{"id":21360,"date":"2000-10-15T09:53:24","date_gmt":"2000-10-15T07:53:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/?p=21360"},"modified":"2025-04-17T09:22:18","modified_gmt":"2025-04-17T07:22:18","slug":"jakobus-21-13-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.theologie.uzh.ch\/apps\/gpi\/jakobus-21-13-6\/","title":{"rendered":"Jakobus 2,1-13"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"font-family: Arial;\"><span style=\"color: #0000a0;\">18. Sonntag nach Trinitatis | 22. Oktober 2000 |<\/span> Jakobus 2,1-13 |<\/span><span style=\"font-family: Arial;\"> Hans Joachim Schliep |<\/span><\/h3>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">&#8222;Liebe Br\u00fcder, haltet den Glauben an Jesus Christus, unsern Herrn der Herrlichkeit, frei von allem Ansehen der Person.<br \/>\n2 Denn wenn in eure Versammlung ein Mann k\u00e4me mit einem goldenen Ring und in herrlicher Kleidung, es k\u00e4me aber auch ein Armer in unsauberer Kleidung,<br \/>\n3 und ihr s\u00e4het auf den, der herrlich gekleidet ist, und spr\u00e4chet zu ihm: Setze du dich hierher auf den guten Platz! und spr\u00e4chet zu dem Armen: Stell du dich dorthin! oder: Setze dich unten zu meinen F\u00fc\u00dfen!,<br \/>\n4 ist&#8217;s recht, da\u00df ihr solche Unterschiede bei euch macht und urteilt mit b\u00f6sen Gedanken?<br \/>\n5 H\u00f6rt zu, meine lieben Br\u00fcder! Hat nicht Gott erw\u00e4hlt die Armen in der Welt, die im Glauben reich sind und Erben des Reichs, das er verhei\u00dfen hat denen, die ihn liebhaben?<br \/>\n6 Ihr aber habt dem Armen Unehre angetan. Sind es nicht die Reichen, die Gewalt gegen euch \u00fcben und euch vor Gericht ziehen?<br \/>\n7 Verl\u00e4stern sie nicht den guten Namen, der \u00fcber euch genannt ist?<br \/>\n8 Wenn ihr das k\u00f6nigliche Gesetz erf\u00fcllt nach der Schrift (3. Mose 19,18): \u00bbLiebe deinen N\u00e4chsten wie dich selbst\u00ab, so tut ihr recht;<br \/>\n9 wenn ihr aber die Person anseht, tut ihr S\u00fcnde und werdet \u00fcberf\u00fchrt vom Gesetz als \u00dcbertreter.<br \/>\n10 Denn wenn jemand das ganze Gesetz h\u00e4lt und s\u00fcndigt gegen ein einziges Gebot, der ist am ganzen Gesetz schuldig.<br \/>\n11 Denn der gesagt hat (2. Mose 20,13-14): \u00bbDu sollst nicht ehebrechen\u00ab, der hat auch gesagt: \u00bbDu sollst nicht t\u00f6ten.\u00ab Wenn du nun nicht die Ehe brichst, t\u00f6test aber, bist du ein \u00dcbertreter des Gesetzes.<br \/>\n12 Redet so und handelt so wie Leute, die durchs Gesetz der Freiheit gerichtet werden sollen.<br \/>\n13 Denn es wird ein unbarmherziges Gericht \u00fcber den ergehen, der nicht Barmherzigkeit getan hat; Barmherzigkeit aber triumphiert \u00fcber das Gericht.&#8220; <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial;\">Liebe Gemeinde! <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">&#8222;Frei von allem Ansehen der Person&#8220;. Diese Aussage spricht mich an. Ja, es ist gut, wenn Menschen so miteinander umgehen: Keine\/r wird zur\u00fcckgesetzt &#8211; keine\/r wird vorangesetzt. Niemand wird &#8222;hochgejubelt&#8220; &#8211; und niemand wird &#8222;niedergemacht&#8220;. Jede\/r wird gleich geachtet, alle haben die gleichen Rechte und Chancen, keine\/r stellt sich \u00fcber eine\/n andere\/n. Es wird endlich ernst damit gemacht, dass Menschen &#8211; bei allen Unterschieden &#8211; die gleiche W\u00fcrde zukommt. Was mich von anderen unterscheidet, begr\u00fcndet weder, dass ich besser, noch, dass ich schlechter bin. