{"id":21317,"date":"2000-08-15T09:24:04","date_gmt":"2000-08-15T07:24:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21317"},"modified":"2025-03-15T09:25:23","modified_gmt":"2025-03-15T08:25:23","slug":"lukas-1619-31-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/lukas-1619-31-5\/","title":{"rendered":"Lukas 16,19-31"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"600\" align=\"CENTER\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\">\n<hr \/>\n<p><a href=\"http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/archiv.php\"><span style=\"font-family: Arial;\"><b>G\u00f6ttinger Predigten im Internet<br \/>\n<span>hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch<\/span><\/b><\/span><\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><span><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/archiv-2\/drucktipps.html\">(Tipps zum Speichern und Drucken: Hier klicken)<\/a><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"color: #0000a0; font-size: xx-small;\">10. Sonntag nach Trinitatis<\/span><br \/>\n<b>27.8.2000<br \/>\nLukas 16,19-31<\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\"><b>Matthias Viertel <\/b><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"LEFT\"><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/archiv-2\/noch%20zu%20bearbeiten\/000827-3.html#text\"><b>Hinweis zur Wahl des Predigttextes<\/b><\/a><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-size: xx-small;\"><b>\u201eDie Elenden sollen essen\u201c <\/b><\/span><br \/>\n<b>Predigt zum Kantatengottesdienst \u00fcber Bachs Kantate BWV 75 <\/b><\/p>\n<p align=\"justify\"><b>Evangelium und Predigttext: <\/b><\/p>\n<p align=\"justify\">Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und kostbare Leinwand und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. Ein Armer aber mit Namen Lazarus lag vor seiner T\u00fcre; der war mit Geschw\u00fcren bedeckt und begehrte sich von dem zu s\u00e4ttigen, was vom Tisch des Reichen abfiel; dagegen kamen die Hunde und beleckten seine Geschw\u00fcre. Es begab sich aber, da\u00df der Arme starb und da\u00df er von den Engeln in Abrahams Scho\u00df getragen wurde. Aber auch der Reiche starb und wurde begraben. Und als er im Totenreich, von Qualen geplagt, seine Augen erhob, sah er Abraham von ferne und Lazarus in seinem Scho\u00df. Und er rief mit lauter Stimme: Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus, damit er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und meine Zunge k\u00fchle; denn ich leide Pein in dieser Flamme. Abraham aber sprach: Kind, gedenke daran, da\u00df du in deinem Leben dein Gutes empfangen hast und Lazarus gleicherma\u00dfen das B\u00f6se; jetzt dagegen wird er hier getr\u00f6stet, du aber leidest Pein. Und bei alledem besteht zwischen uns und euch eine gro\u00dfe Kluft, damit die, welche von hier zu euch hin\u00fcber gehen wollen, es nicht verm\u00f6gen, noch die, welche dort sind, zu uns her\u00fcber gelangen k\u00f6nnen. Da sagt er: So bitte ich dich denn, Vater, da\u00df du ihn in das Haus meines Vaters sendest \u2013 denn ich habe f\u00fcnf Br\u00fcder &#8211; , auf da\u00df er ihnen sichere Kunde bringe, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen. Abraham aber sprach: Sie haben Mose und die Propheten; sie sollen auf sie h\u00f6ren! Der jedoch sagte: Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer von den Toten zu ihnen geht, werden sie Bu\u00dfe tun. Da sprach er zu ihm: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht h\u00f6ren, werden sie sich auch nicht gewinnen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht. (Lukas 16,19-31)<\/p>\n<p align=\"justify\">Liebe Gemeinde!