{"id":21299,"date":"2000-07-30T08:59:44","date_gmt":"2000-07-30T06:59:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21299"},"modified":"2025-03-15T09:03:12","modified_gmt":"2025-03-15T08:03:12","slug":"apostelgeschichte-826-39-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/apostelgeschichte-826-39-8\/","title":{"rendered":"Apostelgeschichte 8,26-39"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"600\" align=\"CENTER\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"color: #0000a0; font-size: xx-small;\">6. Sonntag nach Trinitatis<\/span><br \/>\n<b>30.7.2000<br \/>\nApostelgeschichte 8,26-39<\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\"><b>Hilmar Menke<\/b><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"LEFT\">Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">\u201eEr zog seine Stra\u00dfe fr\u00f6hlich weiter\u201d &#8211; ich glaube, dieser Satz ist es, der mir die Geschichte auf den ersten Blick schon sympathisch macht. Ich freue mich, da\u00df die Geschichte dieses Ende hat, ein wirkliches \u201eHappy End\u201d. <\/span><br \/>\nUnd das w\u00fcnsche ich mir und allen Menschen: Da\u00df wir alle unsere Stra\u00dfe &#8211; wo immer sie hinf\u00fchrt &#8211; fr\u00f6hlich weiterziehen k\u00f6nnen.<br \/>\nAber &#8211; wie es sich bei Geschichten geh\u00f6rt &#8211; bis zu diesem guten Ende ist vieles geschehen &#8211; und keineswegs nur fr\u00f6hliches oder frohmachendes:<\/p>\n<p>Ein Mann ist aufgebrochen zu einer langen Reise. Nicht weil er Urlaub machen m\u00f6chte und die weite Welt zusehen w\u00fcnscht. Daf\u00fcr w\u00e4re seine Reise auch wohl zu beschwerlich gewesen, selbst f\u00fcr ihn, der sich jeden Luxus leisten kann.<br \/>\nEr tritt diese Reise auch nicht an, weil es ihm zu Hause an all dem gemangelt h\u00e4tte, was das Leben sch\u00f6n machen kann: Er war reich und einflu\u00dfreich, angesehen und m\u00e4chtig &#8211; kein Asylsuchender und kein Wirtschaftsfl\u00fcchtling&#8230;<br \/>\nEr reist auch nicht zu einem Staatsbesuch, wie es einem Finanzminister ja durchaus ansteht.<\/p>\n<p>Er reist nach Jerusalem, weil er etwas sucht, etwas, das ihm trotz all seinem Reichtum, trotz all seiner Macht, trotz all seines Ansehens fehlt; etwas, was man nicht kaufen kann und was auch der M\u00e4chtigste sich mit all seiner Macht nicht zu beschaffen vermag.<br \/>\nWahrscheinlich &#8211; so vermute ich &#8211; wei\u00df er selbst nicht einmal genau, was er sucht und was er in Jerusalem zu finden hofft.<br \/>\nEr will \u201eanbeten\u201d, so hei\u00dft es, mit Gott sprechen, mit dem wahren Gott, von dem er geh\u00f6rt hat. Er will ihn dort finden, wo er dem Vernehmen nach seinen besonderen Ort hat, wo sein \u201eHaus\u201d ist, die St\u00e4tte seiner besonderen Gegenwart.<br \/>\nAngekommen sucht er den Tempel auf, den \u201eVorhof der Heiden\u201d, weiter darf er nicht gehen. Er betet.<br \/>\nAber, was er gesucht hat, das hat er doch nicht gefunden &#8211; mehr hat er erhofft, sich nach etwas anderem gesehnt als das Gebet von Ferne.<\/p>\n<p>Ich fange an, diesen Mann immer mehr zu bewundern: Selbst diese Erfahrung bringt ihn nicht davon ab, weiter zu suchen &#8211; auch sein R\u00fcckweg, den er bald antritt geh\u00f6rt mit zu seiner Suche: Er liest in der Heiligen Schrift &#8211; wohlgemerkt, ohne zu verstehen, was er liest &#8211; wie sich sp\u00e4ter herausstellt&#8230;<br \/>\nUnbeirrte Suche, ungestillte Sehnsucht, trotz allem keine Resignation.<\/p>\n<p>Ein Mann ist aufgebrochen in dieser Geschichte.<br \/>\nEin Mann ganz anderer Art: Arm, einflu\u00dflos, ohne Macht. Nicht die Sehnsucht treibt ihn, nicht die Suche reizt ihn. Er kennt nicht einmal das Ziel seines Weges.<br \/>\nAber, er hat einen Auftrag, einen Auftrag, der ihm eigentlich recht merkw\u00fcrdig vorgekommen sein mu\u00df, und den er trotzdem fraglos, widerspruchslos ausf\u00fchrt.