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Was meinen wir heute mit &#8222;Person&#8220;? Den ganzen Menschen in seinem Wesenskern, das, was er ganz f\u00fcr sich selbst ist, was ihn im Blick auf sich selbst und anderen gegen\u00fcber ausmacht, das Unantastbare und Unverf\u00fcgbare, das Ureigene, was einem menschlichen Wesen eignet. Als der Jakobus-Brief geschrieben wurde &#8211; etwa im Jahr 100 nach Christus &#8211; bezeichnete man als &#8222;persona&#8220; die Maske, die ein Spieler im Theater trug. Diese Maske zeigte in Trag\u00f6die, Kom\u00f6die oder Mysterienspiel, welche Rolle jemand gerade spielte. Dahinter konnten sich die Spielenden in ihrem besonderen Charakter verbergen. Ein ganz anderes Verst\u00e4ndnis von Person. Aber verbindet man das alte und das moderne Verst\u00e4ndnis von &#8222;Person&#8220;, wird der Sinn noch klarer. &#8222;Ohne Ansehen der Person&#8220; &#8211; das heisst: Schau&#8216; hinter die Maske in das wahre Gesicht, aber achte das Besondere, das Geheimnis dieses Menschen, seine\/ihre W\u00fcrde, lerne das Gesicht eines Menschen mit seinen sch\u00f6nen und h\u00e4sslichen Z\u00fcgen aushalten, vielleicht sogar lieben. Sich also von keiner Maske blenden lassen, ebenso wenig anderen die Maske vom Gesicht rei\u00dfen, um sie blo\u00dfzustellen. Auch freiwillige Selbstentbl\u00f6\u00dfung &#8211; wie in &#8222;Big Brother&#8220; &#8211; hat hier keinen Platz. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Die menschliche W\u00fcrde, sagt Immanuel Kant, ist der Wert, der keinen Preis kennt. Und das hat mit dem christlichen Glauben zu tun: Gott ist f\u00fcr alle Menschen da. Sie alle sind Gottes Gesch\u00f6pfe. Vor Gott sind alle Menschen gleich. Das ist sp\u00e4testens klar geworden, als Jesus Christus am Kreuz sein Leben hingab. Er starb nicht gegen irgendjemanden, sondern f\u00fcr uns alle. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">&#8222;Frei von allem Ansehen der Person&#8220;. Dieser Grundsatz geh\u00f6rt zu den Grundfesten unserer Kultur, vor allem unserer Rechtskultur: Urteile sind nur ohne Ansehen der Person zu f\u00e4llen. Was eine\/r wirklich getan hat, das allein ist ausschlaggebend. Alles andere interessiert nicht, wenn Recht wirklich Recht sein soll. Unsere Kultur speist sich aus mancherlei Str\u00f6mungen. Aus biblischer, j\u00fcdisch-christlicher Quelle aber entspringt ein unverwechselbarer, unversiegbarer Strom, der unaufhaltsam flie\u00dft: &#8222;&#8230;frei von allem Ansehen der Person&#8220;. Weil der Mensch ein gutes Ansehen bei Gott immer schon hat. Er muss es sich nicht erst erwerben. In der Taufe kommt zum Ausdruck, dass ihm W\u00fcrde, Freiheit und Sinn unverlierbar und unteilbar geschenkt sind. Begreifen wir als Kirche, welchen kulturellen Schatz wir pflegen im Sakrament der Taufe? Begreift unsere Gesellschaft, woher dieses Herzst\u00fcck unseres sozialen Lebens kommt: &#8222;&#8230;frei von allem Ansehen der Person&#8220;?! Nicht wegzudenken aus unserem gesellschaftlichen Leben &#8211; und nicht auszudenken, wenn man diesen Grundsatz wegdenkt. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Aber muss man denn dauernd wiederholen, was eigentlich allen klar ist, worauf alle wert legen &#8211; zumindest, wenn es um sie selbst geht, wie <i>sie<\/i> behandelt werden m\u00f6chten? Auch wenn wir&#8217;s schon oft geh\u00f6rt haben: Was da im Jakobus-Brief steht, ist unverzichtbar und muss immer wieder gesagt werden. Es ist ja auch in bitterer Erfahrung abgerungen. Denn das kann ich mir gut vorstellen, was da beschrieben ist: Kommt eine\/r, stattlich und hochm\u00f6gend, und wird an einen hervorgehobenen Platz gesetzt. Nun, auch in der christlichen Gemeinde gibt es VIP&#8217;s. Die sollen anst\u00e4ndig, angemessen behandelt werden. Wenn unsere Bisch\u00f6fin kommt, lasse ich sie nicht in der hintersten Ecke sitzen. Und Gleichheit ist nicht Gleichmacherei. Aber Werturteile soll ich damit nicht verbinden. Das w\u00e4re ein Urteil &#8222;mit b\u00f6sen Gedanken&#8220; (Vers 