{"id":21354,"date":"2000-10-15T09:49:52","date_gmt":"2000-10-15T07:49:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21354"},"modified":"2025-04-18T17:15:55","modified_gmt":"2025-04-18T15:15:55","slug":"jesaja-49-1-6-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jesaja-49-1-6-8\/","title":{"rendered":"Jesaja 49, 1 &#8211; 6"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"font-family: Arial;\">17. Sonntag nach Trinitatis | 15. Oktober 2000 | Jesaja 49,1-6 <\/span><span style=\"font-family: Arial;\">| Heinrich Rusterholz |<\/span><\/h3>\n<ol type=\"1\">\n<li><span style=\"font-family: Arial;\">H\u00f6ret auf mich, ihr Gestade, und merket auf ihr V\u00f6lker, von fernher! Von Geburt an hat mich der Herr berufen, meinen Namen genannt vom Mutterschoss an. <\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial;\">Er machte meinen Mund wie ein scharfes Schwert, barg mich im Schatten seiner Hand; ermachte mich zum glatten Pfeil, versteckte mich in seinem K\u00f6cher. <\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial;\">Und sprach zu mir: Du bist mein Knecht, durch den ich mich verherrliche. <\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial;\">Ich aber sprach: umsonst habe ich mich gem\u00fcht, um nichts und nutzlos meine Kraft verzehrt; und doch &#8211; mein Recht ist bei dem Herrn und mein Lohn bei meinem Gott. <\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial;\">Nun aber spricht der Herr, der mich von Mutterleib an zu seinem Knecht gebildet, um Jakob zu ihm zur\u00fcckzubringen und Israel zu ihm zu sammeln &#8211; ja, ich bin geehrt in den Augen des Herrn und mein Gott ward meine St\u00e4rke -, <\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial;\">er spricht: Zuwenig ist es, dass du mein Knecht sein solltest, nur um die St\u00e4mme Jakobs aufzurichten und die Geretteten Israels zur\u00fcckzubringen; so will ich dich denn zum Lichte der V\u00f6lker machen, dass mein Heil reiche bis an das Ende der Erde.<\/span><\/li>\n<\/ol>\n<p align=\"right\"><span style=\"font-family: Arial;\">Z\u00fcrcher Bibel <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Liebe Gemeinde, <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Unsere evangelische Kirche kennt grossartige Menschen, historische Gestalten, die trotz Widerwertigkeiten treu ihre Aufgabe erf\u00fcllten. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\"><i>August Hermann Francke: <\/i>Dem sprachgelehrten theologischen Lehrer wurde aus Unverst\u00e4ndnis, Neid und Missgunst zun\u00e4chst viel Widerstand entgegengesetzt. Er hielt aus. Sein fester Glaube f\u00fchrte ihn weiter zu neuen Aufgaben. Durch die Gr\u00fcndung einer Armenschule gab er Anstoss zur Neugestaltung des gesamten Bildungswesens. Das machte ihn bekannt. Mit seinem sicht- und h\u00f6rbaren Zeugnis evangelischer Fr\u00f6mmigkeit fand er schliesslich Unterst\u00fctzung und pers\u00f6nliche Anerkennung. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Rauhere Wege wurden <i>z<\/i>wei sp\u00e4tere evangelische Glaubensgenossen gef\u00fchrt:<i>Johann Heinrich Pestalozzi<\/i> und <i>Henri Dunant. <\/i>Eine Anerkennung, wie sie Francke zuteil wurde, blieb ihnen zeitlebens versagt. Trotz Widerstand, Not und scheinbarem Misserfolg liessen sie vom einmal erkannten Auftrag nicht ab. Sie hielten durch und starben recht einsam und bed\u00fcrftig. Heute geniessen beide, der grosse P\u00e4dagoge und der Gr\u00fcnder des weltumspannenden Roten Kreuzes, ebenso weltweit Achtung und Verehrung. