{"id":21323,"date":"2000-09-15T09:28:26","date_gmt":"2000-09-15T07:28:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21323"},"modified":"2025-04-15T17:06:15","modified_gmt":"2025-04-15T15:06:15","slug":"apostelgeschichte-3-1-11-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/apostelgeschichte-3-1-11-2\/","title":{"rendered":"Apostelgeschichte 3, 1-11"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"font-family: Arial;\">12. Sonntag nach Trinitatis | 10.09.2000 | Apostelgeschichte 3, 1-11(*) <\/span><span style=\"font-family: Arial;\">| Klaus Schwarzw\u00e4ller |<\/span><\/h3>\n<p align=\"justify\">Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p align=\"justify\">Almosen sind von alters her mit der Religion verbunden. An Kirchen, Tempeln, Moscheen trifft man daher auf Menschen, die in oder vor den T\u00fcren sitzen und betteln. Wir erfahren aus dieser Szene in der Anfangszeit der Kirche nicht allein, da\u00df das auch am Jerusalemer Tempel \u00fcblich war, sondern zudem, da\u00df die Vorg\u00e4nge eingespielt waren. Der Gel\u00e4hmte, um den es hier geht, hat seinen Helferkreis, der ihn Tag um Tag vor eine bestimmte Tempelpforte setzt. Da ist sein Stammplatz. Von hier aus bettelt er jeden an, der in den Tempel geht. Er wird sein Auskommen gehabt haben. In einer Zeit ohne Sozialversicherung, \u00fcberhaupt ohne Versicherungen, war die Bettelei sozusagen eine gesellschaftliche Institution: Wer wie dieser Gel\u00e4hmte au\u00dferstande war zu arbeiten, n\u00e4hrte sich auf diese Weise. So war das damals geregelt.<\/p>\n<p align=\"justify\">Petrus und Johannes gehen zum Tempel; lassen Sie uns sie dabei begleiten. Sie kommen an diesem Mann vorbei, als sie den Tempel betreten wollen. Nat\u00fcrlich werden auch sie angebettelt, und ebenso nat\u00fcrlich erwartet dieser Mann \u2013 und kann erwarten \u2013 ein Almosen von den beiden. Und das zumal, als Petrus ihn auf sein Betteln hin anspricht: \u201eSieh uns an!\u201c Das l\u00e4\u00dft eine namhafte Gabe erwarten; entsprechend gespannt und erwartungsvoll wird er zu den beiden aufgeblickt haben. Bis dahin verl\u00e4uft alles so, wie es immer geht und wie es der Mann gewohnt und es in der Gesellschaft geregelt ist. Es f\u00e4ngt hier also im Rahmen der Normalit\u00e4t an und gibt keinerlei Anla\u00df dazu, mit etwas Besonderem zu rechnen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Eine Besonderheit ist dann allerdings das, was Petrus zu sagen hat: \u201eSilber und Gold habe ich nicht.\u201c Hei\u00dft also, da\u00df diese beiden, die hier gro\u00dfe Erwartungen geweckt haben, nunmehr ausdr\u00fccklich passen: \u201eWir geben nichts.\u201c Ob sie tats\u00e4chlich nichts haben, ist f\u00fcr den Bettelnden undurchsichtig; man wird wohl vermuten d\u00fcrfen, da\u00df er diesen Satz in ungez\u00e4hlten Spielarten kennt und in Entt\u00e4uschung oder Wut oder Verachtung sich darauf seinen Reim zu machen pflegt. In diesem Fall mu\u00df der Widerspruch zwischen der Aufforderung, sie anzusehen, und der Er\u00f6ffnung, sie h\u00e4tten nichts, besonders dem\u00fctigend gewesen sein. Wenn ich mich in seine Lage versetze, dann steht f\u00fcr mich fest: Er wird sich nicht nur get\u00e4uscht, sondern auch veralbert und verh\u00f6hnt gef\u00fchlt haben. Aber er kann sich ja nicht wehren, sondern mu\u00df sitzen bleiben und ist darauf angewiesen, da\u00df man ihn ernst nimmt und ihm etwas gibt.