<\/p>\n<p align=\"justify\">Ein Predigttext, der uns etwas schildert, was wir nur zu genau kennen: Reichtum \u2013 Armut \u2013 und die Kluft dazwischen, die immer gr\u00f6\u00dfer wird. So gesehen liegt uns das Thema dieser Beispielgeschichte, wie der Evangelist Lukas sie uns \u00fcberliefert, eigentlich sehr nahe. Es ist auf jeden Fall hoch aktuell, aktueller vielleicht noch als zur Zeit Jesu oder zu der Zeit, als Johann Sebastian Bach sich mit seiner Kantate daran gemacht hat, den verh\u00e4ngnisvollen Kontrast von arm und reich in T\u00f6ne zu fassen. Heute ist die Schere nicht nur zwischen armen und reichen Menschen sondern sogar zwischen armen und reichen Nationen, ja ganzen Erdteilen dramatischer denn je und vor allem, das Bewu\u00dftsein und das Wissen um diese globale Ungleichheit ist gr\u00f6\u00dfer denn je. Kein Mensch in Europa kann sagen, er habe nichts davon gewu\u00dft, wie viele Menschen, Erwachsene und Kinder in Afrika in Asien und Lateinamerika wirklich am Hunger leiden und in Armut dahin vegetieren, niemand kann sagen, er oder sie sei nicht informiert gewesen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Und doch, bei aller Aktualit\u00e4t und bei aller politischen Brisanz bleibt der Text aus dem Lukasevangelium f\u00fcr mich ein unangenehmer Text! Es ist f\u00fcr mich n\u00e4mlich \u00e4u\u00dferst fraglich, ob der Bibeltext uns zur L\u00f6sung aus diesem Dilemma wirklich behilflich sein kann, oder ob er nicht nur den Graben noch vertieft, der sowieso schon da ist. Und richtiggehend dramatisch wird es, wenn wir das Thema reich und arm nicht nur sozialpolitisch betrachten sondern theologisch, denn dann wirkt die Geschichte von dem Reichen und dem armen Lazarus nicht nur wirkungslos sondern sogar verh\u00e4ngnisvoll.<\/p>\n<p align=\"justify\">Allzusehr spricht aus ihm ein doch sehr plattes, ja geradezu naives Vergeltungsdenken, das, wenn wir es unter die Lupe nehmen, eigentlich alles andere ist als christlich. \u00dcberhaupt ist das alles doch zu einsichtig: Dem Gleichnis liegt ein Schema zugrunde, demzufolge alle Menschen gewisserma\u00dfen ein festes Kontingent an Gl\u00fcck, Wohlergehen und Zuwendung haben, offen bliebt dabei nur, wo und wann sie es erhalten, entweder auf Erden oder aber nach dem Tod &#8211; im Himmel wie die christliche Chiffre es benennt. Wem es im irdischen Leben gut geht, vielleicht auch <i>zu<\/i> gut, der hat eben Pech, der bekommt seine Quittung im Jenseits pr\u00e4sentiert, mu\u00df quasi seinen Wohlstand abarbeiten. Diejenigen dagegen, die hier Not leiden, machen dann sp\u00e4ter den gro\u00dfen Reibach \u2013 Hauptsache die alles ausgleichende Gerechtigkeit wird gewahrt und unser allzu menschliches Denken wird befriedigt. Das Ganze wirkt auf mich wie das Gerechtigkeitsdenken von Kindern: wenn der eine dieses bekommt, mu\u00df die andere auch jenes haben, immer gleich aufgeteilt, ohne irgend jemanden zu vernachl\u00e4ssigen. Gott mu\u00df da doch einfach genauso reagieren wie die gerechten Eltern, die stets und st\u00e4ndig auf der Suche nach Ausgleich sind.