{"id":21291,"date":"1998-08-14T17:28:51","date_gmt":"1998-08-14T15:28:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21291"},"modified":"2025-03-14T17:30:25","modified_gmt":"2025-03-14T16:30:25","slug":"eph-24-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/eph-24-10\/","title":{"rendered":"Eph 2,4-10"},"content":{"rendered":"<h3>11. S. nach Trinitatis | 23.8.1998 | Eph 2,4-10 | Ulrich Nembach |<\/h3>\n<p>Predigttext:<\/p>\n<p>&#8222;Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner gro\u00dfen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den S\u00fcnden, mit Christus lebendig gemacht \u2013 aus Gnade seid ihr selig geworden -; und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, damit er in den kommenden Zeiten erzeige den \u00fcberschwenglichen Reichtum seiner Gnade durch seine G\u00fcte gegen uns in Jesus Christus. Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch den Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand r\u00fchme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, da\u00df wir darin wandeln sollen.&#8220;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Einleitung<\/p>\n<p>Gott und wir, Tod und Leben, S\u00fcnde und Vergebung, Schuld und Gnade &#8211; das ganze Gewicht christlicher Verk\u00fcndigung, alles, was die Kirche predigt, steht in unserem Predigttext heute morgen. Der Text ist eine Art Zusammenfassung. Da trifft es sich gut, da\u00df wir in diesem Gottesdienst eine Taufe haben. Ja, Sie haben richtig geh\u00f6rt. Die Taufe macht die Predigt nicht komplizierter, sondern hilft uns, erleichtert uns das H\u00f6ren und das Verstehen. Warum die Taufe uns hilft, werden wir gleich h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Der Text beginnt damit, da\u00df er von Schuld, S\u00fcnde redet. Sp\u00e4ter ist von den\u00a0<em>Begierden des Fleisches<\/em>\u00a0die Rede. Damit ist alles das gemeint, was im Fernsehen und den Zeitungen \u00fcber Schuld und Verbrechen steht. Als unser Text geschrieben wurde, gab es weder Zeitungen noch Fernsehen, weder\u00a0<em>Bild,<\/em>\u00a0noch\u00a0<em>ARD<\/em>\u00a0oder\u00a0<em>SAT 1<\/em>. Aber Schuld und Verbrechen gab es auch schon damals. Hier hat sich leider trotz aller Erfolge der Kriminalkommissare &#8211; der menschlichen und des zum Kommissar bef\u00f6rderten Sch\u00e4ferhundes\u00a0<em>Rex<\/em>\u00a0&#8211; bis heute nichts ge\u00e4ndert. So leicht ist der Mensch nicht zu \u00e4ndern. Deshalb mu\u00df Gott selbst die Sache in die Hand nehmen. Und genau das hat er getan. Die Wende schaffte Gott mit seinem Sohn, mit Jesus Christus. Davon, von dieser Wende spricht der Text. Dieses Geschehen ist eine spannende und zugleich komplizierte Geschichte. Um sie zu erz\u00e4hlen, braucht man Zeit, viel Zeit. Wenn schon ein Kommissar im Fernsehen ein bis zwei Stunden braucht, um einen einzigen Fall zu l\u00f6sen, wie viel mehr Zeit braucht es, um die Wende der Menschen zum Leben zu beschreiben. Diese Zeit nimmt sich aber leider nicht der Text, und wir haben sie heute morgen auch nicht. Aber lamentieren wir nicht, sondern machen wir uns an die Arbeit, ja an die Arbeit, denn es wird nicht leicht werden.<\/p>\n<p>1 .<\/p>\n<p>Der Text fa\u00dft seine Ausf\u00fchrungen zusammen, indem er von der &#8222;Gnade&#8220; spricht. Das ist ein Wort, das ganz aus der Mode gekommen ist. Wie Garderobe aus der Mode kommen kann, besonders die der Frauen, k\u00f6nnen auch W\u00f6rter aus der Mode kommen.