<\/p>\n<p align=\"justify\">Ich m\u00f6chte noch etwas bei ihm bleiben. Ich frage mich, ob er danach \u00fcberhaupt noch weiter zugeh\u00f6rt hat. Es ist eine bedr\u00fcckende Erfahrung, da\u00df die Mehrzahl der Menschen, mit denen ich in meinem Leben zu tun bekam, beim H\u00f6ren nur auf Stichworte zu warten scheinen und dann, wenn sie fallen, nach ihnen schnappen, sich in ihnen festbei\u00dfen und danach kaum noch hinh\u00f6ren. Gerade dann, wenn man etwas zu sagen hat, was sich nicht in die Form einer Schlagzeile bringen l\u00e4\u00dft, f\u00fchrt das zu Mi\u00dflichkeiten. Also auch, wenn man wie die beiden Apostel zun\u00e4chst zu sagen hat, da\u00df das, was man zu geben hat, nicht auf der Ebene liegt, auf der es erwartet wird, sondern auf einer ganz anderen: dann hat man damit die Ohren des Anderen u.U. bereits zugeschlossen, und dabei soll das Eigentliche erst noch kommen! Also: Ob der Gel\u00e4hmte nach diesem einleitenden Satz wohl noch weiter zugeh\u00f6rt hat?<\/p>\n<p align=\"justify\">Nein, das kann uns durchaus nicht egal sein! Denn das war nicht nur wichtig f\u00fcr den Fortgang. Ich will es einmal platt und sehr direkt sagen: Wer eine Predigt h\u00f6rt, ihr von Anfang bis Ende zuh\u00f6rt, dabei m\u00f6glicherweise gleich am Anfang ein ihn zuinnerst emp\u00f6rendes Stichwort h\u00f6rte und nur noch mit verhaltenem \u00c4rger weiterh\u00f6rt, aber immerhin! \u2013 ein solcher Mensch, also ein Predigth\u00f6rer, eine Predigth\u00f6rerin, <i>leistet<\/i> etwas! Er oder sie leistet dies, sich einem Zusammenhang auszusetzen und in ihm zu verbleiben, der hin- und herf\u00fchrt, Umwege enth\u00e4lt, Fragen w\u00e4gt und das zuweilen etwas umst\u00e4ndlich, in dem, kurz gesagt, der Zumutung standzuhalten ist, sich in eine andere, andersartige, m\u00f6glicherweise fremde, gar befremdliche Welt hineinf\u00fchren zu lassen. Und indem wir uns so f\u00fchren lassen, erkennen wir nicht allein \u2013 das k\u00f6nnte auch ein Zehnj\u00e4hriger auswendig lernen! \u2013 , sondern sp\u00fcren und vollziehen es selber, da\u00df uns das Evangelium auf eine andere Ebene bringt, in eine andere Welt f\u00fchrt, die von der Ebene und der Welt, in der wir leben, grunds\u00e4tzlich unterschieden ist. Indem uns das Evangelium ber\u00fchrt und bewegt, erfassen wir: Ja, nat\u00fcrlich, das ist nicht so zur Hand wie ein Markst\u00fcck f\u00fcr einen Bettler oder ein Satz \u00fcber den verregneten Sommer beim Friseur. Und es geht nicht so ein wie ein k\u00fchles Pils oder eine knackige Bratwurst. Indem das Evangelium uns Gottes Welt aufschlie\u00dft und in sie hineinf\u00fchrt, ist es anspruchsvoll, verlangt es uns etwas ab. Und w\u00e4re es auch nur dies, auch dann noch weiter hinzuh\u00f6ren, wenn ein Stichwort fiel, auf das hin wir normalerweise abschalten.