{"id":21309,"date":"2000-08-13T09:15:28","date_gmt":"2000-08-13T07:15:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21309"},"modified":"2025-03-15T09:17:11","modified_gmt":"2025-03-15T08:17:11","slug":"1-korinther-69-14-und-18-20-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/1-korinther-69-14-und-18-20-2\/","title":{"rendered":"1. Korinther 6,9-14 und 18-20"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"600\" align=\"CENTER\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"color: #0000a0; font-size: xx-small;\">8. Sonntag nach Trinitatis<\/span><br \/>\n<b>13.8.2000<br \/>\n1. Korinther 6,9-14 und 18-20<\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\"><b>Herbert Koch<\/b><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: medium;\">Liebe Gemeinde! <\/span><\/p>\n<p>Ein spannendes Kapitel f\u00fcr uns, die wir in einer sehr freiheitlichen Gesellschaft leben, schneidet Paulus hier an. Denn die Freiheit des Christen und was sie f\u00fcr das Leben bedeutet, das ist hier das Thema. Wie diese Freiheit beschaffen ist, dazu m\u00f6chte Paulus den Empf\u00e4ngern seines Briefes in Korinth etwas Wesentliches mitteilen.<\/p>\n<p>Dabei ist manches, was in der damaligen christlichen Gemeinde in Korinth ein Problem war, an die damalige Zeit gebunden &#8211; und ein Problem in unserer Zeit so nicht mehr. Aber die Freiheit des Menschen, seine M\u00f6glichkeit, in bestimmten Dingen w\u00e4hlen zu k\u00f6nnen, sich in einer bestimmten Weise zu verhalten oder anders oder auch \u00fcberhaupt nicht \u2013 das ist ein gro\u00dfes zeitloses Thema. Und ganz besonders ist das nat\u00fcrlich der Fall, wenn man in einer sehr freiheitlichen Gesellschaft lebt, wie es f\u00fcr uns heute der Fall ist.<\/p>\n<p>Sehr wichtig ist es f\u00fcr unser Leben, dass wir in dieser Gesellschaft viele staatlich garantierte Freiheitsrechte haben. Denn die Alternative ist schlichtweg die Unfreiheit. Freiheitsrechte gibt es in der Regel nur ungeteilt, ganz oder gar nicht, f\u00fcr alle oder f\u00fcr keinen. Deshalb ist Vorsicht geboten, wenn Freiheitsrechte politisch infrage gestellt werden. Die Verfassung der DDR zum Beispiel kannte so gut wie keinerlei Freiheitsrechte der B\u00fcrger. Im Unterschied zum Grundgesetz unserer Bundesrepublik waren dort fast ausschlie\u00dflich Pflichten festgelegt. Wer m\u00f6chte aber in einer Ordnung leben, in der er nur Pflichten hat? Der Staat DDR hat sich auf diese Weise selbst zu Grunde gerichtet, weil seine B\u00fcrger ihn auf Dauer so nicht tragen mochten.<\/p>\n<p>Diese gesellschaftlich-politische Seite ist die eine Seite des Themas. Die andere Seite ist die Frage, wie man denn als Einzelner mit der Freiheit, die man hat, umgehen kann \u2013 dass man sich dabei als ein wirklich freier Mensch f\u00fchlen und erleben kann. Das ist ein schwieriges Kapitel. Auch in den fr\u00fchen christlichen Gemeinden hatte man damit offenbar schon seine M\u00fche und Not. Die Briefe des Apostels Paulus beweisen es. Es ist eben ein Thema, ein Problem, das zu uns Menschen unverlierbar hinzugeh\u00f6rt. Und ein f\u00fcr allemal damit zu Ende zu kommen, das ist wohl kaum m\u00f6glich.<\/p>\n<p>In den Justizvollzugsanstalten, wie heute bei uns die Gef\u00e4ngnisse hei\u00dfen, gibt es unter den Gefangenen immer eine kleine Zahl von Menschen, die dort immer wieder hingeraten, manche sogar bis in ein ziemlich hohes Alter. Die Delikte, die immer wieder zum Freiheitsentzug f\u00fchren, sind zumeist von eher geringf\u00fcgiger Art. Es sind Menschen, deren Leben so verlaufen ist, dass sie eine angepasste Lebensweise in Freiheit nie richtig erlernen konnten. So wird mit der Zeit das Gef\u00e4ngnis f\u00fcr sie zu einer Welt, in der sie tats\u00e4chlich besser als in der Freiheit drau\u00dfen leben k\u00f6nnen, weil sie sich in dieser Welt wirklich auskennen. Deshalb geh\u00f6ren sie auch fast immer zu denjenigen Gefangenen, denen man eine &#8222;gute F\u00fchrung&#8220; bescheinigen kann, wie die Justiz das nennt. Und sie freuen sich auf den Tag ihrer Entlassung genau so wie alle