{"id":21285,"date":"1998-08-14T17:16:30","date_gmt":"1998-08-14T15:16:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21285"},"modified":"2025-03-14T17:20:05","modified_gmt":"2025-03-14T16:20:05","slug":"epheser-58b-14-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/epheser-58b-14-3\/","title":{"rendered":"Epheser 5,8b-14"},"content":{"rendered":"<h3>Vom lichtvollen Leben | 8. S. nach Trinitatis | 2.8.1998 | Eph 5,8b-14 | Friedrich Wintzer |<\/h3>\n<p>Predigttext:<\/p>\n<p>&#8222;Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter G\u00fcte und Gerechtigkeit und Wahrheit. Pr\u00fcft, was dem Herrn wohlgef\u00e4llig ist, und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf. Denn was von ihnen heimlich getan wird, davon auch nur zu reden ist sch\u00e4ndlich. Das alles aber wird offenbar, wenn\u2019s vom Licht aufgedeckt wird; denn alles, was offenbar wird, das ist Licht. Darum hei\u00dft es:<\/p>\n<p>Wach auf, der du schl\u00e4fst,<\/p>\n<p>und steh auf von den Toten,<\/p>\n<p>so wird dich Christus erleuchten.&#8220;<\/p>\n<p>I.<\/p>\n<p>Der heutige Sonntag hat als Thema die Ermutigung zum lichtvollen Leben. Das Motiv der Lesungen ist darum das Wandeln im Licht. In der alttestamentlichen Lesung aus dem 6. Kapitel des Jesajabuches hei\u00dft es: &#8222;Kommt, . . . la\u00df uns wandeln im Licht des Herrn.&#8220; Die Evangeliumlesung aus der Bergpredigt (Matth. 5, 13-16) nennt wahre Christen &#8222;das Licht der Welt&#8220;. Sie sind Kinder des Lichts, weil sie in der Nachfolge Jesu Christi leben d\u00fcrfen und k\u00f6nnen. Dieser hat von sich nach dem Johannes-Evangelium gesagt: &#8222;Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern das Licht des Lebens haben.&#8220; (8, 12) Von einer Lebensbestimmung ist hier die Rede, symbolisiert in dem Bildwort vom lichtvollen Leben. &#8211; Wenn in der fr\u00fchen Christenheit erwachsene Heiden sich dem christlichen Glauben zuwandten und sich taufen lie\u00dfen, so war dieser Entschlu\u00df f\u00fcr sie eine Wende in ihrem Leben. Er beinhaltete eine Absage an die Angst vor den heidnischen G\u00f6ttern mit ihrer Unberechenbarkeit. Er bedeutete meist auch eine sichtbare Trennung von den Werken der Finsternis, wie z.B. die Verleumdung von Mitmenschen, die Rachsucht gegen\u00fcber anderen, die Gedanken der Bosheit und des Neides gerade auch gegen\u00fcber Menschen, mit denen man zusammenlebt.<\/p>\n<p>Wie war diese Wende im Leben begr\u00fcndet und wie wirkte sie sich aus? Es hat diese Wende immer wieder gegeben. Aus dem Christenverfolger Paulus wurde ein Verk\u00fcndiger des christlichen Glaubens und auch ein M\u00e4rtyrer. &#8211; F\u00fcr die erwachsenen Christen, die im fr\u00fchen Christentum sich in der Osternacht taufen lie\u00dfen, war nach der finsteren Nacht das Licht des heraufd\u00e4mmernden Tages ein Orientierungszeichen und auch ein Zeichen der Hoffnung. Der auferstandene Christus war f\u00fcr diese Christen das wahre Licht, weil Gott dem gekreuzigten Jesus Christus f\u00fcr sein Reden und Handeln und Leiden Recht gegeben hatte, indem er ihn nicht im Tode lie\u00df, sondern die Finsternis des Todes durchbrach. F\u00fcr die neu Getauften ging deshalb von Christus die Erleuchtung f\u00fcr ihr Leben und Tun aus. Sie priesen Gott als Geber des Lichts und wollten als die Kinder des Lichts leben. Die brennende Taufkerze, die die fr\u00fchen Christen in der Osternacht erhielten, war das Zeichen daf\u00fcr, da\u00df sie sich Christus unterstellt und sein lebenschaffendes Licht empfangen hatten.