<\/p>\n<p align=\"justify\">Wir wissen nicht, ob der Gel\u00e4hmte abschaltete, weil er nach diesem ersten Satz \u201ebedient\u201c war, oder ob er weiter hinh\u00f6rte. Allerdings macht es ihm Petrus auch leichter, indem er zupackt. Doch lassen Sie uns noch bei den Worten bleiben. Petrus f\u00e4hrt ja fort: \u201e&#8230;aber was ich habe, das gebe ich dir&#8230;\u201c Wieder stelle ich mir den Gel\u00e4hmten vor: Wie mag er diese Fortsetzung geh\u00f6rt haben \u2013 <i>wenn<\/i> er denn weiter zuh\u00f6rte? Wenn man ihm nicht geben kann, was er braucht, n\u00e4mlich ganz schlicht Geld f\u00fcr seinen Lebensunterhalt, was will man ihm dann noch bieten? Indem ich dem nachdenke, rutsche ich wie von selbst in unsere Zeit und frage mich, was wir Bettelnden anbieten und \u00fcberhaupt zu bieten haben? Ich will uns damit jetzt nicht aufhalten; die Antwort w\u00e4re sicher nicht mit einem Satz gegeben. Nur: K\u00f6nnen wir uns vorstellen, einem bettelnden Menschen merklich zu helfen mit dem, was wir au\u00dfer Geld zu geben verm\u00f6gen? Nochmals: was k\u00f6nnen wir \u00fcberhaupt anbieten, und was bieten wir? Ich pers\u00f6nlich bleibe an dieser Frage h\u00e4ngen \u2013 nicht ohne ein Erschrecken dar\u00fcber, wie stockend meine Antwort ausf\u00e4llt und wie m\u00fchsam es wird, wenn es nicht mehr in Mark und Pfennig ausgedr\u00fcckt werden kann.<\/p>\n<p align=\"justify\">Und was ist es, das Petrus \u201ehat\u201c, so da\u00df er es dem Gel\u00e4hmten geben kann? Das mag angesichts unseres Textes wie eine typische Studierzimmer-Frage klingen; ist es vielleicht auch. Nur: es \u00fcberrascht und erstaunt mich schon, mit welcher Selbstverst\u00e4ndlichkeit Petrus hier davon redet, da\u00df er das, was sodann erfolgen wird, \u201ehat\u201c \u2013 einfach so, \u201ehat\u201c wie man halt Geld im Portemonnaie hat. Je l\u00e4nger ich dem nachdenke, desto mehr befremdet es mich. Immerhin ist es eine bittere und zugleich gern vergessene Erfahrung der Kirchengeschichte, da\u00df die Kirche und ihre Vertreter dann, wenn sie Geistliches \u201ehatten\u201c oder zu \u201ehaben\u201c vermeinten, regelm\u00e4\u00dfig dabei waren, zu herrschen und damit ihren Herrn abzuschieben und zur blo\u00dfen Dekoration zu machen. Und Petrus \u201ehat\u201c einfach \u2013 ich gestehe: das \u00e4rgert mich. Nein, nicht weil ich es ihm neidete. Sondern weil mein theologisches Gewissen mir sagt: \u201eDas geht nicht! Geistliches hat man nicht, denn es ist niemals eine Habe!\u201c Und Petrus \u201ehat\u201c! Das fordert heraus.<\/p>\n<p align=\"justify\">Diese Herausforderung besteht und bleibt bestehen; eine \u201eL\u00f6sung\u201c gibt es nicht. Wir haben zu lernen: Die Apostel, sie \u201ehatten\u201c und <i>konnten<\/i> \u201ehaben\u201c, w\u00e4hrend das \u201eHaben\u201c nach ihnen regelm\u00e4\u00dfig zu Mi\u00dfbrauch verf\u00fchrte. Wieso das? Indem ich dieser Frage nachgehe, werde ich besch\u00e4mt und f\u00fchle mich klein. Denn sie hatten sich aus allem herausrufen lassen und waren Jesus ins Ungewisse gefolgt und lebten nun, nach Pfingsten, ganz und gar in seinem Dienst, hatten ihr ganzes Leben ihm anheimgestellt. Formelhaft geredet: Sie \u201ehatten\u201c, weil und indem der Herr seinerseits sie \u201ehatte\u201c, n\u00e4mlich zur uneingeschr\u00e4nkten Verf\u00fcgung. An dieser Stelle werde ich traurig und w\u00fcrde gerne \u201ekneifen\u201c: Wer unter uns kann von sich sagen \u201eMich hat der Herr zur uneingeschr\u00e4nkten Verf\u00fcgung\u201c? Zur Verf\u00fcgung: Ja, jedenfalls mehr oder weniger. Aber <i>uneingeschr\u00e4nkt <\/i>\u2013 ? Ihm zur