<br \/>\nEr wird nicht zum Tempel geschickt, sondern in die Einsamkeit, an irgendeine Stra\u00dfe, an einen unbestimmten Ort.<\/p>\n<p>Dort treffen sie beide zusammen &#8211; der Gott Suchende und der von ihm Beauftragte.<br \/>\nUnd sie kommen ins Gespr\u00e4ch, diese beiden so grundverschiedenen Menschen.<br \/>\nDer einfache Mann ist mutig genug, den hohen Herrn anzusprechen, und der ist sich nicht zu fein, das Gespr\u00e4chsangebot anzunehmen, die Fragen zu beantworten.<br \/>\nDer Einheimische geht auf den Fremden zu und der l\u00e4\u00dft sich auf das Gespr\u00e4ch ein, obwohl er wahrscheinlich in Jerusalem mit den Einheimischen seine Erfahrungen gemacht hat und manchem Vorurteil und vielen Vorbehalten begegnet sein mag.<br \/>\nTrotzdem bittet er ihn zu sich, behandelt ihn wie einen Gleichberechtigten&#8230;<\/p>\n<p>Was Philippus dem K\u00e4mmerer sagte, das wissen wir im Einzelnen nicht, aber die Richtung, der Inhalt wird doch ganz deutlich:<br \/>\nDer Gesandte und Gesalbte Gottes, der Messias, vom dem der Profet spricht, er ist gekommen. Als Leidender, Verfolgter, Erniedrigter ist Gott zu den Mensch gegangen, als Gequ\u00e4lter und Ermorderter. Ein Gescheiterter im Urteil der Welt!<br \/>\nDies Urteil aber ist \u201eaufgehoben\u201d, Gott hat ihn rehabilitiert und zur Best\u00e4tigung das Leben neu geschenkt.<br \/>\nIn diesem Gespr\u00e4ch, so glaube ich, geht es um dieses Zentrum der frohen Botschaft!<\/p>\n<p>Der \u00c4thiopier jedenfalls versteht &#8211; endlich; endlich hat er gefunden, was er gesucht hat. Er hat es gefunden an einem Ort, mit dem er nicht rechnete.<br \/>\nAuf dem Wege noch l\u00e4\u00dft er sich taufen, und die beiden so unterschiedlichen Menschen werden sich darin und dadurch gleich: Menschen, die die frohe Botschaft erreicht hat, die verstanden haben, die sich entschieden haben f\u00fcr den, der diese Botschaft verk\u00f6rpert&#8230;<\/p>\n<p>Nun trennen sich ihre Weg &#8211; aber sie bleiben verbunden. Fr\u00f6hlich zieht der eine in seine Heimat und fr\u00f6hlich &#8211; so vermute ich &#8211; geht der andere seinen Weg.<\/p>\n<p>Ein \u201eHappy End\u201d, wie ich es mag bei Geschichten.<br \/>\nAber gerade darum bin ich doch eine wenig skeptisch und etwas mi\u00dftrauisch.<br \/>\nOft sind solche Geschichten mit \u201eHappy End\u201d mehr Wunsch als Wirklichkeit.<br \/>\nUnd das andere: Mir kommen die beiden doch etwas zu \u201eglatt\u201d vor. Wahrscheinlich deswegen, weil ich mich mit keinem der beiden wirklich identifizieren kann:<br \/>\nDen Auftrag, den Philippus bekommt, habe ich auch geh\u00f6rt (im Evangelium des Sonntags ist er ja so formuliert: \u201eGehet hin und machet zu J\u00fcngern alle V\u00f6lker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.\u201d) &#8211; ich will ihn auch ausf\u00fchren, so gut ich kann &#8211; aber ich wei\u00df nicht immer so genau, wo und wann und ins Unbekannte und Ungewisse mag ich nicht gehen.<\/p>\n<p>Und andererseits: Ich bin immer noch auf der Suche, manchmal auf der Suche nach dem richtigen Ort f\u00fcr das Gebet &#8211; und manchmal verstehe ich auch nicht &#8211; noch nicht vielleicht &#8211; was ich lese&#8230;<\/p>\n<p>Kann es ein gutes Ende geben in meinem, in unserem Leben &#8211; werden wir unsere Stra\u00dfe fr\u00f6hlich weiterziehen k\u00f6nnen?<br \/>\nSicher nicht, wenn ich nicht bereit bin aufzubrechen und zu suchen &#8211; nicht, wenn ich nicht bereit bin einmal alles hinter mir zu lassen, was mein Leben bisher bestimmt hat &#8211; nicht, wenn ich nicht bereit bin, immer wieder weiterzufragen, weiter zu lesen, auch wenn das Verst\u00e4ndnis sich nicht sofort einstellen will &#8211; nicht wenn ich resigniere, wenn ich die Antworten nicht dort finde, wo ich sie suche und wo ich meine, da\u00df sie doch dort zu finden sein m\u00fc\u00dften &#8211; nicht, wenn ich es vermeide und ablehne, mit Menschen zu sprechen, die anders sind als ich; an Orten, an denen ich nichts erwarte.