{"id":21321,"date":"2000-09-15T09:26:34","date_gmt":"2000-09-15T07:26:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21321"},"modified":"2025-03-15T09:28:22","modified_gmt":"2025-03-15T08:28:22","slug":"galater-2-11-20a-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/galater-2-11-20a-2\/","title":{"rendered":"Galater 2, 11-20a"},"content":{"rendered":"<table border=\"0\" width=\"600\" align=\"CENTER\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\">\n<hr \/>\n<p><a href=\"http:\/\/www.predigten.uni-goettingen.de\/archiv.php\"><span style=\"font-family: Arial;\"><b>G\u00f6ttinger Predigten im Internet<br \/>\n<span>hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch<\/span><\/b><\/span><\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><span><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/archiv-2\/drucktipps.html\">(Tipps zum Speichern und Drucken: Hier klicken)<\/a><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"color: #0000a0; font-size: xx-small;\">11. Sonntag nach Trinitatis, 3. September 2000<\/span><br \/>\n<b>Predigt \u00fcber Galater 2, 11-20a, <\/b><\/span><span style=\"font-family: Arial;\"><b>verfa\u00dft von Wolfgang Petrak <\/b><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"LEFT\">Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>wie sagt doch Paulus? \u201e Nicht aber ich, sondern&#8230;\u201c<br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Wie sagt man selbst so oft? Also ich nicht. Sondern die anderen. Die anderen sind anders als ich. Und wenn ich anders bin als sie, dann wei\u00df ich auch warum. <\/span><\/p>\n<p>Paulus ist anders als Petrus, und wenn ich Petrus w\u00e4re, dann w\u00fcsste ich schon, was ich dem Paulus sagen w\u00fcrde. Und wenn ich \u00fcber neun Ecken geh\u00f6rt h\u00e4tte, was der in Griechenland an die Galater \u00fcber mich geschrieben hatte: sauer w\u00e4re ich gewesen. Und wenn ich den st\u00e4ndig Reisenden irgendwann und irgendwo zu fassen gekriegt h\u00e4tte, dann h\u00e4tte ich einfach gesagt:<\/p>\n<p>\u201eAlso, jetzt bleib mal hier und h\u00f6r endlich zu. So geht das nicht, so was kannst du nicht in die Welt setzen. Unm\u00f6glich ist das. Mich als einen Mann ohne Grunds\u00e4tze darzustellen, leicht beeinflussbar, das denkst du doch! Gerade ich! Gut, gut, ich weiss, dass du anders bist, anders lebst, anders glaubst. Aber ich weiss es- und du wei\u00dft es auch-, dass wir uns in Jerusalem geeinigt hatten wie weiland Abram und Lot, n\u00e4mlich: Du gehst zu den Heiden, um ihnen Christus zu verk\u00fcnden, und ich gehe zu unseren Br\u00fcdern, die Abraham zum Vater haben (wie du \u00fcbrigens auch). Du magst auf griechische Weise den Messias den Deinen verk\u00fcnden, auch wenn sie unrein sind; unbeschnittene, weil sie das Gesetz nicht kennen; ja, du magst mit ihnen sogar das Mahl des Herren feiern&#8230;Aber: Du solltest wissen (und du solltest es nicht vergessen!) wo wir herkommen. Du solltest den Wert der Liturgie sch\u00e4tzen. Du solltest bedenken, dass es ohne den Tempel, dass es ohne das Opfer keinen Zugang gibt zu dem, dessen Name heilig ist. Hast du eigentlich noch einen Zugang zu uns? Wie ver\u00e4chtlich du von uns sprichst:\u2018 <span style=\"font-family: symbol;\">ioudazein<\/span><span>&#8211; zum Juden machen- entschuldige, das hat den Klang des Hasses auf andere. Nat\u00fcrlich sind wir Juden. Jakobus, Barnabas, ich. Wie unser Herr, der auch dir (wie du sagst) erschienen ist. Wir sind Juden und bleiben