Verf\u00fcgung so, da\u00df kein Rest bleibt? Gut, ich bin kein Apostel. Doch auch ich und auch wir sind zu seinen Zeugen berufen. Darum kaue ich darauf und m\u00f6chte es gerne zum Kauen weitergeben: zur <i>uneingeschr\u00e4nkten<\/i> Verf\u00fcgung \u2013<\/p>\n<p align=\"justify\">Au\u00dfer Geld zum Leben brauchte der Gel\u00e4hmte nat\u00fcrlich das eine, was ihm niemand geben konnte: gesunde Glieder. Die Aussicht auf sie wird er nach aller Erfahrung l\u00e4ngst begraben haben, obschon \u2013 Zu allen Zeiten haben Menschen von Wundern getr\u00e4umt: durch auf Erden wandelnde G\u00f6tter, durch Wunderm\u00e4nner, durch den Heiland, durch psychosomatische Medizin, durch die M\u00f6glichkeiten moderner Apparatemedizin, durch Gentechnik, durch Esoterik, durch Autosuggestion, durch&#8230; Sehnsucht nach Wundern und Wunderglaube sind vermutlich so alt wie die Menschheit. Wie viel oder wenig dieser Gel\u00e4hmte von Wunderglauben erf\u00fcllt war, wissen wir nicht; m\u00f6glicherweise hatte er auch l\u00e4ngst resigniert und seine <i>Tr\u00e4ume<\/i> von einem Heilungswunder ebenfalls hinter sich. Wie auch immer, sein Geschick hatte ihn zu Bescheidenheit verurteilt, zu jener Bescheidenheit, die jedem K\u00f6rperbehinderten auferlegt ist und deren H\u00e4rte man wohl niemals wirklich nachf\u00fchlen kann.<\/p>\n<p align=\"justify\">Dieses eine nun, was der Gel\u00e4hmte braucht: Exakt das ist es, was Petrus \u201ehat\u201c und ihm nunmehr gibt: \u201e\u201aIm Namen Jesu Christi von Nazareth steh auf und geh umher!\u2018 Und er ergriff ihn bei seiner rechten Hand und richtete ihn auf.\u201c Wieder stutze ich \u2013 diesmal \u00fcber die Selbstverst\u00e4ndlichkeit, mit der mir das Wort \u201eWunder\u201c durch den Kopf geht und mit der in Kommentaren und Auslegungen von \u201eWunder\u201c oder auch \u201eHeilungswunder\u201c die Rede ist. Ich stutze deswegen, weil wir mit diesem Wort im Grunde ein Schubfach aufgezogen bzw. eine Datei ge\u00f6ffnet haben: \u201eAch so, ein Wunder.\u201c Und \u00fcber Wunder wissen wir ja Bescheid: Doch, nat\u00fcrlich, es gibt Wunder. Nur diese Wunder, von denen die Bibel berichtet&#8230; Und dann beginnt die Verstandesm\u00fchle zu mahlen. Am Ende sind \u2013 um beim Bild zu bleiben \u2013 hier die Spreu und Spelzen, n\u00e4mlich die Ungl\u00e4ubigen, die das Wunder nicht wahrhaben wollen, und dort das ausgemahlene Mehl: die Frommen, die sich an Wunder klammern. Und die Ungl\u00e4ubigen sind die Vern\u00fcnftigen und die Gl\u00e4ubigen die wahren Christen \u2013 wie oft in der Geschichte der Kirche ist diese Sichtweise das Ergebnis von Wundern gewesen!<\/p>\n<p align=\"justify\">Und wie, wenn wir einfach versuchen, ohne dieses Wort auszukommen und damit ohne Schubfach und Datei und ohne die hier bereits gespeicherten Fragen, ob das denn denkbar w\u00e4re und ob man es nicht \u201enat\u00fcrlich\u201c erkl\u00e4ren k\u00f6nnte, und was dergleichen Gedankenspielereien mehr sind? Als ob es hier um ein oder um das Wunder ginge! Nein! Es geht vielmehr darum, da\u00df die Apostel, indem sie dem Herrn zur uneingeschr\u00e4nkten Verf\u00fcgung stehen, seine Macht und Herrlichkeit bezeugen und augenf\u00e4llig machen. Dazu sind sie da. Dazu \u2013 nicht um Wunder zu tun. Aber es