<br \/>\nAber auch nicht, wenn ich den Aufbruch scheue, der mich an einsame Orte f\u00fchrt &#8211; dorthin wo ich Leere und D\u00fcrre sehe in unserer Welt, in meinen Mitmenschen, in mir selbst &#8211; nicht, wenn ich Angst habe, auf Menschen zuzugehen, die ich nicht kenne, die mir fremd sind &#8211; nicht, wenn ich nicht bereit bin, Suchende zu erkennen und Fragenden Rede und Antwort zu stehen, Auskunft zu geben \u00fcber das, was ich schon wei\u00df.<\/p>\n<p>Ich habe diese Erfahrung in meinem Leben gemacht, ich habe Menschen getroffen, die mir geholfen haben, die Botschaft Jesu zu verstehen. Das waren nicht immer theologische Experten oder Muster an Fr\u00f6mmigkeit &#8211; es waren Menschen, die ich \u201ezuf\u00e4llig\u201d (?) getroffen habe in Situationen, in denen ich eigentlich nichts erwartete.<br \/>\nUnd ich glaube, ich konnte selber auch schon Menschen helfen &#8211; zum Verstehen der guten Botschaft &#8211; und auch das waren manchmal Menschen, zu denen ich eigentlich gar nicht gehen wollte, Menschen bei denen ich oft mehr die Leere des Lebens erwartet hatte als die Sehnsucht nach der F\u00fclle Gottes.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen einander helfen, mit der frohen Botschaft unseren Weg fr\u00f6hlich zu gehen.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><b>Hilmar Menke, Superintendent<br \/>\nClaus-Meyn-Str. 1, 21781 Cadenberge<br \/>\n<a href=\"mailto:HHFJMenke@aol.com\">E-Mail: HHFJMenke@aol.com<\/a><\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=000730-1.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>6. Sonntag nach Trinitatis 30.7.2000 Apostelgeschichte 8,26-39 Hilmar Menke Liebe Gemeinde, \u201eEr zog seine Stra\u00dfe fr\u00f6hlich weiter\u201d &#8211; ich glaube, dieser Satz ist es, der mir die Geschichte auf den ersten Blick schon sympathisch macht. Ich freue mich, da\u00df die Geschichte dieses Ende hat, ein wirkliches \u201eHappy End\u201d. Und das w\u00fcnsche ich mir und allen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":21105,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[40,440,727,157,853,114,1317,730,349,3,109],"tags":[],"beitragende":[],"predigtform":[],"predigtreihe":[],"bibelstelle":[],"class_list":["post-21299","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-apostelgeschichte","category-6-so-n-trinitatis","category-archiv","category-beitragende","category-bibel","category-deut","category-hilmar-menke","category-kapitel-08-chapter-08-apostelgeschichte","category-kasus","category-nt","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21299","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21299"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21299\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21300,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21299\/revisions\/21300"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media\/21105"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21299"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21299"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21299"},{"taxonomy":"beitragende","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/beitragende?post=21299"},{"taxonomy":"predigtform","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtform?post=21299"},{"taxonomy":"predigtreihe","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/predigtreihe?post=21299"},{"taxonomy":"bibelstelle","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/wp-json\/wp\/v2\/bibelstelle?post=21299"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}