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Alle drei hielten fest an ihrer Berufung. Trotz aller Widerst\u00e4nde und hunderterlei Gr\u00fcnden resignierten sie nicht. Sie gingen ihren Weg zu Ende und blieben nicht auf halber Strecke stehen! <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Viele namenlose Christinnen und Christen verhalten sich gleich. Auch andere, ebenso tief \u00fcberzeugte Menschen, stehen treu zu ihrem Glauben und bekennen ihn \u00f6ffentlich und freudig. Doch pl\u00f6tzlich legt sich der Schatten eines scheinbaren Misserfolges auf ihr Gem\u00fct und sie beginnen an sich selbst zu zweifeln. Sie werden daran irre, dass sie ein so geringes Echo finden und f\u00fcr das, was sie erf\u00fcllt, kaum Anerkennung ernten. Eine Folge kann sein, dass sie sich resigniert und verbittert zur\u00fcckziehen, weil sie sich &#8222;umsonst gem\u00fcht haben&#8220;. Sie bleiben auf halber Strecke stecken. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Andere haben ihre Verantwortung f\u00fcr die gr\u00f6ssere Gemeinschaft aufgegeben. Sie beschr\u00e4nken sich auf den pers\u00f6nlichen Bereich und suchen eine Gemeinschaft \u00e4hnlich denkender Menschen. Im exklusiven Kreis finden sie ihre besondere Glaubenserfahrung best\u00e4tigt und geniessen die erwartete Anerkennung. Sie geben die Erf\u00fcllung ihres einmal erkannten Auftrages auf und geniessen die scheinbare Sicherheit der Best\u00e4tigung, die sie da erfahren. Auch sie bleiben auf halbem Wege stehen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Zu unterschiedlichen Zeiten stellte sich f\u00fcr sie alle die Frage: Soll und kann ich den mir bestimmten Weg zu Ende gehen? Oder ist es besser, ihn vorzeitig abzubrechen, sozusagen auf halber Strecke stehen zu bleiben? <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Im heutigen Text beschreibt Jesaja eine tiefe Krise der Gottesknechts. Damit f\u00fchrt er uns mitten hinein in das Dilemma des Menschen, dessen weiteres Schicksal auf Messers Schneide steht. Hautnah erleben wir seinen inneren Kampf. Gibt er auf? Bleibt er seinem Auftrag treu? <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Der Knecht Gottes ist nicht der Mensch, der sich selbst \u00fcberfordert, weil er eine ganz besondere Leistung vollbringen will. Im Gegenteil. Er bekennt: &#8222;F\u00fcr diesen Auftrag habe ich mich nicht selbst entschieden. Er ist mir von Mutterleib an \u00fcbertragen. Ich bin ergriffen. Ich kann nicht anders.&#8220; <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Trotzdem er in solcher Ergriffenheit seinen Auftrag gewissenhaft erf\u00fcllt, bleibt der erwartete Erfolg aus. Es gelingt ihm nicht, das Volk aufzurichten, ihm neue Hoffnung zu geben. Dessen Trauer \u00fcber das ungl\u00fcckliche Schicksal ist st\u00e4rker und bedr\u00fcckt es schwer. Es kann nicht h\u00f6ren. Es kann die Zeichen der Hoffnung nicht erkennen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Das hingegen bedr\u00fcckt nun ihn. Auch er sieht kaum Zeichen des Erfolgs. Keine Anerkennung wird ihm zum Lohn f\u00fcr seinen Einsatz. Diese bittere Erkenntnis kann er kaum wahrhaben. Es darf doch nicht sein, dass sein Einsatz im Auftrag des Herrn v\u00f6llig sinnlos gewesen ist! Das schmerzt. Hoffend, dass ihm wenigstens jemand Verst\u00e4ndnis entgegenbringt, schreit er seinen Schmerz hinaus in die weite Welt: &#8222;H\u00f6ret auf mich, ihr Gestade, und merket auf, ihr V\u00f6lker, von fernher!&#8220; Der Herr habe ihn gerufen, durch ihn wolle er sich verherrlichen, habe er gesagt, obwohl er als gehorsamer Knecht sich umsonst gem\u00fcht und vergeblich seine Kraft verzehrt habe. