den sollt ihr h\u00f6ren! &#8211; Und von Jesus ging eine unaufh\u00f6rliche Bewegung aus. Die J\u00fcnger befolgten Jesu Befehl: Gehet hin in alle Welt und lehret alle V\u00f6lker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes! Und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe! &#8211; Jesu J\u00fcnger und Boten gingen und tauften, sie lehrten und predigten, so auch der Paulus selbst. Er machte mit seinen Worten von Jesus Christus Menschen bereit, so da\u00df sie sagten: Ich m\u00f6chte getauft werden! Ich m\u00f6chte als Christ leben von der Taufe an! &#8211; Eigentlich h\u00e4tten wir hier heute eine oder mehrere Taufen vornehmen m\u00fcssen &#8211; wie sch\u00f6n und anschaulich w\u00e4re das geworden!<\/p>\n<p>Manche von Euch werden sich an ihre Taufe erinnern. Sie waren schon erwachsen und konnten unterwiesen werden. Ich habe hier die lieben Menschen im Sinn, die aus Kasachstan und anderen Regionen Ru\u00dflands und des europ\u00e4ischen Ostens herkamen und um Taufunterricht gebeten haben. Sie unterrichten zu d\u00fcrfen &#8211; das geh\u00f6rte mit zu besonders guten, eindr\u00fccklichen Erfahrungen in meinem Dienst als Pfarrer. Wie aufgeschlossen und intensiv folgten sie dem Unterricht.<\/p>\n<p>Die meisten von uns, so denke ich einfach, werden sich nicht an ihre Taufe erinnern. Sie waren als Kinder, als kleine, noch unm\u00fcndige Kinder zur Taufe getragen worden: Auf den Armen der Eltern oder der Paten. Hier in unserer Schwalmregion tragen sie h\u00e4ufig noch das Taufkleidchen in sch\u00f6nem Wei\u00dfleinen mit herrlicher Stickerei und werden umh\u00fcllt vom Tuch des Paten. Die Vorfahren hatten schon das Taufkleidchen der Familie bei ihrer Taufe um sich.<\/p>\n<p>Und da, bei der Taufe, erz\u00e4hlt der Pfarrer oder die Pfarrerin von Jesus, dem guten Hirten, der die Schafe sucht und h\u00fctet und sein Leben f\u00fcr sie einsetzt. Jesus hat die Kinder, auch die gro\u00dfen, lieb und l\u00e4dt ein mit freundlichen Worten: Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht! &#8211; Wer kann schon diesem herzlichen Ruf Jesu widerstehen! Wir sind getauft auf seinen Namen, und heute denken wir daran! Mein Name und Jesu Name, mein Leben und Jesu Leben sind untrennbar und f\u00fcr immer verbunden. Ich m\u00f6chte an Jesu Seite und in Jesu N\u00e4he sein und er bei mir.<\/p>\n<p>Was das hei\u00dft: bei ihm sein, in ihm und mit ihm sein! &#8211; In der Taufe nimmt der Pfarrer Wasser und gie\u00dft es \u00fcber den T\u00e4ufling. Ein spannender Moment f\u00fcr die zuguckenden Kinder. &#8211;\u00a0Am Flu\u00df steigt der T\u00e4ufling ganz in das Wasser. Und das k\u00fchle Na\u00df umgibt ihn ganz. So wie wenn ihr in den Silbersee springt und ganz, ganz na\u00df werdet. Erfrischt, erleichtert kommt ihr heraus &#8211; wie ein neuer Mensch, so ist die Taufe: Jesus umgibt uns nun immer ganz und nimmt uns alle M\u00fcdigkeit und Angst. Ich bin mit ihm unterwegs und er gibt mir Quelle und Kraft.<\/p>\n<p>Jetzt &#8211; so erkl\u00e4rt uns der Paulus &#8211; geh\u00f6ren unsere Gedanken und Vorhaben ganz ihm und alles B\u00f6se dieser Welt kann mir nicht mehr schaden, mich nicht mehr trennen von Jesus, dem Lebendigen. Auf Jesu Seite sein &#8211; ich sage ja zu dem Leben, wie es Jesus will und sage fr\u00f6hlich und entschieden nein zu dem Leben, das gegen Jesus steht. Jesus nimmt mich an seine Seite und beansprucht mein Leben, er schenkt mir sein Wort und seine Zusage: Ich bin bei Euch alle Tage, bis an der Welt Ende! &#8211; Also auch bis an mein Ende ist Jesus an meiner Seite erkennbar und erfahrbar. Das hat Konflikte und Wirkungen zur Folge.