{"id":21283,"date":"1998-08-14T17:13:41","date_gmt":"1998-08-14T15:13:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21283"},"modified":"2025-03-14T17:16:27","modified_gmt":"2025-03-14T16:16:27","slug":"epheser-58b-14-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/epheser-58b-14-2\/","title":{"rendered":"Epheser 5,8b-14"},"content":{"rendered":"<h3>8. S. nach Trinitatis | 2.8.1998 | Eph 5,8b-14 | Wolfgang Petrak |<\/h3>\n<p>Predigttext: Einheits\u00fcbersetzung 1980<\/p>\n<p>&#8222;Denn einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr durch den Herrn Licht geworden. Lebt als Kinder des Lichts! Das Licht bringt lauter G\u00fcte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor. Pr\u00fcft, was dem Herrn gef\u00e4llt, und habt nichts gemein mit den Werken der Finsternis, die keine Frucht bringen, sondern deckt sie auf! Denn man mu\u00df sich sch\u00e4men, von dem, was sie heimlich tun, auch nur zu reden. Alles, was aufgedeckt ist, wird vom Licht erleuchtet. Alles Erleuchtete aber ist Licht. Deshalb hei\u00dft es: Wach auf, du Schl\u00e4fer, und steh auf von den Toten, und Christus wird dein Licht sein.&#8220;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p>Es ist fr\u00fch. Der Wecker klingelt. Das hei\u00dft: er gibt diesen zun\u00e4chst leisen, aber durchdringenden Summton von sich; wird dann immer lauter, immer schneller. Die Zeitansage ist nicht durch Gleichma\u00df bestimmt, sondern durch Beschleunigung. Sie sagt dir: &#8222;Es ist h\u00f6chste Zeit.&#8220; Du versuchst, den Wecker abzustellen, dich noch mal auf die andere Seite zu drehen, um noch einmal &#8211; und sei es nur f\u00fcr Sekunden &#8211; einzuschlafen und dich von der Weite eines zeitlosen Traumes einfangen zu lassen. Und das, obwohl die Tr\u00e4ume der Nacht schwer gewesen sind.<\/p>\n<p>Das Licht des Morgens f\u00e4llt durch einen Gardinenspalt auf dein Gesicht. Die Sonne. Du kannst die Augen nicht geschlossen halten. &#8222;Wach auf, du Schl\u00e4fer &#8230;, steh auf!&#8220;<\/p>\n<p>Aufstehen: das ist dem Leben eine andere Richtung geben. Liegenzubleiben hie\u00dfe: nachzugeben, der M\u00fcdigkeit anheimzufallen, jener Sucht des Verdr\u00e4ngens, die mit der Beschleunigung der Zeit korrespondiert. Aufzustehen: jetzt bist du da, erkennbar f\u00fcr andere. Und du stehst auf beiden Beinen, mal sehen, wie der Tag so l\u00e4uft.<\/p>\n<p>Schnell raus ins Bad, fertig machen. Der \u00fcbliche Blick in den Spiegel; sich jeden Morgen als der gleiche wahrzunehmen und zugleich ungesch\u00f6nt mit der Wirklichkeit konfrontiert zu sehen: Spuren des \u00c4lterwerdens, die Haare, Faltenbildung. Dir fallen die Tr\u00e4ume wieder ein, waren sie aus dieser Nacht oder davor oder \u00fcberhaupt? Sie gleichen sich so. Da ist diese Situation, mit einem Mal wieder Sch\u00fcler zu sein; du bist mit Vokabeln dran. du willst was zu deiner Entschuldigung sagen, aber es geht nicht. Du h\u00f6rst nur.&#8220;Setzen&#8220; und: &#8222;Du wirst sitzenbleiben&#8220;. Der Versuch rauszulaufen mi\u00dflingt, die Beine sind bleischwer&#8230; Eigenartig, welche Macht die Vergangenheit hat.<\/p>\n<p>Du denkst jetzt, es ist eigentlich Zeit f\u00fcr Urlaub. Du siehst auf die Uhr: Es ist noch Zeit f\u00fcr Kaffee. Und f\u00fcr einen Blick in die Zeitung. H\u00e4rte im Jugendstrafvollzug. Du denkst, da\u00df sich die Parteien im Wahlkampf gleichen, obwohl doch Neues dran ist. Ist es die Hilflosigkeit vor unserer Zeit, die harte M\u00e4nnlichkeitsprofile fordert? M\u00fcdes Umbl\u00e4ttern. Unten rechts eine kleine Meldung: Fl\u00fcchtlingselend im Kosovo. Wer hilft ihnen? Wie sie sieht das aus mit den Kosovo-Albanern bei uns, deren Duldung abl\u00e4uft: m\u00fcssen die zur\u00fcck in die Ungewi\u00dfheit des B\u00fcrgerkrieges? Wird es genauso werden wie in Bosnien? Gibt es \u00fcberhaupt ein Konzept eines Nationalismus, f\u00fcr den Krieg als Option gilt? Fragen ohne Antwort. Ist es die Macht des Gestrigen, die dich so schnell umbl\u00e4ttern l\u00e4\u00dft, ist es m\u00fcde Resignation, oder diese hetzige Haltung, die im Fluge der Zeiten nach Abwechslung verlangt?