schlie\u00dft Wunder ein, und es hat Wunder eingeschlossen, seit es eine Christenheit gibt. Indem Petrus diesem Mann im Namen Jesu Christi den Befehl gibt, aufzustehen und zu gehen und ihm dazu auf die F\u00fc\u00dfe hilft, l\u00e4\u00dft er erkennbar werden, da\u00df in Jesus Christus die Macht Gottes, des Sch\u00f6pfers, gegenw\u00e4rtig ist. L\u00e4\u00dft er aufscheinen, da\u00df in dem gekreuzigten und auferstandenen Jesus von Nazareth Gott selber uns nahe ist. Demonstriert er geradezu, da\u00df Jesus Christus Gottes Herrschaft vollzieht \u2013 ausgedr\u00fcckt durch die Himmelfahrt.<\/p>\n<p align=\"justify\">Nein, es geht nicht um das Wunder. Es geht darum, da\u00df die Apostel \u2013 und nach ihnen immer wieder Menschen, die Gott zur Verf\u00fcgung standen \u2013 mit der Vollmacht begabt wurden, etwas von der Souver\u00e4nit\u00e4t und Herrlichkeit des Gottessohnes zu erkennen zu geben.<\/p>\n<p align=\"justify\">Petrus hilft ihm also empor \u2013 und das Unerwartete und Unglaubliche geschieht: Der Mann kann stehen und gehen. Das ist das, was sich den Augen aufdr\u00e4ngt; aber \u00fcbersehen wir dabei nicht, wie das geschieht. Es geschieht n\u00e4mlich in der Form eines Befehls: Steh auf und gehe! Dieser Befehl wird begr\u00fcndet und als bevollm\u00e4chtigt erwiesen durch die Einleitung: Im Namen Jesu Christi von Nazareth. Auf diesen ausgesprochenen Befehl hin greift Petrus zu und hilft dem Gel\u00e4hmten oder vielmehr nunmehr Geheilten auf. Was daran so bemerkenswert ist? Ich m\u00f6chte es ein weiteres Mal sehr pers\u00f6nlich sagen d\u00fcrfen: Ich habe im Laufe meines Lebens manchen Befehl und manche Aufforderung im Namen Jesu Christi \u00fcber mich vernommen, und es war zuweilen auch durchaus jemand da, um mir auf die F\u00fc\u00dfe zu helfen. Nur: Wie oft hatte ich Gr\u00fcnde, gute Gr\u00fcnde, schlechterdings unwiderlegliche Gr\u00fcnden daf\u00fcr, zu bleiben, wo ich war und wie ich war. Und wer wie ich sich daran reibt und dadurch immer wieder bedr\u00fcckt ist, da\u00df Gott unsichtbar ist und im Ablauf unseres Alltags praktisch nicht zu erfahren, der mu\u00df dann \u2013 <i>ich<\/i> mu\u00df daraufhin vor mir selber schon der Frage standhalten, ob ich oft die Gelegenheiten vers\u00e4umt habe, Gott, seine Macht und seine Herrlichkeit in unserem Alltag zu erfahren.<\/p>\n<p align=\"justify\">Der Gel\u00e4hmte sagt ja nicht: Hat sowieso keinen Zweck, gib dir keine M\u00fche, aber es ist lieb gemeint! Sondern er l\u00e4\u00dft sich helfen und macht mit. Indem er das tut, <i>kann<\/i> er gehen, begleitet die Apostel nunmehr und lobt Gott. Damit ist er nat\u00fcrlich nachgerade ein Schauspiel: Was, der?! Der kann jetzt laufen?! Der ist jetzt gesund und dankt Gott daf\u00fcr?! Und es geschieht, was stets geschieht, wenn ein Wunder offenbar wird, die Zeit sei wundergl\u00e4ubig oder nicht: Man ist befremdet, verunsichert und \u00fcberaus neugierig. Wir sehen sie doch schier gaffen und staunen, haben das Gerede und Geraune schier in unseren eigenen Ohren, sp\u00fcren schier selber die Bewegung, die auf einmal im Tempel entsteht und die Atmosph\u00e4re bestimmt. Die Luft wird dicht und dick, man kann nicht glauben, was man sieht, aber man sieht, was man eigentlich gerne glauben w\u00fcrde, aber wieso