anderen. Aber das Gef\u00e4ngnispersonal, das sie lange kennt, wei\u00df, dass es nicht lange dauern wird, bis sie wieder da sind. Sie kommen mit der Freiheit drau\u00dfen einfach nicht mehr zurecht, und mitunter hat es den Anschein, dass sie eine neue, relativ harmlose Straftat begehen, um dort wieder hinzukommen, wo sie sich wirklich auskennen und mit den kleinen Alltagsfreiheiten wirklich umgehen k\u00f6nnen, die es auch dort gibt. In der Sprache des Gef\u00e4ngnisses nennt man sie die &#8222;vollzugseigenen Kinder&#8220;. Man kann es schrecklich finden, dass es das gibt. Aber auch dies ist ein St\u00fcck menschliche Lebenswirklichkeit, das aus der Barmherzigkeit Gottes nicht ausgeklammert ist.<\/p>\n<p>Ich habe dies als Beispiel gew\u00e4hlt, weil ich das, was Paulus in diesem Predigttext sagen will, am deutlichsten ausgedr\u00fcckt finde in dem Satz: &#8222;Alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nichts gefangen nehmen&#8220;. Paulus spricht mit diesen Worten von der Art von Gef\u00e4ngnissen, die es auch und zahlreich gibt, die aber nicht aus Mauern und Gitter gemacht sind; von den Gef\u00e4ngnissen, in die jeder geraten kann, auch wenn er sich nicht so verh\u00e4lt, dass er der Justiz Anlass gibt, ihn einzulochen. Denn das wahre Gegenteil der Freiheit ist letztlich nicht die \u00e4u\u00dfere Einschr\u00e4nkung, sondern die innere Abh\u00e4ngigkeit, das unsichtbare Gef\u00e4ngnis, das es in unserem tiefsten Inneren geben kann. Unter den Beispielen, die Paulus daf\u00fcr aufz\u00e4hlt, mag vieles sein, was die allermeisten unter uns nicht betrifft. Aufgefallen ist mir allerdings, dass er unter den Dingen, die ein inneres Gef\u00e4ngnis sein k\u00f6nnen, auch den Geiz aufz\u00e4hlt und ihn in eine Reihe stellt mit Dingen wie Kindersch\u00e4ndung, Diebstahl, Trunksucht und R\u00e4uberei. Seien wir ehrlich: das ist starker Tobak. Sich nicht vom Geld zu trennen, obwohl man mitunter etwas richtig Gutes damit tun k\u00f6nnte, das ist schlie\u00dflich kein Straftatbestand. Gl\u00fccklich, wer es doch kann! Und nicht wenigen gelingt es immer wieder. Aber sich mit echter innerer Freiheit der Macht des Geldes entziehen \u2013 eine leichte Sache ist das nicht.<\/p>\n<p>Aber auch dies ist nur ein Beispiel, das ich nicht weiter ausmalen will, weil dann der Eindruck entstehen k\u00f6nnte, die Predigt ziele auf eine besonders gute Kollekte ab. Das w\u00e4re aber viel zu billig. Es geht um weit mehr, und schlie\u00dflich muss nicht jeder dieses Beispiel als dasjenige ansehen, was ihn wirklich betrifft. Was mich selber wirklich betrifft, das kann ich nur selbst ganz pers\u00f6nlich und f\u00fcr mich allein herausfinden, damit die Freiheit, die Paulus meint, auch zu meiner eigenen Freiheit wird.<\/p>\n<p>Was uns dabei entscheidend hilft, das ist f\u00fcr Paulus ganz klar: Es ist das Vertrauen zu Gott, aus dem Jesus mit dem, was er gesagt, getan und erlitten hat, gelebt hat; so wahr und \u00fcberzeugend, dass selbst ein Kreuz, das blutige Machtsymbol des r\u00f6mischen Gottkaisers, es nicht wieder zunichte machen konnte. Nur dieses Vertrauen in die unermessliche Gr\u00f6\u00dfe, Ewigkeit und Barmherzigkeit Gottes kann uns davon frei machen, etwas anderes \u2013 was immer es sei \u2013 an seine Stelle treten zu lassen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es jemanden gibt, dem die Unfreiheit v\u00f6llig fremd w\u00e4re, die sich entwickelt, wenn an die Stelle Gottes etwas anderes tritt, was uns vielleicht zu h\u00f6chster Aktivit\u00e4t bringt, aber nicht zu innerer Befreiung, zu einem wahren Leben. Das zu suchen, ist der Anfang von allem, und es gibt die Erfahrung, dass es das tats\u00e4chlich gibt.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p><b>Superintendent Dr. Herbert Koch<br \/>\nLangbergstr. 46 a<br \/>\n38440 Wolfsburg<br \/>\nFax: 05361-12874<\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=000813.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>8. Sonntag nach Trinitatis 13.8.2000 1. 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