<\/p>\n<p>Der Sportteil. Tour de France. Unglaublich, mit was f\u00fcr einem Tempo die die Alpenp\u00e4sse nehmen. Unglaublich und schlimm wieder dieser Doping-Skandal. Der Sport steht unter dem Diktat der Zeit. Da\u00df Geschwindigkeiten \u00fcbertroffen, da\u00df Leistungen \u00fcberboten werden: das erwartet man. Da\u00df der K\u00f6rper im Prinzip eine endliche Gr\u00f6\u00dfe ist: das wei\u00df man. Also werden Mittel genommen, die die Grenze hinausschieben, zumindest zeitweise. \u00dcbrigens: wie viele nehmen Medikamente ein, weil sie ihnen Zeit zum Entfliehen zu gew\u00e4hren scheinen, wie viele haben sich an den Alkohol gew\u00f6hnt, weil sie eigentlich aus dem Druck rauskommen wollen und eine entspannte Stimmung suchen. Und dann der Morgen danach.<\/p>\n<p>Es ist Zeit, du legst die Zeitung weg. Du siehst den Morgen. Es ist Sommer. Morgenlicht leuchtet.<\/p>\n<p>&#8222;Wach auf, du Schl\u00e4fer, und steh auf von den Toten, und Christus wird dein Licht sein&#8220;.<\/p>\n<p>Du wei\u00dft ja, wie das mit dem Licht ist. Wie es wachsen l\u00e4\u00dft und Kr\u00e4fte gibt ohne dein Zutun. Du wei\u00df auch, wie das mit der M\u00fcdigkeit ist, jenem Ineinander von rasend schneller Entwicklung und dem Versuch, dem etwas entgegenzustellen. anzuhalten, an das Vergangene zu binden. Es sind beides Seiten der Zeit, die wie eine Macht \u00fcber uns kommt und darin ausgeliefert sein l\u00e4\u00dft, m\u00fcde und verschlossen. Ach, die griechischen Sagen erz\u00e4hlten davon, da\u00df Chronos, das Ungeheuer fortschreitender Zeit, seine eigenen Kinder auffra\u00df. Er konnte nur durch Kairos, den Gott der erf\u00fcllten Gegenwart aufgehalten werden.<\/p>\n<p>Die Bibel aber sagt dir direkt: &#8222;Wach auf .. Steh auf !&#8220; Steh auf von den M\u00e4chten des Todes, der Schuld und der Zeit. Du bist da drin &#8211; gewesen, in der Dunkelheit. Aber jetzt ist es anders. Schlu\u00df, aus. Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden. Gott sei Dank. Du bist im Licht des Morgens, und wie das Licht nicht bei sich selbst bleibt, sondern herausgeht und alles umf\u00e4ngt, so gehst du heraus. Erkennbar. In eine neue Richtung. So wie Christus nicht bei sich selbst bleibt, sondern hineinkommt in unsere Zeit der Welt. Er wird erkennbar in dem, wie du wach wirst, gehst, arbeitest, glaubst. Steh auf und geh. Sieh, wer dir begegnet und was zu tun ist.<\/p>\n<p>Sie ist ungef\u00e4hr 75. Sie sagt, da\u00df sie jetzt richtig wach geworden ist. Sie war zum ersten Mal nach Polen gefahren, in die alte Heimat. Sie habe \u00fcbrigens schon immer gemeint, man m\u00fcsse die Realit\u00e4ten sehen. Aber es sei schwer gewesen. Ihre Schwester war in Polen geblieben, hatte dort geheiratet, ihre Kinder sprachen nur polnisch. Aber sie hatten sich alle beim Wiedersehen gefreut, es wurde gefeiert und erz\u00e4hlt, von den alten Zeiten, wie schwer das alles gewesen war. Und nat\u00fcrlich auch von den neuen Zeiten, wie schwierig das alles geworden sei, es k\u00f6nne einen richtig bedr\u00fccken und m\u00fcde machen. Und dann sei sie am n\u00e4chsten Morgen in ihre Kirche gegangen, wo sie konfirmiert worden ist. Da habe sie nicht anders gekonnt, es kamen die Tr\u00e4nen, so als ob alles rauskommt.<\/p>\n<p>Die polnische K\u00fcsterin, die sie reingelassen hatte, weil sie gerade saubermachte, kam auf sie zu, sah sie an und sagte: &#8222;Ich verstehe Sie&#8220;&#8218;, Und dann ging sie in die Sakristei und kam mit einem Gesangbuch zur\u00fcck. &#8222;F\u00fcr Sie, ich verstehe Sie&#8220;. Das sei dann so gewesen, als ob mit einem Mal Licht reinkommt.<\/p>\n<p>Wissen Sie&#8220;, sagte sie, &#8222;ich lebe jetzt irgendwie anders. Ich bin wach geworden, Gott sei Dank. Ich glaube, da\u00df es wirklich Vers\u00f6hnung gibt. Es z\u00e4hlt nicht mehr die alte Zeit, sondern das, was wir jetzt machen. dieses Buch mit seinen Worten bleibt. Dieses Gesicht, das mich verstanden hat &#8211; ich werde es nie vergessen&#8220;.<\/p>\n<p>So ist Jesus Christus. Gott sei Dank.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Lied nach der Predigt: 450,1-3<\/p>\n<p>Wolfgang Petrak Pastor in St. Petri-Weende Schlagenweg 8a, 37077 G\u00f6ttingen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>8. S. nach Trinitatis | 2.8.1998 | Eph 5,8b-14 | Wolfgang Petrak | Predigttext: Einheits\u00fcbersetzung 1980 &#8222;Denn einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr durch den Herrn Licht geworden. Lebt als Kinder des Lichts! Das Licht bringt lauter G\u00fcte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor. 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