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Er ist der Resignation gef\u00e4hrlich nahe. Doch auf dem seelischen Tiefpunkt sp\u00fcrt er die fr\u00fche Ergriffenheit und bekr\u00e4ftigt in einem Atemzug sein Vertrauen: &#8222;Mein Recht ist bei dem Herrn&#8220;. Der Knecht will ja treu sein. Er will seinen Auftrag erf\u00fcllen. Er will seinem Dilemma entrinnen und schreit seine Verzweiflung hinaus bis er, zwischen Hoffen und Bangen, den Zuspruch vernimmt, der ihn der Resignation entreisst. Es ist ein aufrichtendes Wort, denn Gott macht ihn nicht verantwortlich f\u00fcr die ihn bedr\u00fcckende Erfolglosigkeit und mutet ihm, dem verunsicherten Knecht, wider Erwarten mehr zu und nicht weniger. In unerwarteter Weise nimmt Gott R\u00fccksicht und bestimmt seinen Knecht zu Aussergew\u00f6hnlichem. \u00dcber den engen Kreis seines Volkes hinaus beruft er ihn &#8222;zum Licht der V\u00f6lker&#8220;. Er gibt dem verzweifelten Knecht den entscheidenden Anstoss, \u00fcber Selbstmitleid und Schmerz hinauszukommen und sich nicht zu ergeben. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Gottes R\u00fccksicht erweist sich als Voraussicht f\u00fcr den Knecht, der beinahe an seinem Auftrag irre geworden ist. Der durch das Leiden seines Volkes tief aufgew\u00fchlte Knecht, bleibt nicht auf halber Strecke stehen. Er bleibt seiner Berufung treu. Gott ermutigt ihn dadurch, dass er ihm etwas zumutet, so wie das die Redensart ausdr\u00fcckt: Wer fordert, f\u00f6rdert. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Das in ihn gesetzte Vertrauen richtet den Knecht wieder auf und er erkennt im Wort Gottes die Kraft, die sein Leben von Anfang an durchzogen hat. Das erleichtert ihn entscheidend. Er kann sich freuen und sich durch Gottes Zumutung geehrt f\u00fchlen, dass er nicht allein dazu da sei, &#8222;die Geretteten Israels zur\u00fcckzubringen&#8220;. F\u00fcr ihn hat Gott das Ziel weiter gesteckt. Er ist dazu bestimmt, zum &#8222;Licht der V\u00f6lker&#8220; zu werden, damit Gottes Heil bis an das Ende der Erde bekannt werde. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Mit frischem Elan und dieser weitreichenden Perspektive geht er aus der Krise hervor und engagiert sich erneut. Er sichert dem Volk im babylonischen Exil die Bundestreue Gottes zu. Er, der mit seinem Volk alle H\u00f6hen miterlebt und mit ihm alle Tiefen durchlitten hat, ist eben doch der berufene Mann, sein Volk erneut zur Festigung der Gemeinschaft aufzurufen und ihm das Ende des Leidens und der Not anzuk\u00fcndigen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Die Depression der aus Jerusalem nach Babylon verschleppten einflussreichen Schichten, die F\u00fchrer, Handwerker, H\u00e4ndler und Offiziere ist verst\u00e4ndlich. Sie waren nicht nur ihrer Freiheit und der Privilegien beraubt. Sie waren auch dem sch\u00fctzenden Raum des Tempels entrissen und vom Rest des f\u00fchrungslos zur\u00fcckbleibenden Volkes getrennt. Um \u00fcberleben zu k\u00f6nnen mussten sie zudem v\u00f6llig ungewohnte Arbeiten verrichten und selbst Hand anlegen, um ver\u00f6dete Landstriche fruchtbar zu machen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Da ist es nur zu verst\u00e4ndlich, dass sich im Laufe der Jahre Aufl\u00f6sungserscheinungen zeigten und einzelne ihr Heil in der Anpassung suchten. Die religi\u00f6sen Bindungen an den Tempel l\u00f6sten sich nach und nach auf. Schon so fr\u00fch zeigte sich, dass in einer Gesellschaft, wo jeder selbst seines Gl\u00fcckes Schmid sein will, der Glaube der Gemeinschaft deren Alltag nicht mehr entscheidend pr\u00e4gt. Mehr noch: Es wurde deutlich, dass durch die zunehmende Individualisierung sowohl die religi\u00f6se als auch die politische die Einheit des Volkes h\u00f6chst zerbrechlich wird. