{"id":21293,"date":"1998-08-14T17:30:29","date_gmt":"1998-08-14T15:30:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21293"},"modified":"2025-03-14T17:32:39","modified_gmt":"2025-03-14T16:32:39","slug":"epheser-24-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/epheser-24-10\/","title":{"rendered":"Epheser 2,4-10"},"content":{"rendered":"<h3>11. S. nach Trinitatis | 23.8.1998 | Eph 2,4-10 | Walter Meyer-Roscher |<\/h3>\n<p>Predigttext: Epheser 2, 4-10<\/p>\n<p>&#8222;Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner gro\u00dfen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den S\u00fcnden, mit Christus lebendig gemacht \u2013 aus Gnade seid ihr selig geworden -; und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, damit er in den kommenden Zeiten erzeige den \u00fcberschwenglichen Reichtum seiner Gnade durch seine G\u00fcte gegen uns in Jesus Christus. Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch den Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand r\u00fchme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, da\u00df wir darin wandeln sollen.&#8220;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>Soll das eigentlich immer so weitergehen? Schritthalten im t\u00e4glichen Konkurrenzkampf, nicht zur\u00fcckbleiben, nicht zulassen, da\u00df andere an uns vorbeiziehen, jederzeit beweisen, da\u00df wir den Anforderungen an uns auch gewachsen sind, keine Anzeichen von Schw\u00e4che oder M\u00fcdigkeit zeigen! Soll das eigentlich immer so weitergehen &#8211; mit dem Druck, dem wir uns nicht entziehen k\u00f6nnen, mit der Hetze, in die wir zwangsl\u00e4ufig hineingeraten?<\/p>\n<p>Viele von Ihnen sind aus dem Sommerurlaub zur\u00fcckgekehrt. Einmal aussteigen, Atem holen, jeden neuen Tag genie\u00dfen, sich an den Sch\u00f6nheiten der Sch\u00f6pfung freuen &#8211; so sollte es sein! Vielleicht war es auch so &#8211; f\u00fcr wenige Wochen im Jahr, f\u00fcr eine kurze Zeit. Nun holen sie uns wieder ein, die Herausforderungen und Probleme des Alltags. Leben von einem atemlosen Augenblick zum n\u00e4chsten! Soll das so weitergehen?<\/p>\n<p>&#8222;Tage kommen und gehen&#8220;, schreibt Rose Ausl\u00e4nder,\u00a0<em>&#8222;alles bleibt wie es ist&#8220;.<\/em>\u00a0Eine einfache Antwort, die alle Fragen erschl\u00e4gt! Nein, so einfach hat es sich diese empfindsame und in all ihrer Hinf\u00e4lligkeit dem Leben zugewandte Frau nicht gemacht. Sie hat weiter und tiefer gesehen. &#8222;<em>Tage kommen und gehen. Alles bleibt, wie es ist. Nichts bleibt, wie es ist, es zerbricht wie Porzellan. Du bem\u00fchst dich, die Scherben zu kleben zu einem Gef\u00e4\u00df und weinst, wenn es nicht gl\u00fcckt.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Tage kommen und gehen, nach au\u00dfen hin bleibt das gewohnte Gleichma\u00df &#8211; aber nur nach au\u00dfen hin und nur an der Oberfl\u00e4che! Wir reagieren, wie immer, auf den Druck und die Atemlosigkeit mit scheinbar demonstrativer Gelassenheit. Aber wir tragen unsere Wunden innen. Da sind wir verletzbar, angeschlagen, m\u00fcde. Da fragen wir uns, was unser Leben eigentlich wertvoll macht, ob sich aus den vielen Bruchst\u00fccken von Versagen, vielleicht auch Schuld doch noch ein sinnvolles Ganzes f\u00fcgen l\u00e4\u00dft. Und dann erleben wir: es gelingt uns nicht. Was wir zusammenf\u00fcgen m\u00f6chten, zerbricht wie Porzellan. Scherben halten wir in der Hand. &#8222;<em>Du<\/em>\u00a0<em>bem\u00fchst dich, die Scherben zu kleben zu einem Gef\u00e4\u00df&#8220;,<\/em>\u00a0sagt Rose Ausl\u00e4nder,\u00a0<em>&#8222;und du weinst, weil es nicht gl\u00fcckt&#8220;.