es. Von dem Allm\u00e4chtigen auserw\u00e4hlt, den Bund zu halten und danach zu leben. Glaube ist konkret. Du wei\u00dft doch noch um das Gebot der N\u00e4chstenliebe? <\/span><\/p>\n<p>Und noch eins, wenn ich schon einmal dabei bin: Du weisst, was deine Leute in Rom angerichtet haben. Unseren Herrn zum K\u00f6nig auszurufen! Auferstehung zu verstehen wie bei Augustus und Claudius! Wenn das mit den deinen so weitergeht, wird der Kaiser das Volk Abrahamas, Isaaks und Jakobs verfolgen. Und die Glaubensgenossen, die sich zum Tempel halten, werden uns hart bedr\u00e4ngen, die wir den Messias verk\u00fcnden, aber Abraham zum Vater haben! Ich habe in Antiochien aufgeh\u00f6rt, mit den Griechen das Mahl einzunehmen, damit es einen Frieden gebe zwischen den Kindern Abrahams. Und nicht zuletzt mit den R\u00f6mern, sicherlich auch den Griechen. Nein, die Hoffnung gebe ich nicht auf, dass du von dem Irrweg abl\u00e4sst und dass der Tag kommen wird, an dem ihr zur\u00fcckkehrt zu den Anf\u00e4ngen: das sagst dir im heiligen Ernst immer noch dein Petrus\u201c.<\/p>\n<p>O nein, wir sind es nicht, aber manchmal m\u00f6chte man schon so sein wie er: diese Bereitschaft zum Frieden. Dabei auch f\u00e4hig zu sein, begangene Fehler zu korrigieren. Vor allem auch die andere Seite: bei aller Aufgeschlossenheit und Flexibilit\u00e4t das Wissen um Grunds\u00e4tze. Und auch dazu zu stehen. Glaube, Religion: das ist eine zeitlose Grundlegung, die erkennbar und gelebt sein will. Weil sich in unserer Zeit die Entwicklungen beschleunigen, weil die Informationsflut im gleichen Ma\u00df ansteigt, ist es wichtig, dass Grunds\u00e4tze vernehmbar sind: biblisch begr\u00fcndete Ethik; Jesus, der in die Nachfolge ruft; das Prinzip Hoffnung. Schade, dass von dem Petrus der judenchristlichen Gemeinde so wenig \u00fcberliefert worden ist. Untergegangen im Strudel der Zeiten. Ich bin anders als er, aber ich frage mich, ob es bei mir nicht auch so sein wird. Was also ist meine Identit\u00e4t, wie werde ich gefunden, wie finden mich andere, werde ich eines Tages vergessen sein?<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich: wer ist schon so bekannt wie der andere, Paulus. Paulus ist anders als wir. Aber w\u00e4re ich Paulus, dann w\u00fcrde ich sagen:<\/p>\n<p>\u201eH\u00f6r mal zu\u201c, w\u00fcrde ich sagen, dabei im Ton verbindlich sein, denn mein Anliegen w\u00e4re es, alle zu erreichen, auch den, der anders ist- \u201eh\u00f6r mal zu, ich verstehe dich, dass du um Gottes willen mit den R\u00f6mern, den Juden und den Freunden ihres Glaubens, den Christen zusammen leben willst. Der Shalom f\u00fcr alle. Friede sei mit dir, denn Christus ist unser Friede. Deshalb&#8230;\u201c(und dann w\u00fcrde sich der Tonfall unwillk\u00fcrlich versch\u00e4rfen, \u201em\u00fcssen wir ihn verk\u00fcnden. Wir k\u00f6nnen gar nicht anders. Ist seine Wahrheit, die du ja auch zu kennen meinst, es nicht wert, dass wir unbedingt daf\u00fcr eintreten, notfalls sogar das Martyrium auf uns nehmen; so wie er das Kreuz auf sich genommen hat. K\u00f6nnen wir uns vor der Welt im Verborgenen halten, m\u00fcssen wir nicht in diese Welt hineingehen, so wie er hingegangen ist. Nicht dass er damit zu S\u00fcnder geworden w\u00e4re&#8230;Ihr indessen, und das sollte euch Jerusalemern gesagt werden, ihr seid es doch, die andere ausgrenzen. Ihr seid es doch, die die Freunde eures Glaubens, die zum Tempel wollen um dort zu opfern, nicht hinein lasst. Wie die Frauen und Kinder. Weil sie eurer Ansicht nach unrein sind, das Gesetz des Mose nicht anwenden. S\u00fcnder hei\u00dft ihr sie deshalb. Ja, S\u00fcnder. -Bist du denn, der du das Gesetz hast, ohne S\u00fcnde? Bin ich es?