<\/p>\n<p>Dem Gewaltt\u00e4ter und Sp\u00f6tter begegnen wir und sagen: Nein! So bitte nicht. Wir machen nicht mit! Dem Fremden sagen wir: Du bist Gottes Gesch\u00f6pf und willkommen! Du sollst nicht gejagt werden. In meiner N\u00e4he hast du Schutz. Dem Behinderten begegnen wir mit Geduld und helfen ihm &#8211; wir denken an Jesus, der den Blinden und die Kr\u00fcppel sah und zu ihnen ging und sie nicht gering sch\u00e4tzte. Dem Streitenden legen wir nahe, sich zu besinnen und es mit Vers\u00f6hnung zu versuchen, und wir helfen ihm dabei im Geiste Jesu, neue Wege zu finden. Das ist schwer, sich zu vers\u00f6hnen, aber er, Jesus, gibt Wege dahin frei.<\/p>\n<p>Wir denken uns, wie Jesus wohl handelte unter den Hooligans. Er w\u00fcrde geduldig mit ihnen reden und die Sinnlosigkeit ihres Handelns blo\u00dfstellen und sie zur Erkenntnis f\u00fchren: Wir k\u00f6nnen Begeisterung auch gewaltlos, ja, fr\u00f6hlich und sympathisch darstellen und mitteilen. In Irland w\u00e4re der Getaufte dazu da, aufzusp\u00fcren, wo Wege zueinander hergestellt werden k\u00f6nnen und wie der Ha\u00df als unbrauchbares Mittel auf die Seite gelegt werden k\u00f6nnte. Getaufte k\u00f6nnen sich doch nicht ganz feindlich gegen\u00fcberstehen! Oder? &#8211; Taufe hei\u00dft, Jesus ganz in die Leiden und Freuden, in Not und Leid miteinzubeziehen und in allem wissen, das lohnt, das ist sch\u00f6n, Jesu Eigentum zu sein im Leben und Leiden, im K\u00e4mpfen und auch im Sterben &#8211; sein Sieg und Leben bleiben, sie gelten auch mir. Getaufte geh\u00f6ren und dienen Jesus, dem Lebendigen.<\/p>\n<p>In diesen Tagen erschien das Buch &#8222;Kurt Reuber&#8220;. Da wird ein Pfarrer unserer Landeskirche dargestellt. Er war Pfarrer und Arzt und Maler. Er liebte seine Kirche und die Menschen um ihn her im Geiste Jesu. Er warnte fr\u00fch als Vikar vor dem Krieg und der Feindschaft gegen andere V\u00f6lker. Kinder &#8211; erzieht sie bitte im Sinne der Taufe als Christus Dienende und dem Menschen auch anderer V\u00f6lker Helfende! Als Arzt in Ru\u00dfland verband er die Kranken der deutschen Truppe, aber auch alte, russische Bauern, Fl\u00fcchtlingsfrauen, kranke und hungernde Kinder. Mit dem Malstift und mit Kohle zeichnete er die Gesichter russischer Menschen: Seht her: Das sind Menschen wie wir und wie ihr. Das sind Gottes Gesch\u00f6pfe und keine Untermenschen und Halbwilde! Im Chaos der zerst\u00f6rten Stadt Wolgograd &#8211; damals Stalingrad &#8211; kurz vor seiner Gefangenschaft und seinem Tod im Krankenlager Jelabuga zeichnete er Maria und das Kind: arm und elend, aber einander in Liebe zugeneigt. Seht, ihr Getauften in Ru\u00dfland, Getaufte in Deutschland, Kasachstan und \u00fcberall in Europa: Wendet euch einander zu mit Jesu Liebe und spendet euch Licht und Leben!<\/p>\n<p>Dieses Marienbild aus Stalingrad, heute in der Kaiser-Wilhelm-Ged\u00e4chtniskirche Berlin im Original, verk\u00fcndet den Geist, den die Taufe schenkt. Der Apostel fragt uns heute: Wi\u00dft ihr nicht, da\u00df alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind &#8211; ihr seid mit Jesu Leiden und Sterben und mit seiner k\u00fcnftigen Herrlichkeit verbunden!- Wir antworten: Ja, wir wissen es, wir d\u00fcrfen in einem neuen Leben wandeln!<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Friedrich Malkemus, Dekan i.R., Vorsitzender des Vereins evang. Pfarrerinnen und Pfarrer in Kurhessen-Waldeck e.V.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>6. S. nach Trinitatis | 19.7.1998 | R\u00f6m 6,3-8 (9-11) | Friedrich Malkemus | R\u00f6mer 6, 3-8&#8243;Oder wi\u00dft ihr nicht, da\u00df alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? 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