4)! <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Mich hat einmal ein Mensch tief beeindruckt, dessen scharfen Verstand und glasklares Urteil ich richtig gef\u00fcrchtet habe. Aber als er, der sich wegen einer Krankheit kaum noch b\u00fccken konnte, meine Kinder auf der Stra\u00dfe begr\u00fc\u00dfte, ging er so in die Knie, dass er ihnen in die Augen sehen konnte. Auf Augenh\u00f6he miteinander sein, darauf kommt es an. Seit dieser Begebenheit habe ich diesen Mann mit anderen Augen gesehen. Denn ich hatte mein Urteil \u00fcber diesen so klar Urteilenden schon fertig &#8211; und hatte mich in meinem Urteil, er sei ein harter, unzug\u00e4nglicher Mann, schon \u00fcber ihn erhoben. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Es geht also nicht nur um das \u00e4u\u00dfere Ansehen, wie es der Jakobus-Brief beschreibt. Es geht um subtile, kaum merkbare innere Regungen. Es geht auch um einen Blick in das Innere unseres kirchlichen Lebens. Der Verfasser des Jakobus-Briefes &#8211; vielleicht war er ein kenntnisreicher, erfahrener Kirchenvorsteher (Presbyter)? &#8211; wagt diesen Blick. Ich ertappe mich immer wieder, dass ich diejenigen, die besonders viel in der Gemeinde tun oder geben, in den Vordergrund schiebe. Sie verdienen es auch, wenn andere dadurch nicht abgewertet werden. Aber ich &#8211; ich \u00fcbersehe m\u00f6glicherweise die anderen, die einen stillen Dienst leisten. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Die christliche Gemeinde als Bew\u00e4hrungsfeld f\u00fcr einen Umgang miteinander, in der jede &#8222;Person&#8220; wirklich eine Rolle spielt, wirklich gleichgeachtet wird, gerade weil es zugeht &#8222;frei von allem Ansehen der Person&#8220;! Es ist keineswegs immer so. Aber es kann immer wieder so werden, wenn wir uns an Jesus Christus orientieren. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Was geh\u00f6rt neben die Bibel? Die Zeitung. Ich lese den Satz, der Glaube sei freizuhalten &#8222;von allem Ansehen der Person&#8220;. Und wenig sp\u00e4ter lese ich in meiner Tageszeitung (Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 14.10.2000, Seite 1), dass sich Deutschlands Datensch\u00fctzer f\u00fcr das &#8222;Recht auf Nichtwissen&#8220; als unverzichtbaren Teil des &#8222;Grundrechts auf informationelle Selbstbestimmung&#8220; ausgesprochen haben. Worum geht es konkret? Neuerdings verlangten britische Versicherungen, so wird berichtet, von einem neuen Kunden immer h\u00e4ufiger einen Gentest, bevor sie bereit seien, mit ihm eine neue Lebens- und Krankenversicherung abzuschlie\u00dfen. Die Datensch\u00fctzer verschlie\u00dfen sich nicht gegen versicherungs-\u00f6konomische Argumente. Aber sie halten es f\u00fcr inakzeptabel, wie die nordrhein-westf\u00e4lische Datenschutzbeauftragte Bettina Sokol zitiert wird, &#8222;dass man sich mit Hilfe eines Gentests als h\u00f6herwertiger Mensch pr\u00e4sentieren kann&#8220;. Sie warnt davor, dass sich Arbeitsplatzsuchende mit Hilfe eines Gentests Vorteile gegen\u00fcber Mitbewerbern verschaffen. Und Arbeitgebern, so die Datensch\u00fctzer, sei zu untersagen, bei Stellenbesetzungen einen Gentest zu verlangen. Machen die, wenn man es \u00fcberhaupt so sagen darf, &#8222;besseren&#8220; und &#8222;schlechteren&#8220; Gene &#8222;bessere&#8220; oder &#8222;schlechtere&#8220; Menschen? Da tut sich also ein hochaktuelles, hochbrisantes Konfliktfeld auf! <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">&#8222;Frei von allem Ansehen der Person&#8230;&#8220;. Auch ich kann versicherungs-\u00f6konomische Argumente nachvollziehen. Aber wenn ich ernst nehme, was da im Jakobus-Brief steht, kann ich die deutschen Datensch\u00fctzer nur unterst\u00fctzen. Der Mensch ist verantwortlich f\u00fcr das, was er aus sich macht. Billige Entschuldigungen sind keine Sache des christlichen Glaubens. Aber k\u00f6nnen wir verantwortlich gemacht werden f\u00fcr das, was uns mitgegeben ist von Anfang an, f\u00fcr unsere genetische Grundausstattung, auf die wir nun wirklich keinen Einfluss haben, die wir aus Gottes Hand empfangen? Was zu einem guten Teil unsere Unterschiede begr\u00fcndet, begr\u00fcndet in keiner &#8211; aber auch in gar keiner &#8211; Weise einen Unterschied in W\u00fcrde und Wert. