{"id":21311,"date":"2000-08-20T09:17:15","date_gmt":"2000-08-20T07:17:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21311"},"modified":"2025-03-15T09:18:53","modified_gmt":"2025-03-15T08:18:53","slug":"jeremia-14-10-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jeremia-14-10-3\/","title":{"rendered":"Jeremia 1,4-10"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"600\" align=\"CENTER\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"color: #0000a0; font-size: xx-small;\">9. Sonntag nach Trinitatis<\/span><br \/>\n<b>20.8.2000<br \/>\nJeremia 1,4-10<\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\"><b>Klaus Stolz<\/b><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"LEFT\">Liebe Gemeinde,<br \/>\n\u00fcber meinen ehemaligen Hausarzt habe ich \u00f6fters den Satz geh\u00f6rt: Das ist wirklich ein geborener Arzt. Und dem konnte ich gut zustimmen: Ein geborener Arzt war er, weil jeder seiner Patienten merkte: Er \u00fcbt diesen Beruf nicht nur als Beruf aus; anderen zu helfen und sie zu heilen das war seine Berufung. Nicht immer muss sich das ja so gl\u00fccklich zusammenf\u00fcgen, dass der Broterwerb &#8211; der Beruf &#8211; und die Berufung &#8211; das, was man gerne tut und wof\u00fcr man besonders geeignet ist &#8211; in eins f\u00e4llt. Manchmal f\u00e4llt es ja auch uns selbst schwer, so einfach zu sagen: Da liegen meine St\u00e4rken, weil so manche Begabung und so manches Talent vielleicht noch im Verborgenen schlummern.<\/p>\n<p>Unser heutiger Abschnitt zur Predigt erz\u00e4hlt von Beruf und Berufung eines Mannes, der &#8211; h\u00e4tte er es sich aussuchen k\u00f6nnen &#8211; wohl alles andere geworden w\u00e4re als ein Prophet. In den ersten Versen seines Buches aber hat Jeremia aufgeschrieben, warum er dennoch diesen Beruf ergriffen hat, ja ergreifen musste. H\u00f6ren wir auf Jeremia 1, 4-10:<\/p>\n<p><i>Und des Herrn Wort geschah zu mir:<br \/>\nIch kannte dich, ehe ich dich im Mutterleib bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten f\u00fcr die V\u00f6lker.<br \/>\nIch aber sprach: Ach Herr, Herr, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.<br \/>\nDer Herr sprach aber zu mir: Sage nicht: ich bin zu jung, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende und predigen alles, was ich dir gebiete.<br \/>\nF\u00fcrchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der Herr.<br \/>\nUnd der Herr streckte seine Hand aus und r\u00fchrte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe ich lege meine Worte in deinen Mund.<br \/>\nSiehe, ich setze dich heute \u00fcber V\u00f6lker und K\u00f6nigreiche, da\u00df du ausrei\u00dfen und einrei\u00dfen, zerst\u00f6ren und verderben sollst und bauen und pflanzen. <\/i><\/p>\n<p><b>Gott kennt mich <\/b><\/p>\n<p>Eine ganz \u00fcberraschende Erfahrung lese ich aus diesen Zeilen heraus: Gott kennt mich, besser sogar als ich selbst und andere mich kennen. Gott kennt mich. Er hat einen Blick f\u00fcr mich, und Gott wei\u00df von F\u00e4higkeiten und Begabungen, die noch ganz tief schlummern in mir und die ich selbst vielleicht noch nicht entdeckt habe. Ein sch\u00f6ner Gedanke ist das f\u00fcr mich, dass Gott an mir nicht nur sieht, woher ich komme, wie ich jetzt bin und was ich aus meinem Leben gemacht habe. Gott sieht offenbar tiefer und weiter. Gott sieht auch, was noch aus mir werden kann, wozu ich begabt bin, welche verborgenen Sch\u00e4tze in mir liegen.