<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Der Verfasser des Epheserbriefes zieht aus diesem Glauben an die Lichttr\u00e4ger-Existenz Konsequenzen. Als Kinder des Lichts k\u00f6nnen Christen keine Finsterlinge sein. Auch wenn Christen auf unterschiedliche Weise in ihren Tun und Denken noch manchen Gedanken der Finsternis anh\u00e4ngen m\u00f6gen, so stimmt diese Ausrichtung des Lebens mit dem Christsein nicht \u00fcberein. Sie widerspricht hier. Im Brief an die Epheser hei\u00dft es folgerichtig: &#8222;Nun aber seid ihr Licht durch Jesus Christus. Also lebt als Kinder des Lichts. Die Frucht des Lichts ist . . . G\u00fcte (Gutsein) und Gerechtigkeit und Wahrheit.&#8220; Ich kenne Menschen, die von dieser Lebensorientierung ihres Glaubens etwas ausstrahlten in ihrer Zuwendung zu anderen Mitmenschen. In unserer Zeit war es Mutter Theresa, vor ein paar hundert Jahren war es die heilige Elisabeth, die auf ihr Vorrecht als th\u00fcringische Landgr\u00e4fin verzichtete und in Marburg den Armen und Kranken half. In unserem Jahrhundert ist an das Beispiel von Dr. Albert Schweitzer zu erinnern, der seine Karriere als Professor abbrach und zu den unversorgten Kranken nach Lambarene in Afrika ging. &#8222;Urwalddoktor&#8220; hat man ihn darum genannt. Sie und viele andere hier nicht mit Namen Genannte haben als getaufte Christen gewu\u00dft und begriffen, da\u00df sie von Gott zu einem Lebenswandel im Licht und nicht in der Finsternis berufen sind. Sie haben dieser befreienden Berufung zugestimmt. Sie haben als Christen erkannt: Gott mutet uns in unserem Verhalten etwas zu, weil wir ihm wichtig sind. Aber Gott mutet uns nicht mehr zu, als wir leisten k\u00f6nnen. Seine Anforderung an uns ist kein belastender Leistungsdruck, sondern die Einladung zu einem sachgerechten Leben als Kinder des Lichts. Als Menschen, die von Gott in Christus erleuchtet und erl\u00f6st sind, sollen wir von dieser Gabe etwas ausstrahlen. Gemeint ist die G\u00fcte und N\u00e4chstenliebe zu anderen, der Einsatz f\u00fcr die Gerechtigkeit, welche die Ungerechtigkeit nicht zul\u00e4\u00dft; und schlie\u00dflich die Verpflichtung gegen\u00fcber der Wahrheit, die uns ins Licht der von Gott gewollten Menschlichkeit f\u00fchrt. Diese hat ihren Lebensgrund in dem Glauben an den von Gott gesandten Jesus Christus.<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Der Text aus dem Epheserbrief will also Christen zum lichtvollen Lebenswandel einladen. Er will keine belastende Moralpredigt sein. Er argumentiert mit den genannten Gr\u00fcnden. Der zweite Schritt in dieser Rede ist folgerichtig eine Mahnung der Lebensorientierung: La\u00dft uns immer wieder pr\u00fcfen und beurteilen, was Gott wohlgef\u00e4llig ist und vor ihm Bestand hat. Junge Christen, die dar\u00fcber diskutierten, interpretierten das im Text genannte Gutsein als den Weg der Barmherzigkeit, der auch das Teilen von Nahrung, Freude und Geld mit einschlie\u00dft. Das einfache Wort daf\u00fcr lautet: N\u00e4chstenliebe. &#8211; Weiterhin haben in dem genannten Gespr\u00e4ch die jungen Christen die Verleumdung als besonders unchristlich beurteilt, obwohl dieses Verhalten in Politik und Gesellschaft immer wieder vorkommt. Der n\u00e4chste Wahlkampf steht zudem auch vor der T\u00fcr. In der Arbeitswelt gibt es f\u00fcr dieses verleumderische Reden sogar ein neues Wort im Kampf um Arbeitspl\u00e4tze. Es hei\u00dft &#8222;mobbing&#8220;. Das Christentum hat f\u00fcr all dieses lichtmeidende Handeln immer den Ausdruck &#8222;Bosheit&#8220; gebraucht. Assoziationen fallen uns dazu genug ein. Das Pr\u00fcfen