<\/em><\/p>\n<p>Soll auch das dann immer so weitergehen? Das w\u00e4re ja die H\u00f6lle! Der Verfasser des Epheserbriefes, der die Gedanken des Apostels Paulus nachgedacht hat, sagt in diesem Zusammenhang folgerichtig: Wer so lebt, ist eigentlich schon tot. In dem Licht einer gnadenlosen Beurteilung des Leben bedeutet das: ihr seid gescheitert. Alle eure Anstrengungen, euer Bem\u00fchen haben nichts genutzt. Der Einsatz aller Kr\u00e4fte war vergeblich, In diesem durchdringenden Licht bleibt nur die Erkenntnis eigenen Versagens, und damit ist ein Leben im Grunde schon abgeschlossen und abgewertet, auch wenn der Mensch im t\u00e4glichen Auf und Ab weiterexistiert und weiterfunk tioniert, &#8222;Tot in den S\u00fcnden&#8220;, nennt es der Sch\u00fcler des Paulus, und er meint: nicht mehr zu\u00a0einem sinnvollen Leben f\u00e4hig.<\/p>\n<p>Mu\u00df das so sein, mu\u00df das so bleiben? Nein, der Briefschreiber h\u00e4lt dagegen: Gott selbst will nicht, da\u00df es so bleibt. In einem geradezu \u00fcberschwenglichen Hochgef\u00fchl wird Gottes Handeln mit uns beschrieben. Seine Barmherzigkeit und seine Liebe haben ein Ziel: gelungenes, sinnvolles Leben<\/p>\n<p>Da ist nicht mehr von den vielen Bruchst\u00fccken die Rede, die wir zu einem Gef\u00e4\u00df zusammenkleben wollen, die unter unseren H\u00e4nden jedoch zu einem Scherbenhaufen werden. Hier entsteht vor unseren Augen und auch wider alles Erwarten ein sinnvolles Ganzes, und das ist &#8211; mit den Wortendes Bibeltextes &#8211; Gottes Werk, geschaffen durch Jesus Christus, verankert und aufgehoben im Himmel.<\/p>\n<p>Gelungenes, sinnvolles Leben &#8211; wenn man diesen Worten glauben darf, h\u00e4ngt es letzten Endes nicht am Einsatz unserer Kr\u00e4fte und F\u00e4higkeiten. Gott selbst will es garantieren &#8211; unabh\u00e4ngig von Leistung und Verdienst, Erfolg oder Versagen. Daf\u00fcr ist Jesus Christus eingetreten mit seinen Worten, mit seinen Taten, schlie\u00dflich mit seinem Sterben. Deshalb kann man sich darauf einlassen.<\/p>\n<p>Erinnern wir uns: auf andere Menschen ist er zugegangen, als sei das selbstverst\u00e4ndlich, als brauchte man keine Legitimation und keinen Leistungsnachweis, als gen\u00fcgte es, ein Mensch zu sein. Auf andere ist er zugegangen, als brauchte man sich nicht vor ihnen zu f\u00fcrchten und sich nicht gegen sie durchzusetzen, als gen\u00fcgte es, mit Verst\u00e4ndnis, Hilfsbereitschaft und Mitmenschlichkeit zu reagieren. Die Menschen aber, denen er sich so zugewandt hat, sind in seiner N\u00e4he anders geworden. In seiner Offenheit und Menschenfreundlichkeit haben sie Gottes Ja zum Leben gesp\u00fcrt, und das hat ihren Alltag ver\u00e4ndert. Ein neuer Geist hat ihr Denken und Handeln bestimmt. Sie haben gesp\u00fcrt, wof\u00fcr eigentlich leben und wof\u00fcr es sich zu leben lohnt.<\/p>\n<p>&#8222;Geschaffen zu guten Werken&#8220;, sagt der Briefschreiber. Ja, auch das geh\u00f6rt zum Menschsein dazu und bereichert unser Leben. Das kann auch zufrieden und gl\u00fccklich machen f\u00fcr andere da sein, sie in die eigenen Lebensvorstellungen und W\u00fcnsche einbeziehen, mit ihnen hilfsbereit und f\u00fcrsorglich zusammenleben.<\/p>\n<p>Wenn wir fragen, wie es eigentlich weitergehen soll, dann schleicht sich so oft das Gef\u00fchl ein: wir sind zum Erfolg verdammt &#8211; auch mit unseren sogenannten guten Werken. Die Bilanz hat positiv zu sein. Wir denken vielleicht an Bertolt Brecht und seinen Sto\u00dfseufzer:\u00a0<em>&#8222;Es mu\u00df ein guter Schlu\u00df sein, mu\u00df mu\u00df, mu\u00df!&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Der Schlu\u00df ist ja gut, und die Bilanz ist schon positiv. Wir haben den guten Schlu\u00df schon hinter uns. So jedenfalls sieht es der Sch\u00fcler des Paulus, wenn er behauptet, unser Leben sei, wo wir uns auf den Geist des auferstandenen Christus einlassen, schon im Himmel verankert.