\u00a0****Da\u00df das Wort &#8222;Gnade&#8220; verloren ging, ist eigentlich schade, sehr schade. Dieses Wort meint etwas Au\u00dfergew\u00f6hnliches. Es geht um etwas, was man sich nicht verdienen und auch nicht kaufen kann. Wir meinen, wir k\u00f6nnen alles kaufen, wenn wir nur gen\u00fcgend Geld haben. So ist das aber nicht. Liebe kann man sich nicht kaufen. Zwar gibt es immer wieder Menschen, Frauen und M\u00e4nner, die meinen, durch Geld einen Partner \u00fcber-reden, bestechen zu k\u00f6nnen, um ihn oder sie dann vor den Traualtar zu schleppen. Gott sei Dank gelingt das nicht oft, und, wenn es gelingt, scheitert die Ehe dann oft. Liebe, wahre Liebe, ist nicht zu kaufen. Kinderliebe k\u00f6nnen Eltern sich ebenfalls nicht kaufen.<\/p>\n<p>Genauso ist es mit der Gnade. Deshalb wird Gnade oft mit Liebe verbunden. Gott, der Gro\u00dfe, der Sch\u00f6pfer der Welt, liebt die Menschen. Deshalb schenkt er ihnen aus Gnade das Leben. Gnade wird oft auch mit dem Wort &#8222;Geschenk&#8220; in Verbindung gebracht. Der griechische Text, in dem unser Predigttext zuerst geschrieben war, spricht darum auch von &#8222;Geschenk&#8220; und nicht von &#8222;Gnade&#8220;. Auch der lateinische Text, die Bibel wurde ja zun\u00e4chst ins Lateinische \u00fcbersetzt, ehe sie von Luther ins Deutsche \u00fcbersetzt wurde, spricht ebenfalls von &#8222;Geschenk&#8220;. Erst Luther kam auf die Idee, daf\u00fcr &#8222;Gnade&#8220; zu sagen. Ich wei\u00df nicht, wie und warum er auf die Idee kam. Heute kann man ihn nicht mehr fragen, aber auch damals, als er \u00fcbersetzte, konnte ihn niemand fragen. Er sa\u00df allein in seinem Zimmer auf der Wartburg, sorgf\u00e4ltig versteckt, weil es Leute gab, die ihn t\u00f6ten wollten. In der Situation von &#8222;Gnade&#8220; zu reden, leuchtet mir ein. Luther als armer Bettelm\u00f6nch hatte kein Geld, sich eine teuere Schutztruppe zuzulegen. Da war er dankbar, da\u00df sein Landesherr als wohlhabender F\u00fcrst, f\u00fcr seine Sicherheit sorgte, ihn gut getarnt versteckte und dies noch an einem sicheren Ort wie der gro\u00dfen Wartburg. &#8211; Sehen Sie, mit Geschenken ist das so eine Sache, wenn man jemandem etwas schenkt, mu\u00df man als Beschenkter fr\u00fcher oder sp\u00e4ter etwas zur\u00fcckschenken, und sei es, wenn man das n\u00e4chste Mal eingeladen wird. Bei der Gnade ist das anders. Die ist so gro\u00df, da haben wir gar nichts, was wir zur\u00fcckschenken k\u00f6nnten. Wir besitzen nichts Vergleichbares.<\/p>\n<p>Was ist das aus &#8222;Gnade&#8220; \u00dcberreichte? Es ist das Leben.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><\/li>\n<\/ol>\n<p>Nun, wir leben. Und da\u00df Ailleen M\u00fcnch lebt, gerade anfing zu leben, ist besonders sch\u00f6n. Darum haben wir uns hier zur Taufe versammelt. Aber &#8211; und das mu\u00df auch gesagt werden &#8211; wir leben nicht ewig. Ich werde nach menschlichem Ermessen fr\u00fcher als Ailleen sterben. Aber &#8211; und dieses Aber ist ganz wichtig &#8211; das kann und soll doch nicht alles sein. Das sagte sich auch Gott und griff darum ein; aus Gnade tat er es. Er lie\u00df seinen Sohn Jesus Christus am Kreuz sterben und weckte ihn am Ostermorgen auf. Mit ihm, seinem Sohn, starb am Kreuz auch der Tod, unser Tod, meiner und deiner. Zwar werden wir sterben, aber unser Tod hat eine andere Qualit\u00e4t bekommen. Der Tod war bis zu Jesu Tod am Kreuz das Ende, das Aus, das Megaout. Nun, nach Jesu Auferstehung, geht die Sache aber weiter. Der Predigttext spricht deshalb davon, da\u00df Gott uns &#8222;in den kommenden Zeiten den \u00fcberschwenglichen Reichtum seiner Gnade zeigte&#8220;. V. 8 &#8211; Sie k\u00f6nnen den Text zu Hause nachlesen.