<\/p>\n<p align=\"justify\">So ein kindlich naives Gerechtigkeitsdenken pr\u00e4sentiert uns dieses Gleichnis auf brutalsm\u00f6glichste Weise. Selbst die Hunde gerieren sich da noch besser, erfahren wir, sie lecken dem Armen wenigstens die Wunden und zeigen sich damit barmherziger sogar als die Mitmenschen. Und auch nach dem Tod, im Jenseits gibt es keinerlei Pardon, keine Vergebung, keine Gnade. Daf\u00fcr sorgt schon der tiefe Graben, der jegliche Verbindung jede Art der Hinwendung, der Zuwendung verhindert. So werden schlie\u00dflich auch die Armen, die sich als die Guten herausstellen, daran gehindert, das unter Beweis zu stellen, was sie doch gerade zu den Guten machen sollte, n\u00e4mlich die Gnade!<\/p>\n<p align=\"justify\">Das Gleichnis vom Reichen und dem armen Lazarus ist ein gnadenloses Gleichnis, ein Evangelium ohne Mitleid. Nicht nach guten und schlechten Menschen wird im Jenseits geurteilt und sortiert \u2013 so erfahren wir &#8211; , sondern schlicht nach dem Prinzip der ausgleichenden Gerechtigkeit. Der simple Sieg von Rechtsdenken \u00fcber Gnade und Barmherzigkeit, man k\u00f6nnte sogar sagen: Der Sieg des Gesetzes \u00fcber die N\u00e4chstenliebe. Und der Text aus dem Lukas-Evangelium \u2013 unser Predigttext f\u00fcr den heutigen Sonntag \u2013 verstrickt sich dabei sogar noch in Ungereimtheiten, die kaum plausibel gemacht werden k\u00f6nnen. Immerhin zeigt sich der Reiche noch barmherziger und selbstloser als der Lazarus, etwa wenn er darum bittet, die Kunde \u00fcber sein Schicksal doch zumindest an die Kinder weiterzuleiten, damit wenigstens sie, die Nachkommen aus seinem Fehler lernen m\u00f6gen. Aber nein, auch das wird nicht gestattet, kein Pardon und keinen Millimeter Abweichung vom Gesetz der Vergeltung.<\/p>\n<p align=\"justify\">So, liebe Gemeinde, nun habe ich mir erstmal Luft gemacht. Und das ist auch notwendig, denn tats\u00e4chlich wird dieser Evangelientext noch immer h\u00e4ufig so verstanden, als k\u00f6nne daraus ein Sozialprogramm abgeleitet werden, das mangelnde Gerechtigkeit auf Erden kompensiert. So als k\u00f6nne aus dem Beispiel des armen Lazarus ein Notprogramm abgeleitet werden oder gar ein Bestrafungskonzept f\u00fcr all die Banker und B\u00f6rsianer und Kapitalisten, die sich nicht um die Armen auf dieser Welt scheren.<\/p>\n<p align=\"justify\">Aber ich denke, mit einem solchen Verst\u00e4ndnis des Predigttextes tun wir allen Unrecht. Und zwar nicht nur den Reichen, die ohne Pardon und ohne alle Differenzierung wegen ihres \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Wohlstandes dem Verderben ausgeliefert werden sollen. Genauso tun wir den Armen mit solcher Auslegung Unrecht, denn dieses Gleichnis verurteilt sie unab\u00e4nderlich dazu, in ihrer Armut weiterhin auszuharren, nur um des seelischen Heils willen. Das ist der Grundzug aller Vertr\u00f6stungstheologie, die nicht zu Unrecht immer wieder kritisiert worden ist.