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Offenbar ergeht es dem Volk, das an seinem Glauben festhalten will, \u00e4hnlich wie dem Knecht Gottes: Voller Angst, zutiefst ersch\u00fcttert und der Resignation nahe, sieht es sich als kleiner gewordene Gemeinschaft in scheinbar aussichtsloser Lage. Es sehnt sich zur\u00fcck nach Jerusalem. Es m\u00f6chte weg von dem Ort, aus dem kein Entfliehen m\u00f6glich ist. Beredten Ausdruck dieser inneren Lage geben seine gottesdienstlichen Klagen. Dort im Gottesdienstes war das Volk Israel unter sich und konnte seinem Schmerz freien Lauf lassen und um die Wiedererrichtung des Tempels flehen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Auf diese Klagen hatte der Gottesknecht geantwortet. Er, der Anfeindungen und Schm\u00e4hungen bisher &#8222;wie mit einem scharfen Schwert&#8220; entgegnen konnte, versuchte aus der Geborgenheit des &#8222;Schattens der Hand Gottes&#8220; heraus die Menschen wieder aufzurichten. Er, der erfahren hat, wie die N\u00e4he Gottes Anfeindungen ertr\u00e4glich macht, versicherte ihnen: Unsere R\u00fcckkehr steht unmittelbar bevor. Wir werden im eigenen Land erneut einander dienen und Gott wieder im Tempel opfern k\u00f6nnen! Wir haben allen Grund zu hoffen! <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Wir k\u00f6nnen mitf\u00fchlen. Die Lage des Volkes zwischen Hoffen und Bangen geht uns nahe. Haben wir nicht schon lange den Eindruck, dass der Bericht \u00fcber die Rettung des Gottesknechtes aus tiefer pers\u00f6nlicher Krise auch unsere eigene Situation gut erfasst? <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Wird hier nicht auch \u00fcber uns pers\u00f6nlich und \u00fcber unsere Kirche gesprochen? <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Spricht hier ein einzelner Mensch als Knecht Gottes oder gar das Volk? Viel wichtiger als darauf eine schl\u00fcssige Antwort zu haben ist f\u00fcr uns, dass wir in diesem Bericht uns selbst und unsere Kirche als wie in einem Spiegel wahrnehmen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Zwar erfreuen sich unsere Kirchen in Europa grosser Freiheit und sind fern der Leiden einer &#8222;babylonischen Gefangenschaft&#8220;. Dennoch erfasst die schwindende Zahl von Freiwilligen in den Gemeinden oder gar die Verantwortlichen in Kirchenkanzleien gelegentlich eine Stimmung, die der Resignation gef\u00e4hrlich nahe ist.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Das ist weiter nicht verwunderlich, denn f\u00fcr sie &#8211; und f\u00fcr uns alle &#8211; ist die Spannung zwischen ihrem Anspruch, als Volkskirchen f\u00fcr alle Menschen da zu sein, und der Gleichg\u00fcltigkeit der Mehrheit manchmal beinahe unertr\u00e4glich. Sie m\u00f6chten ihren Auftrag treu erf\u00fcllen und auch denen Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens geben, die nur nach Gott fragen, wenn sie ihn schuldig machen k\u00f6nnen f\u00fcr pers\u00f6nlichen Misserfolg.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Sie m\u00f6chten gerade diese Menschen f\u00fcr Gemeinschaft und Solidarit\u00e4t am Ort und weltweit gewinnen, die meist nur nach dem pers\u00f6nlichen Gl\u00fcck trachten.