- das sei fern\u201c.<\/p>\n<p>Und dann w\u00fcrde ich, schon einmal dabei, noch weiter ausholen und sagen, was schon immer gesagt werden sollte, dass der Petrus immer ganz vorn sein wollte: Glaube als Leistungssport! Hei\u00dft es aber nicht, dass die Ersten die Letzten sein werden? Und wenn der Petrus als Apostel f\u00fcr sich die Vollmacht in Anspruch nimmt, eine \u2013nat\u00fcrlich gl\u00e4ubige- Ehefrau zu haben, h\u00e4tte dann ich er, also ich, das gleiche Recht? Und wenn Petrus und der Herrenbruder Jakobus und die anderen 10 laut gesagt haben, dass der Auferstandene ihnen erschienen ist: ist es denn bei Paulus etwas anderes. Ja gerade ihm ist erschienen, ihm, der die Gemeinde Jesu verfolgt hat: ihn hat er berufen. Dieser Wechsel, diese Befreiung. Diese Gnade. \u201eDurch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Gnade sei mit euch und Friede&#8230;\u201c<\/p>\n<p>O nein, wir sind nicht Paulus, aber m\u00f6chte man, m\u00fc\u00dfte frau nicht so sein: diese Freiheit gegen\u00fcber den eingeschliffenen Gewohnheiten, die das Leben regulieren, strukturieren, fixieren. M\u00fcsste ich nicht da raus, ganz radikal getrieben von dem Geist der Wahrheit, mich einzig und allein von dem Christus in Beschlag nehmen lassen, der f\u00fcr uns da ist? Wie gern w\u00e4re ich wie Paulus und h\u00e4tte ich diese Sicherheit und religi\u00f6se Identit\u00e4t, die einen gleichsam in einer Nussschale \u00fcber das Meer segeln liesse: Gottes Geist weht, wo er will. Es meint die Umwertung aller bisherigen Werte. Es meint sicherlich das Wissen, am Ende gefunden zu werden, gerechtfertigt zu sein, also oben zu sein. Und wenn nicht?<\/p>\n<p>Wo finde ich mich wieder?<\/p>\n<p>Da sind Menschen, denen ich in der letzten Woche begegnet bin. Sie sind anders als ich, auch nicht so kirchlich. Sie tragen das Schicksal einer schweren Krankheit. Er hatte seine Frau ins Krankenhaus begleitet, konnte ein paar Tage auch dort bleiben. Sie hatte ihm gesagt, dass sie im Bett die \u00dcbertragung der Andacht geh\u00f6rt hatte, und die Worte und die Lieder seien so gewesen, als gelte das f\u00fcr sie ganz allein. Und dann hatte sie l\u00e4chelnd hinzugef\u00fcgt: \u201eIch habe dich beim Singen heraus geh\u00f6rt\u201c.<\/p>\n<p>Das ist diese Verbundenheit trotz allem. Diese sichere Identit\u00e4t, die man sich nicht selbst geben oder herbei reden kann. Diese Kraft, die einfach da ist.<\/p>\n<p>Nicht aber ich, sondern Christus in mir. Mit ihm und durch ihn. Das ist es. Amen.<\/p>\n<p>Liedvers nach der Predigt: 299,3<\/p>\n<p><b>Pastor Wolfgang Petrak<br \/>\nSchlagenweg 8a<br \/>\n37077 G\u00f6ttingen<br \/>\nTel.:31838<br \/>\nFax:0551\/31627 <\/b><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\n<hr \/>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"CENTER\"><a href=\"file:\/\/\/Users\/amiralang\/Desktop\/Archiv%20GPI%20-%20U%CC%88bertrag\/archiv-2\/noch%20zu%20bearbeiten\/000903.html#top\"><span><b>(zur\u00fcck zum Seitenanfang)<\/b><\/span><\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=000903.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00f6ttinger Predigten im Internet hg. von Ulrich Nembach und Johannes Neukirch (Tipps zum Speichern und Drucken: Hier klicken) 11. Sonntag nach Trinitatis, 3. 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