<\/p>\n<p>Da\u00df das nicht so <i>ist<\/i>, da\u00df das Evangelium weder Vergeltung noch Vertr\u00f6stung predigt, ja da\u00df das nicht so sein <i>darf<\/i>, da\u00df das nicht so gemeint sein <i>kann<\/i>, das ist mir schon wichtig und ich meine, es auch belegen zu k\u00f6nnen. Aber daf\u00fcr m\u00fcssen wir ein wenig ausholen und zun\u00e4chst einige grunds\u00e4tzliche Fragen kl\u00e4ren:<\/p>\n<p align=\"justify\"><b>Zum einen<\/b> gehe ich davon aus, da\u00df die Texte der Evangelien grunds\u00e4tzlich und prinzipiell immer an uns selbst gerichtet sind, an diejenigen also, die sie h\u00f6ren &#8211; <i>sie<\/i> sind gemeint, <b><i>wir<\/i><\/b>sind gemeint. Nicht die anderen, auf die wir so gerne mit den Fingern zeigen, wenn wir uns \u00fcber mangelnde Gerechtigkeit beklagen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Der Schl\u00fcssel der Geschichte liegt \u2013 so meine ich \u2013 bei der Frage, mit wem wir, die Predigth\u00f6rer, uns identifizieren? Ist es der protziger Reiche, das w\u00fcrde ja passen; aber dann bliebe uns nichts anderes \u00fcbrig, als die H\u00e4nden in den Scho\u00df zu legen: Pech gehabt! Wem es &#8211; wie uns &#8211; in der Welt zu gut geht, der hat im Jenseits eben keine Chance mehr. Es sei denn er gibt alles auf und hin, was den Lebensstandard so ausmacht, und zwar sofort. Na ? wie geht es Ihnen mit dieser Botschaft? Sehr animierend ist das nicht und letztlich w\u00e4re zu fragen, ob der Welt wirklich damit geholfen ist, wenn alle Menschen arm und leidend werden und ihren Besitz dahin geben.<\/p>\n<p align=\"justify\">Probieren wir es doch einmal anders herum, warum sollten wir uns nicht mit dem armen Lazarus identifizieren? So abwegig ist das gar nicht, denn dem Text geht es bekanntlich nicht nur um die Gegen\u00fcberstellung von materiellem Reichtum und Armut. \u201e<i>Das Leben ist mehr als nur Essen und Trinken<\/i>\u201c, sagt Jesus in der Tradition des Matth\u00e4us-Evangeliums, denn \u201e<i>nicht vom Brot allein<\/i> <i>lebt der Mensch, sondern von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes hervorgeht<\/i>\u201c. Und Lukas erg\u00e4nzt diese Aussage noch mit der Mahnung \u201e<i>H\u00fctet euch vor aller Habsucht, denn auch wenn einer \u00dcberflu\u00df hat beruht sein Leben doch nicht auf seinem Besitz.\u201c<\/i> So gesehen sind wir m\u00f6glicherweise tats\u00e4chlich lauter arme \u201eLazarusse\u201c; dahin vegetierend und leidend unter <i>geistlicher<\/i> Armut. Aber letztendlich ist das doch auch nur wieder ein Trick, um das Jenseits zu sichern, so nach dem Motto: Hier auf Erden haben wir den materiellen Wohlstand und die geistliche Armut, dann im Jenseits kann es ruhig umgedreht sein.<\/p>\n<p align=\"justify\">Es ist wirklich schwierig mit der Wahl der Perspektive beim Lesen dieses Textes. Und doch h\u00e4ngt alles davon ab. Je l\u00e4nger ich dar\u00fcber nachdenke, desto \u00fcberzeugter bin ich davon, da\u00df keiner von beiden als Identifikationsschablone taugt, weder der Reiche noch der Arme! Und doch soll uns der Text pers\u00f6nlich und unmittelbar ansprechen. Ich glaube das tut er letztlich nur, wenn wir die andere Person hinzuziehen, die bisher noch gar nicht erw\u00e4hnt worden ist: Die Br\u00fcder ( oder: Schwestern, m\u00fc\u00dften wir erg\u00e4nzen), die ganz zum Ende erw\u00e4hnt werden. Die Angeh\u00f6rigen des Reichen, seine Familie \u2013 wie gerne w\u00fcrde er doch wenigstens <b>sie <\/b>warnen, damit sie nicht das gleiche Schicksal erleiden. Wie gerne w\u00fcrde er ihnen einen Spiegel vorhalten, zeigen wie sinnentleert ihr Leben ist, voller Plunder mit vollen M\u00e4gen und vollem Konto aber sonst total leer! Ohne jede Tiefe, ohne wirklichen Sinngehalt, nur mit Banalit\u00e4ten angeh\u00e4uft, ein Dasein, in dem Lebensf\u00fclle durch Leibesf\u00fclle ersetzt wird, und Lebensqualit\u00e4t nach Kubikmetern bemessen wird, nach Kubikmetern an Wohlstandsm\u00fcll, in dem wir fast ertrinken, ja besser: ersticken.