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Dazu kommt der zunehmende Druck durch die knapper werdenden Finanzen, die den Dienst in Seelsorge und Diakonie nicht mehr im gew\u00fcnschten Mass erlauben. Zur dr\u00fcckenden Last wird zudem, um nur noch einige Beispiele zu nennen: Die Aufgaben im Dienste von Familie, Bildung und Erziehung, der Schwund biblischer Kenntnis in der Gesellschaft, der Unterhalt kirchlicher Geb\u00e4ude, das schwindende Vertrauen in die Institutionen und damit auch in den Staat. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Hin- und hergerissen zwischen der oft brutalen Wirklichkeit und dem Anspruch, das Evangelium durch Wort und Tat zu bekennen, sp\u00fcren wir alle den schmalen Grat zwischen bedr\u00fcckender Resignation und freudiger Weiterarbeit. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Bereits resigniert haben die, die sich ausschliesslich auf die Bewahrung des anvertrauten Gutes beschr\u00e4nken. Das Wort an den Knecht Gottes sch\u00fctzt sie davor, auf halber Strecke stecken zu bleiben: Sie sollen sich gerade nicht auf den relativ engen Kreis der Kirche beschr\u00e4nken. Sie sind nach wie vor dazu bestimmt, ihren Dienst mit dem weiten Horizont zu tun, der sie &#8222;zum Licht er V\u00f6lker&#8220; werden l\u00e4sst. Mit solchem Bewusstsein sollen sie ihrer Berufung nachkommen, dass &#8222;das Heil des Herrn bis an das Ende der Erde reichen soll&#8220;.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Ob Gemeindeglied oder Pfarrer, wir alle kennen die ausserordentliche Spannung zwischen hoffnungsvollem Engagement und bedr\u00fcckender Resignation, zwischen starkem Glauben und grossen Zweifeln. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Die Erfahrung des Knechtes Gottes soll uns darin best\u00e4rken, nicht auf halbem Weg stehen zu bleiben, sondern den Weg weiterzugehen und im Glauben zu wachsen und keinesfalls an Zweifeln irre zu werden. Denn in seinem Ergehen zeigt sich, dass selbst der &#8222;von Mutterleib an Berufene&#8220; vor Zweifel nicht bewahrt ist, ja dass eigentlich nur an Gott zweifeln kann, wer tats\u00e4chlich mit ihm rechnet. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Wenn immer uns der eigene Misserfolg oder gar das eigene Scheitern an einer Aufgabe tief bedr\u00fcckt, dann d\u00fcrfen wir dieser Zusage gewiss sein und sie andern weitergeben: Als Christin, als Christ soll dir &#8222;der Himmel nicht auf den Kopf fallen&#8220;, denn du bist berufen, mit weitem Horizont aufzubrechen und &#8222;zum Licht der V\u00f6lker&#8220; zu werden. Denn seine Liebe gilt allen und deshalb gilt sie auch dir.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Wir d\u00fcrfen damit rechnen, dass Gott auch uns gelegentlich mehr zutraut, als wir uns selbst. Zudem entdecken wir unter Umst\u00e4nden gerade durch eine besondere Belastung neue F\u00e4higkeiten und werden frei, diese auch weiter zu entwickeln. Dabei d\u00fcrfen wir gewiss sein, dass Gott uns nicht an Erfolg oder Misserfolg misst. Er hat uns als seine Kinder und m\u00fcndige Menschen dazu bestimmt, nicht resigniert auf halber Strecke stecken zu bleiben, sondern unseren Weg zu Ende zu gehen und damit &#8222;zum Licht der V\u00f6lker zu werden&#8220;. Denn die Zusage Jesu gilt uns allen: &#8222;Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an das Ende der Welt&#8220;. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Amen.<\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"justify\"><b><span style=\"font-family: Arial;\">Pr\u00e4sident i.R. Pastor Heinrich Rusterholz<br \/>\nSpitalstr. 220<br \/>\nCH &#8211; 8623 Wetzikon<br \/>\n<a href=\"mailto:u-h.rusterholz@bluewin.ch\">E-Mail: u-h.rusterholz@bluewin.ch<\/a><\/span><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>17. 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