dessen, was Gott wohlgef\u00e4llig ist, hat aber noch einen anderen Aspekt. Er lautet, da\u00df das Leben von uns Christen nicht nur im Arbeiten bestehen soll. Weil wir Gott als Sch\u00f6pfer der Welt und des Lebens loben und preisen, ben\u00f6tigen wir auch Sonn- und Feiertage, an denen wir an Gottes sch\u00f6pferisches Handeln denken, zur Ruhe kommen und Gott als Grund unseres Lebens ehren. Vielleicht haben wir dieses Pr\u00fcfen unserer Lebenseinstellung heute besonders n\u00f6tig. Es k\u00f6nnte uns wieder besser verstehen lassen, was im 17. Jahrhundert der Jurist, Minister und Dichter Christian Knorr von Rosenroth in einen Liedvers gefa\u00dft hat, der das Morgenlicht begr\u00fc\u00dft. Er lautet: &#8222;Gib, da\u00df deiner Liebe Glut \/ unsre kalten Werke t\u00f6te \/ und erweck uns Herz und Mut \/ bei entstandner Morgenr\u00f6te, \/ da\u00df wir, eh wir gar vergehn, \/ recht aufstehn.&#8220; (EG 450, 3)<\/p>\n<p>IV.<\/p>\n<p>Der Text aus dem Epheserbrief endet mit einem kurzen Tauflied. Es ist ein Weckruf an die schon erwachsenen Taufbewerber, aus dem Schlaf des gottfernen Lebens aufzustehen und sich dem Licht zuzuwenden, das von Christus ausgeht und leuchtet. Der Weckruf lautet: &#8222;Wach auf, der du schl\u00e4fst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.&#8220; Wer das Licht empf\u00e4ngt, kann leben als ein Kind des Lichts; als ein erleuchteter Mensch, fern von den dunklen Gedanken der Unmenschlichkeit. Die Mitmenschen k\u00f6nnen dann sagen, da\u00df sie etwas von dem Wort aus der Bergpredigt sp\u00fcren. Denn wahre Christen sind Lichttr\u00e4ger in dieser Welt. Der Glaube an Gott und Christus hat sie ver\u00e4ndert und verwandelt sie. Sie sind auch so etwas wie das Salz der Erde, das vor F\u00e4ulnis bewahrt. Dazu mahnt der Epheserbrief. &#8211; Der j\u00fcngst verstorbene G\u00f6ttinger Dichter Rudolf Otto Wiemer hat den Anspruch der Worte vom Licht und Salz aus der Bergpredigt realistisch in Worte gefa\u00dft und gedeutet.<\/p>\n<p>Ihr seid das Salz der Erde,<\/p>\n<p>vielleicht nur ein Korn,<\/p>\n<p>aber das Korn, man wird es schmecken.<\/p>\n<p>Ihr seid das Licht der Welt,<\/p>\n<p>vielleicht nur ein Funke,<\/p>\n<p>aber der Funke f\u00e4llt auf den Weg.<\/p>\n<p>Ihr seid die Stadt auf dem Berge,<\/p>\n<p>vielleicht nur ein Haus,<\/p>\n<p>aber das Haus lacht aus den Fenstern.<\/p>\n<p>Ihr seid das Salz der Erde,<\/p>\n<p>vielleicht nur eine Handvoll,<\/p>\n<p>aber das Salz bewahrt vor F\u00e4ulnis.<\/p>\n<p>Die Einladung zu einem lichtvollen Leben wird hier beschrieben. Ihre Kennzeichen sind G\u00fcte, Gerechtigkeit und Wahrheit.<\/p>\n<p>Nachwort<\/p>\n<p>Dieser Text aus Eph. 5, 8b-14 ist eine Mahnung an Christen, also an Menschen, die Christus angenommen haben als den, der sie aus dem Machtbereich der Finsternis hinausf\u00fchrt. Man k\u00f6nnte den christologischen Machtbereich des Lichts dem Machtbereich der Finsternis gegen\u00fcberstellen. Die Predigt hebt aber den positiven Aspekt besonders hervor. Sie beschreibt einladend den Wandel im Licht des Herrn. Mit dem Taufmotiv Eph. 5, 14 wird dieses Leben im Licht des Herrn anschaulich gemacht.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Prof. Dr. Friedrich Wintzer, Am Hof 1, 53113 Bonn<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom lichtvollen Leben | 8. S. nach Trinitatis | 2.8.1998 | Eph 5,8b-14 | Friedrich Wintzer | Predigttext: &#8222;Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter G\u00fcte und Gerechtigkeit und Wahrheit. 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