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Wenn wir nun weiterlesen im 2. Kapitel des Jakobus-Briefes, dann scheint sich der Verfasser selbst zu widersprechen. Da werden &#8222;die Reichen&#8220; als Leute bezeichnet, &#8222;die Gewalt gegen euch \u00fcben und euch vor Gericht ziehen&#8220;, &#8211; und &#8222;die Armen&#8220; werden ganz nahe heranger\u00fcckt an das Reich Gottes. Wie ist das zu verstehen? <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Die Gratwanderung, die der Verfasser des Jakobus-Briefs da vollzieht, zeigt an, wie schwierig es unter uns Menschen, auch unter Christinnen und Christen ist, hier die Balance zu halten. Es f\u00e4llt uns einfach schwer, richtig zu urteilen und dabei das Gleichgewicht, die Augenh\u00f6he zu wahren. Darum wird die Gemeinde daran erinnert, wie sehr sie selbst, als &#8222;Arme&#8220;, die alles nur von Gott empfangen k\u00f6nnen, beschenkt ist mit der N\u00e4he Gottes. Und jetzt wei\u00df sie wieder: Die N\u00e4he Gottes in Jesus Christus achtet das Ureigene, Besondere eines jeden Menschen, sie l\u00e4sst die Unterschiede als Reichtum erkennen, aber sie macht Vorrangstellungen \u00fcberfl\u00fcssig. &#8222;Liebe deinen N\u00e4chsten wie dich selbst&#8220;. So wird hier Jesus zitiert. &#8222;Wie dich selbst&#8220; hei\u00dft dann: &#8222;er ist wie du&#8220;, im Glauben gleichen Ranges und Standes. Denn heiliger als durch die Taufe werden wir nicht. Sie bringt uns im Verh\u00e4ltnis zu uns selbst und zu den Menschen, die mit uns sind, ins Gleichgewicht. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Doch wie schnell wird unter Menschen dieses Gleichgewicht gest\u00f6rt?! Der Verfasser des Jakobus-Briefs orientiert sich an Jesus, der, ohne &#8222;die Reichen&#8220; abzuwerten, sich &#8222;den Armen&#8220;, den Unbeachteten und Ungeachteten, besonders zuwandte, sie aus dem Schatten ins Licht holte. So stellte er das Gleichgewicht wieder her, das unter Menschen, im Alltag und harten Gedr\u00e4nge des Lebens, schnell verloren gehen kann. Wenn das geschieht, dann sind Christenleute verpflichtet, wieder f\u00fcr Gleichgewicht und Augenh\u00f6he zu sorgen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Mit gro\u00dfem Erschrecken, mit tiefer Besch\u00e4mung erleben wir in diesen Tagen, wie die W\u00fcrde von Menschen wieder einmal mit F\u00fcssen getreten wird: die abscheulichen Angriffe und \u00dcbergriffe auf j\u00fcdische Friedh\u00f6fe und Synagogen in unserem Land. Ich dachte, das k\u00f6nnte nach der organisierten Unmenschlichkeit des Nazi-Systems nicht mehr vorkommen. Aber es h\u00f6rt und h\u00f6rt nicht auf! Es <i>muss<\/i>aufh\u00f6ren, dass unsere deutschen Mitb\u00fcrger\/innen j\u00fcdischen Glaubens so verletzt werden! Wir verstehen den Jakobus-Brief richtig, wenn wir uns auf- und herausfordern lassen, allen derartigen \u00dcbergriffen Einhalt zu gebieten! <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Zum Schluss werden in diesem Abschnitt des Jakobus-Briefes einige der &#8222;Zehn Gebote&#8220; zitiert. Sie gelten alle gemeinsam und in gleicher Weise. Kein Gebot ist wichtiger als das andere. Ich kann mir nicht das eine herausgreifen, das mir gerade gef\u00e4llt, und das andere vernachl\u00e4ssigen. Und diese