<\/p>\n<p align=\"justify\">Das alles w\u00fcrde der Reiche seinen Br\u00fcdern und Schwestern so gerne mitteilen, damit wenigstens Sie daraus lernen, bevor es zu sp\u00e4t ist. Will sagen: bevor das Leben zu Ende ist und dann nichts mehr ge\u00e4ndert werden kann! Aber das geht nicht, Abraham h\u00f6chstpers\u00f6nlich verbietet es, und dann spricht er diese entscheidenden Worte:<\/p>\n<p align=\"justify\"><i>\u201eWenn sie auf Mose und die Propheten nicht h\u00f6ren, werden sie sich auch nicht gewinnen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.\u201c <\/i><\/p>\n<p>Diese Worte m\u00fcssen wir schon in aller Ruhe bedenken, wir sind ja in einer ganz eigenartigen Position, denn im Gegensatz zu dem Reichen im Lukastext ist Jesus auferstanden von den Toten, er allein vermag das, was dem Reichen in der Beispielgeschichte vorenthalten wird. Und? Wie sieht der Erfolg aus? Haben wir uns von ihm gewinnen lassen und Konsequenzen f\u00fcr da Leben gezogen?<\/p>\n<p align=\"justify\">Wenn wir nicht auf Mose und die Propheten h\u00f6ren, werden wir uns selbst dann nicht gewinnen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht! In diesem Satz steckt die ganze Dramatik des Glaubens. Und er verdeutlicht, wie wenig es Lukas darum geht, ein Sozialprogramm zu predigen oder gar einen Aufruf zur Armutsideologie zu formulieren. Viel wichtiger ist die Erkenntnis, da\u00df jede Lebensver\u00e4nderung nur aus dem Glauben hervorgeht und nicht argumentativ abgeleitet werden kann.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die Elenden werden essen!! Sicherlich, daran besteht kein Zweifel, aber sie tun es ohne Berechnung, sondern aus dem tiefen Glauben heraus. Kurz gesagt geht es darum, da\u00df die Hungernden satt <b>werden<\/b>, auch &#8211; oder gerade weil &#8211; sie das Leben nicht satt <b>haben.<\/b><\/p>\n<p align=\"justify\">Johann Sebastian Bach mag diesen Sinn des Predigttextes empfunden haben, als er seine Kantate dazu komponierte. Deshalb wechseln die Worte in der zweiten H\u00e4lfte seiner Kantate, die wir nun h\u00f6ren werden: Jetzt ist auf einmal von der \u201eArmut des <b><i>Geistes<\/i><\/b>\u201c die Rede und von dem Reichtum der aus dem <b><i>Herzen<\/i><\/b> kommt und im Herzen <b><i>empfunden<\/i><\/b> wird.<\/p>\n<p align=\"justify\">Amen<\/p>\n<p><a name=\"text\"><\/a><b>Hinweis:<\/b><br \/>\nDa die Predigt im Rahmen eines Kantatengottesdienstes steht, der an die 1. Kantate erinnert, mit der J.S.Bach seine Zeit als Thomaskantor in Leipzig er\u00f6ffnete, liegt der Predigt nicht der vorgeschlagene Text aus der Periokopenreihe zugrunde sondern jener Text, den auch Bach damals, 1723, benutzt hat.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><b>Pfarrer Dr. Matthias Viertel<br \/>\nDirektor der Ev. Akademie Hofgeismar<br \/>\n<a href=\"mailto:viertel.matthias@t-online.de\">E-Mail: viertel.matthias@t-online.de<\/a><\/b><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/archiv-2\/noch%20zu%20bearbeiten\/000827-3.html#top\"><span><b>(zur\u00fcck zum Seitenanfang)<\/b><\/span><\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=000827-3.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch (Tipps zum Speichern und Drucken: Hier klicken) 10. 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