<\/p>\n<p>Wie kann man sich das vorstellen? Eigentlich gar nicht. Niemand kann in die Zukunft schauen. Aber Gott sieht weiter, und er sagt es uns deshalb. Ich kann auch nicht in die Zukunft schauen, aber vielleicht kann, soll ich einmal wagen, ein kleines Zukunftsbild zu malen. Ich greife dabei auf uns Bekanntes zur\u00fcck. Ich mu\u00df zur\u00fcckgreifen, denn sonst w\u00fcrden Sie mich nicht verstehen. Also ich stelle mir einen Menschen vor, der auswandert. Er will seine Zukunft besser gestalten, als er das hier zu Hause k\u00f6nnte. Jedenfalls hofft er darauf. Genaues wei\u00df auch er nicht. Er mu\u00df in seiner neuen Umgebung viel arbeiten. Aller Anfang ist schwer. Dennoch denkt er manchmal abends zur\u00fcck. An sein Elternhaus, die Stra\u00dfe, in der er wohnte, an die alten Freunde. Er sieht dann alles richtig vor sich. Er ist mit seiner Heimat verbunden.<\/p>\n<p>So, genauso sind wir mit dem Leben verbunden. Die Verbindung schafft die Taufe. Sie verbindet uns mit Jesus Christus und mit seinem Vater, Gott, und dem Heiligen Geist. Wir taufen auf den dreieinigen Gott. Er ist das Leben, und er schenkt uns aus Gnade das Leben. Wir sind darum\u00a0<em>lebensverbunden.<\/em>\u00a0Ich\u00a0**wei\u00df nicht, ob Ailleen sp\u00e4ter aus der Kirche austreten wird. Ich hoffe es nicht. Aber was sie auch tut, sie ist seit dem heutigen Tage mit Gott verbunden. Wir Menschen k\u00f6nnen zwar aus der Kirche austreten, aber wir k\u00f6nnen nicht aus Gottes Hand fallen. Seine Hand ist viel zu gro\u00df. Deshalb ist, aus der Kirche auszutreten, zwar rechtlich m\u00f6glich, aber sachlich unm\u00f6glich. Gott nach der Taufe abzusagen, ist so wenig m\u00f6glich, wie sich von seinen eigenen Eltern zu trennen. Wir k\u00f6nnen unseren Eltern ade sagen. Wir k\u00f6nnen vergessen, sie zu Weihnachten einzuladen oder ihnen wenigsten zu schreiben, aber wir sind ein Teil von ihnen. Wir tragen ihre Gene. Ohne diese Gene k\u00f6nnten wir gar nicht leben.<\/p>\n<p>Genauso sind wir seit der Taufe mit Gott verbunden und mit dem Leben, das er uns aus Gnade gibt. Wir sind nun lebensverbunden.<\/p>\n<p>Schlu\u00df<\/p>\n<p>Da\u00df dieser Wandel ein Lob f\u00fcr Gott wert ist, versteht sich von selbst. Darum singen wir nun &#8211; auch eine Zusammenfassung, \u00e4hnlich wie unser Predigttext &#8211; ein Lied des Lobes Gottes. Es ist ein altes Lied, das zun\u00e4chst in lateinischer Sprache gedichtet wurde:<\/p>\n<p>&#8222;Gro\u00dfer Gott wir loben dich,&#8230;&#8220; EG 331, 1. 2.5.11<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p>Anmerkungen:<\/p>\n<p>Die Verse 1-3 wurden hinzugenommen, weil sonst der Text rudiment\u00e4r ist. Die Predigt folgt exegetisch weitgehend Franz Mu\u00dfners Kommentar zum Text in seinem Kommentar im \u00d6TK und G\u00fcnter Klein in GPM 46\/1991.<\/p>\n<p>Die Predigt ist konzipiert f\u00fcr den Gottesdienst in St. Albani, G\u00f6ttingen, in dem die 6 Monate alte Ailleen M\u00fcnch getauft wird. Eine zus\u00e4tzliche Taufpredigt er\u00fcbrigt sich, weil die Taufe Aufnahme in die Gemeinde ist. Mit den Eltern wurde dar\u00fcber gesprochen. Da\u00df der Text einen Bezug zur Taufe hat, ist sch\u00f6n, aber nicht die Voraussetzung daf\u00fcr, die Taufe in den gesamten Gottesdienst zu integrieren. Ailleen wird von ihrer zahlenm\u00e4\u00dfig gro\u00dfen Verwandtschaft begleitet, von denen nicht alle Mitglied der Kirche sind. Sie bleiben w\u00e4hrend des ganzen Gottesdienstes in der Kirche.<\/p>\n<p>Prof. Dr. Dr. Ulrich Nembach, G\u00f6ttingen<\/p>\n<p>E-Mail: <a href=\"mailto:unembac@gwdg.de\">unembac@gwdg.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>11. 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