<\/p>\n<p>Wir sind doch keine Propheten &#8211; mag man nun vielleicht einwenden. Ja, aber vielleicht werden wir zu welchen, weil Gott ja auch heute Menschen braucht, die ganz allt\u00e4glich seinen Standpunkt vertreten. Ich bin doch nichts besonderes &#8211; mag man nun vielleicht einwenden. Ja, aber vielleicht werde ich heute auf eine Besonderheit aufmerksam, die Gott mir anvertraut hat. Jeder und jede von uns ist ein Original. Ein Original, mit dem sich der K\u00fcnstler Gott viel M\u00fche gemacht hat. So wie sich freilich auf einem Gem\u00e4lde Schmutz ablagert, der die urspr\u00fcnglich sch\u00f6nen Farben und Konturen verdunkeln kann, kann auch in unserem Leben so manches verdunkelt und versch\u00fcttet werden. Sind es da nicht immer wieder auch Gottes gute Worte, die uns wie Jeremia rufen und ansprechen? Auch und gerade du bist ein von Gott geliebtes Original. Ist nicht jeder Gottesdienst f\u00fcr uns so etwas wie eine kleine Berufung: Gott kennt dich. Viel Gutes hat er auch in dich gelegt.<\/p>\n<p><b>Gott braucht mich <\/b><\/p>\n<p>Jeremia selbst hielt sich f\u00fcr den Beruf des Propheten zun\u00e4chst f\u00fcr ungeeignet: &#8222;Ach Herr, ich tauge nicht zu predigen. Ach Herr, ich bin zu jung.&#8220; Gerade seine Bedenken bringen mir diesen Jeremia menschlich nahe, denn seine Zweifel sind oft auch meine Zweifel. Kann ich das wirklich, Gottes Wort weitersagen in unserer Zeit? Fehlen mir nicht oft die guten Ideen, die z\u00fcndenden Beispiele, die originellen Formulierungen f\u00fcr meine Predigten ? Bin ich wirklich geeignet im Dienst f\u00fcr Gott? Gott antwortet dem Jeremia auf seine Einw\u00e4nde unmissverst\u00e4ndlich: &#8222;Tu, was ich dir sage.&#8220;<\/p>\n<p>Was auf den ersten Blick hart und kompromisslos klingt, ist letztlich doch eine gro\u00dfe Entlastung, die auch mir gut tut. Denn ich h\u00f6re aus der Antwort Gottes: Sein Bote soll ich sein, nicht weniger, aber eben auch nicht mehr.<\/p>\n<p>Gottes Boten sind wir, die Pfarrerinnen und Pfarrer im besonderen, aber wir als Christinnen und Christen \u00fcberhaupt. Gottes Boten sind wir &#8211; nicht weniger, aber eben auch nicht mehr,<\/p>\n<p>Gott braucht auch heute in unserer Kirche und in unserer Zeit keine Superchristen. Gott braucht keine religi\u00f6sen Hochleistungssportler und keine geistlichen Supergenies. Auch mit meinem manchmal armseligen Glauben kann Gott etwas anfangen. Auch wenn ich selbst mit vielen Fragen nicht im Reinen bin, Gott hat f\u00fcr mich trotzdem einen Plan und eine Aufgabe. Auch wenn ich vielleicht z\u00f6gere wie Jeremia. Auch mich hat Gott als Christen von Anfang an &#8222;ausgesondert&#8220;: Gott hat mich &#8211; denken wir an unsere Taufe &#8211; von Anfang an aufgenommen in seine Familie. Ich konnte und ich musste da zun\u00e4chst gar nichts dazutun. Von Anfang an bin ich Gott damit wichtig und wertvoll,<\/p>\n<p>In dem 25-j\u00e4hrigen Priestersohn, der sich nicht ins Rampenlicht dr\u00e4ngte, der lieber nicht auffiel, erkannte Gott seinen Propheten. Er sollte dort von