und wieso gerade der \u2013 wir k\u00f6nnten die Szene und die Fragen und Gespr\u00e4che vermutlich auf der Stelle wie auf einer B\u00fchne spielen und sprechen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Man sieht nat\u00fcrlich, da\u00df dieser Mann sich an Petrus und Johannes h\u00e4lt: Die also haben den Schl\u00fcssel zum Geschehen in den H\u00e4nden. Von ihnen erwartet man jetzt eine Erkl\u00e4rung. Also will man sie h\u00f6ren. Daraufhin, da\u00df durch sie Jesus Christus offenbar wurde am Lebensgl\u00fcck eines vom Schicksal Geschlagenen, will man sie h\u00f6ren. Wieder werde ich des Nachdenkens \u00fcber diesen Bericht nicht froh. Denn abermals dr\u00e4ngt sich mir der Kontrast zu unserer Zeit und vor allem uns selbst so bedr\u00fcckend auf. Denn wir \u2013 Karikaturen machen das Entscheidende un\u00fcbersehbar; darum sei zum Schlu\u00df eine Karikatur gezeichnet: Wie oft und wie weitgehend entdecke ich mich und uns und unsere Kirchen dabei, zu reden, viel zu reden und durch vieles Reden zu versuchen, herbeizureden, was durch unser Handeln so wenig und so d\u00fcrftig erkennbar wird: die Herrlichkeit Jesu Christi. Wir machen Worte, und niemand will uns h\u00f6ren, will uns l\u00e4nger h\u00f6ren. Und wenn dann unter uns etwas von der Herrlichkeit des Herrn aufstrahlt \u2013 wie oft haben wir zuvor unsere Mitmenschen durch unser Gerede weggegrault und durch viele Worte davon \u00fcberzeugt, da\u00df bei uns nichts Sehenswertes zu finden sei!<\/p>\n<p align=\"justify\">Eine Karikatur, ich hab\u2019s angek\u00fcndigt, und es ist mir auch bewu\u00dft, da\u00df sie b\u00f6se ist. Aber ist sie \u2013 ich meine <i>als<\/i> Karikatur \u2013 ungerecht?<\/p>\n<p align=\"justify\">Zwei M\u00e4nner stehen auf seinen Ruf hin dem Herrn uneingeschr\u00e4nkt zur Verf\u00fcgung und verf\u00fcgen darin \u00fcber eine Habe, die ihnen die Vollmacht gibt, die Herrlichkeit Jesu Christi erkennbar zu machen und gespannt sein zu lassen auf ihre Worte. Dem ist nur noch hinzuzuf\u00fcgen:<\/p>\n<p align=\"justify\"><i>Gib uns der Apostel hohen, ungebeugten Zeugenmut, aller Welt trotz Spott und Drohen zu verk\u00fcnden Christi Blut. La\u00df die Wahrheit uns bekennen, die uns froh und frei gemacht; gib, da\u00df wir\u2019s nicht lassen k\u00f6nnen, habe du die \u00dcbermacht. <\/i>(EG 137,7)<\/p>\n<p align=\"justify\">Amen.<\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"justify\"><a name=\"hin\"><\/a>(*) Im Perikopenvorschlag endet der Text mit Vers 10. Warum man Vers 11 abgeschnitten hat, ist mir weder ersichtlich noch nachvollziehbar.<\/p>\n<p><b>Prof. Dr. Klaus Schwarzw\u00e4ller, G\u00f6ttingen<br \/>\n<a href=\"mailto:kschwarzwaeller@foni.net\">E-Mail: kschwarzwaeller@foni.net<\/a><\/b><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/breu.de\/cgi-bin\/01mcco.pl?j=2&amp;bn=neukirch&amp;f=000910-1.html&amp;r=r1&amp;w=\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>12. Sonntag nach Trinitatis | 10.09.2000 | Apostelgeschichte 3, 1-11(*) | Klaus Schwarzw\u00e4ller | Liebe Gemeinde, Almosen sind von alters her mit der Religion verbunden. An Kirchen, Tempeln, Moscheen trifft man daher auf Menschen, die in oder vor den T\u00fcren sitzen und betteln. 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