Gebote stellen das &#8222;Gesetz der Freiheit&#8220; dar. &#8222;Gesetz der Freiheit&#8220;? Passt das denn zusammen: die Freiheit und das Gesetz? Engt nicht jedes Gesetz die Freiheit ein? <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Nur auf den ersten Blick! Die Gebote sind ein Beispiel daf\u00fcr, dass ich meine eigene Freiheit verliere, wenn ich die Freiheit der anderen missachte. Jeder \u00dcbergriff auf die Rechte anderer zieht meiner eigenen Freiheit und Sicherheit den Boden unter den F\u00fcssen weg. Denn dadurch kommt das Gleichgewicht aus dem Lot, gehen Verl\u00e4sslichkeit und Vertrauen verloren. Mir wird es am deutlichsten, wenn die Liebe zur Wahrheit verletzt, wenn &#8222;falsch Zeugnis&#8220; gegeben wird. Welcher Schaden ist entstanden, als in den letzten Wochen Uli Hoeness \u00fcber Christoph Daum herzog &#8211; und alles auf einer unwahren, sensationsl\u00fcsternen Pressemeldung beruhte?! Der Jakobus-Brief dr\u00fcckt das &#8211; im \u00fcbertragenen Sinn &#8211; so aus: Wo ich es an Barmherzigkeit fehlen lasse, an Herz und Einsicht f\u00fcr die Sache des anderen Menschen, ist &#8222;ein unbarmherziges Gericht&#8220; die Folge, fehlt es also auch an Herz und Einsicht f\u00fcr meine Sache. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Im Grunde wei\u00df das jede\/r. Es ist schlie\u00dflich eine Sache der Erfahrung und der vern\u00fcnftigen Einsicht. Aber sie muss immer wieder erkannt und auch eingesch\u00e4rft werden. Zur Freiheit geh\u00f6rt Gewissensbildung und Gewissensbindung. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">&#8222;Frei von allem Ansehen der Person&#8220;. Jesus Christus ist noch einen Schritt weitergegangen: Er hat von seiner eigenen Person abgesehen, hat sein eigenes Leben hingegeben. Damit wir in gutem Ansehen bei Gott stehen. Damit wir andere so ansehen und annehmen, wie es ihnen als Menschen Gottes zukommt &#8211; jenseits ihrer Masken, ihres \u00e4u\u00dferen Gehabes, sie weder gr\u00f6\u00dfer noch geringer machend als sie sind, umso mehr das Geheimnis ihres eigenen, besonderen Lebens achtend. Dieses Geheimnis steht bei Gott. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Amen.<\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\"><b>Hans Joachim Schliep<br \/>\nPastor am Ev. Kirchenzentrum Kronsberg<br \/>\nSticksfeld 6, 30539 Hannover<br \/>\nFon\/Fax: 0511 &#8211; 52 75 99<br \/>\n<a href=\"mailto:Hans-Joachim.Schliep@evlka.de\">E-Mail: Hans-Joachim.Schliep@evlka.de<\/a><\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\"><b>Anmerkung<\/b>: Es ist zu \u00fcberlegen, ob der ganze Text vorgelesen werden soll. In zwei vorgezogenen, allerdings nur nach Stichworten gehaltenen Predigten &#8211; am 15.10.2000 in der Ev.-luth. Marienkapelle Hannover-W\u00fclferode und in der Ev.-luth. St. Johanniskirche Hannover-Bemerode (mit vier Taufen im Gottesdienst: Kinder im Alter von 10, 8, 3 und 1) &#8211; habe ich ihn einmal bis Vers 9 und einmal nur bis Vers 4 vorgelesen und die jeweils fehlenden Verse dem Inhalt nach erg\u00e4nzt (&#8222;Gesetz der Freiheit&#8220;). Die Verse 10 bis 13 sind zwar dem Sinn nach klar, beim H\u00f6ren verwirren sie aber zun\u00e4chst doch und erschweren den Zugang, w\u00e4hrend Vers 8 und 9 noch Ankl\u00e4nge an das Evangelium Markus 12,28-34 hat. Der gedankliche Schl\u00fcssel zu diesem Text, der in der heutigen Situation homiletisch genutzt werden kann, liegt m. E. schon in Vers 1: &#8222;&#8230;frei von allem Ansehen der Person&#8220;. Durch diesen Ansatz- und Schwerpunkt verschieben sich aber die Gewichte in der Predigt zugunsten des ersten Teils.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>18. Sonntag nach Trinitatis | 22. 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