Gott erz\u00e4hlen, wo die Menschen Gott vergessen haben. Er sollte sich da einmischen in Gottes Namen, wo man Gott lieber ausklammern wollte, bei politischen Entscheidungen zum Beispiel &#8211; und wir fragen zurecht, ob das heute soviel anders ist. Jeremia musste seinen Zeitgenossen auch so manche unbequeme Wahrheit im Namen Gottes sagen, weil Gottes Willen eben nicht immer zum Zeitgeist passte und passt. In Jeremia erkannte Gott den richtigen Mann f\u00fcr diese Aufgabe. In mir erkennt Gott den Pfarrer, der seinen Dienst in der Kirche tut; in mir erkennt Gott die Kirchenvorsteherin, die mitentscheidet f\u00fcr die Gemeinde; in mir erkennt Gott den Jugendlichen, der neue Ideen mitbringt und kritische Fragen stellt. Auch und gerade mich ruft Gott, weil er mich braucht. H\u00f6re ich sein Rufen? Merke ich, wo ich gebraucht werde?<\/p>\n<p>Mehr Zivilcourage fordern viele Verantwortliche zurecht in den vergangenen Wochen angesichts von abscheulichen und sinnlosen Gewalttaten. F\u00fcr uns Christen sollte diese Forderung eigentlich nichts Neues sein: Wer von seiner unverwechselbaren W\u00fcrde wei\u00df, die Gott ihm schenkt, kann nicht mit ansehen, wie die W\u00fcrde anderer Menschen in den Schmutz getreten wird. Als Christen haben wir eine besondere Verantwortung, Vorurteile zu &#8222;zerst\u00f6ren&#8220;, dumme und gef\u00e4hrliche Parolen &#8211; von wem auch immer &#8211; &#8222;auszureissen&#8220; und stattdessen Menschlichkeit und gegenseitige Achtung zu &#8222;pflanzen&#8220;. Als Christen ist es unser Beruf und unsere Berufung, wie der Prophet damals Unrecht beim Namen zu nennen, auch wenn es uns \u00dcberwindung kostet und manchmal vielleicht selbst in Schwierigkeiten bringt.<\/p>\n<p><b>Gott sch\u00fctzt mich. <\/b><\/p>\n<p>Von Jeremia wissen wir ja auch, dass sein Leben durch die Berufung zum Propheten nicht leichter wurde. Mit Spott musste er fertig werden, die eigenen Verwandten trachteten ihm nach dem Leben, Konflikte mit staatlichen Machttr\u00e4gern und der Tempelpolizei blieben nicht aus. Um so wertvoller ist ihm darum wohl der Zuspruch Gottes von Anfang an gewesen: &#8222;F\u00fcrchte dich nicht, denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der Herr.&#8220;<\/p>\n<p>So wie wir in jedem Gottesdienst von Gott gerufen und berufen werden, steht nicht ohne Grund am Ende auch f\u00fcr uns im Segen Gottes Zuspruch bereit: F\u00fcrchte dich nicht, wenn du nun weitergehst in den Sonntag und die neue Woche. F\u00fcrchte dich nicht vor dem, was auf dich einst\u00fcrmt, was dich bedr\u00e4ngen und bedr\u00fccken kann. Ich, dein Gott, der dich kennt &#8211; ich, dein Gott der dich braucht &#8211; ich, dein Gott, stehe dir zur Seite.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p>Pfarrer Klaus Stolz<br \/>\nDr.-Martin-Luther-Ring 2<br \/>\n92685 Flo\u00df<br \/>\nTel.: 09603-8394, Fax: 09603-91248<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=000820.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>9. Sonntag nach Trinitatis 20.8.2000 Jeremia 1,4-10 Klaus Stolz Liebe Gemeinde, \u00fcber meinen ehemaligen Hausarzt habe ich \u00f6fters den Satz geh\u00f6rt: Das ist wirklich ein geborener Arzt. 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