<\/p>\n<p>Jeder Mensch hat &#8222;seinen&#8220; Himmel, seinen Lebenshorizont mit den Orientierungspunkten, die ihm wichtig sind und mit den Zielen, die er sich gesetzt hat. Aber wie oft verschwimmt solch ein Horizont, l\u00f6st sich auf, wird unsichtbar! Wir kennen das doch, wenn wir fragen, wie es eigentlich weitergehen soll. Der Himmel, den uns der Epheserbrief erschlie\u00dfen will, ist ein weiterer, umfassenderer Lebens- und Verstehenshorizont. Gott hat ihn gesetzt mit Jesus und seinem Verst\u00e4ndnis von Leben. Er garantiert auch, da\u00df dieser Horizont unverr\u00fcckbar und sichtbar bleibt.Wir k\u00f6nnen auf ihn zugehen, und er wird mit uns wandern. Da er\u00f6ffnen sich tats\u00e4chlich neue R\u00e4ume f\u00fcr eine sinnvolle Gestaltung des Lebens und neue M\u00f6glichkeiten f\u00fcr mitmenschliches Zusammenleben. Der von Gott gesetzte Lebenshorizont stimmt, auch wenn wir auf dem Weg hin und wieder ins Stolpern geraten. Sein Horizont ist wichtig, nicht die Frage nach unseren erfolgreichen Schritten.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich bleibt die Herausforderung &#8222;Geschaffen zu guten Werken&#8220;, in denen wir uns ja auch\u00a0**bew\u00e4hren wollen. Nat\u00fcrlich bleibt das Leben eine Aufgabe. Aber der Epheserbrief macht die Voraussetzung klar: &#8222;Gottes Gabe ist es, denn wir sind sein Werk. Aus Gnade seid ihr selig geworden, ist euch der Himmel geschenkt. Verdienen und erk\u00e4mpfen k\u00f6nnt ihr ihn euch nicht,\u00a0aber darauf vertrauen k\u00f6nnt ihr&#8220;.<\/p>\n<p>Diese Voraussetzung nimmt unserem Bem\u00fchen und unseren Lebensversuchen den Druck, dem wir &#8211; auf uns selbst angewiesen &#8211; nicht standhalten k\u00f6nnten. Aber Gott, der den Horizont gesetzt hat, begleitet uns auf unserem Weg in neue R\u00e4ume von Leben und Freiheit. Da ist dann auch Zeit, um zur Ruhe zu kommen, um Atem zu holen, Zeit f\u00fcr Gl\u00fcck.<\/p>\n<p>Tage kommen und gehen, das bleibt, wie es ist &#8211; Gott sei Dank!<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<hr \/>\n<p>Walter Meyer-Roscher<\/p>\n<p>Landessuperintendent in Hildesheim<\/p>\n<p>Michaelisplatz 3A<\/p>\n<p>31134 Hildesheim<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>11. S. nach Trinitatis | 23.8.1998 | Eph 2,4-10 | Walter Meyer-Roscher | Predigttext: Epheser 2, 4-10 &#8222;Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner gro\u00dfen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den S\u00fcnden, mit Christus lebendig gemacht \u2013 aus Gnade seid ihr selig geworden [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":11927,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[45,480,727,157,853,114,769,349,3,109,1344],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-21293","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-epheser","category-11-so-n-trinitatis","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-kapitel-02-chapter-02-epheser","category-kasus","category-nt","category-predigten","category-walter-meyer-roscher"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21293","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21293"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21293\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21294,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21293\/revisions\/21294"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11927"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21293"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21293"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21293"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=21293"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=21293"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=21293"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=21293"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}